Tomaten: Krautfäule und Braunfäule vorbeugen und bekämpfen

Die Krautfäule und Braunfäule treibt jährlich ihr Unwesen an Tomaten und Kartoffeln. Wir geben Tipps zum Vorbeugen und zur Bekämpfung dieser Pilzkrankheit.

Tomatenfrüchte an Pflanze mit Kraut- und Braunfäule

Besonders schlimm ist es für den Hobbygärtner, wenn er sieht, wie unreife Früchte von der Braunfäule befallen werden. [Photo: Scot Nelson]

Es existieren zahlreiche Tomatenkrankheiten. Die Krautfäule und Braunfäule dürfte jedoch eine der gravierendsten sein. Die durch einen Pilz (Phytophthora infestans) verursachte Krankheit, tritt meistens kurz vor der Ernte auf und sorgt für massive Ausfälle.

Es ist ein Irrglaube, dass man diese Tomatenkrankheit lediglich mit purer Chemie bekämpfen kann. Es gibt einige Tipps und Hausmittel gegen die Braunfäule. Ein wichtiger Punkt ist, ein Grundverständnis von den Ursachen zu haben. Denn nur so lässt sich der Braunfäule gut vorbeugen. Vermeidet man die Ursachen der Krankheit, muss man später nicht zu zeitaufwändigeren und drastischeren Maßnahmen greifen. Genauso wichtig ist es, dass man den Befall frühzeitig erkennt, denn nur so lässt er sich schnell eindämmen.

Symptome und Anzeichen der Kraut- und Braunfäule

Kurz vor Ernte, meistens im Hochsommer, beginnt das Laub sich zu verfärben und zu welken. Früchte der Tomatenpflanze bekommen unattraktive braune Stellen. Diese wirken, wie der Name der Krankheit bereits vermuten lässt, faulig. Übt man Druck auf die betroffene Stelle aus, bemerkt man, dass die Frucht dort verhärtet ist. Innerhalb kürzester Zeit kann der gesamte Tomatenbestand betroffen sein.

Bei der Kraut- und Braunfolge handelt es sich nicht um eine Fruchtfolge- bzw. bodenbürtige Krankheit. Besonders kritisch sind Standorte in der Nähe von Kartoffeln. Diese übertragen die Krankheit besonders schnell.

