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Gründüngung im Herbst: Experten-Tipps zum richtigen Vorgehen

Mit dem Pflanzen von Gründünger im Herbst bereitet man den Boden auf die nächste Anbausaison vor. Wir zeigen, wie die Gründüngung im Herbst funktioniert.

Trifolium pratense
Als Vertreter der Leguminosen reichert Klee den für Pflanzen lebenswichtigen Stickstoff im Boden an [Foto: Grigorii Pisotsckii/ Shutterstock.com]

Sicher haben Sie schon oft festgestellt, wie lang der Winter sein kann, insbesondere wenn Sie sehnsüchtig darauf warten, im Frühjahr endlich wieder Ihre jungen Gemüse- und einjährigen Zierpflänzchen in den Garten bringen zu können. Doch während dieser Zeit muss Ihr Garten nicht leer stehen. Viel sinnvoller wäre es doch, den Winter zu nutzen, um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern. Zu diesem Zweck ist das Anpflanzen von bodenverbessernden Pflanzen im Herbst als Gründünger eine wunderbare Sache.

Gründüngung im Herbst

Während im Sommer der Gemüsegarten in voller Pracht gespickt ist mit saftigen Tomaten, aromatischen Gurken und knackigem Mangold, liegt er nach der Ernte im Herbst oft verlassen da. Viele Gärtner graben den Boden dann um, damit sie im Frühjahr wieder frisch anpflanzen können. Doch das bringt viele Nachteile mit sich. Nährstoffe, die sonst von Pflanzen aufgenommen werden, werden ausgewaschen und verschwinden unwiederbringlich aus der Gartenerde. Bodenorganismen wie Regenwürmer, Kleinstlebewesen und Mykorrhiza-Pilze, die für die Bodenfruchtbarkeit unersetzbar sind, verlieren ihre Nahrungsgrundlage und sterben ab. Noch dazu ist die wertvolle Gartenerde Sonne, Wind, Regen und Frost schutzlos ausgeliefert. Abhilfe schafft hier eine Gründüngung mit bodenverbessernden Pflanzen.

Welche Vorteile bietet eine Gründüngung im Herbst?

Im Herbst, wenn der Boden oft ohnehin ungenutzt bleibt, ist eine Gründüngung die optimale Gelegenheit, ihn auf natürliche Art und Weise zu verbessern. Das bietet zahlreiche Vorteile.

Frau im Acker
Der Boden sollte über den Winter nicht nackt und ungeschützt bleiben [Foto: alicja neumiler/ Shutterstock.com]

Vorteile einer Gründüngung im Herbst:

  • Bodenorganismen haben eine konstante Nahrungsgrundlage durch abgestorbene Pflanzenreste und Ausscheidungen der Pflanzen, so dass die Bodenaktivität gefördert wird.
  • Die als Gründünger verwendeten Pflanzen nehmen überschüssige Nährstoffe und insbesondere Stickstoff auf und verhindern so die Auswaschung über den Herbst und Winter.
  • Der Boden wird geschützt vor Sonne, Wind, Regen und Frost.
  • Der Humusaufbau wird gefördert, da die Pflanzen eine große Menge Biomasse in den Boden bringen.
  • Mit Wahl der richtigen Pflanzen können Sie den Boden verbessern, ohne viel tun zu müssen. Manche Pflanzen wie die Leguminosen fixieren dazu mit Hilfe von Bakterien Stickstoff aus der Luft, während andere Pflanzen wie der Echte Buchweizen (Fagopyrum esculentum) Schädlingen und Krankheiten im nächsten Frühjahr vorbeugen. Wieder andere durchwurzeln den Boden auch in tieferen Schichten, so dass er aufgelockert wird. Ein Beispiel für eine solche Art ist der Tiefenrettich (Raphanus sativus), der seinem Namen alle Ehre macht.

Welcher Gründünger eignet sich für den Herbst?

Als Gründünger geeignet sind zahlreiche verschiedene Pflanzenfamilien und -arten. Allerdings sind auch beim Anbau von Gründünger Fruchtfolgen einzuhalten, um das Risiko für einen Befall mit Schädlingen zu minimieren. Durch Fruchtfolgen werden spezialisierte Schädlinge nicht das ganze Jahr durchgefüttert, sondern verhungern, wenn ihre Nahrungspflanze über längere Zeit nicht verfügbar ist. Pflanzen Sie also nicht Gewächse der gleichen Familie – wie das vorherige oder das nachfolgende Gemüse – als Gründüngung. Nach Kohlgewächsen (Brassica) beispielsweise sollten Sie also auf Tiefenrettich (Raphanus sativus) als Gründüngung verzichten.

Buchweizenpflanze
Buchweizen verbessert die Gesundheit des Bodens [Foto: KOBRYN TARAS/ Shutterstock.com]

Für die Wahl des richtigen Gründüngers spielt die Fruchtfolge also eine wichtige Rolle. Im Herbst ist auch entscheidend, ob die als Gründünger ausgewählten Pflanzen über den Winter abfrieren. Das hat den Vorteil, dass Sie im Frühjahr die Pflanzen einfach nur mulchen müssen und keinen Aufwand mit der Beseitigung des Gründüngers haben. Andererseits wachsen sie so nicht über den gesamten Winter. Optimal ist also eigentlich eine Mischung aus winterharten und abfrierenden Pflanzen. Das bringt den Vorteil mit sich, dass Sie die ganze Vielfalt der Fähigkeiten der abfrierenden Pflanzen nutzen können und der Boden dennoch bis in das Frühjahr hinein geschützt ist.

