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Aprikosenbaum schneiden: Zeitpunkt, Anleitung & Tipps

Beim Schnitt des Aprikosenbaums geht man wie bei anderen Obstbäumen vor. Das Ziel ist es, ein Gleichgewicht zwischen Fruchtbildung und Wachstum des Aprikosenbaums zu erzielen, der in Süddeutschland und Österreich eher als Marillenbaum bekannt ist.

Aprikosenbaum schneiden
Aprikosenbäume schneidet man ganz anders als zum Beispiel Apfelbäume [Foto: Vitalii M/ Shutterstock.com]

Die Aprikose (Prunus armeniaca) gehört der Gattung Prunus an, genau wie Kirschen, Pflaumen und Pfirsiche. Lange galten Aprikosen, die in Süddeutschland und Österreich auch oft Marillen genannt werden, in Deutschland als komplizierte Kultur. Fröste schädigten die Bäume, vor allem die Blüten, und machten eine Ernte unmöglich. Durch jahrelange Züchtung und mildere Winter ist heute ein Anbau in geschützter, sonniger Lage möglich. Um einen Erfolg zu gewährleisten, bedarf es jedoch neben einer Jahresmitteltemperatur von 8 °C und 200 Sonnenstunden auch regelmäßiger Schnittmaßnahmen. Genauso wie auch bei Steinobst werden die Bäume geschnitten, wie unten genauer erläutert wird.

Aprikosenbaum schneiden: Warum lohnt sich ein Rückschnitt?

Das Ziel der Rückschnitte bei allen Obstsorten ist die Förderung der Bildung von Fruchtholztrieben. Zudem kann ein Schnitt Krankheiten vorbeugen und die anstehende Ernte erleichtern. Zu beachten ist jedoch, dass die Aprikose an mehrjährigen Fruchtästen Früchte bildet.

Der Schnitt reguliert das weitere Wachstum des Baumes und sichert uns auf diese Weise langfristig eine regelmäßige, reichhaltige Ernte. Weiterhin dient der Schnitt der Holzverjüngung und beugt somit einer Verkahlung vor. Ältere Äste werden nämlich blühfaul und tragen somit auch keine Früchte mehr. Abgesehen davon ist ein gut gepflegter, lichter Baum sehr viel leichter zu beernten und zu pflegen, wenn doch einmal Maßnahmen gegen Schädlinge vorgenommen werden müssen.
Natürlich sollten auch Totholz oder kranke Äste aus dem Marillenbaum entfernt werden, um die eventuelle Ausbreitung von Krankheitserregern einzudämmen.

Früchte des Marillenbaums
Gesunde Früchte erhält man auch durch den richtigen Schnitt [Foto: Shulevskyy Volodymyr/ Shutterstock.com]

Wann schneidet man Aprikosenbäume?

Der Zeitpunkt des Baumschnittes ist beim Aprikosenbaum von entscheidender Bedeutung. Aprikosen werden in der Regel in der warmen und nicht in der kalten Jahreszeit geschnitten. Es empfiehlt sich also ein Schnitt vor der Blüte oder direkt nach der Ernte, um eine bessere Wundheilung zu gewährleisten und somit den Baum vor Holzfrostschäden zu schützen. Ein Winterschnitt im Januar oder Februar sollte also nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden.
Eine Ausnahme in milderen Lagen stellt beispielsweise ein schwachwüchsiger oder vergreister Baum dar, denn ein Winterschnitt zieht eine starke Anregung des Wachstums nach sich, womit auch eine Holzverjüngung einhergeht.

Marillenbaum Blüte
Die Aprikose blüht an mehrjährigen Fruchtspießen [Foto: Roxana Bashyrova/ Shutterstock.com]

Auch nach der Ernte im August bis September bietet sich ein Zeitfenster für einen Schnitt. Hierbei ist jedoch wieder darauf zu achten, dass der Baum mit dem Triebwachstum abgeschlossen hat.

