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Kamille: Die Königin der Heilkräuter

Aufgrund ihrer Heilwirkung ist die echte Kamille preisgekrönt. Wir zeigen Ihnen, wie der Anbau dieses wohltuenden Gewächses im eigenen Garten gelingt.

Kamillenblüte

Die Kamille wurde 1987 zur Arzneipflanze und 2002 zur Heilpflanze des Jahres gekürt [Foto: Jean-Jacques BoujotCC BY-SA 2.0]

Die echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist ein prämiertes Heilkraut: 1987 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt, folgte 2002 die Auszeichnung zur Heilpflanze des Jahres. Besonders wegen der wohltuenden Wirkung bei Magen- und Darmbeschwerden, aber auch als entzündungshemmendes Mittel ist die Kamille weltweit bekannt und geschätzt. So wird der ursprünglich aus dem südlichen und östlichen Europa stammende Korbblütler (Asteracea) unter anderem in der heimatlichen Balkanregion kommerziell angebaut. Doch auch im entfernten Ägypten und im südamerikanischen Argentinien liegen Zentren des Kamille-Anbaus, um die große Nachfrage decken zu können. Bei einer Ernte in Feld und Wiese kann jedoch leicht eine Verwechslung mit anderen, nicht wirksamen Kamille-Arten unterlaufen. Damit der Anbau der Kamille im eigenen Garten gelingt, sind nur wenige Forderungen des anspruchslosen Krautes zu erfüllen. Doch die lohnt es, zu beachten – denn die Einsatzmöglichkeiten der echten Kamille für Heilung und Wohlbefinden sind vielfältig.
Synonyme: Apfelkraut, Hermelchen, Krottenkraut, Weiße Blume

Anbau der echten Kamille

Standort

Das einjährige Kraut bevorzugt einen hellen Standort, gerne in der prallen Sonne. Doch auch die Bodeneigenschaften müssen bei der Standortwahl für die echte Kamille berücksichtigt werden. So sollte der Boden einen pH-Wert um 7 aufweisen. Wenn er zudem nährstoffreich und humos ist, wäre das optimal. Das kann jedoch durch eine Bodenbearbeitung, bei der organischer Dünger eingearbeitet wird, erreicht werden. Diese sollte dann nur der Aussaat oder Pflanzung der Kamille im Frühjahr vorausgehen. Aufgrund der geforderten Bodeneigenschaften bieten sich leicht sandige Lehm- oder Tonböden, aber auch Schwarzerde besonders gut für den Anbau von Kamille an.
Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie hier: Kamille: Anbau des Heilkrautes im eigenen Garten.

Wir von Plantura empfehlen folgende Produkte:
  • Floragard Bio Kräuter- & Aussaaterde: Hochwertige Spezialerde zur Anzucht von Pflanzen oder Kultivierung von Kräuter. Die feine und lockere Struktur sorgt für eine gute Wasseraufnahme, eine sichere Keimung und ein kräftiges Wachstum.
  • Floragard Kompost-Erde: Spezialerde aus unkrautfreiem Edelkompost und ausgesuchten Torfqualitäten. Sie versorgt Ihre Pflanzen lang anhaltend und gleichmäßig mit allen wichtigen Nährstoffe und der hohe Humusgehalt macht leichte und schwere Böden fruchtbar.
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Vermehrung

Der einfachste Weg, den Eigenanbau der Kamille in die Wege zu leiten, ist die direkt Aussaat ins Freie. Da die Keimung relativ schnell nach vier bis fünf Tagen erfolgt und die Keimlinge frostempfindlich sind, sollte die Aussaat nicht vor Anfang Mai erfolgen. Natürlich kann der Samen auch schon zuvor an einem hellen Standort im Haus ausgebracht werden. So kann bereits ab März ausgesät werden und den Pflanzen ein Wachstumsvorsprung verschafft werden bis sie Anfang Mai in ein Beet gepflanzt werden. Auch eine Freiland-Saat im Herbst wäre denkbar. Dann muss jedoch sichergestellt sein, dass die jungen Pflanzen vor Frost geschützt werden. Generell ist bei der Aussaat noch zu beachten, dass es sich bei diesem Korbblütler um einen Lichtkeimer handelt. Der Samen sollte deshalb nicht mit einer Substratschicht bedeckt werden, die vor Austrocknung schützt. Einfaches Andrücken der Aussaat sorgt bei gleichmäßigem Feuchthalten für die besten Keimergebnisse. Ist die einjährige Kamille verblüht, so verjüngt sie sich an ihrem Standort durch heruntergefallene Samen und keimt dort im nächsten Jahr wieder.