Abfrierende Pflanzen als Gründünger für den Herbst

  • Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum): Die Pflanze aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae) sichert Stickstoff vor der Auswaschung und hilft gegen Nematoden in der Erde.
  • Rauhafer (Avena strigosa): Auch diese Pflanze aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) trägt zur Bodengesundheit bei und fängt überflüssigen Stickstoff auf. Der Vertreter der Kreuzblütler-Gewächse (Brassicaceae) kommt häufig in der Landwirtschaft zum Einsatz. Seine dicken und tiefen Wurzeln lockern den Boden auf und verbessern so die Wasser- und Luftzirkulation im Boden.
  • Gemeiner Lein (Linum usitatissimum): Die alte Kulturpflanze gehört zu den Leingewächsen (Linaceae). Die Fruchtfolge sollte hier also nicht zum Problem werden, denn kein Gemüse gehört zu dieser Pflanzenfamilie. Gemeiner Lein wurzelt tief und dient Mykorrhiza-Pilzen während der Abwesenheit der Gartenpflanzen als guter Partner.
  • Sommerwicke (Vicia sativa): Wie alle Wicken gehört auch die Sommerwicke zu den Schmetterlingsblütlern (Fabaceae) und fixiert mit Hilfe von Knöllchenbakterien (Rhizobien) Stickstoff aus der Luft. So wird Ihr Boden ganz natürlich gedüngt.
Trifolium incarnatum
Der winterharte Inkarnatklee fixiert den für Pflanzen wichtigen Stickstoff [Foto: avoferten/ Shutterstock.com]

Winterharte Pflanzen als Gründünger für den Herbst

  • Winterwicke (Vicia villosa): Als Leguminose (Fabaceae) gehört diese winterharte Pflanze zu den Stickstoff-Fixierern. Durch Bakterien, mit denen die Pflanzen in Symbiose leben, werden sie immer ausreichend damit versorgt. Durch abgestorbene Blätter und Wurzeln gelangt der wichtige Nährstoff in den Boden, wo er sich mit der Zeit anreichert. So ist die Winterwicke ein bedeutender Bodenverbesserer.
  • Inkarnatklee (Trifolium incarnatum): Dieser tiefrot blühende Klee gehört ebenfalls zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) und ist in der Lage, Stickstoff zu fixieren.
  • Rotklee (Trifolium pratense): Auch Rotklee gehört zu den Schmetterlingsblütlern. Neben der Stickstofffixierung ist die Anreicherung von Humus ein Pluspunkt dieser Pflanze.
  • Welsches Weidelgras (Lollium pratense): Zwar ist das Gewächs aus der Familie der Süßgräser (Poaceae) einjährig, doch den Winter übersteht es trotzdem. Es überzeugt besonders durch seine gute Durchwurzelung der oberen Bodenschichten.

Im Herbst angesäte Blühpflanzen kommen leider vor dem Winter meist nicht mehr zur Blüte. Zwar hätten einige der Gründünger-Pflanzen durchaus auch das Potential zu einer bunten Farbenpracht und als Bienenweide, doch dazu kommt es nur bei einer Aussaat im Frühjahr. Mehr zu diesem Thema können Sie hier erfahren.

Helle blaue Pflanze
Gemeiner Lein unterstützt die für Pflanzen wichtigen Mykorrhiza-Pilze [Foto: A_Lesik/ Shutterstock.com]

Wann pflanzt man Gründünger im Herbst?

Der richtige Zeitpunkt hängt natürlich von den Pflanzen ab, die Sie als Gründünger ausgewählt haben. Nachdem Sie Ihr Gemüse abgeerntet haben oder die einjährigen Pflanzen verblüht sind, sollten Sie alsbald den Gründünger anpflanzen. Optimal ist ein Zeitpunkt zwischen Mitte August und Mitte September, damit die Pflanzen vor dem Winter noch ordentlich wachsen können.

Gründüngung im Herbst: Anleitung zum Pflanzen

Am sinnvollsten ist es, Gründünger-Pflanzen als Mischung auszusäen. Diese können Sie entweder selbst zusammenstellen oder sogar bereits fertig erwerben. Mischungen haben den Vorteil, dass die Fähigkeiten verschiedener Pflanzen genutzt und kombiniert werden können. Vor der Aussaat sollten Sie eventuelle Pflanzenreste zerkleinern und in die obere Bodenschicht einarbeiten. Nehmen Sie vorher ein wenig der obersten Bodenschicht ab und lockern Sie den darunterliegenden Boden leicht an. Nun können Sie die Samen großflächig ausstreuen. Damit die Samen auch gut keimen, sollten Sie nun die zuvor abgenommene Erde darüber streuen, so dass die Samen leicht mit Erde bedeckt sind. Zum Schluss gilt es nur noch, das Ganze vorsichtig anzugießen. Verwenden Sie hierzu besser eine sehr feine Düse, damit die frisch ausgesäten Samen nicht gleich wieder vom Beet gespült werden.

Alles, was es sonst noch zum Thema Gründüngung zu wissen gibt, erfahren Sie hier.

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