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Grünkohl: Vitaminspender in der Winterzeit

Ob klassisch oder exotisch: Grünkohl kann mehr als nur deftig! Wir geben Tipps zum Anbau und zeigen Ihnen die besten Rezepte.

Grünkohl im Garten nahaufnahme

Saftig, kräftig, lecker: Grünkohl überzeugt auf allen Ebenen

Der Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica) stammt vom Wildkohl ab, der in seiner ursprünglichen Form noch in einigen Mittelmeerländern und an der englischen Atlantikküste vorkommt. Bereits in der Zeit vor Christus bauten die Römer den vitaminreichen Krauskohl an. Laut historischen Literaturbelegen bezeichnete Cato 235 vor Christus den Grünkohl als „allerbestes Gemüse“. Mittlerweile hat Grünkohl seinen Ruf als Arme-Leute-Essen abgelegt und gilt als saisonale Winterdelikatesse. Grünkohl ist besonders im Norden Deutschlands als vitaminreiche Beilage für Deftiges sehr beliebt. Einige Ortschaften bieten sogar öffentliches Grünkohlessen an und wählen jedes Jahr Grünkohlkönig und -königin. Anders als Weiß-, Blau- und Chinakohl können die Pflanzen mehrfach beerntet werden. Hierzu werden die Blätter von unten her geerntet. Grünkohl wird auch im sogenannten Biomonitoring zur Messung von schädlichen aromatischen Kohlenwasserstoffen verwendet. Er kommt hierzu besonders an und um Flughäfen und petrochemischen Anlagen zum Einsatz.

Synonyme: Braunkohl, Burenkohl, Winterkohl, Krauskohl, Strunkkohl, Palme (da die Pflanze bis zu 2 Meter hoch werden kann), Federkohl (CH), curly kale (engl.), Cavolo riccio (IT), Col crespa (ES)

Grünkohl im eigenen Garten anbauen

Wie der Schwarzkohl und diverse andere Kohlarten ist Grünkohl eine zweijährige Pflanze. Erst im zweiten Jahr bildet der Grünkohl seine Blüten aus. Die gelblichen Blüten erinnern leicht an Raps. Der Anbau im eigenen Garten ist mit ein paar Tipps leicht und sehr dankbar.

Grünkohl fühlt sich an einem sonnigen bis halbschattigen Standort wohl. Nach der Kultur sollte er in den nächsten vier Folgejahren nicht mehr an demselben Standort angebaut werden. Somit wird eine Ansteckung durch die noch im Boden befindenden Krankheiten vermieden. Grün- und Braunkohl hat recht geringe Bodenansprüche. Er benötigt einen Nährstoffgehalt im mittleren Bereich, weshalb sehr karge Böden mit etwas Kompost angereichert werden sollten. Bei Trockenheit muss regelmäßig gewässert werden.

Den Kohl Mitte Mai bis Mitte Juni im Freien auspflanzen: Ein Vortreiben lohnt meistens den Aufwand nicht, denn geerntet wird üblicherweise erst nach dem ersten Frost. Dies fördert das Aroma. Ab Anfang August werden die Jungpflanzen an den endgültigen Standort verpflanzt. Grünkohl benötigt relativ viel Platz: Je nach Wuchsfreude der Grünkohlsorte sollte man mit einem Abstand von 35-55cm zwischen den Pflanzen und 60 cm zwischen den Reihen planen. Generell ist es wichtig darauf zu achten, dass man die Jungpflanzen ausreichend tief einsetzt, um einen möglichen Befall der Kohlfliege abzumildern. Wird Grünkohl auf dem Balkon kultiviert, müssen die einzelnen Pflanzen ab August in größere Töpfe umgesetzt werden.

Grünkohl sollte lediglich verhalten gedüngt werden. Die Pflanze hat einen erhöhten Bedarf an Kali, weshalb ein entsprechend kalireicher Dünger (bsp. Tomatendünger) ausgebracht werden sollte. Mitte September sollte noch ein letztes Mal gedüngt werden.

Wir empfehlen folgende Produkte:

Grünkohl-Sorten

Eine umfangreiche Sortenübersicht finden Sie hier: Grünkohl: die richtige Sorte zum Anbauen wählen.

  • Vitessa: wuchsfreudige Sorte; halbhoch mit tiefdunkelgrünen Blättern.
  • Halbhoher grüner Krauser: halbhohe, winterharte und bewährte Sorte mit feingekrausten Blättern.
  • Lerchenzungen: niedrige und sehr winterharte Sorte mit schmalen und kurzen Blättern; besonders aromatischer Geschmack. Eine traditionelle Sorte, die leider auf den Märkten kaum mehr zu finden ist.
  • Redbor (F1): sehr dekorative Sorte mit feingekrausten Blättern und einem halbhohen Wuchs. Die Blätter haben einen rot-bläulichen Stich mit pink-rötlichen Blattadern. Es gibt zwar ertragreichere Sorten als Redbor, aber nur wenige, die optisch so ansprechend sind; gut geeignet für die Kultur auf dem Balkon oder der Terrasse.
  • Braunkohl Roter Krauskohl: Neuzüchtung mit rot-bräunlichen Blättern, die besonders auf Grund ihrer Inhaltsstoffe (Flavonoiden) geschätzt wird.
  • Winterbor: mittelhochwachsende Sorte mit starkgekrausten und grün-bläulichen Blättern; verträgt Frost besonders gut.
Violette Sorte "Redbor" Grünkohl anbauen

Violette Sorte „Redbor“ [Foto: Nick SaltmarshCC BY 2.0]