Gießen und düngen

Je nach Bodenbeschaffenheit, sollte darauf geachtet werden, dass das Kraut ausreichend mit Wasser versorgt ist. Eine zusätzliche Düngung muss nicht erfolgen. Im kommerziellen Anbau wird zum Beispiel auch gänzlich auf eine ergänzende Stickstoff-Düngung verzichtet. Das würde den Wuchs von Wildkräutern immens begünstigen.

Schädlinge

In der Kultur können auch einige Parasiten den Kamillen-Bestand bedrohen: Pilzliche Schaderreger sind zum Beispiel Echter sowie Falscher Mehltau und an Wurzel und Stängel auftretende Fusarium. Der Kamillenglattkäfer bedroht die Ernte der Kamillenblüten, da er deren Blütenköpfchen frisst.

Je nach Aussaattermin blüht die Kamille ab Ende Mai und bis in den September hinein. Bei Korbblütlern sitzen viele kleine röhrenförmige Einzelblüten auf einem gewölbten und von innen hohlen Blütenboden. Gemeinsam mit den weißen, kreisförmig angeordneten Zungenblüten bilden sie ein Blütenkörbchen – den Blütenstand der Kamille.

Bekannte Sorten der Kamille

Bei der echten Kamille (Matricaria chamomilla) gibt es einige verschiedene Sorten auf dem Markt. Sie unterscheiden sich vor allem in ihrer Zusammensetzung des wertvollen ätherischen Kamillenöles. Aber auch der einheitliche Wuchs ist vor allem für den Anbau in großem Maßstab ein Zuchtziel von großem Interesse, um die maschinelle Bearbeitung und Beerntung zu erleichtern.

  • Bodegold: Großblütige Sorte, die sehr aromatisch ist.
  • Gosal: Im Kamillenöl ist ein hoher Anteil an Bisabolol enthalten.
  • Zloty Lan: Das blaufärbende Chamazulan ist im ätherischen Öl besonders stark vertreten.

Arten der Kamille – Unterschiede erkennen

Doch in der freien Natur sind noch einige Mitstreiter vertreten, die der echten Kamille (Matricaria chamomilla) sehr ähnlich sehen, jedoch nicht die Heilkraft dieser besitzen. Wir zeigen Ihnen die verwandten Korbblütler, bei denen die Verwechslungsgefahr am größten ist.

  • Strahlenlose Kamille (Matricaria discoidea): Ohne die zierenden weißen Lippenblüten.
  • Hundskamillen (Anthemis): Bei einem Querschnitt durch die Blüte zeigt sich, dass der Blütenboden nicht hohl ist.
  • Geruchlose Kamille (Tripleurospermum maritimum): Der Blütenboden, auf dem die gelben Röhrenblüten sitzen ist flacher als bei der echten Kamille.
  • Römische Kamille (Chamaemelum nobile): Ein ausdauerndes Kraut, das ebenfalls heilend wirkt, sich jedoch in der Zusammensetzung der Inhaltsstoffe ebenfalls von der echten Kamille unterscheidet. Wird nur 15 bis 30 cm groß.

Möchte man nun Kamille in der freien Natur ernten, so sollte das Kraut folgende Merkmale aufweisen:

  • deutlich aufgewölbter Blütenboden mit vielen gelben Röhrenblüten.
  • beim Querschnitt zeigt sich, dass der Blütenboden von innen hohl ist.
  • sie wird bis zu 50 cm groß.
  • beim Zerreiben jeglicher Pflanzenteile entsteht ein charakteristischer Kamillen-Geruch.

Sind diese Merkmale alle erfüllt, so kann man sicher sein, dass es sich um die echte Kamille handelt.

Wir haben für Sie auch einen ausführlichen Artikel zu den verschiedenen Sorten verfasst: Echte Kamille: Sortenunterschiede und Verwechslungsgefahr.

