Dachwurz pflanzen, pflegen & vermehren

Verena
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Aufgewachsen bin ich auf einem kleinen, biologischen Nebenerwerbshof und nach meinem FSJ auf einer Ranch in Amerika habe ich angefangen, in Hohenheim Agrarwissenschaften zu studieren. Am meisten interessieren mich hier die Bereiche Boden, ökologische Landwirtschaft und Pflanzenwissenschaften. Zuhause verbringe ich viel Zeit in unserem Garten und wenn ich dort nicht zu finden bin, trifft man mich oft in der Küche, wo ich unser Obst und Gemüse zum Kochen und Backen verwerte.

Lieblingsobst: Auch wenn sie langweilig sind – Äpfel
Lieblingsgemüse: Paprika, Rote Bete, Zucchini, Weißkraut

Dachwurze sehen nicht nur besonders und schön aus. Sie sind dabei noch äußerst pflegeleicht und kommen selbst mit extremen Trockenperioden gut zurecht.

Sempervivum tectorum
Dachwurze bilden Blattrosetten aus, die schöne bodendeckende Polster bilden können

Dachwurze (Sempervivum tectorum) sind wahrscheinlich die bekannteste und in Gärten am häufigsten anzutreffende Hauswurz-Art. Sie zeichnen sich durch ihre Robustheit, die eher großen, gleichmäßigen Rosetten und die hohe Wüchsigkeit aus. Dank dieser überziehen sie ihren Pflanzort rasch mit einem ansehnlichen, niedrigen Polster.

Dachwurz: Blüte, Herkunft und Eigenschaften

Dachwurze sind auch unter den Namen Donnerwurz, Echte Hauswurz oder Dach-Hauswurz bekannt und zählen als Sukkulenten zu den Dickblattgewächsen (Crassulaceae). Das bedeutet, sie können mit extremer Trockenheit umgehen, da sie in ihren Blättern Wasser über längere Zeit speichern und zudem ihren Energiestoffwechsel entscheidend an wüstenähnliche Bedingungen angepasst haben. Ihre Heimat liegt aber nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, in einer Wüste, sondern hier in Europa. Man findet sie natürlicherweise in vielen Gebirgen wie den Alpen oder dem Kaukasus an felsigen, trockenen und sonnigen Standorten.

Dachwurz in den Bergen
Naturstandorte von Dachwurzen liegen häufig in den Bergen [Foto: Marco Barone/ Shutterstock.com]

Als immergrüne Stauden sind Dachwurze gut winterhart und bilden Blattrosetten mit einem Durchmesser von 4 bis 15 cm. Die Größe ist abhängig von Standort und Nährstoffangebot. Je größer dieses ausfällt, desto größer werden die Rosetten. Die Blattfarbe ist dabei abhängig von Sorte, Standortbedingungen und Jahreszeit, ist aber in den meisten Fällen grün bis rötlich-braun.

Dachwurze blühen nicht jährlich, sondern erst, nachdem sie einige Jahre als Rosette gewachsen sind. Dann beginnt der Spross mit den Blättern, sich meist 10 bis 30 cm, selten auch 50 cm, in die Höhe zu strecken. An seiner Spitze erscheinen zwischen Juli und August die oft rosa-rot gefärbten, sternförmigen Blüten. Mit der Blüte endet gleichzeitig das Leben einer Rosette, denn danach stirbt diese ab und verwelkt.

Das bedeutet aber nicht, dass die ganze Pflanze verloren ist. Dachwurze vermehren sich eigenständig über Ableger. Sie bilden also selbst kleine Tochterrosetten, die in der Umgebung der ursprünglichen Rosette zu wachsen beginnen. Blüht eine Rosette und stirbt danach ab, gibt es immer noch genug andere, die weiter wachsen, blühen und sich vermehren.

Blühender Dachwurz
Nur Rosetten, die geblüht haben sterben danach ab [Foto: LUIS CANDELAS/ Shutterstock.com]

Was ist der Unterschied zwischen Dachwurz und Hauswurz? Die Gattung der Hauswurze (Sempervivum) umfasst circa 60 Hauswurz-Arten. Die Dachwurz ist nur eine davon. Auch wenn die beiden Namen sehr ähnlich klingen, meint also Hauswurz die ganze Gattung Sempervivum und Dachwurz nur die Art Sempervivum tectorum.

Die schönsten Dachwurz-Sorten

Die Zahl der gezüchteten Dachwurz-Sorten ist nahezu unüberschaubar. Das liegt daran, dass Dachwurze von Spezial-Züchtern und Sammlern intensiv gezüchtet und mit den unterschiedlichsten Blatt- und Blütenfärbungen kultiviert werden. Die hier vorgestellten Sorten sind im Handel meist gut erhältlich und für Hobbygärtner geeignet.