Grünkohl: Alles zur Ernte und Lagerung

Geerntet werden kann ab Ende September. Liebhaber des schmackhaften Grüns warten allerdings bis zu den ersten Frösten. Sobald die Temperaturen niedriger werden, sorgen Stoffwechselvorgänge für einen erhöhten Zuckeranteil. Neuere Sorten haben generell einen höheren Zuckergehalt, weshalb Landwirte Grünkohl auch schon vor dem ersten Frost zu ernten beginnen. Auch nach dem ersten Frost kann mit der Ernte fortgefahren werden. Sollte es zu sehr tiefen Temperaturen unter -10°C kommen, muss der Grünkohl geerntet werden. Alternativ können Sie auch noch das Herz sowie einige Blätter stehen lassen. Diese treiben im Frühjahr aus – das erste schmackhafte Gemüse im neuen Gartenjahr. Sie werden es zu schätzen wissen. Mehr zur Ernte und Lagerung finden Sie hier.

Abgeerntet hält der Grünkohl einige Tage im Kühlschrank. Hat man reichlich, kann man ihn auch gut einfrieren. Zuvor sollte er gekocht werden, damit sich das Volumen reduziert.

Krankheiten und Schädlinge des Grünkohls

Im Allgemeinen ist Grünkohl ein robustes und dankbares Gemüse. Einige Schädlinge können dem Hobbygärtner dennoch das Leben schwermachen.

Kohlweißling: Die Raupen des Kohlweißlings können innerhalb kurzer Zeit sämtliche Blätter abfressen. Vorbeugend sollten die Pflanzen regelmäßig auf die gelben Eier des Schmetterlings abgesucht werden. Hat es im eigenen Garten auch in früheren Jahren einen Befall des Kohlweißlings gegeben, können auch Vogelschutznetze über die Pflanze gespannt werden. Die Kohlweißling-Schmetterlinge sind für das feinmaschige Netz zu groß.

Weiße Fliege: Ein Befall mit den kleinen Fliegen kann sehr lästig sein. Diese legen die Eier auf der Blattunterseite des Grünkohls ab. Die Larven der weißen Fliege zehren vom Blatt, schädigen dies somit und sondern zudem noch eine klebrige Flüssigkeit ab. Diese Flüssigkeit fördert in Folge einen Pilzbefall. Von der Firma Neudorff gibt es einige Präparate auf biologischer Basis mit denen man einen Befall bekämpfen kann.

Kohlhernie: Eine schlimme und gefürchtete Pilzkrankheit an Kohlarten, bei der sich die Wurzel verdickt. Durch eine gestörte Wasseraufnahme welken und vertrocknen die Blätter. Es kann zu einem Totalausfall kommen. Im Privatgarten kann gegen die Kohlhernie nicht chemisch vorgegangen werden. Wichtig sind vorbeugende Maßnahmen. Bei niedrigem ph-Wert sollte der Boden mit 1 kg/m² Branntkalk oder mit 2 kg/m² Kohlensaurer Kalk aufgebessert werden. Sollte der Befall auftreten kann an dieser Stelle im Garten für fünf, teilweise sogar zehn Jahre, kein Kohl mehr angebaut werden. Befallener Kohl darf nicht auf den Kompost und muss im Restmüll entsorgt werden.

Folgende Produkte haben sich bei uns im Garten bewährt:

Verwendung und Inhaltsstoffe

Neben der anfangserwähnten Verwendung im Biomonitoring wurde Grünkohl früher vielseitig verwendet. Die oberen Blätter wurden im Herbst in der Küche verarbeitet während die unteren an den Tierbestand verfüttert wurden. Während des Winters waren die Rosenblätter des Grünkohls eine beliebte Abwechslung auf dem Teller. Zu Beginn des zweiten Standortjahrs stellte der Austrieb des Grünkohls das erste Gemüse des neuen Jahres dar. Der Strunk enthält weißes Mark, das ebenfalls verarbeitet und verspeist wurde. Während sich in Omas altem Kochbuch noch eine solche Verwendung des Marks finden lässt, weiß heutzutage kaum jemand mehr, wie das Mark zubereitet werden kann.

Grünkohl ist sehr reich an Vitamin C und Vitamin K. Zusätzlich ist diese Kohlart reich an Ballaststoffen. Grünkohl wird besonders gerne zu Deftigem gegessen. In Norddeutschland wird er mit einer Mettwurst, der sogenannten Pinkel, oder Kassler zubereitet. Meistens wird das Grün ein bis eineinhalb Stunden mit Zwiebeln und Knoblauch gedünstet. In der letzten halben bis dreiviertel Stunde wird die Mettwurst oder der Kassler beigegeben.

Auch in der Health-Food Bewegung hat der Grünkohl einen neuen Stellenwert bekommen. Er wird häufig in den Green-Smoothies verwendet, um für einen vitaminreichen Start in den Tag zu sorgen. Am besten kombiniert man den Grünkohl mit Bananen und nach Belieben mit anderem Obst, packt alles in einen Mixer und schon hat man einen gesunden Smoothie zur Hand.

Steffi

Ich studiere momentan im schönen Weihenstephan Agrarwissenschaften. Neben dem Gärtnern (ich baue vor allem Gemüse und Kräuter an) schlägt mein Herz auch besonders für die Tierwelt. Egal, ob Hund, Meerschwein, Igel oder Biene – alle sollen sich in meinem Garten wohlfühlen.
Lieblingsobst: Wassermelonen und Himbeeren
Lieblingsgemüse: Kartoffeln

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