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Giftige Schwermetalle im Garten durch Dünger?

Gerade in privaten Gärten können sich Schwermetalle anreichern. Ob das gefährlich ist & wie Sie kein Problem mit Schwermetallen kriegen, erklären wir hier.

Erde Kolben mit Flüssigkeit Schwermetalle

Wir klären, wie gefährlich Schwermetalle durch Dünger im Boden wirklich sind [Foto: Merkushev Vasiliy/ shutterstock.com]

Vielen Menschen ist bekannt, dass Nahrungsquellen wie Fische heutzutage vermehrt mit giftigen Schwermetallen wie beispielsweise Quecksilber belastet sind. Aber auch über pflanzliche Nahrung können wir gesundheitsgefährdende Schwermetalle aufnehmen, da Pflanzen diese Stoffe über den Boden und die Wurzeln aufnehmen können. Gerade der heimische Garten kann bei einer falschen Düngung in Verbindung mit einem ungünstigen Boden zu erhöhten Schwermetallwerten in der eigenen Ernte führen. Sie sollten deswegen aber nicht gleich in Panik verfallen: Es gibt einfache und unkomplizierte Lösungen, wodurch die problematischen Schwermetalle kaum noch in den Boden gelangen oder von den Pflanzen aufgenommen werden – hier erfahren Sie mehr.

Was sind Schwermetalle und warum sind sie für uns giftig?

Hören wir von dem Begriff Schwermetall, dann wird in der Regel an ein giftiges Metall gedacht, das nicht in unseren Körper gelangen sollte. Diese vorherrschende Meinung ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn zur Gruppe der Schwermetalle gehören auch überlebenswichtige Mineralien wie Kupfer, Mangan oder Zink. Oft werden diese Mineralien auch als Spurenelemente bezeichnet. Wie der Name schon verrät, braucht der Mensch nur sehr geringe Mengen dieser Stoffe, damit in unseren Körpern alles reibungslos funktioniert. Höhere Mengen können dagegen negative Auswirkungen haben und Krankheiten hervorrufen.

Neben den lebensnotwendigen Schwermetallen gibt es aber auch Schwermetalle wie Blei, Cadmium, Chrom und Quecksilber, die nun wirklich nichts in unserem Körper verloren haben. Je nach Schwermetall reichen schon kleinste Mengen, um Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Zum Beispiel kann eine Cadmiumvergiftung zu einer Störung der Nierenfunktion führen und die erhöhte Aufnahme von Blei kann einen Menschen sprichwörtlich dumm machen. So verursacht eine erhöhte Bleiaufnahme im Kindesalter unwiederbringliche Schäden im Gehirn, die sich in einem niedrigeren IQ und Konzentrationsschwächen äußern. Problematisch sind Schwermetalle auch, weil sie sich im Körper anreichern und nur sehr langsam wieder ausgeschieden werden. Eine langfristig erhöhte Schwermetallaufnahme kann also erst nach Jahren zu Problemen wie Leber- und Nierenschäden führen.

Durch welchen Dünger gelangen die Schwermetalle in den Garten?

Nach dem Lesen der oberen Überschrift wird sich wohl jeder Hobbygärtner fragen, wie Schwermetalle denn bitte in unseren Dünger und damit in unsere Nahrungskette gelangen können. Dafür muss man wissen, dass mineralische Düngerbestandteile wie Phosphat ganz natürlich mit Schwermetallen belastet sind. Im Fall von Phosphat ist es in erster Linie das Schwermetall Cadmium. Leider gibt es heutzutage fast ausschließlich Phosphatlagerstätten mit erhöhten Cadmiumgehalt, denn die cadmiumarmen Minen sind heute bereits fast vollständig erschöpft. Wer also regelmäßig mit mineralischem Dünger düngt, der einen hohen Phosphatanteil hat, kann den Boden langfristig mit Schwermetallen anreichern. Interessanterweise sind Privatgärten, die oft mit einem Volldünger wie Blaukorn gedüngt werden, wesentlich stärker mit Schwermetallen belastet als der in Verruf geratene Acker eines kommerziellen Landwirtes. Denn ein Landwirt düngt immer nur so viel, wie die Pflanzen auch wirklich brauchen und aufnehmen – schon alleine aus ökonomischen Interesse.

Blaukorn Dünger in papiersack

Gärten, die oft mit einem Volldünger wie Blaukorn gedüngt werden, sind wesentlich stärker mit Schwermetallen belastet [Foto: Kym McLeod/ Shutterstock.com]

Zu der ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die Schwermetalle nicht nur in mineralischen Düngern stecken können. Auch Kompost kann erhöhte Schwermetallwerte aufweisen. Hier ist entscheidend, aus welchen Ausgangsstoffen der Kompost hergestellt wurde. Bevor Sie jetzt aber gänzlich die Lust am Gärtnern im eigenen Garten verlieren sei gesagt: Schwermetalle kommen eigentlich überall vor und auch ohne Düngung werden sich geringe Mengen von Schwermetalle in Ihrem Gartenboden nachweisen lassen. An dieser Stelle passt sehr gut ein Zitat von Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die Dosis macht’s, dass ein Ding kein Gift sei.“

Welche Böden sind besonders durch Schwermetalle gefährdet?

