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Obstbäume richtig schneiden: Anleitung vom Experten

Wer seine Obstbäume liebt, weiß, dass sie regelmäßig zu schneiden sind. Der richtige Schnitt ist wichtig für Gesundheit und Ertrag. Wir zeigen, wie das geht.

Apfelbaum schneiden

Für den Sommerschnitt braucht man ein geübtes Auge [Foto: Apple and Pear Australia LtdCC BY 2.0]

Wie ein Obstbaum richtig geschnitten wird, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. So sind die Ansprüche verschiedener Arten an den perfekten Schnitt ganz unterschiedlich. Doch ist es durchaus erstrebenswert, die Obstbäume im eigenen Garten auf die richtige Art und Weise zu schneiden. Denn so kann einerseits die Ernte und die Gesundheit des Baumes gesteigert, sowie eine ansehnliche Wuchsform des Baumes aufrecht erhalten werden.

Obstbäume: Wann schneiden?

Die Frage aller Fragen ist, wann der richtige Zeitpunkt für den Obstbaumschnitt gekommen ist. Auch hier kann keine allgemeingültige Aussage für alle Obstbäume getroffen werden. Zunächst sollte man wissen, um was für einen Obstbaum es sich handelt:

  • Steinobst, wie z.B. Kirsche (Süßkirsche: Prunus avium, Sauerkirsche: Prunus cerasus), Pfirsich (Prunus persica), Pflaume (Prunus domestica), Mirabelle (Prunus domestica subsp. syriaca)
  • Kernobst, wie z.B. Apfel (Malus), Birne (Pyrus), Quitte (Cydonia oblonga)

Im Allgemeinen werden Obstbäume entweder einem Winterschnitt (Januar bis Anfang April) und/oder einem Sommerschnitt unterzogen (Juli bis August). Dabei zeichnet die beiden nach Jahreszeiten kategorisierten Schnitttypen Folgendes aus:

  • Winterschnitt:
    Da der Baum frei von Laub ist, hat man gute Sicht auf alle Zweige. Der Winterschnitt hat eine wachstumsanregende Wirkung auf den Baum und bietet sich somit vor allem bei schwach wachsenden Obstbäumen an. Außerdem kann der Schnitt im arbeitsarmen Winter vorgenommen werden. Als Nachteil gilt, dass die Schnittwunde erst relativ verzögert mit einer schützenden Schicht überwächst.
  • Sommerschnitt:
    Beim Sommerschnitt wachsen im Gegensatz zum Winterschnitt die Schnittwunden schnell wieder zu. Außerdem kann man den Wuchs stark wachsender Obstbäume ausbremsen, da ihnen für ihr Wachstum essentielle Blattmasse (welche relevant für die Photosynthese-Prozesse ist) genommen wird. Deshalb bietet sich der Sommerschnitt vor allem an, wenn einem starken Winterschnitt ein starker Neuaustrieb folgt. Dieser kann im Sommer dann um ein bis zwei Drittel ausgedünnt werden. Aufgrund der vollen Belaubung kann es beim Sommerschnitt jedoch auch mit geübtem Auge schwerfallen, gekonnt zu beurteilen, welche Äste weichen sollten und welche nicht.

Für Steinobstarten gilt generell, dass sie einen Sommerschnitt nach oder während der Ernte besser vertragen. Bei Kernobstarten wie Apfel und Birne macht es Sinn, ein gesundes Mittelmaß aus Sommer- und Winterschnitt zu finden, um ein perfektes Wachstum zu erreichen.

Obstbäume schneiden: Wann erlaubt?

Bei Schnittmaßnahmen im Garten ist Rücksicht auf die Natur und die Gesetze zu nehmen. Das Bundesnaturschutzgesetz sieht beispielsweise zum Schutz der Brutzeiten von Vögeln vor, dass vom ersten März bis zum 30. September keine radikalen Gehölzschnitte vorgenommen werden dürfen. Form- und Pflegemaßnahmen – also der klassische Heckenschnitt oder eben auch der Obstbaumschnitt – sind jedoch zulässig. Allerdings sind kommunale Sonderregelungen, die zum Beispiel durch Anwesenheit einer geschützten Tierart auftreten können, zu beachten.

Fazit: Der formende und pflegende Obstbaumschnitt darf jederzeit vorgenommen werden,  auch im Sommer. Allerdings müssen gegebenenfalls spezifische Sonderregelungen je nach Kommune beachtet werden.

Obstbäume bei Frost schneiden

Beim Winterschnitt kann es unumgänglich sein, den Obstbaum auch mal bei Frost zu schneiden. Dies stellt jedoch kein Problem dar, solange die Temperaturen nicht permanent unter -5°C sinken.

Für die Wundverschließung ist es wichtig, an einem trockenen Tag die Bäume zu schneiden, damit nicht zu viel Feuchtigkeit und mit ihr eventuell Pilzsporen oder andere Krankheitserreger in die frische Schnittwunde hineingetragen werden.

Junge Obstbäume schneiden

Schon bei jungen Bäumen kann man mit dem Schnitt darüber entscheiden, ob die spätere Wuchsform des Baumes gelingt oder später eher in einem Alptraum endet. Deshalb ist es wichtig, sich bereits während der Pflanzung der Obstbäume mit dem optimalen Obstbaumschnitt zu befassen.

