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Hopfen: Die Pflanze des Bieres selbst anbauen

Denkt man an Hopfen, liegt der Gedanken an ein kühles Bier nicht fern. Wir haben alles Wissenswerte über die vielseitige Staude für Sie zusammengefasst.

Hopfen Ähre

Die Hopfenähre – Der Ursprung eines jeden Bieres [Foto: StevesworldphotosCC BY-ND 2.0]

Der echte Hopfen (Humulus lupulus) gehört zu den Hanfgewächsen (Cannabaceae). Sicherlich haben viele in Verbindung mit dieser Rankpflanze folgendes Bild vor Augen: Ein wohlbeleibter Mönch in brauner Kutte, der an einem massiven Holztisch genüsslich einen tiefen Schluck aus seinem Krug mit dem herben Hopfengetränk nimmt. Tatsächlich werden 95 % des in Deutschland angebauten Hopfens für das Brauen von Bier verwendet. Doch die ursprünglich aus Mitteleuropa stammende Staude wurde nicht wegen ihres Hauptverwendungszweckes 2007 zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Der echte Hopfen überzeugt nämlich auch dank einiger medizinisch wertvoller Inhaltsstoffe. Wir erklären Ihnen warum Bier und Hopfen einfach zusammengehören und zeigen, wie Sie auch im eigenen Garten diese Arzneipflanze selbst anbauen können.

Hopfen im Garten anbauen

Standort
Der echte Hopfen liebt die Sonne. Beim Anbau im eigenen Garten sollte diese ihm auch keinesfalls verwehrt werden – an einem Standort in südlicher Lage entwickelt sich das Gewächs am besten. Das ist auch der Grund, warum im sonnigen Bayern über 80 % des in Deutschland kommerziell produzierten Hopfens angebaut wird. Berühmt für den Anbau des Hopfens ist vor allem die Region Hallertau. Nicht nur die Wildform des echten Hopfens, die häufig in sehr bodenfeuchten Gebieten anzutreffen ist, erfreut sich an einer stickstoffreichen Versorgung. Vor allem bei der Kultur im Topf, die ohne weiteres möglich ist, sollte ein gut aufgedüngtes Substrat verwendet werden. Wird der Hopfen im eigenen Garten in ein Beet gepflanzt, so sollte bekannt sein, dass er Rhizome bildet. Das sind unterirdische Sprosse, aus denen sich jedes Jahr aufs Neue wuchskräftige Triebe an die Erdoberfläche schieben. Muss die Pflanze von ihrem Platz weichen, wird jeder mit einem Spaten anrücken. Doch wenn das Rhizom des Hopfens zerteilt wird und Teile im Boden zurückbleiben, so können aus diesen immer noch neue Triebe austreiben.

Hopfen Blatt und Ähre im Spätsommer sonne

Der Hopfen ist ein richtiger Sonnenanbeter [Foto: waferboardCC BY 2.0]

Vermehrung
Die übliche und sinnvollste Vermehrung des Hopfens ist die Stecklingsvermehrung. Das hat einen besonderen Grund: Ausschließlich unbefruchtete, weibliche Blütenstände bilden die begehrten Zapfen aus. Der Aufbau männlicher Rispen-Blüten unterscheidet sich grundlegend von dem der ährenförmigen weiblichen Blüten. Eine Befruchtung der weiblichen Blüten ist zum einen nachteilig für die Verarbeitung in der Brauerei und zum anderen kann nicht so viel Bierwürze aus der gleichen Masse an Hopfenfrüchten produziert werden wie aus unbefruchteten Blüten. Hält man eine Saatguttüte in der Hand, kann man nicht sicher sein, ob in den Samen Weiblein oder Männlein veranlagt ist. Später kann es dann in der geschlechtlichen Hopfen-Mischkultur zur unerwünschten Befruchtung der weiblichen Blüten kommen. Um diesen Fauxpas zu vermeiden, werden die Hopfen-Sorten ausschließlich über Stecklinge vermehrt. Wollen Sie Hopfen im eigenen Garten pflanzen, bietet es sich deshalb an, bereits vorgezogene Jungpflanzen zu kaufen.

