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Johanniskraut: Standort, Schneiden & Verwendung als Heilpflanze

Johanniskräuter (Hypericum) sind beliebte, mehrjährige Stauden, die in vielen Hausgärten zu finden sind. Wir stellen die uralte Heilpflanze vor und geben Tipps zu Anbau, Pflege und Verwendung.

Johanniskraut in der Blütezeit
Das Johanniskraut ist besonders in der Floristik und als Heilpflanze bekannt [Foto: Simona Pavan/ Shutterstock.com]

Das Johanniskraut ist eine weithin bekannte Garten- und Heilpflanze. Wir geben Ihnen einen Überblick über Eigenschaften, Ansprüche und Kulturmaßnahmen für den erfolgreichen Anbau von Johanniskraut.

Johanniskraut: Herkunft und Eigenschaften

In der Gattung Johanniskraut (Hypericum) finden sich 500 bis 700 Arten, die weltweit verbreitet sind. Sie sind Teil der Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae). In unseren Breiten sind mehrere Johanniskraut-Arten heimisch, am bekanntesten ist sicherlich das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum). In der Geschichte begleitet das Johanniskraut auch das Christentum seit Anbeginn. Der Name leitet sich von Johannes dem Täufer ab, dessen Blut nach seiner Enthauptung in die Blüten des Johanniskrauts geflossen sein soll. Zerreibt man die gelben Blütenblätter zwischen den Fingern, tritt rötlicher Pflanzensaft aus. Daher wird das Johanniskraut mancherorts auch Johannisblut genannt. Früher nannte man es aufgrund seiner goldgelben Blüten auch Königskrone oder Hartheu, da die Pflanze schnell verholzt und harte Stängel hinterlässt.

Johanniskraut ist eine mehrjährige Staude, die je nach Art immergrün ist oder im Herbst oberirdisch abstirbt und im Frühjahr frisch austreibt. Die Pflanze wird im Schnitt 60 bis 80 cm hoch, es gibt jedoch auch niedrig wachsende, bodendeckende Arten und deutlich größere bis 150 cm. Das Johanniskraut bildet meist mehrere verzweigte Stängel, die rund, kantig oder geflügelt sein können und grün bis rötlich braun gefärbt sind. Die gegenständigen, ovalen bis lanzettartigen blaugrünen bis grünen Blätter des Johanniskrauts besitzen oft viele transparente oder dunkle Punkte. Hierbei handelt es sich um Öldrüsen. Auch die goldgelben, fünfzähligen Blütenblätter können durchlöchert erscheinen, besonders auffällig ist dies beim Gefleckten Johanniskraut (Hypericum maculatum).
Bienen und andere bestäubende Insekten besuchen die goldgelben bis hellgelben Blüten sehr gerne, da sie im Hochsommer bis in den Herbst hinein Nahrung bieten. Die Blüten besitzen zudem zahlreiche Staubblätter, die als dünne Fäden aus der Mitte ragen und willigen Bestäubern ihren Pollen aufladen. Die Blütezeit des Johanniskrauts beginnt meist um den Johannistag im Juni und kann bis in den Oktober andauern. Nach der Bestäubung bilden sich entweder grünlich braune, unauffällige Kapselfrüchte oder rot, orange, rosa oder weiß gefärbte fleischige Beeren.

Mögliche Verwechslung mit dem Jakobskreuzkraut
Auf den ersten Blick ähnelt das Jakobskreuzkraut dem Johanniskraut [Foto: Mariusz S. Jurgielewicz/ Shutterstock.com]

Verwechslungsgefahr: Eine dem Johanniskraut ähnliche Pflanze ist das giftige Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea). Wer jedoch die kleineren Blüten genauer betrachtet, stellt fest, dass sie ganz anders als beim Johanniskraut aufgebaut sind und keine Staubblätter herausragen. Sie sehen – typisch für Korbblütler (Asteraceae) – gänseblümchenartig aus. Die Blätter des Jakobskreuzkrauts sind zudem wechselständig und gefiedert.

Johanniskraut anbauen: Standort und Vorgehen

Johanniskraut besitzt je nach Art verschiedene Ansprüche an seinen Pflanzort, ist aber im Allgemeinen anspruchslos und tolerant gegenüber verschiedenen Lagen. Der ideale Standort für Johanniskraut liegt sonnig bis halbschattig auf humosen, durchlässigen Böden. Manche Arten bevorzugen sauren, andere kalkhaltigen, feuchten bis trockenen Boden. Details zu den Standortansprüchen einzelner Johanniskraut-Arten finden Sie in unserem Sortenartikel.

