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Stecklinge & vegetative Vermehrung: Optimale Bedingungen

Die vegetative Vermehrung ist eine gute Möglichkeit, Pflanzen ohne Samen zu vermehren – oder um Gemüseabfälle nachwachsen zu lassen.

Steckling gießen

Auch Stecklinge brauchen Wasser, aber die richtige dosierung ist entscheidend [Foto: iStock.com/amenic181]

Pflanzen besitzen eine großartige Fähigkeit: Sie können aus einzelnen oder sogar abgetrennten Pflanzenteilen eine ganze Pflanze nachwachsen lassen. Das ermöglicht die sogenannte vegetative Vermehrung. Da diese zur Vervielfältigung von Pflanzen nicht auf Samen angewiesen ist, wird sie auch als ungeschlechtliche oder asexuelle Vermehrung bezeichnet. Bei den neu entstandenen Nachkommen handelt es sich um identische Klone der Mutterpflanze. Die Tochterpflanze und sein Vorfahre besitzen exakt die gleiche genetische Identität. Für Gärtner, die eine einzelne Pflanze mit besonderen Eigenschaften besitzen und diese unbedingt vermehren möchten, ist dies besonders praktisch. Durch die vegetative Vermehrung können sie diese erhalten, während es durch die Samenvermehrung Veränderungen in den Eigenschaften der Nachkommenschaft der Pflanze gäbe.

Vegetative Vermehrung: Beispiele und Vielfalt

Die vegetative Vermehrung kann auf unterschiedliche Art und Weise erfolgen. Kindel sind kleine selbstständige Pflanzen, die sich an Ausläufern von der Mutterpflanze entwickeln. Sie können einfach abgetrennt werden und direkt in die Selbständigkeit übergehen. Um diese Vermehrungsform erfolgreich abzuschließen, sind keine besonderen Bedürfnisse zu erfüllen. Die kleinen, sich an der Mutterpflanze entwickelnden Pflanzen, können genau wie ihr Vorfahre behandelt werden.

Auch wenn Obstbäume, Tomaten oder Gurken auf eine Unterlage mit günstigen und erwünschten Eigenschaften veredelt werden, so ist dies eine Form der ungeschlechtlichen Vermehrung. Die häufigsten Veredelungsweisen sind die Pfropfung und die Okulation. Je nach Veredelungsmethode und zu veredelnde Art wird zu unterschiedlichen Jahreszeiten veredelt.

Manche Pflanzenarten bilden unterirdische Speicherorgane verschiedener Art aus. Sie können treiben und zu neuen Pflanzen heranwachsen. Zwiebeln oder die Knollen von Kartoffeln zählen beispielsweise dazu. So sind auch Küchenzwiebel, Knoblauch, Kartoffel und Co prädestiniert für die vegetative Vermehrung. Dazu werden einfach die verdickten unterirdischen Speicherorgane im Frühjahr in die Erde gesteckt und die Entwicklung nimmt ihren Lauf.

Klone können jedoch mit etwas menschlicher Hilfe auch an der Mutterpflanze heranwachsen und auf ihre Eigenständigkeit vorbereitet werden. Das Abmoosen ist eine solche langsame Loslösung eines verholzten Triebes von der Mutterpflanze. Dazu wird eine Einkerbung gemacht, die zum Beispiel mit einem Stein offengehalten wird. Um die erzeugte Wunde wird feuchtes Moos gehüllt und mit Frischhaltefolie umwickelt. Wurzeln bilden sich aus der Wunde heraus in die Mooskugel. Sind genügend Wurzeln vorhanden, kann der verholzte Trieb unterhalb der neu gebildeten Wurzeln abgeschnitten und im Anschluss getopft werden. Von nun an ist keine außergewöhnliche Pflege mehr erforderlich.

Stecklinge vermehren

Doch die Form schlechthin der vegetativen Vermehrung ist wohl die Anzucht neuer Pflanzen durch Stecklinge. Vor allem Blattstecklinge, aber auch Sprossstecklinge werden häufig verwendet. Arten, die sich über Blattstecklinge vermehren lassen, sind einzelne Blätter zu entnehmen, die in Substrat gesteckt werden. Aus dem Blatt entwickeln sich dann mehrere kleine Pflänzchen. Bei der Vermehrung über Sprossstecklinge ist noch zwischen Sprossspitzen- und Teilstecklingen zu unterscheiden. Bei letzteren wird irgendein Sprossteil als Steckling verwendet. Bedingung ist, dass der Steckling wenigstens eine Blattknospe – ein sogenanntes Nodium – enthält. Diese sorgt für einen günstigen Spiegel der für die Bewurzelung erforderlichen Phytohormone und führt nach der Bewurzelung zur Bildung von Blattmasse und neuen Trieben.

Stecklinge der Sprossspitze sind die oberen fünf bis zehn Zentimeter des oberen Teils der Triebspitze. Je nach Pflanzenart enthalten sie die ersten zwei bis drei Blätter oder Blattpaare. Werden die Blätter eingekürzt, verringert das zwar die Transpiration und somit den Wasserbedarf des Stecklings. Allerdings sind die Blätter andererseits eine wichtige Quelle für Kohlenhydrate, welche während der energieintensiven Bewurzelungsphase benötigt werden. Zudem wird das Risiko der Infektion mit Pilzen durch das Einkürzen der Blätter erhöht. Deshalb sollte immer abgewogen werden, ob die Blätter des Stecklings wirklich zu groß sind und ein Einkürzen sinnvoller erscheint.