Gießen und düngen
Hopfen ist hungrig und durstig. Das ist ja auch kein Wunder bei einem Tageszuwachs von bis zu 10 cm der einzelnen Triebe, die auch als Reben bezeichnet werden. Der Boden muss stets feucht gehalten werden. Staunässe gilt es jedoch in jedem Fall zu vermeiden. Das würde zu einer mangelhaften Sauerstoffversorgung der Wurzeln und in Folge zu Wurzelfäule führen. Der Hohe Nährstoffbedarf sollte vor allem bei einer Kultur im Topf durch zusätzliches Düngen gedeckt werden. Ebenso wie die Wassergaben muss auch das Düngen dem rasanten Wachstum des Hopfens angepasst werden. Das heißt, dass mit zunehmender Größe die Abstände zwischen den Düngungen verkürzt werden. So sollte im Frühsommer bis zu einmal wöchentlich mit Nährstoffen versorgt werden. Das Düngen wird dann aber auch mit dem Eintreten der Blüte ganz eingestellt. Das Gießen bleibt aber ein Vollzeitjob: Vor allem bei der Kultur im Topf muss an sonnigen, warmen Tagen täglich gegossen werden, um eine optimale Versorgung der Pflanze sicherzustellen. Deshalb ist es auch ratsam, einen nicht zu kleinen Topf für die durstige Staude zu verwenden.

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Pflegen, schneiden, binden
Hopfen kann je nach Sorte 4 bis 8 Meter lang werden. Ohne ihre Kletterhaare könnten die dünnen Triebe jedoch gar nicht in die Höhe wachsen. Deshalb werden drei bis vier der kletternden Reben pro Rhizom an eine Kletterhilfe aus vertikalen Drähten hochgebunden. Dies erfolgt, sobald die einzelnen Triebe so lang geworden sind, dass sie sich nicht mehr aufrecht halten können. Es gilt zu beachten, dass der Hopfen ein sogenannter Rechtswinder ist. Wenn es nötig ist beim Klettern am Draht nachzuhelfen, so müssen die Triebe locker im Uhrzeigersinn hochgebunden werden. Alle weiteren Triebe, die aus dem gleichen Rhizom sprießen, werden herausgeschnitten. Das steigert den Ertrag an Hopfen-Zapfen.

Hopfen Anbau auf dem Feld Hang

Die Triebe werden an eine Kletterhilfe aus vertikalen Drähten hochgebunden [Foto: sanfamedia.comCC BY 2.0]

Ein Rückschnitt zum Winter ist nicht erforderlich. Alle oberirdischen Pflanzenteile der Staude sterben ab. Die Nährstoffe aus den Reben werden in die unterirdische Sprossachse verlagert. So hat das Rhizom genügend Kraft, um die frischen Triebe im nächsten Frühjahr wieder an die Erdoberfläche zu schieben. Das Rhizom des in unseren gemäßigten Breiten heimischen Hanfgewächses ist übrigens nicht von Frostschäden bedroht. Auch länger anhaltender Dauerfrost kann dem robusten Hopfen nichts anhaben.
Es ist möglich, dass hartnäckige Blattläuse Ihren Hopfen befallen. Diese unliebsamen Kleintiere können am besten mit alten Hausmitteln statt der wuchtigen Chemiekeule bekämpft werden. Das Abgießen der Pflanzen mit Brennnessel-Jauche oder die Zugabe hilft meist schon. Die Zugabe eines kleinen Spritzers Spülmittel zum Wasser, mit dem die befallenen Pflanzen abgebraust werden, reicht meist aus, um den Krieg mit den kleinen Pflanzensaftsaugern für sich zu entscheiden. Viele Sorten sind außerdem anfällig für Echten Mehltau. Beste Alternative zum chemischen Pflanzenschutz: die Auswahl einer weniger anfälligen oder sogar resistenten Sorte.