Johanniskraut-Pflanzen können Sie in Staudengärtnereien erstehen oder über Aussaat selbst ziehen. Es handelt sich hierbei um Licht- und Kaltkeimer. Das bedeutet, dass die Samen zunächst eine längere Kälteperiode benötigen. Anschließend sollten sie kaum bis gar nicht mit Erde bedeckt werden und viel Licht erhalten, damit sie keimen. Die Samen können sechs Wochen lang im Kühlschrank vorbehandelt und anschließend ausgesät werden. Die länglichen, rotbraunen Samen werden hierfür auf nährstoffarmer Anzuchterde, wie unserer Plantura Kräuter- & Aussaaterde, ausgebracht. Die Samen werden leicht angedrückt und nur minimal mit Erde bedeckt. An einem hellen, aber nicht sonnigen Standort bei etwa 20 °C wird das Aussaatgefäß aufgestellt und die Erde darin immer gut feucht gehalten. Nach zwei bis drei Wochen erscheinen die ersten Keimlinge. Alternativ sät man die Samen im Herbst draußen aus und überlässt sie der Kälte. Johanniskraut besitzt eine hohe Keimrate und somit gehen sicherlich einige Samen im folgenden Frühjahr auf. Die Keimlinge können nach einigen Wochen ausgepflanzt oder umgesetzt werden.

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Die beste Pflanzzeit für winterharte Stauden liegt im Spätherbst zwischen Oktober und Ende November. Alternativ kann im zeitigen Frühjahr vor dem Blattaustrieb Anfang März gepflanzt werden. Da die Stauden noch keine Wurzeln bilden konnten, muss dann im kommenden Sommer regelmäßig etwas gewässert werden. Im Beet können Johanniskräuter zu mehreren in Gruppen, als Zwergform zur Bodendeckung oder als einzelne Sträucher gepflanzt werden. Der Pflanzabstand beträgt bei Gruppen etwa 40 cm, es werden sechs bis acht Pflanzen auf einen Quadratmeter gesetzt. Zur Bodendeckung nutzt man niedrige Johanniskraut-Arten wie das Polster-Johanniskraut (Hypericum polyphyllum) und setzt 12 bis 15 Stück auf einen Quadratmeter. Einzelne, größer werdende Sträucher wie das Großblütige Johanniskraut (Hypericum x patulum) sollten einen Abstand von 1,5 bis 2 Metern zu anderen Pflanzen bekommen. Gehen Sie bei der Pflanzung des Johanniskrauts wie folgt vor:

  • Boden am künftigen Standort auflockern, bei Bedarf etwas reifen Kompost einarbeiten.
  • Ausreichend großes und tiefes Pflanzloch ausheben.
  • Johanniskraut-Pflanze nicht tiefer als zuvor hineinsetzen, mit Aushub auffüllen und leicht rundherum andrücken.
  • Kräftig angießen.

Johanniskraut im Topf: Johanniskraut kann gut als Topfpflanze kultiviert werden. Das Topfvolumen sollte mindestens 5 Liter fassen. Wichtig ist dabei ein guter Wasserablauf und eine etwa 5 cm hohe Drainageschicht aus Sand, Kies oder Blähton. Die Töpfe sollten jedoch beim Überwintern im Freien einen isolierenden Winterschutz erhalten.

Standort eines großblumigen Johanniskrauts
Große Johanniskraut-Sträucher wie Hypericum x patulum benötigen einen Platz in Einzelstellung [Foto: Peter Turner Photography/ Shutterstock.com]

Zusammenfassung: Johanniskraut pflanzen

  • Aussaat: Im Haus mit Kältebehandlung oder draußen im Herbst
  • Standort: Sonne bis Halbschatten
  • Boden: Humos und durchlässig; je nach Art sauer oder kalkhaltig, feucht bis trocken
  • Zeitpunkt: Oktober – Ende November oder ab Anfang März
  • Pflanzabstand: 40 cm (in Gruppen), 1,5 – 2 m (einzeln), 12 – 15 Pflanzen/m2 (Bodendeckung)

Pflege des Johanniskrauts: Schneiden, Gießen & Co.

Johanniskraut ist eine pflegeleichte Zier- und Heilpflanze. Besonders im ersten Jahr nach der Pflanzung und in trockenen, heißen Sommern sollte sie hin und wieder gegossen werden.
Düngen sollten Sie die Staude nicht zu sehr, denn eine hohe Stickstoffzufuhr verringert den Gehalt an positiven Inhaltstoffen. Eine jährliche Gabe Kompost oder vorwiegend organischen Langzeitdüngers, wie unseres Plantura Bio-Universaldüngers im Frühjahr zum Austrieb reicht dem Johanniskraut völlig aus.
Neben dem Schnitt zur Erntezeit des Johanniskrauts wird die Staude auch im Frühjahr zurückgeschnitten. Entfernt werden beim mehrjährigen Johanniskraut vor dem Austrieb alle abgestorbenen Pflanzenteile, die Staude kann dann frisch durchwachsen. Bei immergrünen Pflanzen und Sträuchern werden erfrorene oder alte und verletzte Triebe im Frühjahr herausgenommen.

