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Haselnuss: Die gesunde Nuss im eigenen Garten anbauen

Haselnüsse sind schmackhaft und lassen sich gut im eigenen Garten anbauen. Mit nur wenig Pflege und etwas Geduld kommen auch Sie zu einer reichen Ernte.

Reife Haselnüsse am Strauch
Haselnüsse aus dem eigenen Garten haben einen hervorragenden Geschmack [Foto: AlenaBalotnik/ Shutterstock.com]

Die Deutschen sind verrückt nach der köstlichen runden Haselnuss. Etwa 70.000 Tonnen Haselnüsse importieren wir jährlich – das sind 35 % der weltweit erzeugten Haselnüsse. Nur etwa 70 bis 95 Tonnen werden in Deutschland erzeugt. Dabei ist die heimische Hasel eine gute, frühe Bienenweide, sorgt für eine Verbesserung des Bodens und kommt auch mit geringer Pflege gut zurecht. Wir finden, dass sich der Anbau im eigenen Garte durchaus lohnt – deshalb erfahren Sie hier alles über die Erzeugung der edlen Nuss im eigenen Garten.

Haselnuss: Die gesunde Nuss im eigenen Garten anbauen

Dieser Artikel stellt Ihnen die Haselnuss (Corylus) in all ihren Facetten vor: Herkunft und Standortbedingungen, Pflege, mögliche Krankheiten, Ernte und Lagerung. Und natürlich erfahren Sie, welche Vorteile der Anbau der heimischen Nuss mit sich bringt.

Beschreibung und Herkunft der Haselnuss

Die bei uns heimische Gemeine Hasel (Corylus avellana) gehört zur Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Der Haselnussstrauch ist über den ganzen europäischen Kontinent bis nach Kleinasien verbreitet. Er hat die letzte Eiszeit überstanden und war in der mittleren Steinzeit sogar das in Europa dominierende Gehölz. Erst vor den mächtigen Eichenmischwäldern musste er kapitulieren. Typisch ist der strauchförmige, mehrstämmige Wuchs der Haselnuss, der das Resultat ständig neuer Schösslinge an der Basis ist. Die Schösslinge können bereits im ersten Jahr mehrere Meter hoch werden und verzweigen sich dann erst im zweiten Jahr. Die Blätter der Haselnuss stehen wechselständig, sind rundlich bis verkehrt eiförmig mit kurzer Spitze und unregelmäßiger Behaarung. Haselnussblätter haben eine kurze, gelbe Herbstfärbung. Die Hasel wird außerdem bis zu 100 Jahre alt.

Haselnüsse sind einhäusig (monözisch), das bedeutet man findet auf einer Pflanze sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Die männlichen Blüten stehen in Kätzchen zusammen, die weiblichen zeigen ihre roten Narbenäste in Achselknospen. Die Haselnuss blüht vor dem Laubaustrieb im Februar oder März. Die männlichen Kätzchen liefern den ersten Pollen für Insekten, die Bestäubung erfolgt jedoch durch den Wind. Die Haselnussfrucht ist eine einsamige Nussfrucht. Verzehrt wird nur der Samen, der reich an gesunden, ungesättigten Fettsäuren ist.

Biene auf Haselnussblüte sitzend
Die Haselnuss ist ein früher Pollenspender für Wild- und Honigbienen [Foto: thka/ Shutterstock.com]

Tipp Haselnussbaum: Baumförmig und höher als die Gemeine Haselnuss wächst die Baumhasel (Corylus colurna), die bei uns relativ unbekannt ist. Sie stammt vom Balkan, aus der Türkei und Afghanistan. Ihre Früchte sind etwas kleiner als die der Gemeinen Hasel. Zudem verträgt sie das Stadtklima gut, weshalb man sie immer häufiger als Straßenbaum sieht.

Warum es sich lohnt, die Haselnuss selber anbauen

Haselnüsse lassen sich heute in jedem Supermarkt recht günstig erwerben. Welche Vorteile sollte also der eigene Anbau haben? Ein großes Argument für den eigenen Haselnussstrauch ist der Geschmack. Zwischen gerösteten Haselnüssen, die fast ausnahmslos aus der Türkei importiert werden, und frischen, noch feuchten Nüssen liegt geschmacklich ein ganzes Universum. Hinzu kommt, dass die Importware nicht nur weit transportiert wird. Der Anbau erfolgt in riesigen Monokulturen, unter intensivem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und mit moralisch äußerst fragwürdigen Arbeitsbedingungen – leider häufig auch für Kinder. Eigene Haselnüsse zu erzeugen ist also ethisch und ökologisch die bessere Alternative. Und die Haselnuss ist eine wirklich pflegeleichte Gartenbewohnerin: Krankheiten und Schädlinge sind selten und auch ihre Pflege gestaltet sich einfach und wenig zeitintensiv. Zusätzlich ist sie einer der frühesten Pollenspender für Wildbienen. Es lohnt sich also, den Anbau zu versuchen.

