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Pikieren: Begriffserklärung & Schritt-für-Schritt Anleitung

Der Begriff Pikieren ist vielleicht nicht jedem Hobby-Gärtner geläufig. Dabei handelt es sich um einen Arbeitsschritt, der je nach Pflanze seltener oder oftmals durchgeführt wird.

Pikieren von Pflanzen
Tomaten gehören zu den Pflanzen, die üblicherweise oft pikiert werden [Foto: Viktor Sergeevich/ Shutterstock.com]

Pikieren kommt vom französischen „piquer“ und bedeutet „stechen“, was die ausgeführte Tätigkeit ganz gut beschreibt. Wenn viel ausgesät wird, die Pflanzen immer größer werden und langsam zu dicht stehen, dann wird es Zeit zum Pikieren. Im Folgenden erfahren Sie mehr über das Verfahren.

Was ist Pikieren?

Unter dem Begriff Pikieren versteht man im Bereich des Gartenbaus das Vereinzeln von Sämlingen oder Jungpflanzen, die zu dicht aneinander stehen. Im Zuge des Prozesses werden in der Regel auch schwächere Pflanzen aussortiert. Bei Lebensmitteln wird dieser Begriff auch verwendet, hat aber eine andere Bedeutung.
Das Vereinzeln der kleinen Pflanzen dient dazu, ihnen ausreichend Platz zum Wachsen zu Verfügung zu stellen, da die Keimlinge ab einer gewissen Größe um Wasser, Licht und Nährstoffe konkurrieren. Beim Pikieren werden sie mit entsprechendem Werkzeug vorsichtig aus dem Substrat gelöst und mit größerem Abstand oder gleich in einzelne Töpfe wieder eingesetzt. Für größere Gärtnereien ist dieser Arbeitsschritt meist zu aufwendig, weshalb sie dem mit entsprechendem Saatgut und Saattechniken dem Pikieren aus dem Weg gehen. Bei Hobby-Gärtnern und in kleineren, weniger automatisierten Gärtnereien ist das Pikieren aber durchaus üblich.

Pflanzen nach dem Pikieren
Im eigenen Topf stehen den Pflanzen wieder genug Nährstoffe und Platz zur Verfügung [Foto: Petra Schueller/ Shutterstock.com]

Wann sollte man Pflanzen pikieren?

Der optimale Zeitpunkt zum Pikieren ist gekommen, wenn das Keimblattstadium der Pflanzen vorbei ist und sich bereits das erste richtige Blattpaar zeigt. Dann sind die Sämlinge groß genug, um das Vereinzeln zu verkraften.

Pflanzen-Pikieren
Zwischen den zwei großen Keimblättern sieht man das erste richtige Blattpaar [Foto: ZhakYaroslav/ Shutterstock.com]

Pflanzen pikieren: Anleitung

Beim Pikieren wird etwas Übung und Feingefühl benötigt, da die Sämlinge noch sehr empfindlich sind und schnell kaputtgehen können. Außerdem braucht man einen Pikierstab, der aber auch gut durch Haushaltsgegenstände wie einen kleinen Löffel ersetzt werden kann. Worauf geachtet werden sollte und wie Sie am besten Schritt für Schritt dabei vorgehen, erklären wir hier:

  1. Im Vornherein kann bereits Substrat in die später benötigten Töpfe gefüllt und leicht angedrückt werden, damit die Keimlinge anschließend so schnell wie möglich wieder Kontakt zur Erde bekommen. Das Substrat mit den Pflänzchen und jenes im neuen Topf sollten vor dem Pikieren gut durchnässt sein, damit sich der Keimling besser lösen und wieder Kontakt finden kann.
  2. Für den ersten Schritt beim Pikieren nehmen Sie Ihren professionellen oder improvisierten Pikierstab zur Hand und stechen neben einem Sämling in das Substrat. Nun wird die Pflanze vorsichtig unterhalb der Wurzeln aus dem Substrat gehoben. Gleichzeitig kann man sie möglichst tief, nahe am Wurzelhals anfassen, sollte aber keinen Druck ausüben oder zu stark daran ziehen. Sollte das Hypokotyl, der Keimstängel, versehentlich abreißen, ist ein Nachwachsen nicht mehr möglich.
Setzlinge-Pikieren
Mit einem Löffel lässt sich die Jungpflanze ebenfalls gut aus dem nassen Substrat heben [Foto: Shmelev Dmitriy/ Shutterstock.com]
  1. Wenn die Jungpflanze aus dem Substrat gelöst ist, kann mit dem Pikierstab ein Loch in die Erde des neuen Topfes gemacht werden. In dieses Loch wird nun der wurzelnackte Keimling eingesetzt. Falls das Wurzelwerk oder die Pflanze insgesamt recht lang ist, kann vorsichtig mit dem Pikierstab nachgeschoben werden. Für das Wachstum der Jungpflanze ist es förderlich, wenn die Keimwurzel gerade im Loch liegt. Außerdem sollte der Wurzelhals im Boden stecken.
  2. Anschließend wird die Erde um den Sämling herum mit den Fingern sorgfältig angedrückt, um das Loch zu verschließen.
  3. Für das gute Anwurzeln der frisch pikierten Pflanzen ist das Gießen ein wichtiger Schritt, da hierdurch der Kontakt zwischen Substrat und Wurzeln wiederhergestellt wird. Die Töpfe werden entweder von unten oder von oben gewässert. Falls das Substrat schon im Vornherein durchdringend gewässert wurde, ist dies im Nachhinein nicht mehr notwendig.
  4. Bestenfalls werden die Töpfe noch beschriftet oder mit Etiketten versehen, woran die Art und Sorte zu erkennen ist. Denn im Keimlings- oder Jungpflanzenstadium lassen sich manche Pflanzen oft noch nicht so gut unterscheiden. Um den Wasserstress des Keimlings zu mindern, kann vorrübergehend eine Haube über die Pflanzen gestellt werden, wodurch die Luftfeuchtigkeit erhöht und die gerade frisch verletzten Feinwurzeln geschont wird.

