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Blackbox Gardening: Vorteile, Nachteile & Vorgehen

Blackbox Gardening ist einer der neuen Trends beim Gärtnern. Doch was hat es mit dem Blackbox Gardening überhaupt auf sich? Warum lohnt sich diese Methode, wie kann man sie erfolgreich betreiben und welche Pflanzen können verwendet werden?

Bunter Blackbox-Garden
Ein Blackbox-Garden wird von ganz allein natürlich schön – mit etwas Geduld [Foto: Lorenza Marzocchi/ Shutterstock.com]

Wenn sich die Pflanze ihren eigenen Standort aussucht und man keine oder nur wenig Arbeit im Garten erledigt, hat das wenig mit dem traditionellen Gärtnern zu tun. Wir zeigen Ihnen die andere Art der Gartenphilosophie – das Blackbox Gardening – und erläutern, wie wir und die Natur davon profitieren können.

Was ist Blackbox Gardening?

Blackbox Gardening ist ein etwas unkonventioneller Weg, den Garten mit Pflanzen auszustatten und zu gestalten. Das Wort „Blackbox“ (engl. „schwarzer Kasten“) stammt aus der Systemtheorie und meint ein geschlossenes, eigentlich sehr komplexes System, das aber nur von außen betrachtet und nicht im Inneren ergründet wird.

Ein häufig auftretendes Sprichwort im Zusammenhang mit diesem Trend lautet: „Der Gärtner denkt, die Pflanze lenkt.“

Stuhl im bunten Garten
Ein nettes Beobachtungsplätzchen – im Blackbox-Garden wird mehr beobachtet als eingegriffen [Foto: Christine Kuchem/ Shutterstock]

Blackbox Gardening: Eine Definition

Auf den Garten übertragen bedeutet die Blackbox Folgendes: Wir sehen die Pflanzengemeinschaft als ein System, das sich selbst organisiert, während wir nur als Initiator und Beobachter auftreten. Zwar werden im Voraus unter Einbeziehung der Standortbedingungen Pflanzen in den Garten eingebracht. Doch welche dieser Pflanzen sich halten können und wohin sie sich verbreiten – diese Entscheidungen werden nicht vom Gärtner getroffen. Sie ergeben sich daraus, wo sich die jeweiligen Pflanzen am wohlsten fühlen. Dafür, dass die Pflanzen ihren Standort wechseln und somit „wählen“ können, sind sich selbst versamende Pflanzen das tragende Element.

Selbstverständlich werden jedoch auch im Blackbox Gardening die Rahmenbedingungen im Voraus abgesteckt – etwa die Beetgrößen und die generelle Aufteilung des Gartens. Und natürlich ist es abweichend von einer puren „Blackbox“ im Garten auch immer möglich, regulierend einzugreifen. Wie sich das Blackbox Gardening im Garten konkret umsetzen lässt, zeigen wir Ihnen im Folgenden.

Nahaufnahme einer Samenpflanze
Im Blackbox Gardening spielen Samenpflanzen eine wichtige Rolle – sie verbreiten und vermehren sich selbst [Foto: ang intaravichian/ Shutterstock.com]

Tipp: Sie können natürlich auch eine klassische Gartenanlage mit dem System des Blackbox Gardening kombinieren. Es bietet sich beispielsweise an, ein „Strukturgerüst“ aus Gehölzen zu formen und die dazwischenliegenden Flächen nach dem Blackbox-System zu füllen.

Vorteile des Blackbox Gardening

Das Gärtnern nach dem Blackbox-System bringt einige klare Vorteile mit sich:

  1. Beim Blackbox Gardening ist wenig Zeitaufwand nötig, Pflanzarbeit und Beetpflege im Rahmen der Anlage entfällt zu großen Teilen.
  2. Die Kosten, um mit einem solchen Gartensystem zu starten, sind vergleichsweise gering, da anfangs viel mit Samen gearbeitet wird.
  3. Auch ohne viel Pflanzenwissen ist letztlich eine standortgerechte Bepflanzung möglich, da die Auswahl der Pflanzen sich selbst anhand des Standortes regelt.
  4. Auch heimische Pflanzen werden sich von ganz allein ansiedeln und vermehren, wodurch wiederum die heimische Insektenwelt unterstützt wird.
  5. Die überlebenden Pflanzen sind gesund, während für den Standort ungeeignete Pflanzen nicht künstlich am Leben erhalten werden und verschwinden.
  6. Es gibt eine jährliche Überraschung, welche Pflanzen im kommenden Jahr wieder auftreten oder sich sogar vermehrt haben. Dadurch kommt es im Garten zu einer fortlaufenden natürlichen Veränderung.
weiß blühender Löwenzahn
Der weiß blühende Japanische Löwenzahn versamt sich zuverlässig selbst [Foto: High Mountain/ Shutterstock.com]

Tipp: Das Blackbox-Gardening-Prinzip lässt sich besonders gut auf Flächen anwenden, die sonst nicht sinnvoll verwendet werden und nicht gewässert oder gemäht werden können oder sollen. Manche bezeichnen Blackbox-Beete deshalb auch als „Lückenfüller-Beete“.

Nachteile des Blackbox Gardening

Doch auch einige klare Nachteile kann man beim Blackbox-Gardening feststellen:

  1. Blackbox Gardening erfordert Geduld: Gerade wenn mit wenig Pflanzenwissen gestartet wird, könnte der Garten in den ersten Jahren etwas lückig und kränklich aussehen – bis sich einige gut gedeihende Pflanzen durchsetzen oder Sie beim Ausbringen von Saatgut ein glücklicheres Händchen haben.
  2. Die lange Wartezeit bis zum fertigen Blackbox-Garten verführt dazu, früher in das System einzugreifen – was nur in begrenztem Rahmen sinnvoll ist.
  3. Wildpflanzen können eine Bereicherung, aber auch eine Plage werden. Wenn sie alle anderen Pflanzen überwuchern, muss regulierend eingegriffen werden.

