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Tomaten ausgeizen: So entfernt man die Triebe an Tomatenpflanzen richtig

Das Ausgeizen von Tomatenpflanzen ist unter Gärtnern ein umstrittenes Thema. Wir verraten, wann es Sinn macht, seine Tomaten auszugeizen, und wie man dabei richtig vorgeht.

Nebentrieb an einer Tomatenpflanze
Seitentriebe entstehen in den Blattachseln des Haupttriebes [Foto: FotoHelin/ Shutterstock.com]

Selten spaltet ein Thema die Tomatenliebhaber so sehr wie das Ausgeizen der Seitentriebe. Manche plädieren für konsequentes Entgeizen, immer und bei jeder Pflanze, andere lassen ihre Tomaten einfach wild wuchern. Dass das Ausgeizen keine reine Glaubensfrage ist, sondern echte Vor- und Nachteile mit sich bringt, wollen wir Ihnen in diesem Artikel näherbringen. Wir erklären, wie die Geiztriebe entstehen, und erläutern Schritt für Schritt das richtige Vorgehen beim Ausgeizen.

Muss man Tomaten ausgeizen?

Ob man Tomaten ausgeizen muss oder nicht, hängt von der Sorte, dem Standort und dem vorhandenen Platz ab. Wir zeigen Ihnen daher im Detail, welche Pflanzen entgeizt werden sollten und warum.

Muss man alle Tomaten ausgeizen?

Die einfache Antwort lautet Nein. Grundsätzlich sollten nur Tomaten entgeizt werden, bei denen es auch Sinn macht. Bei allen großfrüchtigen Tomatensorten wie Ochsenherz und Fleischtomaten sollte man die Seitentriebe entfernen. Auch bei mittelgroßen Stabtomaten lässt man höchstens zwei bis drei Triebe inklusive dem Haupttrieb stehen.

Welche Tomaten sollte man nicht ausgeizen?

Schwachwüchsige Buschtomaten und Wildtomaten werden überhaupt nicht ausgegeizt. Sie tragen an allen Seitentrieben Blüten und somit wieder Früchte. Der Ertrag ist ohne Ausgeizen am höchsten. Die kleinfrüchtigen Cocktail- und Cherrytomaten kann man auch entweder wuchern lassen oder sie mit mehreren Trieben ziehen. Bei diesen Tomaten ist es also optional, sie auszugeizen.

Wie entstehen die vielen Seitentriebe?

Wildtomaten aus Südamerika wachsen und wuchern ganz natürlich aus allen Blattachseln, denn sie liegen auf dem Boden auf und bilden mit der Zeit einen vielverzweigten Strauch. Unsere Kulturtomate (Solanum lycopersicum) wurde aus den Reihen dieser vielfältigen Wildtomaten (Solanum sp.) selektiert, besitzt aber noch immer starke Ähnlichkeiten mit ihren wilden Verwandten. Zusätzlich neigen Tomaten, die in zu dunkle Ecken gepflanzt oder zu stark mit Stickstoff gedüngt wurden, verstärkt zur Bildung der Seitentriebe und weniger zur Blütenbildung. Der Pflanzort sollte also möglichst lichtdurchflutet sein, um mehr Früchte statt Seitentriebe zu bekommen. Übermäßige Stickstoffgaben verhindern Sie mit ausgeglichenen, vornehmlich organischen Bio-Düngern mit Langzeitwirkung wie unserem Plantura Bio-Tomatendünger. Das gleichmäßige und langfristige Freisetzen der Nährstoffe lässt keinen Mangel oder Überschuss entstehen, sondern versorgt die Tomatenpflanze vielmehr ausgewogen und auf bodenschonende Art und Weise.