Hopfen-Sorten: Reine Geschmacksache

Hunderte verschieden Hopfensorten sind auf dem Markt erhältlich. Dabei wird jedem Geschmack etwas geboten, das Spektrum reicht von „blumig“ über „fruchtig-süß“ bis „Menthol“. Die große Gruppe der Hopfensorten wird in zwei Hauptgruppen unterteilt. Als Entscheidungsmerkmal wird dabei der Gehalt an Alphasäuren hinzugezogen. Sogenannte Bitterhopfen-Sorten weisen einen Alphasäure-Gehalt von über 10 % auf. Alle Sorten unter 10 % werden hingegen zu den Aromahopfen-Sorten gezählt. Der geringe Gehalt an Alphasäuren vermindert zwar die Bitterkeit des Hopfens. Dafür enthalten die Aromahopfen-Sorten aber eine höhere Konzentration an ätherischen Ölen. Diese kann je nach Aromazusammensetzung zur eigenen, speziellen Geschmacksnoten beitragen. Mittlerweile wendet sich eine ganze Szene der aromatischen Vielfalt des Hopfens und der Sorten zu und der Geschmacksreichtum scheint ins Unendliche zu wachsen. Wir nennen nun einige traditionelle Bitterhopfen-Sorten, aber auch außergewöhnliche Vertreter des Aromahopfens beim Namen:

Bitterhopfen-Sorten:

  • ‚Nugget‘: starker Wuchs und ertragreich; aber sehr krankheitsanfällig; geringe Anforderungen an den Boden.
  • ‚Target‘: geringe Ansprüche an den Boden; sehr schöne, geschlossene Dolden; wenig anfällig für Echten Mehltau.
  • ‚Hallertauer Magnum‘: hoher Bitterstoffgehalt; kräftiges Wachstum; größte Dolden und Blätter.
  • ‚Northern Brewer‘: frühe Reife; weniger ertragreich aber wichtige Bitterstoffe.

Aromahopfen-Sorten:

  • ‚Hersbrucker‘: traditionelle Sorte; ausgeprägte würzige Note; insgesamt gutes Aroma.
  • ‚Hallertauer mittelfrüh‘: alte Sorte; dank des Aromas immer noch im Anbau beliebt; große dunkelgrüne Blätter; ästhetischer Wuchs.
  • ‚Centenniel‘: beliebte Sorte in den USA; Aroma Rote Beete und Beerenfrüchte gemischt mit holzigen Noten.
  • ‚Citra‘: Aromasorte mit hohem Wiedererkennungswert; vielfältiges fruchtiges Aroma.
  • ‚Amarillo‘: moderates Aroma; süß-fruchtige würzige Note.
Hopfen Ähre Nahaufnahme

Nur unbefruchtete, weibliche Blütenstände bilden die begehrten Zapfen aus [Foto: Last HeroCC BY-SA 2.0]

Für die im kommerziellen Anbau verwendeten Aroma- und Bitterhopfen-Sorten besteht ein weiteres Zuchtziel in der Erschaffung kleinwüchsiger, aber dennoch ertragreicher Sorten. Das würde die maschinelle Bearbeitung der Kultur immens erleichtern.

Einige Sondersorten bereichern den Markt vor allem für Hobbyanbauer im eigenen Garten. Sie zeichnen sich meist durch eine ausgeprägte Anspruchslosigkeit in Punkto Standorteigenschaften aus.

Sondersorten:

  • ‚Billbo‘: Bitterstoff extrem gering; sehr gut geeignet für Tees; uninteressant für die Braukunst.
  • ‚Comet‘: sehr zierend hellgrün bis gelb belaubt; sehr große und auffällige Dolden.
  • ‚Gimmli‘: zwergwüchsig; Triebe erreicht aufgebunden eine Länge von 4 m; gut geeignet für den Anbau im Topf/Container; resistent gegen Echten Mehltau.

Mehr Informationen zu den Sorten finden Sie in unserem Artikel Hopfen-Sorten: Von bitter bis fruchtig-süß.

Hopfen ernten und lagern

Von Ende August bis Mitte September können die von Bierliebhabern verehrten Hopfen-Zapfen geerntet werden. Wenn die Zapfen erntereif sind, sondern sie das gelbe pulverförmige Hopfenharz ab. Die aufwendige Handauslese ist dabei wohl lediglich im Hobbybereich Gang und Gebe. Im kommerziellen Anbau werden die Reben als Ganzes knapp über dem Boden abgeschnitten und von der Rankhilfe gerissen. Auf den Höfen werden dann die unbefruchteten weiblichen Blütenstände mit Hilfe einer Pflückmaschine von den Trieben getrennt.