Tipp: Pflanzen wie Tomaten können beim Pikieren bis zu den Keimblättern eingesetzt werden, da sie die Fähigkeit besitzen, an ihrem Stiel neue Wurzeln, sogenannte Adventivwurzeln, zu bilden. Dieses Phänomen ist aber nur bei manchen Pflanzen zu erwarten, deswegen sollten Sie dies vorher recherchieren.

Pikieren von Kohlrabi
Kohlrabipflanzen sollten dagegen nicht bis zu den Keimblättern eingesetzt werden [Foto: Mont592/ Shutterstock.com]

Das richtige Werkzeug zum Pikieren

Üblicherweise wird zum Pikieren das gleichnamige Werkzeug, nämlich der Pikierstab, verwendet. Dieser Stab besteht aus Kunststoff, Holz oder Metall, ist etwa 18 Zentimeter lang und läuft spitz zu. Der Pikierstab kann aber auch bedenkenlos durch einen dickeren Stift, einen Eisstiel oder Spatel aus Holz oder einen kleinen Löffel ersetzt werden.

Welche Erde wird nach dem Pikieren verwendet?

Da die feinen Wurzeln der Pflänzchen noch sehr empfindlich sind, wird üblicherweise nach dem Pikieren weiterhin eine nährstoffarme Aussaat- oder Anzuchterde verwendet. Dies gewährleistet außerdem, dass die Gewächse kräftig und robust werden, da sie bei der Suche nach Nährstoffen leistungsfähige Wurzeln ausbilden. Dadurch kann sich die Pflanze später, beispielsweise in Trockenperioden, auch besser versorgen, weil die Wurzeln tiefer in die Erde an die Wasservorräte reichen. Ein Beispiel für solch ein Substrat zum Pikieren ist unsere Plantura Bio-Kräuter- & Aussaaterde. Sie besitzt durch Perlite eine lockere und luftige Struktur und ist nährstoffarm, wodurch das Wurzelwachstum der Jungpflanzen angeregt wird.
Starkzehrer, wie zum Beispiel Tomaten (Solanum lycopersicum) und Paprika (Capsicum), sind Pflanzen, die einen höheren Nährstoffbedarf haben als andere. Bei ihnen ist es sinnvoll, die Anzuchterde mit einer nährstoffreicheren Erde zu vermischen, um keine Unterversorgung der Jungpflanzen zu riskieren. Natürlich gibt es auch Pflanzen mit spezielleren Ansprüchen an ihre Erde. Sukkulenten benötigen beispielsweise ein sehr mineralisches Substrat.

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Welche Töpfe eignen sich?

Welche Topfgröße beim Pikieren letztendlich verwendet werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören unter anderem die Wachstumsgeschwindigkeit, der Platzbedarf der Pflanze, sowie die Dauer, die Ihre Jungpflanze noch in dem Topf verbringen muss. Es kommt auch auf die Menge der Jungpflanzen an. Wenn viele Keimlinge pikiert werden, lohnt es sich, Pikierplatten zu verwenden. Wenn es sich aber um eine überschaubare Anzahl an Pflanzen handelt, so kann eigentlich jede Topfgröße gewählt werden. Üblicherweise werden 9er Töpfe verwendet. Gegebenenfalls können auch mehrere Sämlinge in einen Topf pikiert werden, solange genug Platz für jeden einzelnen vorhanden ist.

Pikierplatte
Pikierplatten eignen sich besonders für eine große Menge an Jungpflanzen [Foto: NDAB Creativity/ Shutterstock.com]

Besonders bei der Anzucht von Tomaten ist das Pikieren eine oft angewandte Methode. Alles Wichtige zum Pikieren und Auspflanzen von Tomaten erfahren Sie in unserem Artikel.

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