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Wasser marsch! So gießen Sie richtig.

Gießen ist mittlerweile eine Wissenschaft für sich geworden. Wir erklären, wie viel Wasser Ihre Blumen, Gartenpflanzen und auch Orchideen wirklich brauchen.

Sprinkleranlage Gießen

Bei einer größeren Fläche lohnt sich eine Sprinkleranlage [Foto: CIATCC BY-SA 2.0] cogh

Um das wichtige Gießen ranken sich wohl viele Mythen und Halbwahrheiten. Die bei Pflanzen beiliegenden Gießanleitungen sind oft sehr allgemein und wenig hilfreich. Auch ein ausgebildeter Gärtner kann Ihnen meistens nicht wirklich weiterhelfen, da es beim Gießen eben pauschal keine richtigen Antworten gibt! Und genau da liegt das Problem. Neben der Topfgröße, Temperatur, Bodenart und Sonneneinstrahlung gibt es viele weitere Faktoren, die die Menge des benötigten Gießwassers beeinflussen. Wir werden trotzdem versuchen, Ihnen das Thema etwas näher zu bringen. Denn wenn man sich mit dem Thema Gießen erstmal intensiver beschäftigt hat, dann wird man mit ein bisschen Erfahrung schnell zum Gießprofi!

Wie oft soll ich denn nun gießen?

Damit die Frage richtig beantwortet werden kann, müssen erstmal ein paar grundlegende Dinge geklärt werden. Das Wasser gehört neben den Sonnenstrahlen und einem Boden zu den essentiellen Grundbedürfnissen einer Pflanze. Die Aufnahme des Wassers erfolgt bei fast allen Pflanzen über die Wurzel; natürlich gibt es auch Ausnahmen wie die Tillandsien. Neben dem Wasser gelangen auch Nährstoffe über die Wurzel in die Pflanze. Nährstoffe können von der Wurzel aber nur über feuchte Erde aufgenommen werden. Deswegen ist es sehr wichtig, beim Gießen immer den gesamten Wurzelballen zu wässern. Die Schnapsglasregel beim Orchideengießen können Sie deswegen gleich mal als schlechten Mythos vergessen. Wenn Sie Ihre Orchidee immer nur punktuell mit kleinen Wassergaben wässern, dann kann die Pflanze von dem restlichen trockenen Substrat keine lebenswichtigen Nährstoffe aufnehmen. Besser für Orchideen: Einmal gründlich in Wasser tauchen und den Vorgang erst wiederholen, wenn das Substrat an einigen Stellen trocken ist. Neben der Nährstoffaufnahme ist die Luftversorgung ein entscheidender Punkt. Wenn Sie Ihre Erde durchdringend gießen und die Erde zwischen den Gießgängen nicht abtrocknen kann, besteht die Gefahr des Sauerstoffmangels. Nur Wasserpflanzen können ihre Wurzeln über spezielle Organe mit Sauerstoff versorgen. Unsere typischen Gartenpflanzen können das nicht und sterben ab, wenn nicht genug Luft in der Erde ist. Also merken Sie sich, dass die Pflanzen neben einer guten Wasserversorgung auch genug Sauerstoff an den Wurzeln benötigen.

Da die wichtigsten Grundlagen nun geklärt sind, können wir etwas weiter ins Detail gehen. Es macht beim Gießen nämlich einen großen Unterschied, ob die Pflanze in einem Beet oder in einem Topf stehen. Wir haben für Sie einige wichtige Fakten zusammengefasst damit ihre Pflanzen, egal ob im Beet oder im Topf, prächtig gedeihen:

Gieß-Tipps für Beetpflanzen:

  1. Beetpflanzen können sehr viel Erdvolumen durchwurzeln und müssen deswegen weniger gegossen werden als Topfpflanzen.
  2. Pflanzen nach dem Setzen gut wässern: Dadurch werden Hohlräume zwischen dem Wurzelballen und der Gartenerde geschlossen. Die Pflanze wächst so schnell an!
  3. Nach der Pflanzung die Pflanzen immer weniger gießen, nur so „sucht“ die Pflanze selbst mit ihren Wurzeln nach Wasser. Dadurch sind Pflanzen bei längeren Hitzeperioden robuster und müssen insgesamt weniger gegossen werden.
  4. Ein schwerer, humushaltiger und lehmiger Boden kann extrem viel Wasser speichern; im Gegensatz dazu müssen sandige Böden viel häufiger bewässert werden.
Gießkanne im Garten Blumen gießen

Eine optimale Bewässerung lässt Ihre Pflanzen prächtig gedeihen [Foto: Michael CoghlanCC BY-SA 2.0]

Gieß-Tipps für Topfpflanzen:

  1. Topfpflanzen können wesentlich weniger Raum durchwurzeln und müssen deswegen öfter gegossen werden.
  2. Desto größer die Pflanze im Verhältnis zum Topf ist, desto öfter muss gegossen werden. Müssen Sie Ihre Pflanzen im Hochsommer 3-mal am Tag gießen? Ein größerer Topf kann da schnell Abhilfe schaffen.
  3. Topfpflanzen werden meist in Blumenerde aus Torf getopft und nicht in richtige Erde. Torf kann sehr viel Wasser speichern, aber Achtung: Sie dürfen Torf niemals komplett austrocknen lassen! Trockener Torf ist wasserabweisend und kann Wasser wesentlich schlechter speichern.
  4. Biologische Alternativen zu Torf sind Erden aus Holzfasern und Kokosfasern. Die Wasserspeichereigenschaften sind hier nicht ganz so gut wie bei Torf. Dafür werden die alternativen Erden beim Austrocknen nicht wasserabweisend.

Der Mythos des pflanzenschädlichen Leitungswassers

Diesen Mythos kennt wohl jeder. Man soll Pflanzen immer möglichst mit Regenwasser oder Brunnenwasser gießen. Bloß kein Leitungswasser! Aber warum? Viele Hobbygärtner und leider auch Fachleute behaupten, dass Leitungswasser zu hart für unsere Pflanzen ist. Wahr ist, dass viele Pflanzen einen pH-Wert von 6 – 6,5 bevorzugen und Leitungswasser kann durchaus auch einen pH-Wert von 8 und höher haben. Der pH-Wert vom Leitungswasser ist also oft zu hoch für unsere Pflanzen. Dabei wird aber oft vergessen, dass Pflanzen für die Nährstoffaufnahme organische Säuren in den Boden abgeben und dadurch selbst den pH-Wert senken. Der hohe pH-Wert vom Leitungswasser wird dadurch also ausgeglichen. Es ist daher nicht schlecht für unsere Pflanzen, wenn Sie mit Leitungswasser gegossen werden, es ist einfach nur teurer.

Leitungswasser Blumen gießen

Mit Ausnahme von Regionen mit sehr kalkhaltigem Wasser, ist es für unsere Pflanzen nicht schlecht, wenn sie mit Leitungswasser gegossen werden [Foto: CarlCC BY 2.0]

Wie Sie sehen, können auch wir keine pauschalen Lösungsvorschläge zum richtigen Gießen bieten. Wenn die oben genannten Tipps aber berücksichtigt werden und Sie auch ungefähr wissen, welche Wasseransprüche Ihre Pflanzen haben, dann sollte eigentlich nichts schiefgehen. Die meisten Pflanzen sind robuster als man glaubt und auch wenn sie schon extrem schlappen, erholen sie sich nach dem Gießen meist schnell wieder.

Dominic

Ich studiere Gartenbauwissenschaften und gehöre natürlich den passionierten Hobbygärtnern an. Meine ersten Wassermelonen habe ich bereits im Alter von 7 Jahren geerntet. Momentan finde ich Themen in Bezug auf die Interaktion von Pflanzen mit anderen Lebewesen und der Umwelt besonders interessant.
Mein Lieblingsobst: Ganz klar Avocados
Mein Lieblingsgemüse: Eigentlich alles, außer Rosenkohl

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