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Arznei-Baldrian: Das beruhigende Kraut im eigenen Garten

Der Arznei-Baldrian ist eine der besten Pflanzen, die bei Unruhe und Schlafstörungen wirksam ist. Wir zeigen, wie er in jedem Garten prächtig wächst!

Blüte Baldrian mit Hummel

Die filigranen Blüten des Baldrians sind zart rosa gefärbt [Foto: Tom LundCC BY 2.0]

Der echte Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis) gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Capricoliaceae). Auch der Feldsalat (Valerianella) ist ein berühmter Angehöriger der gleichen Pflanzenfamilie und somit eng verwandt mit dem Baldrian. Mit einer Höhe von ein bis 2 m überragt das winterharte Kraut so manch anderen Kollegen im heimischen Kräutergarten. Beheimatet ist der Baldrian in Europa und Westasien. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben im Winter ab und die robuste Staude überwintert in Form der Rhizome im Boden. Rhizome, das sind unterirdische Sprossachsen, die hauptsächlich der Ausbreitung aber auch eben der Überwinterung dienen.

Aufgrund des eigenwilligen Geruchs ranken sich einige Mythen um den Baldrian. So soll ein Baldrian-Strauß, wie ein Mistelzweig in den Türrahmen gehängt, die bösen Geister fernhalten. Platziert man ihn allerdings im Bienenkorb, so soll er den Verlust des Bienenvolkes verhindern und sogar noch weitere anlocken. War im Mittelalter ein Henker zu zart besaitet, so behalf er sich mit dem Kauen des Baldrian-Rhizoms: denn dem Kraut wurde nachgesagt, Zorn zu erregen, sodass der Henker kein Mitleid mehr mit dem Schuldigen fühlte. Der Rattenfänger von Hameln hingegen trug Baldrian bei sich, um die Ratten mit dem unangenehmen Geruch aus ihren Löchern zu locken. Um das Kraut ranken sich also eine Vielzahl an Geschichten und Mythen. Sicherlich will man nicht alles ausprobieren, um herauszufinden, welche wahr sind und welche nicht. Wahr ist allerdings, dass Baldrian bei Unruhe und Schlafstörungen hilft. Außerdem kann man ihn trotz seines strengen Geruches in der Küche verwenden. Wir zeigen, wie Sie das vielfach einsetzbare Kraut im eigenen Garten anbauen können.

Synonyme: Katzenkraut, Stinkwurz, Hexenkraut

Baldrian anbauen: So wächst er erfolgreich

Standort

Optimal für den Baldrian ist ein sonniger Standort, aber auch mit Halbschatten gibt er sich zufrieden. Er fühlt sich auf einem eher feuchten Boden wohl. Dabei sollte dieser allerdings nicht nass sein oder zu Staunässe neigen; das tut auch dem Baldrian nicht gut. Auf Grund dieser Vorliebe ist der Baldrian in der freien Natur häufig an Gewässerrändern vorzufinden. Bei schwerem Untergrund (wie zum Beispiel Lehmböden) ist es ratsam, diese mit Sand aufzulockern. Das begünstigt die Bildung der feinen Wurzeln und des Rhizoms. Nachdem der Baldrian geerntet wurde, ist es essentiell, einen Standortwechsel für das nächste Jahr durchzuführen (natürlich nur, falls ein weiteres Anbaujahr gewünscht wird). Wird Baldrian immer wieder am gleichen Ort angebaut, so fördert das den Befall mit typischen Krankheiten. Vier bis fünf Jahre sollten an der Stelle weder Baldrian noch der eng verwandte Feldsalat angebaut werden.

Vor allem wegen des hohen Wasserbedarfs und der Ausbildung der Rhizome ist beim Anbau des Baldrians im Topf das Gefäß groß genug zu wählen. Steht ihm nur ein kleiner Wurzelraum zur Verfügung, muss einerseits viel gegossen werden, andererseits bleiben die begehrten Rhizome des Baldrians kleiner und es kann nicht so viel geerntet werden.

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Vermehrung

Der gängigste Weg, um Baldrian selbst zu vermehren, ist die Aussaat. Am besten erfolgt das Ausbringen der Samen bereits im März oder Anfang April. Die direkte Aussaat ins Freiland ist aufgrund noch drohendem Frost zu riskant, deshalb lieber im Anzuchtkasten auf der Fensterbank vorziehen. Bei Baldrian handelt es sich um einen Lichtkeimer. Wird die Aussaat mit Erde bedeckt, erschwert dies die eh schon sehr langwierige Keimung der Samen. Deshalb den Samen nur etwas andrücken und sorgfältig darauf achten, dass er gleichmäßig befeuchtet bleibt. Vier bis sechs Wochen dauert es auch bei häuslicher Wärme, bis sich die ersten Keimlinge zeigen.