Der Kraut- und Braunfäule vorbeugen

  • Richtige Sortenwahl
    Einige alte und etliche moderne Sorten haben eine gute Widerstandsfähigkeit gegen die Kraut- und Braunfäule. Besonders die Wildformen der Cocktailtomate und der Cherrytomate, Lycopersicon humboldtii, haben sich als robust erwiesen. Auch die Sorte De Berao hat sich in einem Feldversuch als robust zeigt. Zudem gibt es mittlerweile einige moderne Sorten (meist F1 Hybride) mit guter Widerstandsfähigkeit gegen die Braunfäule. Hierzu zählen beispielsweise Phantasie, Fantasio und Maestria.
  • Geschützte und trockene Standortwahl
    Besonders Feuchtigkeit begünstigt den Befall mit der Braunfäule. Deshalb sollte der Standort vor Witterung insbesondere vor Regenschauern geschützt sein. Entweder hat man ein eigenes kleines Gewächshaus, ein Tomatendach oder man stellt die Tomaten an einer geschützten und warmen Hauswand auf. Diese speichert über den Tag hinweg die Sonnenwärme und gibt diese in den Abendstunden wieder ab.
  • Vorsichtiges Gießverhalten
    Die Pilzerreger überträgt sich meistens durch Wasserspritzer vom Boden auf die unteren Blätter. Hier kann man mit der richtigen Gießtechnik ansetzen. So sollten die Pflanzen immer vorsichtig im Wurzelbereich gegossen werden. Weder sollte es beim Gießen spritzen, noch sollte das Laub der Tomate mit Gießwasser benetzt werden.
  • Niedrige Pflanzdichte
    Eng gepflanzte Tomaten stecken sich nicht nur schneller untereinander mit Krankheiten und Schädlingen an, sondern erschweren auch das Zirkulieren von Luft. Sind die Tomatenblätter mal nass, müssen diese schnell trocknen, um dem Pilz keine Angriffsfläche zu geben. Aus diesen beiden Gründen dürfen Tomaten ruhig etwas lockerer stehen.
  • Problematik des Ausgeizens
    Zwar argumentieren viele Tomatenliebhaber pro Ausgeizen, denn die Pflanzen hätten ja somit mehr Kraft für die Ausbildung von aromatischen Früchten. Wir sehen die Thematik jedoch etwas anders. Entfernt man die aus den Blattachseln wachsenden Geiztriebe, so verletzt man die Pflanze. Aber vor allem in den Mulden der Blattachseln sammelt sich nach Regenschauern Nässe an. Entfernt man die Geiztriebe hat man nicht nur die Problematik des angesammelten Wassers, sondern auch eine „offene“ Wunde, die ein ideales Einfallstor für Krankheitserreger darstellt. Deshalb empfehlen wir bei der Freilandkultur, die Pflanzen nicht auszugeizen und lieber für ein ordentliches Wurzelwachstum zu sorgen. Dies erreicht man durch Anzuchterde, Pikieren, tiefes oder horizontales Einsetzten der Jungpflanzen (Triebe der Tomate bewurzeln sobald diese mit Erde bedeckt sind).
  • Pflanzen stärken
    Mit pflanzlichen Stärkungsmitteln und einer vernünftigen Dünung und konstanten Wässerung sorgt man für kräftige und gesunde Pflanzen. Hier haben Schädlinge und Krankheitserreger generell ein schwierigeres Spiel. Denn im Gegensatz dazu sind angeschlagene, gestresste Pflanzen ein leichtes Opfer. Einige Tomatenexperten verwenden auch Schachtelhalm-Extrakte und andere Brühen. Über die Wirkung lässt sich teilweise streiten. Der positive Effekt von Blattdüngern auf das Wachstum lässt sich jedoch nicht bestreiten. Vorsicht ist bei der Anwendung von Kupferdrähten und –pulvern geboten: Das von den Drähten abgesonderte Kupfer (an denen die Tomaten beispielsweise angebunden werden sollen), soll Gerüchten nach den Pilzbefall abhalten. Verschiedene Experimente und Studien haben jedoch gezeigt, dass dies blanker Unfug ist. Zudem muss man sich als Gemüsegärtner überlegen, ob man Spuren von Kupfer, das zu den Schwermetallen gehört, in seiner Nahrungskette haben will.

Folgende Produkte haben sich gegen die Braunfäule bei uns im Garten bewährt:

  • Tomatendach: Schützt die Tomaten vor Regen. Wasserspritzer durch unvorsichtiges Giesen und Regen begünstigen den Befall mit der Kraut- und Braunfäule massiv.
  • Ortiva von Compo: Hilft die Verbreitung einzudämmen. Sollte sofort angewendet werden, wenn ein Befall erkennbar ist. Dies kann die restliche Ernte schützen.
  • Atempo von Neudorff: Ebenfalls ein bewährtes Präparat der Firma Neudorff, das hilft die Ausbreitung des Pilzes zu stoppen. Sollte direkt nach erkennen der Krankheit auf den gesamten Bestand angewendet werden.

Die Kraut- und Braunfäule bekämpfen

Die Überschrift hört sich schön an. Leider kann man diese Pilzkrankheit nicht so einfach bekämpfen, wie viele Gärtner es gerne hätten. Der Pilz verbreitet sich über Sporen rasend schnell. Bereits infizierte Pflanzteile können nicht mehr genesen und sollten großzügig abgeschnitten werden. Anschließend entsorgt man den Pflanzschnitt auf dem Restmüll. Er darf auf keinen Fall auf dem Kompost landen! Auch die verwendete Schere sollte anschließend desinfiziert werden. Will man die restliche Pflanze vor einem ähnlichen Schicksal bewahren, muss das Laub der Pflanze möglichst trocken gehalten werden. Auch Fungizide (Pflanzenschutzmittel gegen Pilzkrankheiten) helfen und können eingesetzt werden, wenn die Ernte noch nicht unmittelbar vor der Tür steht.

Wir danken Scot Nelson für die Photos.

Felix

Wirtschaftsingenieur und begeisterter Hobbygärtner. Seit über zehn Jahren baue ich besonderes Obst und Gemüse im eigenen Garten an.
Lieblingsobst: der rotfleischige Pfirsich und die Pluot.
Lieblingsgemüse: Palmkohl, Tomaten und Kardonen.