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Die Wissenschaft des richtigen Düngens

Richtig Düngen: Wir geben Tipps zur Düngerwahl und wie Sie Ihre Pflanzen optimal mit Nährstoffen versorgen.

organischer Dünger Pelettform in Hand

Organische Düngung ist die schonendste Art Ihren Boden mit Nährstoffen zu versorgen [Foto: Doug BeckersCC BY-SA 2.0]

Ja, tatsächlich machen einige Gärtner eine Wissenschaft aus der Ernährung Ihrer Pflanzen. Meistens ist der Grund dafür, dass wir auf andere wichtige Wachstumsfaktoren wie das Licht und die Temperatur wenig Einfluss haben. Deswegen soll es den Pflanzen bei der Nährstoffversorgung an nichts mangeln. Das nutzt natürlich auch der Handel aus: Es gibt quasi für jede Pflanzenart einen speziellen Dünger. Aber braucht der Hobbygärtner wirklich für jede Pflanze einen unterschiedlichen Dünger? Dieser Frage werden wir hier neben vielen weiteren nachgehen.

Die Basics

Pflanzen brauchen für ihr Wachstum Mineralstoffe, zum Beispiel ist der Stickstoff extrem wichtig für die Bildung von Proteinen. Neben Stickstoff gehören Kalium und Phosphat zu den grundlegenden Nährstoffen einer Pflanze. Deswegen werden diese drei Nährelemente auf jedem Dünger angegeben (N-P-K). Ein ausgeglichener Dünger, der für die meisten Pflanzen perfekt ist, könnte zum Beispiel folgendes Nährstoffverhältnis haben: 12N-8P-18K. Daneben braucht eine Pflanze noch Magnesium, Schwefel, Zink und viele weitere Mineralien, zu denen auch Spurennährstoffe gehören. Und hier ist der erste Plantura Tipp: Billige Baumarktdünger enthalten oft keine Spurennährstoffe. Diese Dünger eignen sich aber trotzdem für Beetpflanzen. Denn Spurennährstoffe sind in den meisten Böden in ausreichender Menge vorhanden. Für Topfpflanzen sollten nur hochwertige Dünger mit Spurenelementen gekauft werden. Denn Spurenelemente können bei einer langjährigen Topfkultur schon mal zu Neige gehen.

Übrigens brauchen gesunde und vitale Pflanzen keine Blattdüngung. Diese ist nur zu empfehlen, wenn eine Pflanze deutlichen Nährstoffmangel hat.

Nährstoffmangel Blatt Düngung

Typischer Eisenmangel: Blatt wird chlorotisch gelb, die Blattadern bleiben aber grün [Foto: Scot Nelson]

Organischer Dünger

Die wohl schonendste Art zu düngen, ist die Düngung mit organischen Düngern. In der Praxis gehören dazu vor allem Kompost, Guano, Schafwollpellets und Hornspäne. Bei den biologischen Düngern sind die Mineralstoffe gebunden und für die Pflanze nicht verfügbar. Erst die Mikroorganismen im Boden bauen den organischen Dünger ab und dabei werden die Mineralstoffe freigesetzt. Eine Überdüngung ist durch die langsame Freisetzung fast nicht möglich; zusätzlich ist eine Verschmutzung des Grundwassers fast ausgeschlossen (Stichwort: Nitratbelastung). Damit organischer Dünger besonders schnell und gut von den Bodenorganismen verarbeitet werden kann, sind einige Dinge zu beachten:

  1. Arbeiten Sie den Dünger gut in der Erde ein. Dadurch wird den Mikroorganismen mehr Angriffsfläche geboten und die Nährstoffe werden schneller freigesetzt.
  2. Halten Sie den Boden immer leicht feucht, damit sich die Mikroorganismen wohl fühlen.
  3. Als Faustregel gilt: Je wärmer es ist, desto schneller werden die Bodenorganismen den Dünger verarbeiten.

Bei den organischen Düngern ist besonders der Kompost hervorzuheben. Neben den wertvollen Nährstoffen verbessert Kompost die Bodenstruktur. Bei schweren Böden bewirkt Kompost eine bessere Bodenbelüftung. Pflanzenwurzeln können dann besser wachsen! In leichten, sandigen Böden wird hingegen die Wasserspeicherung verbessert. Sie müssen also weniger gießen! Aus diesen Gründen sollte jeder Hobbygärtner einen Komposthaufen anlegen und damit seinen eigenen Dünger herstellen.