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Johanniskraut vermehren

Johanniskraut kann über Samen und Stecklinge vermehrt werden. Im Herbst können Sie die Johanniskraut-Samen selbst gewinnen. Dazu sammeln Sie im Oktober die Kapsel- oder Beerenfrüchte ab und lassen sie bei Zimmertemperatur einige Wochen schonend nachtrocknen. Die trockenen Samen fallen bereits aus den Kapseln, die Beerenfrüchte müssen zur Saatgutgewinnung aufgebrochen werden. Die Samen des Johanniskrauts lassen sich trocken, kühl und dunkel einige Jahre lang aufbewahren, ohne dass die Keimfähigkeit leidet.

Stecklinge schneiden Sie von den jungen, noch unverholzten Triebspitzen am besten vor der Blüte im Mai. Diese etwa 10 cm langen Sprossstücke werden bis auf die Spitze entblättert und in nährstoffarme, zur Hälfte mit Sand angereicherte Anzuchterde gesteckt. Bei etwa 20 °C, hell und feucht gehalten, bilden sich nach wenigen Wochen die ersten zarten Wurzeln. Die Stecklinge können noch im Herbst desselben Jahres ausgepflanzt werden.

Tipp: Bei den jährlich im Herbst absterbenden Stauden – anders als bei den Sträuchern des Johanniskrauts, die nicht oberirdisch absterben – kann zusätzlich der Wurzelstock geteilt werden. Hierfür wird im Herbst mit einem Spaten ein Stück des Horsts abgestochen und umgesetzt.

Samen des Johanniskrauts
Aus den trockenen Kapseln lassen sich Johanniskraut-Samen gewinnen [Foto: Uellue/ Shutterstock.com]

Ist Johanniskraut winterhart?

Johanniskraut ist in unseren Breiten völlig winterhart. Schneiden Sie abgestorbene oberirdische Pflanzenteile erst im Frühjahr zurück, besteht ein zusätzlicher Schutz für die Staude. Johanniskraut im Topf sollte einen isolierenden Winterschutz aus Jutesäcken, Nadelzweigen oder Vlies erhalten.

Johanniskraut ernten und verwenden

Lediglich das Echte Johanniskraut besitzt in der Pharmazie eine Bedeutung. Zur Blütezeit des Johanniskrauts ab Juni werden die oberirdischen Pflanzenteile gesammelt. Ernten Sie Johanniskraut am frühen Morgen, dann ist der Anteil an positiven Wirkstoff wie Hypericin am höchsten. Sie können die ganze Pflanze oder nur Blüten und einzelne Blätter abschneiden. Nach der Ernte des Johanniskrauts sollte es rasch verwertet werden, um die kostbaren Inhaltsstoffe zu erhalten. Man kann damit Tinkturen zubereiten oder Blätter und Blüten für Johanniskraut-Tee trocknen. Die abgezupften Blüten werden zusammen mit hochwertigem Pflanzenöl in eine Flasche gefüllt und etwa sechs Wochen sonnig und warm gelagert. Das so entstandene rote Johanniskraut-Öl lässt sich mehrere Monate lang nutzen.

Johanniskraut schneiden
Echtes Johanniskraut sollte früh am Morgen geschnitten werden [Foto: zolochevka/ Shutterstock.com]

Anwendung von Johanniskraut

Präparate oder Kapseln aus Johanniskraut sowie Extrakte und auch das rote Johanniskraut-Öl werden bei depressiven Verstimmungen, Angstzuständen und Nervosität eingesetzt. Äußerlich als Pflegeöl angewendet lindert Johanniskraut Muskelschmerzen und Hautreizungen, fördert die Wundheilung und wirkt entzündungshemmend. Die Verwendung von Johanniskraut sollte allerdings immer mit einem Arzt abgesprochen werden, da es zu Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten kommen kann. Zu den Nebenwirkungen des Johanniskrauts zählt besonders die erhöhte Lichtempfindlichkeit durch die farbgebenden Hypericine. Hellhäutige Menschen sollten daher Sonnenbäder vermeiden, wenn sie Johanniskraut einnehmen.

Ist Johanniskraut giftig?

Johanniskraut wird als leicht giftig eingestuft, vor allem wegen der aus dem Verzehr folgenden Lichtempfindlichkeit der Haut. Weiße Weidetiere wie Pferde, Schafe oder Ziegen können nach übermäßigem Verzehr des Johanniskrauts und Sonneneinstrahlung an der Hartheukrankheit leiden.

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Das rötliche Johanniskraut-Öl wird äußerlich zur Haut- und Wundpflege genutzt [Foto: Madeleine Steinbach/ Shutterstock.com]

Eine weitere mehrjährige Heilpflanze für den eigenen Garten ist das zierliche Ehrenpreis (Veronica). Erfahren Sie bei uns alles zu der Pflanze, ihren Bedürfnissen sowie ihrer Verwendung.

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