Pflanzschnitt

Der erste Schnitt des Baumes erfolgt mit der Pflanzung. Dieser Schnitt ist neben der wuchsgebenden Form auch für das erfolgreiche Anwachsen enorm wichtig. Meistens werden Obstbäume nämlich als Ballenware gepflanzt und durch das Ausstechen werden dem Baum Wurzeln geraubt, die für die  angemessene Versorgung mit Wasser und Nährstoffen zuständig sind. Der Pflanzschnitt sorgt wieder für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Kronen und Wurzelmasse. Dabei wird der Haupttrieb eingekürzt. Seitentriebe werden ausgedünnt (senkrecht wachsende Triebe besonders) und solche, die erhalten bleiben, werden ebenfalls eingekürzt (auf einer Höhe, aber etwas niedriger als der Haupttrieb).

Erziehungsschnitt junger Obstbäume

Um den Wuchs junger Obstbäume in die richtige Bahn zu lenken, sind nach der erfolgreichen Pflanzung regelmäßige Erziehungsschnitte erforderlich. Hierbei müssen zunächst wichtige Entscheidungen getroffen und geeignete Äste als sogenannte Leitäste festgelegt werden. Dazu eignen sich weder zu waagerecht, noch zu senkrecht wachsende Äste. Gesunde und starke Äste sollten als Leittriebe natürlich bevorzugt gewählt werden. Diese werden bei den jährlichen Erziehungsschnitten in der Spitze eingekürzt. Außerdem sind folgende Schnittmaßnahmen bei den wichtigen Erziehungsschnitten junger Obstbäume zu beachten:

  • Vom Leitast aus senkrecht wachsende Seitentriebe ganz herausschneiden
  • Nach Innen in den Baum wachsende Triebe deutlich ausdünnen
  • Am Leitast verbliebene Seitentriebe nicht einkürzen

Alte Obstbäume schneiden

Irgendwann ist der Erziehungsschnitt junger Bäume abgeschlossen und sie haben ihre Hauptwuchsform erreicht. Von nun an gilt es, den Baum regelmäßig einem Auslichtungsschnitt zu unterziehen. Hierbei lautet die goldene Regel: Nicht das gesamte einjährige Holz entfernen oder einkürzen. Das würde den Wuchs des Baumes außer Kontrolle geraten lassen und für einen zu starken Neuaustrieb sorgen. Deshalb gilt es beim Auslichtungsschnitt insbesondere solche Äste und Seitentriebe zu entfernen, die andere Triebe zu sehr an der Entwicklung hindern.

Obstbäume schneiden: Das richtige Werkzeug

Für den Obstbaumschnitt steht eine Vielzahl verschiedener Werkzeuge zur Verfügung. Dabei sind es vor allem persönliche Vorliebe und Handhabung, die über die Auswahl entscheiden sollten. Wichtig ist es allerdings, dass Astschere, Säge und Co. stets scharf sind, um eine möglichst glatte Schnittfläche beziehungsweise Wunde am Baum zu erzielen. So fällt es dem Obstbaum leichter, die Schnittfläche zu überwachsen. Hier finden Sie einen Überblick über geeignete Werkzeuge für den Obstbaumschnitt:

  • Gartenschere:
    Geeignet für dünne, gut erreichbare Äste; leichte Handhabung; führt bei dickeren Ästen jedoch schnell zu Quetschungen
  • Astschere:
    Ebenfalls gute Handhabung für leicht zu erreichende, etwas dickere Äste
  • Astsäge:
    Gut für dickere Äste, die beim Auslichtungsschnitt weichen müssen
  • Teleskopsäge:
    Gut geeignet für passionierte Obstschneider, die nicht gerne auf Leitern steigen; für hohe Äste, die sonst nicht zu erreichen sind, ideal geeignet
Diese Produkte sind ideal zum Schneiden Ihrer Sträucher, Hecken und Bäume:
  • Gardena Gartenschere: Gartenschere mit geschliffenen, antihaftbeschichteten Messer und ein Untermesser aus rostfreiem Edelstahl sowie ergonomisch geformte Griffe.
  • Gardena Heckenschere: Heckenschere mit robusten, langlebigen Messern und Astabschneider für einzelne dickere Äste.
  • Gardena Teleskoparm Schere: Praktische Gartenschere zum müheloses Schneiden von hohen Bäumen und dichten Sträuchern vom Boden aus.

Obstbäume richtig schneiden: Anleitung Schritt für Schritt

  1. Identifikation:
    Um was für einen Obstbaum handelt es sich? Ist es eine Steinobstart (Kirsche, Pflaume) oder eine Kernobstart (Apfel, Birne)?
  2. Veredlungsstelle ausfindig machen:
    Besonders wichtig bei jungen Bäumen. Die meisten Obstbäume in unseren Gärten sind veredelt – das heißt, dass eine Edelsorte mit besonders leckeren Früchten mit einer Unterlage mit bestimmten Wuchseigenschaften verbunden wurde. Wird unterhalb der Veredlungsstelle geschnitten, wächst nur die unerwünschte Unterlage wieder aus und die leckeren Früchte bleiben aus. Die Veredlungsstelle kann man meistens an einem dicken Knubbel unterhalb der Verästelung am Stamm des Obstbaumes erkennen.
  3. Für Winter- oder Sommerschnitt entscheiden
  4. Bedürfnisse von alten und jungen Obstbäumen beachten
  5. Geeignetes Schnittwerkzeug auswählen
  6. Die richtige Wahl treffen und Äste schneiden
  7. Den Neuaustrieb des Obstbaumes beobachten und für den nächsten Schnitt dazulernen

Apfelbäume und andere Obstbäume richtig schneiden

Anfangs haben wir bereits festgestellt, dass Obstbaum nicht gleich Obstbaum ist. Je nach Art bestehen spezifische Ansprüche an den optimalen Schnitt. Deshalb schauen Sie sich doch unsere Artikel zu den detaillierten Schnittmaßnahmen für die einzelnen Obstbaumarten an:

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