Mineralische Dünger

Bei vielen Gärtnern läuten die Alarmglocken, wenn Sie von mineralischen Düngern hören. Zurecht sollte der Einsatz von mineralischen Düngern auf ein Minimum begrenzt werden. Denn bei diesen Düngern liegen die Mineralstoffe in ihrer Reinform vor. Werden die Düngeempfehlungen der Hersteller nicht eingehalten, ist eine Überdüngung schnell möglich. Des Weiteren besteht nach größeren Regenfällen die Gefahr, dass die Mineralstoffe in das Grundwasser gelangen. Dort sind sie in höheren Konzentrationen schädlich. Wir wissen aber auch, dass der heimische Komposthaufen oft nicht ausreicht, um alle Pflanzen bedarfsgerecht zu düngen. Mineraldünger können deswegen eine preiswerte Ergänzung bei der Düngung sein. Außerdem wirken „künstliche“ Dünger sofort und können einen Nährstoffmangel schnell beseitigen. Ein hartnäckiger Mythos, Mineraldünger würde das Bodenleben zerstören, muss hier auch endlich aus der Welt geschafft werden. Versuche konnten zeigen, dass mineralische Dünger bei richtiger Anwendung die Aktivität von Mikroorganismen steigern. Zusätzlich hat die Plantura Redaktion noch einen guten Tipp für Gärtner mit einem sehr sandigen Boden: Leichte Böden können die freien Mineralstoffe sehr schlecht speichern. Bereits ein stärkerer Regenfall reicht aus um zum Beispiel Nitrat in Tiefen auszuwaschen, die die Wurzeln nicht mehr erreichen können. Aus diesem Grund sollten Sie die empfohlene Düngemenge auf mehrere kleinere Düngungen aufteilen. Dadurch schonen Sie das Grundwasser und der Dünger kommt auch wirklich bei den Pflanzen an.

Extratipps für Düngeprofis

Manchmal sehen Pflanzen einfach nur krank aus, obwohl es ihnen an nichts fehlt. Es wird richtig gedüngt und auch sonst mangelt es den Pflanzen an nichts. Das Problem kann dann eventuell der pH-Wert im Boden sein. Ist der pH-Wert deutlich unter 6 abgefallen oder über 7, dann können die meisten Pflanzen manche Nährstoffe nicht mehr richtig aufnehmen. Dann hilft nur die Messung des pH-Wertes, um weitere Schritte einleiten zu können. Hier hat sich das Bodentest-Kit von Neudorff bewährt. Neben dem Testergebnis brauchen Sie noch den optimalen pH-Wert für die Pflanze. Dann sehen Sie mit dem Testkit, ob der Boden zu sauer oder zu alkalisch (auch basisch genannt) ist. Wenn der Boden zu sauer ist, hilft eine nachhaltige Kalkung, wobei die benötigte Menge der Produktbeschreibung zu entnehmen ist. Wenn Sie den pH-Wert absenken müssen, hilft eine Düngung mit einem ammoniumhaltigen Dünger. Ammonium ist einfach nur eine bestimmte Stickstoffform wie Nitrat. Ammonium bewirkt zusammen mit den Bodenorganismen eine Absenkung des pH-Wertes. Wenn Sie sich unsicher sind bei  der Düngerwahl, fragen Sie einfach im nächsten Gartencenter nach.

Zum Schluss möchten wir nochmal auf die große Auswahl der Spezialdünger eingehen. Nein, sie sind nicht nötig, erleichtern aber das Leben. Immerhin muss so nicht für jede Pflanze selbst ein Dünger angemischt werden. Theoretisch können Sie auch Orchideen mit stark verdünnten Blaukorn düngen. Bei empfindlichen Pflanzen ist nur zu bedenken, dass der Dünger chloridarm sein muss.

 

Ein besonderer Dank geht an die Photographen: Scot Nelson, Keith McDuffee, Doug Beckers und Salim Fadhley.

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