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Viele Kräuter lassen sich leicht über Stecklinge vermehren [Foto: iStock.com/ KMNPhoto]

Stecklinge vermehren: Optimale Bedingungen

Das Schneiden der Stecklinge bedeutet Stress. Deshalb ist es wichtig, dass während der Bewurzelung optimale Bedingungen herrschen, damit die abgeschnittenen Pflanzenteile zu selbständigen Pflanzen heranwachsen. Wir geben eine Anleitung für die optimalen Bedingungen während der Bewurzelungsphase:

  • Stecklinge nicht lagern

Stecklinge nur möglichst kurz lagern. Umso länger die Lagerung anhält, desto schwerer wird die Bewurzelung. Der Abbau von Kohlenhydraten und andere ungünstige Einflüsse senken den Bewurzelungserfolg bei anhaltender Lagerung der Stecklinge herab.

  • Vorgehen falls doch gelagert wird

Werden die Stecklinge dennoch gelagert, so sollte dies am besten im Kühlschrank erfolgen. Die Stecklinge vorher fein befeuchten und in eine löchrige Plastiktüte einschlagen. So können von den Stecklingen produzierte Gase noch zirkulieren.

  • Stecklinge direkt in Substrat

Stecklinge lieber direkt in Substrat stecken als in einem Wasserglas vorzuziehen. In einem Wasserglas bilden die Stecklinge zunächst spezielle Wasserwurzeln aus. Diese nützen beim Stecken in Substrat jedoch nichts, da sie wesentlich weniger fein und verzweigt sind und somit aus Erde und Substrat weder Wasser noch Nährstoffe aufnehmen können.

  • Das passende Substrat

Im Fachhandel sind spezielle Substrate zur Stecklingsvermehrung erhältlich. Diese sind sehr wasserdurchlässig und neigen somit nicht zu Staunässe. Des Weiteren wirkt sich neben dem guten Lufthaushalt die Nährstoffarmut dieser Substrate positiv auf die Wurzelbildung aus.

  • Nach dem Stecken gut wässern

Sind die Stecklinge in das Substrat gesteckt, sollte darauf gut angegossen werden. Dazu wird am besten salzarmes Wasser verwendet; wenn vorhanden dann bevorzugt Regenwasser.

  • Für hohe Luftfeuchtigkeit sorgen

Stecklinge haben ein Problem: Sie benötigen Wasser, besitzen aber noch keine Wurzeln, um dieses aufzunehmen. Deshalb ist es erforderlich, die Transpiration – also das Verdunsten von Wasser – der Stecklinge abzusenken. Das kann erreicht werden, indem die Luftfeuchtigkeit in der Umgebung der Stecklinge erhöht wird. Hierzu bietet sich prima ein Minigewächshaus an. Dies passt außerdem auf jede Fensterbank.

  • Viel Licht und Wärme

Während der Phase der Bewurzelung benötigen die Stecklinge viel Licht. Deshalb ist das späte Frühjahr oder der Frühsommer die beste Zeit für die Stecklingsvermehrung. Denn dann ist ausreichend natürliches Licht vorhanden und es muss nicht zusätzlich belichtet werden. Temperaturen um 20 °C sind optimal. Eine leicht höhere Temperatur im Wurzelraum begünstigt die Bewurzelung ebenfalls. Hierfür werden spezielle Heizmatten angeboten.

  • Bewurzelte Stecklinge akklimatisieren

Es sollte regelmäßig kontrolliert werden, ob schon erste Wurzeln an den Stecklingen zu sehen sind. Ist das der Fall, sind sie allmählich an die normalen Umgebungsbedingungen zu gewöhnen und zu akklimatisieren. Dazu wird der Deckel des Minigewächshauses nach und nach immer länger heruntergenommen, bis die Haube letztlich unten bleibt.

  • Stecklinge düngen

Während der Akklimatisierung, sind die Stecklinge erstmalig mit einem üblichen Vollnährstoffdünger zu versorgen. Das Stecklingssubstrat ist sehr nährstoffarm und für den Neuaustrieb der jungen Pflänzchen muss eine Zufuhr erforderlicher Nährstoffe erfolgen.

  • Bewurzelte Stecklinge pflanzen

Sind die Stecklinge gut bewurzelt und treiben neu aus, so ist es an der Zeit, sie in nährstoffreicheres Substrat und einen größeren Topf zu topfen. Alternativ können die Jungpflanzen jetzt auch ins Beet ausgepflanzt werden. Egal, ob Topfen oder Auspflanzen – es muss im Anschluss gut angegossen werden.

Wir empfehlen folgende Produkte:

  • Floragard Bio Kräuter- & Aussaaterde: Hochwertige Spezialerde zur Anzucht von Pflanzen oder Kultivierung von Kräuter. Die feine und lockere Struktur sorgt für eine gute Wasseraufnahme, eine sichere Keimung und ein kräftiges Wachstum.
  • Zimmergewächshaus: Mini-Gewächshaus mit wasserdichter Plastikwanne und durchsichtiger Abdeckhaube.
  • Cuxin organischer Volldünger Orgasan: Organischer Gartendünger für Gemüse, Obst und Ziergärten mit langer und kontinuierlicher Wirkungsdauer.

David

Ich bin Student der Gartenbauwissenschaften und zudem gelernter Zierpflanzengärtner. Das Thema Anbau lässt mich seit meiner Kindheit einfach nicht los: Egal, ob auf der kleinen Stadtfensterbank oder im großzügigen Garten - Gärtnern muss ich auch in meiner Freizeit immer und überall.
Lieblingsobst: Himbeeren
Lieblingsgemüse: Brokkoli

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