  • ‘Atroviolaceum’: Die alte Sorte wurde schon 1929 erstmals erwähnt. Ihre Besonderheiten sind große Rosetten und Blätter, die von Grün in ein Rot-violett übergehen.
  • ‘Metallicum Giganteum’: Bei ‘Metallicum Giganteum’ handelt es sich um eine Sorte, die sehr große Rosetten bildet. Die Blattfärbung reicht von Grün bis metallisch Rot-braun.
  • ‘Othello’: Bei ‘Othello’ handelt es sich um eine rote Dachwurz. Obwohl die Blätter meist nicht das ganze Jahr über tiefrot, sondern zeitweise auch grün sind.
  • ‘Noir’: ‘Noir’ ist eine Dachwurz-Hybride, die sich durch grüne Blätter mit deutlich dunkleren, eher rötlichen Blattspitzen auszeichnet. Die roten Blüten stellen zur Blütezeit ebenfalls einen Blickfang dar.
Dachwurz mit roten Blattspitzen
Einige Sorten der Dachwurz haben rote Blätter oder Blattspitzen [Foto: Ivan Marjanovic/ Shutterstock.com]

Dachwurz pflanzen: Standort und Vorgehen

Dachwurzen gedeihen nach der Erfahrung von Staudengärtnern in Steinanlagen, Steinfugen, Mauerkronen oder im Alpinum. Auch in der Natur findet man Dachwurze meist an vollsonnigen, trockenen, warmen und felsigen Standorten. Schatten, Feuchte und normale Gartenerde mögen Dachwurze hingegen gar nicht. Diese Bedingungen gilt es im Garten so gut wie möglich zu erreichen. Daher sind Dachwurze als Steingartenpflanzen oder zur Begrünung von Dächern besonders gut geeignet. Man kann Dachwurze aber ebenso in Schalen pflanzen oder in der Wohnung halten. Noch mehr Ideen zu Pflanzgefäßen für Dachwurze sowie einige geeignete Pflanzpartner finden Sie in unserem Artikel zum Pflanzen und Pflegen von Hauswurzen.

Dachwurz auf sonnigem Felsen
Der ideale Standort für Dachwurze ist sonnig, felsig und trocken [Foto: Matteo Gabrieli/ Shutterstock.com]

Welche Erde eignet sich für Dachwurze?
Sempervivum tectorum bevorzugt ein sehr durchlässiges, eher saures Substrat. Dachwurze wachsen auch gut in sehr nährstoffarmen Substraten, danken einem größeren Nährstoffangebot aber mit größeren Rosetten. Diesen Ansprüchen wird man zum Beispiel gerecht, indem man unsere Plantura Bio-Universalerde im Verhältnis 1:1 mit Blähton oder Kies mischt. Unsere Erde ist torffrei und besteht zu 100 % aus natürlichen Inhaltsstoffen. Dadurch wird bei ihrer Herstellung im Vergleich zu herkömmlichen Pflanzerden rund 60 % weniger CO2 ausgestoßen. Alternativ kann man auf hochwertige Sukkulentenerde zurückgreifen.

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Vorgehen beim Einpflanzen von Dachwurzen

  1. Wenn die Pflanze, die Sie erworben haben, schon mehrere Rosetten besitzt, können Sie diese vor dem Einpflanzen getrost abtrennen und separat pflanzen. So spart man nicht nur Geld, die Jungpflanzen haben auch ausreichend Platz und Flächen werden schneller überwachsen.
  2. Vor dem Einpflanzen der Dachwurze sollte sichergestellt werden, dass Wasser gut nach unten abfließen kann. In Pflanzgefäßen und normalem Gartenboden erreicht man dies durch eine Drainageschicht in der Tiefe. Sie kann zum Beispiel aus Kieselsteinen, Tonscherben oder Split bestehen und darf Ihr Pflanzgefäß gut bis zur Hälfte füllen.
  3. Auf die Drainageschicht folgt Ihr grobes Pflanzsubstrat, das leicht angefeuchtet, aber auf keinen Fall nass sein sollte.
  4. Bedecken Sie die Beetoberfläche nun flächig mit Steinen und pflanzen die Dachwurze ein. Dabei sollte man einen Pflanzabstand von circa 20 cm einhalten und die Rosetten lieber etwas höher setzen. Die obere Steinschicht verringert die Wahrscheinlichkeit, dass die unteren Blätter zu faulen beginnen.
Dachwurz auf einem Stein
Sogar auf Steine können Dachwurze gepflanzt werden [Foto: Manfred Ruckszio/ Shutterstock.com]

Tipp: Wenn Sie Ihre Dachwurz auf Stein pflanzen, bedeutet Einpflanzen meist nur ein flaches Auflegen in eine Mulde, die mit etwas Substrat gefüllt ist, und ein leichtes Andrücken.

Die richtige Pflege

Fühlen sich Dachwurze an Ihrem Standort wohl, beschränkt sich die Pflege von Dachwurzen auf ein Minimum. Gießen muss man sie selbst während extremer Trockenperioden meist nicht. Nur im Topf gehört es in regelmäßigen Abständen zur richtigen Pflege von Dachwurzen. Gießen Sie aber erst dann, wenn sich die Erde auch 1 cm unter der Oberfläche trocken anfühlt.

