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Styropor in der Blumenerde?

Haben Sie Styropor in Ihrer Blumenerde gefunden? Was es eigentlich mit den kleinen weißen Kügelchen auf sich hat, erfahren Sie hier.

 

Was ist das denn? Sie haben gerade eine teure Kräutererde gekauft, doch als Sie die Tüte öffnen, fallen Ihnen sofort weiße Kügelchen ins Auge. Weiß, rund und leicht? Das kann doch nur Styropor sein! Und so einen Kunststoff möchte man doch nicht in seinem Beet. Kein Grund zur Beunruhigung: Bei den weißen Kügelchen handelt es sich nicht um das bekannte Verpackungsmaterial, sondern um Perlite, eine besondere Gesteinsform. Und diese ist ganz und gar nicht unwillkommen – sie hilft unseren Pflanzen sogar dabei, sich wohler in dem Substrat zu fühlen.

Perlite in der Blumenerde und deren Vorteile

Erde in der Hand und Keimling

Bei diesen weißen Kügelchen handelt es sich um Blähperlit [Foto: FabrikaSimf/ Shutterstock.com]

Das Gestein Perlit, welches vornehmlich im Tagebau im östlichen Europa und Mittelmeerraum abgebaut wird, findet nicht einfach zufällig den Weg in das Pflanzensubstrat. Das weiße Ausgangsgestein entsteht unter bestimmten Bedingungen aus vulkanischer Lava. Damit das Gestein seine für die Blumenerden nützliche Struktur bekommt, muss das Vulkangestein bei hohen Temperaturen (800 bis 1200 °C) gebrannt werden. Dabei sorgt das im Rohgestein enthaltene Wasser für ein explosionsartiges Aufpoppen, was zu der porösen Struktur des bekannten Zuschlagstoffes für Substrate führt. Dieser Prozess ist vergleichbar mit der Verwandlung von Maiskörnern zu Popcorn. Die Volumenzunahme, die das Perlit hitzebedingt erfährt, ist beachtlich: Bis zu zehnmal größer kann das aufgeblähte Gestein nach dem Brennprozess sein. Übrigens: Um das poröse Mineral in den Substraten von dem Ausgangsgestein Perlit zu unterscheiden, wird es in der Fachwelt als Blähperlit bezeichnet.

Perlite Gestein haufen

Perlite in Substraten wird auch als Blähperlit bezeichnet [Foto: naramit/ Shutterstock.com]

Somit ist Blähperlit in der Blumenerde – auch wenn es so aussieht – nicht künstlich und hat erst recht nichts mit Styropor zu tun. Die poröse Struktur, die das Ausgangsgestein aufgrund hoher Temperaturen erhält, ist das Geheimnis für den Einsatz in der Blumenerde: Dank eines Porenvolumens von bis zu 95 % sorgt es für eine hervorragende Lüftung des Substrates − die kleinen weißen Steinchen werden zum idealen Bodenverbesserer. Auch speichert es in seinen feinen Poren Wasser und sorgen dafür, dass überflüssige Feuchtigkeit besser ablaufen kann: Staunässe hat so keine Chance mehr. Gerade für Pflanzen mit empfindlichen Wurzeln oder Stecklinge, die ihre Wurzeln erst noch ausbilden müssen, sind Perlite daher wahre Helden, weshalb sie vor allem in Anzucht- oder Kräutererde zu finden sind.

Erde und Blumentopf nah auf Holz

In Kräuter- und Anzuchtserde ist häufig Blähperlit zur Verbesserung der Bodenstruktur zu finden (Anzeige: Herzlichen Dank an Floragard)

Ebenfalls von Vorteil − gerade während der Vermehrung – ist, dass Blähperlit aufgrund der hohen Temperaturen steril ist und somit das Infektionsrisiko der kleinen empfindlichen Pflänzchen gemindert wird. Außerdem ist das mineralische Material sehr verwitterungsbeständig, sodass es nur sehr langsam abgebaut wird. Das wiederum garantiert eine „strukturstabile“ Blumenerde: Es kommt nicht so schnell zu einem Zusammensacken und infolgedessen Verdichten des Substrates, als es beispielsweise bei organischen Materialien wie Reisspelzen der Fall ist, die ebenfalls zur Verbesserung der Luftkapazität in der Erde dienen sollen.

Zwiebeln einpflanzen in Topf mit Erde und Perlite per Hand

Perlite ist sehr witterungsbeständig [Foto: Christina Siow/ Shutterstock.com]

Aufgrund seiner guten physikalischen Eigenschaften findet Blähperlit für Folgendes Verwendung:

  • Verbesserung der Luftkapazität und Strukturstabilität in Substraten und Blumenerden
  • Höhere Bewurzelungserfolge bei Stecklingsvermehrungen
  • Verringerte Gefahr von Staunässe bei langlebigen Kübelpflanzen und nässe-empfindlichen Kulturen
  • Einarbeitung in zu Staunässe neigenden Böden zur Auflockerung (auch in Beeten)
  • Verwendung als Wärme- und Schalldämmmaterial im Hausbau
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