Baldrian Blatt

Die spitzzulaufenden Blätter wachsen nah am Boden [Foto: Andreas RocksteinCC BY-SA 2.0]

TIPP: Nehmen Sie am besten immer frisches Saatgut aus dem Vorjahr. Baldrian verliert sehr schnell seine Keimfähigkeit mit zunehmender Lagerungsdauer. Dann dauert es noch länger, bis die Samen keimen oder es sprießt im schlimmsten Fall gar nichts mehr empor.

Durch sein Rhizom vermehrt sich der Baldrian wie von selbst. Deshalb sollte beim Auspflanzen ins Beet auch darauf geachtet werden, dass genügend Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen besteht. So haben diese noch genügend Freiraum, um sich auszubreiten und zu entfalten.

Gießen und Düngen

Da der Baldrian sich auch eher in etwas wasserreicheren Gefilden wohl fühlt, muss er auch regelmäßig und konsequent mit Wasser versorgt werden. Trockenheit bekommt dem Heilkraut nicht gut. Mehrere Tage anhaltende Dürre kann ihm sogar so sehr zusetzen, dass er die Durststrecke nicht überlebt. Auch das Wurzelsystem reicht nicht sonderlich tief in den Boden, als dass tief im Boden liegende Wasserreserven erreicht werden könnten.

Wird der Baldrian in einem humusreichen Boden gepflanzt, so bedarf es keiner weiteren Düngung. Bei der Kultur im Topf kann es jedoch von Vorteil sein, gelegentlich nach zu düngen. Einmal im Monat ist auch in diesem Fall ausreichend.

Pflege

An sich benötigt der Baldrian keine besonderen Pflegemaßnahmen. Im Winter müssen keine Schutzmaßnahmen vor Frost vorgenommen werden. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben im Herbst ab. Das den Winter überdauernde Rhizom im Boden strotzt dem Frost mit Leichtigkeit.

Gelegentlich kann Baldrian jedoch von Schädlingen heimgesucht werden. Blattläuse sollten am besten einfach abgebraust werden. Bei zu dichtem Stand der Pflanzen, kann es auch vorkommen, dass sich ein weißlicher Pilzrasen auf der Oberseite der Blätter bildet. Das ist Mehltau. In diesem Fall sollten die Pflanzen weiter auseinander gepflanzt werden und falls zusätzlich gedüngt wurden die Gabe zusätzlicher Nährstoffe eingestellt werden.

In unserer Anbauanleitung finden Sie noch mehr Tipps und Tricks!

Arznei-Baldrian: Ernten und Lagern

Von Hauptinteresse ist die Wurzel beziehungsweise das Rhizom. Dieses enthält die wirksamen ätherischen Öle und anderen Bestandteile in hohen Konzentrationen. Um eine reichhaltige Ernte einfahren zu können, wird dazu geraten, die Wurzeln erst im zweiten Lebensjahr der Pflanze auszugraben. Danach wird sie langsam getrocknet, wobei sich der charakteristische Geruch ausbildet. Getrocknet kann das Rhizom mehrere Monate lang gelagert werden.

reife Samen Baldrian mit Spatzen

Nach der Blüte kommen die erntereifen Samen zum Vorschein [Foto: Tom LundCC BY 2.0]

Die reifen Samen können nicht nur im nächsten Jahr ausgesät, sondern ähnlich wie die Wurzel verwendet werden. Nachdem die Blütenstände abgereift und braun geworden sind, werden sie abgeschnitten und nachgetrocknet. Danach lassen sich die Samen einfach herauslösen.

Mehr zur Ernte, Lagerung und Wirkung des Krauts finden Sie hier.

Verwendung von Baldrian: Inhaltsstoffe und Wirkung

Baldrian ist vor allem im unterirdischen Rhizom, aber auch in den Samen reich an wirksamen ätherischen Ölen. Enthaltene Alkaloide erzeugen einen für Katzen prägnanten Geruch und wirkt auf sie stimulierend, ähnlich wie die Katzenminze. Die getrockneten Rhizome zählen zu den meist verwendeten pflanzlichen Wirkstoffen als Beruhigungsmittel bei Unruhe oder Schlafstörungen. Getrocknet kann er auf unterschiedliche Weisen verabreicht werden: als Tee oder Tinktur oder aber in Form von Tabletten oder Kapseln. An Kinder sollten Präparate mit Baldrian auf Grund der nicht bekannten Wirkung auf den kindlichen Organismus nicht verabreicht werden.

Aber Baldrian findet öfter als man denkt auch den Weg in die Küche. In der Lebensmittelindustrie wird Baldrianextrakt verwendet, um in Eis oder Gebäck Apfelgeschmack zu erzeugen. Das junge austreibende Kraut im Frühjahr kann mit dem engen Verwandten – dem Feldsalat – sehr gut in einem Salat verarbeitet werden.

Beim Baldrian handelt es sich also um eine altbewährte Heilpflanze, die auch heute noch vielfach medizinisch verwendet wird. Um den eigenwilligen Geruch ranken sich unzählige Mythen, doch hat dieses Kraut dank seiner vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten und der zierenden Blüte einen Platz im heimischen Garten verdient.

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