Nur, weil Schwermetalle in den Boden gelangen, müssen diese aber noch lange nicht von den Pflanzen aufgenommen werden, denn Böden verfügen über eine sogenannte Pufferkapazität. Etwas vereinfacht erklärt, sorgt die Pufferkapazität dafür, dass der Boden bestimmte Stoffe binden kann und sie dadurch zum Beispiel nicht von Pflanzen aufgenommen werden können. Die Höhe der Pufferkapazität hängt von der Zusammensetzung des Bodens ab. Folgende Bestandteile und Eigenschaften im Boden wirken sich positiv auf die Bindung von Schwermetallen aus:

  • Ein hoher Gehalt an Ton
  • Humus ist ebenfalls in der Lage, Schwermetalle zu binden
  • Der pH-Wert im Boden sollte nicht unter 6 liegen
Mist Humus Dünger Garten

Humus ist in der Lage, Schwermetalle zu binden [Foto: alicja neumiler/ Shutterstock.com]

Zusammengefasst kann also gesagt werden, dass ein schwerer, humus- und tonhaltiger Boden in der Lage ist, viele Schwermetalle zu binden. Bei einem sandigen Boden werden die Schwermetalle verstärkt von den Pflanzen aufgenommen und ins Grundwasser ausgewaschen. Aber auch ein schwerer Boden kann die Schwermetalle nur effektiv binden, wenn der pH-Wert nicht zu sauer ist.

Wie kann ich Schwermetalle in meiner Ernte reduzieren?

Schwermetalleintrag durch Düngerwahl reduzieren

An dieser Stelle wäre es falsch, mineralische Dünger per se zu verteufeln. Allerdings gibt es bei mineralischen Düngern einige Probleme, die bei organischen Düngern nicht auftreten. So ist der Nährstoffgehalt insgesamt bei mineralischen Düngern recht hoch und gerade die hohe Phosphatkonzentration ist für eine langfristige Düngung oft viel zu stark. Denn die meisten Pflanzen brauchen nur wenig Phosphat und durch die langsam fortschreitende Verwitterung im Gartenboden, wird auf ganz natürliche Weise Phosphat freigesetzt. Im Prinzip werden Bodenbestandteile, die im Großteil Mineralien sind, durch äußere Einflüsse wie Regen langsam zerkleinert. Bei der Zerkleinerung werden neben Phosphat auch andere Pflanzennährstoffe wie Eisen frei. In unseren Beeten gibt es also eine natürliche, wenn auch leichte Phosphatdüngung, die nicht vergessen werden sollte. Mit den unten aufgeführten Tipps können Sie ganz praktisch den Schwermetalleintrag in Ihren Beeten deutlich reduzieren:

  • Der Grundsatz „Viel hilft viel“ trifft definitiv nicht bei Dünger zu
  • Eine biologische Düngung ist durch das natürliche Nährstoffverhältnis immer von Vorteil
  • Bei akutem Nährstoffmangel können auch Dünger mit nur einem Nährstoff erworben werden (z.B. Stickstoff)
  • Beschäftigen Sie sich mit dem Nährstoffbedarf der von Ihnen angebauten Pflanzen und düngen Sie dann nur das, was die Pflanze auch wirklich braucht

Schwermetallbelastung durch Bodenbearbeitung reduzieren

Damit Schwermetalle im Boden gespeichert bleiben und nicht in unsere Pflanzen und damit in unsere Nahrung gelangen, haben wir zwei Tipps für Sie: Die wichtigste Maßnahme ist die Kontrolle des pH-Wertes. Denn auch ein schwerer Boden mit viel Ton und Humus kann keine großen Schwermetallmengen auffangen, wenn der pH-Wert sauer oder sogar sehr sauer ist. Stellt sich heraus, dass der Boden zu sauer ist, dann sollte gekalkt werden. Dadurch steigt der pH-Wert wieder an. Zudem kann der Boden langfristig mit Humus angereichert werden. Durch das Einarbeiten von Humus werden mehr Schwermetalle gebunden und ganz nebenbei tun Sie auch Ihren Pflanzen etwas Gutes.

Bodenmessgerät pH messen

Die wichtigste Maßnahme ist die Kontrolle des pH-Wertes im Boden [Foto: Sergey Kamshylin/ Shutterstock.com]

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Schwermetallproblematik in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich an Bedeutung gewinnen wird. Auch wenn die Schwermetallbelastungen gerade in Deutschland im Vergleich zu der von beispielsweise Entwicklungsländern sehr gering ist, ist ein Umdenken beim Düngen von Relevanz. Denn wer möchte schon, dass der Boden im eigenen Garten, in dem mit so viel Liebe und Mühe angebaut wird, mit Schwermetallen belastet ist?

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