Haselnuss-Sorten

Neben der heimischen Hasel und der zierenden Korkenzieher-Hasel (Corylus avellana ′Contorta′) existieren auch Sorten, die auf zahlreiche und große Früchte hin züchterisch bearbeitet wurden.

Empfehlenswerte Haselnuss-Sorten:

Tipp: Auch die Lambertsnuss (Corylus maxima) liefert schmackhafte Haselnüsse und ist mit zierendem, rotem Laub erhältlich.

Haselnuss Sorte Lambertsnuss
Die Lambertsnuss gibt es auch mit rotem Laub und roten Fruchtbechern [Foto: Przemyslaw Muszynski/ Shutterstock.com]

Wie und wo pflanzt man die Haselnuss am besten?

Corylus avellana gedeiht in der Sonne und im Halbschatten gut. Im Schatten leiden allerdings Fruchtansatz und Fruchtgröße. Auch ein fruchtbarer Boden sorgt für besseres Wachstum, doch auch auf ärmeren Böden wächst sie Hasel – wenn auch langsamer. Sie ist absolut frosthart und ihr Laub ist bodenverbessernd. Die Pflanzung sollte im Frühjahr oder Herbst erfolgen. Bedenken Sie dabei, dass die Hasel mindestens vier bis fünf Meter Platz in alle Richtungen benötigt, um sich entfalten zu können.

Das Einarbeiten von vornehmlich organischem Dünger und Pflanzerde verbessert das Anwachsen und den Wuchs sowie die Blüte und Frucht in den nachfolgenden Jahren. Für ein gesundes Bodenleben ist unser Plantura Bio-Bodenaktivator optimal geeignet, da er die im Boden lebenden Mikroorganismen versorgt. Unser Plantura Bio-Universaldünger unterstützt die Haselnuss dann mit allen wichtigen Nährstoffen und fördert den Fruchtansatz und die Fruchtgröße.

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Achten Sie darauf, die Hasel nicht zu tief zu pflanzen. Gießen Sie sie großzügig an und sorgen Sie auch in den Wochen nach der Pflanzung für eine ausreichende Wasserversorgung. Bei einer Pflanzung im Herbst sollten Sie auf nährstoffreichen Kompost oder mineralischen Dünger verzichten, da die jungen Triebe sonst nicht ausreichend frosthart in den Winter gehen.

Tipp Befruchtung der Haselnuss: Manche Haselnuss-Sorten können sich selbst befruchten und so für einen Fruchtansatz sorgen. Doch einige Sorten benötigen einen anderen Bestäuber. Hierfür kommt eine andere Sorte oder eine wilde Haselnuss infrage. Bei den unten vorgestellten Sorten weisen wir daher auf die jeweilige Befruchtung hin.

Haselnuss pflegen und schneiden

Abgesehen von einer ausreichenden Wasserversorgung im Sommer benötigt die Haselnuss keine besondere Pflege. Jährlich 100 Gramm unseres Plantura Bio-Universaldüngers oder eines vergleichbaren vornehmlich organischen Düngers genügen, um ihren Nährstoffbedarf zu decken. Die Haselnuss ist sehr schnittverträglich. Der Schnitt erfolgt dabei stets „von unten“: Am Boden werden dicke, alte Triebe entfernt, sodass der Strauch nicht zu dicht wird. Haben Sie dieses Auslichten lange versäumt, können Sie eine Hasel auch problemlos radikal auf den Stock setzen. Hierbei werden alle Triebe auf Kniehöhe zurückgesetzt. Auf eine reiche Ernte müssen Sie anschließend jedoch für bis zu fünf Jahre verzichten. Der beste Zeitpunkt für den Schnitt liegt nach der Blüte.

Haselnuss vermehren

Haselnüsse können über Samen, vegetativ oder durch Veredelung vermehrt werden. In nachfolgender Tabelle finden Sie einen Überblick über die verschiedenen Methoden.