Grundsätzlich wird der Ertrag anschließend getrocknet, um die Haltbarkeit zu verlängern. Entweder können die Dolden luftgetrocknet werden oder aber man beschleunigt den Prozess im Backofen. Hier wird den Dolden bei bis zu 80 °C für ein bis zwei Stunden die Feuchtigkeit entzogen. Wird an der Luft getrocknet, ist es wichtig einen dunklen Ort auszuwählen, damit die grüne Färbung der Dolden erhalten bleibt. Werden die getrockneten Blütenstände im Anschluss noch zu Pellets zusammengepresst, kann sowohl das Lagervolumen deutlich verringert werden als auch bei luftdichtem Verschluss die Lagerungsfähigkeit ohne Aromaverlust nochmals verlängert werden.
Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung und mehr zum Ernten und Lagern finden Sie hier: Hopfen: anbauen, ernten und lagern.

Hopfen: Verwendung und Inhaltsstoffe

Hopfen macht Bier erst zu dem, was es ist – daher wird er auch fast ausschließlich zur Verwendung in der Braukunst verwendet. Ungefähr 17 kg der Hopfen-Zapfen werden zum Brauen von 1000 Litern Bier benötigt. Üblich ist es, die getrockneten Blütenstände der weiblichen Hopfen-Pflanzen zum Brauen zu verwenden. Allerdings kann der Sud auch mit Pflückfrischen angesetzt werden. Dann wird ein sogenanntes Grünhopfen-Bier kreiert. Die Hopfenharze sorgen aufgrund ihrer enthaltenen Hopfenbitterstoffe Lupulin und Humulon für den charakteristischen bitteren Biergeschmack. Außerdem können sie weitere Geschmacksstoffe enthalten und die Note des Bieres bestimmen. Die Bitterstoffe des Hopfens wirken dank ihrer antibakteriellen Wirkung außerdem als Konservierungsmittel und ermöglichen so eine längere Haltbarkeit des beliebten Hopfensaftes. Diese positive Eigenschaft erkannte die Heilige Hildegard von Bingen bereits im 12. Jahrhundert.

Doch auch in Form von Tee werden die weiblichen Hopfen-Zapfen geschätzt. Der Aufguss soll eine beruhigende und schlaffördernde Wirkung haben.
Auch auf dem Herd ist der Hopfen durchaus anzutreffen: Junge, frische Schösslinge von ungefähr 15 cm Länge können während des Austriebes geschnitten werden und als Hopfenspargel in den Kochtopf wandern. Wichtig ist jedoch, dass die Triebe noch zart und jung sind – Erntezeit ist somit ungefähr von Mitte März bis Anfang April. Die Zubereitung unterscheidet sich dabei nicht von klassischem Spargel. Das hopfige Gegenstück zur weißen Spargelstange bringt jedoch eine interessante harzige Note auf den Teller. Soll der Spargel eher zum Kochen als zum Brauen von Bier dienen so lohnt sich ein Anbau der Staude im eigenen Garten auf jeden Fall: die zarten Spitzen sind nämlich als eine teure und seltene Delikatesse sehr geschätzt.

Simon

Ich bin Student der Gartenbauwissenschaften und ein richtiges Dorfkind. Neben Kräutern- und Naschobst auf einem Balkon baue ich in meiner kleinen Parzelle am Ortsrand Gemüse an. Ich genieße die Zeit draußen in meinem Gemüsegarten, in dem ich ausschließlich biologische Dünge- und Pflanzenschutzmittel einsetze. Neben meiner Liebe zur Natur schreibe ich leidenschaftlich gerne und beschäftige mich auch mit Grundlagen der Psychologie und Ethik.

Lieblingsobst: Holunder und Himbeeren.
Lieblingsgemüse: Schwarzkohl, Artischocken und Spargel.

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