Ernte und Lagerung von Kamille

Die Ernte der begehrten Kamillenblüten sollte in Abhängigkeit vom Entwicklungsstadium dieser erfolgen. Zur Orientierung können die gelben, am aufgewölbten Blütenboden sitzenden Röhrenblüten dienen. Sind etwa Zweidrittel von ihnen aufgeblüht, kann geerntet werden. Das ist ungefähr in drei bis fünf Tagen nachdem sich die Knospe geöffnet hat der Fall. Geerntet wird die ganze Körbchenblüte. Bei Handauslese wird sie einfach kurz unterhalb des Blütenstandes am Stiel abgeknipst.

Im kommerziellen Kamillen-Anbau stehen speziell konzipierte Mähdrescher für eine effektivere Ernte zur Verfügung. Bei der Ernte sollte darauf geachtet werden, dass die sensiblen Blüten möglichst schonend behandelt werden. So wenig wie möglich berühren und keinesfalls waschen lautet hier die Devise.
Nach der Ernte sollten die Blüten umgehend getrocknet werden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass sich die wertvollen Inhaltsstoffe verändern. Doch auch bei der Trocknungs-Temperatur ist Vorsicht geboten: Eine zu hohe Temperatur sorgt für einen verringerten Gehalt der Inhaltsstoffe. Die getrockneten Blüten behalten luftdicht verschlossen für bis zu einem Jahr ihre Wirksamkeit.
Wenn Sie mehr hierzu erfahren möchten, schauen Sie doch mal hier vorbei: Echte Kamille: Richtig ernten und lagern.

Kamille: Inhaltsstoffe und Heilwirkung

Das Kapital der Kamille ist ihr hoher Gehalt an Kamillenöl. Durchschnittlich bestehen circa 1 % der Pflanzenmasse aus diesem ätherischen Öl – der exakte Gehalt ist sortenabhängig. Einerseits kann das Öl aus den Blüten extrahiert werden, oder aber die Kamillenblüten werden direkt verwendet. Bei Anwendung und Wirksamkeit besteht kein Unterschied zwischen Kamillenöl und –blüten.
Will man das Öl aus den Blüten gewinnen, so muss das über eine Wasserdampfsterilisation erfolgen. Das Öl weist eine charakteristische intensive Blaufärbung auf. Das liegt an dem im Öl enthaltenen Chamazulen. Hauptbestandteil des Öles ist das Bisabolol, dessen hoher Anteil insbesondere für die antibakterielle Wirkung von Kamillenblüten verantwortlich ist. Als Salbe können Kamillenblüten so bei Haut- und Schleimhautentzündungen sowie bakteriellen Hauterkrankungen wirksam sein. Aber vor allem bei Infektionen in der Mundhöhle und am Zahnfleisch hat sich die Anwendung von antibakteriell wirkender Kamillen-Blütensalbe bewährt. Als Tee sind sie wohltuend bei Entzündungen im Rachen, aber vor allem bekannt für Abhilfe bei Magen- und Darmbeschwerden. In südlicheren Regionen Europas ist der Kamillentee zudem ein beliebtes Schlaf- und Beruhigungsmittel. Bei einer fiesen Erkältung lohnt es sich zu schwitzen: Die Inhalation eines heißen Kamillenbades kann für manch einen zwar unangenehm sein, wirkt sich aber positiv auf die Beschwerden in den Luftwegen aus.

Kamillentee Arzneitee

Kamillentee hat viele wohltuende Eigenschaften [Foto: deryaCC BY 2.0]

Mehr über die die heilende Wirkung erfahren Sie hier: Echte Kamille: Inhaltsstoffe und Heilwirkung.

Simon

Ich bin Student der Gartenbauwissenschaften und ein richtiges Dorfkind. Neben Kräutern- und Naschobst auf einem Balkon baue ich in meiner kleinen Parzelle am Ortsrand Gemüse an. Ich genieße die Zeit draußen in meinem Gemüsegarten, in dem ich ausschließlich biologische Dünge- und Pflanzenschutzmittel einsetze. Neben meiner Liebe zur Natur schreibe ich leidenschaftlich gerne und beschäftige mich auch mit Grundlagen der Psychologie und Ethik.

Lieblingsobst: Holunder und Himbeeren.
Lieblingsgemüse: Schwarzkohl, Artischocken und Spargel.

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