Im Anfangsstadium wird der Garten daher noch etwas leer oder unordentlich aussehen – die Belohnung für die lange Wartezeit stellt sich dann aber Jahr für Jahr zunehmend ein. Durch eine Kombination von geplanten und sich selbst verwaltenden Bereichen können Sie sich diese Durststrecke versüßen.

violette Blumen im Garten
Ein etwas „wilderes“ Stück im Garten kann auch dekorativ aussehen [Foto: aminkorea/ Shutterstock.com]

So sollte man beim Blackbox Gardening vorgehen

Blackbox Gardening kann zum Einsatz kommen, wenn Sie Ihren Garten gerade neu anlegen oder wenn Sie Flächen anders und neu gestalten möchten. Auch ist es natürlich ein interessantes Beobachtungsobjekt und damit etwas für experimentierfreudige Gärtner. So gehen Sie vor:

  1. Standort analysieren: Ist es trocken, warm, feucht, kalt, sonnig, schattig, halbschattig? Welche Bodenart liegt vor? Möglicherweise lohnt es sich neben der Bestimmung der Bodenart auch, den Säuregrad des Bodens zu bestimmen. Ausgehend von diesen Informationen können Pflanzen und Samen für den Start ausgewählt werden.
  2. Grundstrukturen schaffen: Beete abstecken, eventuell Gehölze pflanzen. Wege, Hecken, Steinwälle oder andere feste Elemente finden jetzt ihren Platz.
  3. Boden vorbereiten: Lockern Sie die freien Flächen, bringen Sie bei Bedarf Kompost oder Mulchmaterial ein und entfernen Sie unerwünschte Pflanzen wie wucherndes Unkraut.
Vorbereitungen für den Blackbox Garden
Wie auch bei der normalen Bepflanzung steht am Anfang die Vorbereitung [Foto: Paul Maguire/ Shutterstock.com]
  1. Pflanzenwahl: Wählen Sie ausgehend von den Standortbedingungen Pflanzen und Saatgut aus. Im Blackbox Gardening sind Samen von besonderer Bedeutung. Einjährige Sommerblumen sind ebenso wie Stauden und kleine Gehölze möglich. Viele Stauden- und Samengärtnereien bieten sogar Blackbox-Starter-Pakete für verschiedene Standorte an. Ein guter Start für eine sonnige Fläche sind auch unsere Plantura Premium Insektenweiden, welche niedrige, blühende Sommerblumen und Stauden enthalten. Mit den Saatgut-Mischungen können Sie Bienen, Schmetterlingen und Nützlingen Nahrung und Zuflucht bieten.
  2. Aussaat: Verteilen Sie die Pflanzen und Samen an verschiedenen Stellen im Garten, sodass sich von selbst herausstellt, wo sie am besten wachsen. Beachten Sie dabei aber, dass einige Pflanzen gern in Gruppen, andere am liebsten ganz für sich wachsen.

Tipp: Es ist sinnvoll, die Stellen zu markieren, an denen Samen ausgebracht wurden. So können Sie die keimenden Pflanzen später von Unkraut unterscheiden und reißen sie nicht versehentlich aus.

farbenfrohe Blumenwiese
Blumenwiesen sind eine gute Basis: Farbenfroh mit viel Gesumm [Foto: Juergen Bauer Pictures/ Shutterstock.com]
  1. Pflege nach der Aussaat: Nun heißt es wässern und abwarten. Einige Samen benötigen möglicherweise länger, um zu keimen – achten Sie darauf, dass sie in der Zwischenzeit nicht von unerwünschtem Unkraut überwachsen werden. Schöne und nützliche Wildpflanzen, die Ihnen gefallen, dürfen aber natürlich einen Platz im Garten erhalten.

Geeignete Pflanzen für das Blackbox Gardening

Einige für das Blackbox-Gardening geeignete Pflanzen möchten wir Ihnen abschließend noch vorstellen:

  • Akelei (Aquilegia spec.): Breitet sich schnell aus und die Blüten erinnern an einen Feenwald.
lila Blüten der Akelei
Zauberhafte Blüten der Akelei [Foto: Frithjof Moehle/ Shutterstock.com]
  • Habichtskraut (Hieracium aurantiacum): Vermehrt sich auch durch Ausläufer; lange Blüte; hält lange Trockenperioden aus.
Nahaufnahme vom Habichtskraut
Durch unterirdische Ausläufer breitet sich das Habichtskraut aus [Foto: Markus Bender Medien/ Shutterstock.com]
  • Ringelblume (Calendula): Darf in einem naturnahen Garten nicht fehlen, denn sie versamt sich fleißig und bietet Insekten ein reiches Buffet.
  • Stockrosen (Alcea): Die langen Blütenstängel bevorzugen einen windgeschützten Standort.
Stockrosen im Garten
Stockrosen blühen erst ab dem 2. Jahr [Foto: Carina-Foto/ Shutterstock.com]
  • Zierlauch (Allium): Blütenkugeln locken Insekten an, Vermehrung über Zwiebeln.
Nahaufnahme eines Zierlauchs
Die verschiedenen Arten des Zierlauchs blühen in unterschiedlichen Farben [Foto: Nicolette_Wollentin/ Shutterstock.com]

Eine Blumenwiese auszusäen ist ebenfalls eine pflegeleichte und natürliche Art, den Garten anzulegen. Wie Sie dabei vorgehen und welche Pflanzen auch für Insekten eine gute Wahl sind, erfahren Sie in unserem Spezial-Artikel.

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