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Vorteile des Ausgeizens von Tomaten

Tomaten entgeizen bringt eine Reihe von Vorteilen mit sich. Zunächst verhindert man bei Fleischtomaten, dass Seitentriebe schwere, große Früchte ansetzen, die sie gar nicht tragen können, sodass sie abreißen oder umknicken. Die Qualität der Früchte ist dann meist auch besser, sie schmecken aromatischer, da die Pflanze weniger Früchte versorgen muss. Zudem regt man die Pflanze an, sich eher auf Fruchtbildung und das Stielwachstum gerade nach oben zu konzentrieren. Die Pflanzen werden also länger, bleiben dafür schmal und benötigen weniger Platz. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Pflanzen mit weniger Seitentrieben oder ohne solche luftiger stehen und nach dem Regen besser abtrocknen. Das macht es Pilzerkrankungen schwerer, sich zu verbreiten.

Tipp: Man kann aus den ausgegeizten Seitentrieben eine stärkende Tomatenjauche herstellen, mit der die Pflanzen dann gegossen werden. Die Herstellung und Düngung erfolgt wie bei Brennnesseljauche im Verhältnis von 1:20.

Alle Vorteile nochmal auf einen Blick:

  • Verhindert bei großen Tomaten das Abknicken und Abreißen der dünneren Seitentriebe
  • Die Qualität der Früchte ist meist besser
  • Pflanzen werden zum Längenwachstum und zur Fruchtbildung der übrigen Triebe angeregt
  • Geringerer Platzverbrauch in die Breite und bessere Durchlüftung der Pflanzen
  • Ausgebrochene Triebe können zu pflanzenstärkender Tomatenjauche vergoren werden
Fleischtomate am Haupttrieb
Fleischtomaten werden oftmals so schwer, dass nur der Haupttrieb sie tragen kann [Foto: Denis Pogostin/ Shutterstock.com]

Nachteile des Ausgeizens von Tomaten

Doch natürlich gibt es nicht nur Vorteile, sonst wäre das Thema nicht so umstritten. Zunächst sollte nur ausgegeizt werden, wenn es sinnvoll ist – und das ist es nicht immer. Ausgegeizte Pflanzen tendieren zu stärkerem Längenwuchs, sie werden sehr hoch und sind dabei nur wenig stabil. Ein leichter Windstoß kann sie umwerfen oder abknicken. Daher müssen ausgegeizte Tomaten stets gut gestützt oder angebunden werden.
Ein wesentlicher Nachteil ist, dass man der Pflanze beim Ausgeizen Wunden zufügt, die Eintrittspforten für Krankheitserreger sind. Das bedeutet für die Tomatenpflanzen Stress, denn sie müssen schnell die Wunden schließen und eventuelle Erreger bekämpfen. Zudem bedeutet das regelmäßige Ausgeizen einen hohen Zeitaufwand und muss etwa alle zwei Wochen wiederholt werden, je nach Wüchsigkeit der Sorten. Für Anfänger unter den Tomatenhaltern ist es zu Beginn auch gar nicht so einfach, zwischen der Triebspitze und Seitentrieben zu unterscheiden. Hier besteht das Risiko, dass die fruchttragende Spitze entfernt wird und die Pflanze auf den instabileren Seitentrieb ausweichen muss.

Die Nachteile des Tomaten-Ausgeizens auf einen Blick:

  • Nicht bei jeder Tomatensorte sinnvoll
  • Anbinden und Stützen zwingend erforderlich, da die Pflanzen instabil stehen
  • Ausgeizen hinterlässt Wunden und erleichtert das Eindringen von Krankheitserregern
  • Ausgeizen ist zeitlich aufwändig und muss regelmäßig etwa alle zwei bis drei Wochen wiederholt werden
  • Für Anfänger ist es schwierig, zwischen Haupttrieb und Seitentrieb zu unterscheiden
Ausgeizen von Trieben an Toamtenpflanze
Überzählige Seitentriebe können vorsichtig per Hand entfernt werden [Foto: Floki/ Shutterstock.com]

Anleitung zum Tomaten-Ausgeizen

Wann man mit dem Ausgeizen am besten beginnt, hängt vom Pflanztermin ab. Idealerweise startet man mit dem Entgeizen direkt nach der Pflanzung, also Anfang Mai im Gewächshaus oder Mitte Mai im Freiland, und endet im Herbst.
Entgeizen Sie Ihre Tomaten am besten morgens, denn tagsüber trocknen die Wunden rasch ab. Tragen Sie dabei Handschuhe, schließlich hinterlassen Tomatentriebe klebrige, grüne Flecken auf den Händen.