AussaatFrüchte vor der Vollreife ernten und von den Schalen befreien; Samen im Herbst ins Freiland säen
Vegetative VermehrungDurch Ableger, Absenker oder Abrisse lassen sich Fruchtsorten sortenrein vermehren
VeredelungIm Winter können Sorten durch Kopulation oder Geißfußveredelung auf C. avellana oder C. colurna veredelt werden; mit Baumwachs verstreichen; getopft bei etwa 16 °C im Gewächshaus aufstellen bis Mitte Mai

Krankheiten und Schädlinge der Haselnuss

Die Haselnuss ist unempfindlich für Krankheiten und Schädlinge. Gelegentlich wird sie von Mehltau befallen, was ihre Vitalität jedoch kaum zu bremsen vermag. Ein lästiger und verbreiteter Schädling ist allerdings der Haselnussbohrer (Curculio nucum). Er zählt zu den Rüsselkäfern, ist also auch mit dem Dickmaulrüssler (Otiorhynchus) verwandt. Der Haselnussbohrer legt seine Eier einzeln in unreifen Haselnüssen ab, in die er zuvor ein kleines Loch genagt hat. Durch den Fraß der Larven entstehen so hohle Nüsse, die einfach vom Baum fallen. Wer den Befall im Hausgarten minimieren will, kann auf frühreife Sorten setzen, denn diese werden seltener befallen. Auch ist es möglich, Haselnüsse als Stämmchen zu kaufen – sie sind dann auf der Baumhasel veredelt.

Haselnussbohrer auf Haselnuss sitzend
Der Haselnussbohrer beißt ein Loch in unreife, weiche Haselnüsse und legt ein Ei hinein [Foto: Henrik Larsson/ Shutterstock.com]

An einem einzelnen Stämmchen können Sie leicht einen Leimring anbringen. Auch können Sie ab September SC-Nematoden (Steinernema carpocapsae) am Boden unter der Hasel anwenden, um die im Boden überwinternden Larven abzutöten. Ebenfalls bewährt hat sich das Ausbreiten eines Tuches unter dem Strauch. So können sich die herabfallenden Larven nicht im Boden verpuppen und die Generation des Folgejahres fällt zumindest zum Teil aus. Pflanzenschutzmittel gegen den Haselnussbohrer sind im Hausgarten nicht zugelassen.

Tipp: Die Puppen des Haselnussbohrers verweilen teils jahrelang im Boden, sodass Ihre Mühen unter Umständen erst nach einigen Jahren Erfolge zeigen.

Haselnüsse ernten und lagern

Die Haselnussernte beginnt Anfang September. Reife Nüsse fallen vom Baum oder können durch Schütteln zu Boden befördert werden. Fest haftende Früchte sollten Sie nicht ernten, denn diese sind noch nicht reif, somit nicht schmackhaft und auch nicht lagerfähig. Entfernen Sie die Hüllblätter von den Nüssen. Die Schalen müssen Sie allerdings nicht entfernen, denn in der Schale ist der Samen sehr viel länger haltbar – mindestens 12 Monate lang. Das Trocknen, ausgebreitet an einem kühlen, luftigen Ort, beugt der Entwicklung von Schimmelpilzen vor. 

Nährwerte und Verwendung der Haselnuss

Über die Hälfte des Gewichts einer Haselnuss ist Fett – allerdings sind es nicht nur die gesunden, ungesättigten Fettsäuren, die Haselnüsse zu einem echten heimischen Superfood machen. Auch die Vitamine A, B, C und E sowie viel Calcium, Eisen, Kalium, Natrium und Phosphor bringt der Samen der Haseln mit. Es ist – gewichtsbezogen – sogar mehr Calcium in Haselnüssen enthalten als in Kuhmilch. Durch sekundäre Inhaltsstoffe hat der regelmäßige Verzehr von Haselnüssen einen positiven Einfluss auf die Gedächtnisleistung, den Cholesterinspiegel und das Risiko einer Herzerkrankung.

Tipp: Die wertvollen Inhaltsstoffe bleiben auch beim Rösten und Verarbeiten der Haselnuss fast vollständig erhalten. Dies gilt allerdings auch für alle allergenen Stoffe. Wer jedoch nur eine schwach ausgeprägte Haselnussallergie hat, kann die Supernuss in stark verarbeitetem Zustand meist dennoch verzehren – zum Beispiel in Nusscreme. Übrigens können auch Hunde eine Haselnussallergie haben.

Haselnüsse können in der Küche vielfältig verwendet werden – frisch verzehrt, gehackt in Kuchen oder Keksen, zu Streichcremes oder sogar zu Haselnussöl verarbeitet. Im Müsli schmecken die Nüsse besonders gut, wenn sie im Ofen 12 Minuten lang bei 180 °C geröstet wurden. Die Herstellung von Haselnussgeist und -likör überlässt man jedoch besser den Experten.

Wenn Sie sich weiter für Nüsse aus dem eigenen Garten interessieren, erfahren Sie hier alles zum Anbau von Erdnüssen.

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