Dachwurz an einer Wand
Draußen müssen Dachwurze eigentlich nicht gegossen werden [Foto: Dietrich Leppert/ Shutterstock.com]

Sempervivum tectorum ist eine der wenigen Hauswurz-Arten, die etwas nährstoffhungriger ist. Zur Pflege von Dachwurzen kann also eine jährliche Düngung gehören. Der beste Zeitpunkt dafür ist im Frühjahr. Achten Sie darauf, einen Langzeitdünger zu verwenden, der dem erhöhten Kaliumbedarf von Dachwurzen entspricht. Das trifft zum Beispiel auf unseren Plantura Bio-Tomatendünger zu. Er ist zusätzlich zu 100 % tierfrei und unbedenklich für Haus- und Gartentiere.

Da die Rosetten von Dachwurzen nach der Blüte absterben und nicht mehr schön aussehen, können verblühte Rosetten einfach entfernt werden. Wichtig ist, dass man vor der Blüte die Bildung von Tochterrosetten zugelassen hat, damit die Pflanze dem Garten weiterhin erhalten bleibt.

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Ist Dachwurz winterhart?

Da sie Temperaturen bis – 34 °C vertragen, sind Dachwurze gut winterhart.
Probleme kann es nur in feuchten Wintern geben, denn bei Nässe beginnen die Blätter von Dachwurzen schnell zu faulen. Achten Sie aus diesem Grund darauf, dass sich bei Dachwurzen in Schalen und Töpfen kein Wasser sammelt und bei Hauswurzen im Garten eine gute Drainage gewährleistet ist.

Dachwurz im Winter
Kälte macht Dachwurzen nichts aus [Foto: Iuliia Kudrina/ Shutterstock.com]

Dachwurz vermehren

Das Vermehren von Dachwurzen kann sowohl über Ableger als auch über Samen geschehen. Dabei ist der Weg über Ableger deutlich einfacher. Wer sich trotzdem für das Vermehren von Dachwurzen über Samen interessiert, findet das genaue Vorgehen in unserem Übersichtsartikel zu Hauswurzen.

Werden Dachwurze über Ableger vermehrt, handelt es sich bei den Tochterrosetten um genetische Klone der Mutterrosette. Sie werden also nahezu genauso aussehen. Der beste Zeitpunkt zum Vermehren über Ableger ist im Frühjahr. Es ist aber bis in den Herbst hinein möglich.

  1. Bereiten Sie den neuen Standort für Ihren Dachwurz-Ableger wie oben beschrieben vor.
  2. Trennen Sie eine Blattrosette vorsichtig von den restlichen ab, indem Sie sie mit den Fingern auseinanderziehen. Auch ein steriles Messer kann zum Durchtrennen von verbindenden Spross- und Wurzelstücken verwendet werden.
  3. Versuchen Sie, so viele Wurzeln wie möglich mit dem Ableger herauszuziehen. Das erleichtert dem Dachwurz-Ableger später das Anwachsen. Aber keine Angst, wenn Ihr Ableger nur wenige Wurzeln behalten hat. Dachwurze sind in der Lage, relativ schnell neues Wurzelwerk auszubilden.
  4. Pflanzen Sie den Ableger an seinem neuen Standort ein und gießen Sie ihn leicht an. Achten Sie darauf, dass die Rosette nicht zu tief, sondern am besten auf einer Schicht Steine liegt.
Dachwurz-Rosette
Beim Vermehren von Dachwurzen über Ableger, werden einzelne Rosetten verpflanzt [Foto: Nataliia Melnychuk/ Shutterstock.com]

Giftigkeit und Verwendung als Heilpflanze

Grundsätzlich werden Dachwurze als ungiftig eingestuft. Das gilt sowohl für Menschen als auch für Tiere. Wie bei allem gilt jedoch, dass ein übermäßiger Verzehr zu Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen führen kann.

Schon lange werden Dachwurze als Heilpflanze kultiviert. Sie sind außerdem die wissenschaftlich am besten untersuchte Sempervivum-Art. So konnten in Studien einige Heilwirkungen von Dachwurzen belegt werden. Die Wirkung von Dachwurzen kann unter anderem schmerzlindernd, antioxidativ oder entzündungshemmend sein. Meist wird Sempervivum aber nur äußerlich angewendet, zum Beispiel in Salben oder indem man den Pflanzensaft auf betroffene Stellen gibt.

Dachwurz auf Dachziegeln
Früher glaubte man, dass ein Dachwurz auf dem Dach vor Blitzeinschlag schützt [Foto: taleksandar/ Shutterstock.com]

Eine Staude, die ebenfalls als Heilpflanze kultiviert werden kann und trockenheitsverträglich ist, ist der Heilziest (Stachys officinalis). Er braucht zwar etwas mehr Wasser als Dachwurze, blüht dafür aber jährlich und kann auch zum Färben von Stoffen verwendet werden.

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