Wie unterscheidet man nun die Geiztriebe von Haupttrieben? Die Geiztriebe von Tomaten entstehen immer in den Blattachseln von bereits großen Blättern. Sie wachsen in einem 45-Grad-Winkel vom Haupttrieb weg und sind noch dünn und elastisch. Wenn Sie von oben nach unten alle Blattachseln der Tomatenpflanze überprüfen, entgeht Ihnen so schnell keiner. Diese Seitentriebe werden entfernt und dabei entweder tief unten am Stiel mit den Fingernägeln zwischen Daumen und Zeigefinger abgeknapst oder besser noch mit einem scharfen Messer oder einer sauberen Gartenschere abgeschnitten. Geben Sie dabei acht auf einen glatten Schnitt und darauf, dass der Haupttrieb nicht verletzt wird. Kleine Triebe können auch herausgebrochen werden, denn sie lösen sich noch leicht von der Blattachsel, in der sie sitzen.

Tipp: Achten Sie beim Gießen darauf, dass die Wunden in den ersten Tagen nach dem Entgeizen nicht nass werden, sonst steigt das Infektionsrisiko.

Zusammenfassung Tomaten-Ausgeizen:

  • Ausgeizen am Morgen lässt die Wunden tagsüber gut abtrocknen
  • Benutzen Sie Handschuhe, um grüne Flecken zu vermeiden
  • Von oben nach unten alle Blattachseln überprüfen
  • Kleine Seitentriebe mit Fingern ausbrechen oder abknapsen, größere besser abschneiden
  • Beim Gießen die Wundstellen trocken halten
  • Etwa alle zwei Wochen wiederholen, je nach Wüchsigkeit

Verschiedene Tomaten richtig ausgeizen

Cocktailtomaten ausgeizen

Cocktailtomaten bilden kleine Früchte aus und müssen daher nur bedingt entgeizt werden. Denn die Seitentriebe bilden meist rasch Blüten und Früchte, die auch von den dünneren Seitentrieben gut getragen werden können. Um aber kein undurchschaubares und schlecht durchlüftetes Gewächs zu bekommen, lohnt es sich, doch ein paar Triebe zu entfernen. Man lässt bei der Cocktailtomate, wenn genügend Platz vorhanden ist, neben dem Haupttrieb noch zwei bis drei untere Seitentriebe stehen. Sie wird also mehrtriebig erzogen. Diese Triebe bilden Blüten und Früchte aus, alle höher liegenden Geiztriebe entlang des Haupttriebes werden entfernt.

Buschtomaten ausgeizen

Buschtomaten sollten auf keinen Fall ausgegeizt werden! Die praktischen Buschtomaten erreichen meist nur eine Höhe von maximal einem Meter. Sie verzweigen sich stark und tragen an den Seitentrieben Früchte. Wenn Sie die Seitentriebe herausknipsen, nehmen Sie einen Großteil der Früchte, die diese Pflanze getragen hätte, mit heraus.

Buschtomaten
Buschtomaten sollten auf keinen Fall entgeizt werden [Foto: Zoia Kostina/ Shutterstock.com]

Stab- und Fleischtomaten ausgeizen

Bei mittelgroßen Stabtomaten und den bis über ein Kilogramm schweren Fleischtomaten gibt es ganz unterschiedliche Meinungen zum Ausgeizen. Stabtomaten können meist problemlos mit einem oder zwei tiefliegenden Seitentrieben gezogen werden, alle Seitentriebe darüber entfernt man konsequent. Die unteren Triebe verleihen der Pflanze Stabilität, dort tragen sie auch Früchte. Bei Fleischtomaten hingegen lässt man allerhöchstens einen Seitentrieb neben dem Haupttrieb stehen und bindet beide gut an. Alternativ entfernt man konsequent alle Geiztriebe und lässt nur den Haupttrieb nach oben wachsen. Die schweren Früchte überfordern viele dünne Seitentriebe andernfalls und knicken leicht ab.

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