Tipp: Erst nach Abschluss des Triebwachstums zu schneiden, unterstützt indirekt die Blüte des Folgejahres. Diese wird nämlich von Speicherstoffen in den Ästen genährt, da der Baum zur Blüte ja noch kein Laub trägt, um über Photosynthese Energie zu erzeugen. Wird der Baum im Vorjahr bereits geschnitten, ehe die benötigen Reservestoffe fertig eingelagert sind, fehlt ihm für die Versorgung der Blütenknospen zum Teil die nötige Energie. Dass das Triebwachstum der Aprikose vollständig abgeschlossen ist, erkennt man daran, dass alle Laubblätter grün und auch die an der Triebspitze nicht mehr rot gefärbt sind. Nun kann der Rückschnitt erfolgen.

vollgrüne Triebe
Ein abgeschlossenes Triebwachstum ist von vollgrünen Trieben gekennzeichnet [Foto: Patimat05/ Shutterstock.com]

Aprikosenbaum schneiden: Anleitung zum richtigen Schnitt

Wie bereits erwähnt, reguliert ein Schnitt das Wachstum des Baumes, was uns eine sichere Ernte Jahr für Jahr ermöglicht. Wie man dabei vorgeht und was zu beachten ist, erfahren Sie im Folgenden.

Wichtig: Wie die meisten Arten von Steinobst besitzt auch die Aprikose schlechte Fähigkeiten zur Wundheilung. Der Baum ist also kaum in der Lage, Schnitte mit Wundgewebe zu überwallen. Stattdessen trocknen geschnittene Äste – je nach Dicke – mehrere Zentimeter zurück. Aus diesem Grund werden Ästen und Zweige der Aprikose „auf Zapfen“ geschnitten. Das bedeutet, dass der Schnitt ein gutes Stück oberhalb der Stelle geführt wird, wo der Trieb eigentlich geschnitten werden soll. Genau dieser „Stummel“ oder eben Zapfen kann dann zurücktrocknen, ohne dabei den tragenden Ast zu gefährden. Je dicker der abgeschnittene Trieb ist, umso länger sollte der Zapfen sein – allerdings nie über den nächsten Blattknoten (Nodium) hinausreichen.

Baumschnitt-Zapfen
Statt direkt über dem Auge oder Ansatz zu schneiden, bleibt ein „Zapfen“ stehen [Foto: just_onemore/ Shutterstock.com]

Jungen Aprikosenbaum schneiden

Bei jungen Aprikosenbäumen, also bei zwei- bis fünfjährigen, führt man einen Erziehungsschnitt durch. Dieser ist die grundlegende Kronen-Grundstruktur bei einem Obstgehölzschnitt. Hier entscheidet sich, ob eine Buschform gewollt ist oder eine Spindel-/Pyramidenform.

junger Aprikosenbaum
Frisch gesetzte Bäumchen müssen erst noch erzogen werden [Foto: Jenna Petersen/ Shutterstock.com]

Erziehung als Buschbaum:

  • Den Baum nach dem Pflanzen auf die gewünschte Höhe einkürzen.
  • Wenige Seitentriebe stehen lassen und diese einkürzen.
  • Triebe, die nach dem ersten Jahr erkennbar ein Grundgerüst ergeben sollen, werden um die Hälfte eingekürzt.
  • Unerwünschte Triebe entfernen.
Aprikosenbaum mit Trichterkrone
Dieser Aprikosenbaum hat keinen klaren Mitteltrieb, sondern eher eine Trichterkrone [Foto: Fotokostic/ Shutterstock.com]

Übrigens: In seiner ersten Lebensphase benötigt der Aprikosenbaum noch etwas mehr Aufmerksamkeit. Beim Aprikosenbaum-Pflanzen sollten Sie für eine stabile Baumanbindung sorgen und den Boden mit nährstoffreicher und lockerer Erde verbessern. Hierfür ist zum Beispiel unsere Plantura Bio-Komposterde gut geeignet, denn diese verbessert den Boden langfristig und verwendet hierzu nachhaltige Rohstoffe wie Grüngutabfälle.

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Erziehung als Spindel/Pyramide:

Bei einem Spindelbaum gibt es keine seitlichen Leitäste. Die fruchttragenden Äste gehen direkt von der Mittelachse aus. Das ergibt eine sehr kleine und schmale Baumform und ist nur für schwach wachsende Aprikosen-Bäumchen eine Option. Stärker wachsende Aprikosen werden dagegen grob pyramidenförmig geschnitten, sind also unten stets breiter als oben. Bei der Pyramidenform treten schräg aufrechte Leitäste aus der Mittelachse aus.

Tipp: Verwenden Sie bei dem Schnitt von Aprikosen vor allem eine Handsäge und keine Schere. Es sollten zudem nicht die Spitzen, sondern gleich ganze Äste geschnitten werden.

  • Die Spindel hat einen klaren Mitteltrieb, der als Stammverlängerung bis zur Spitze durchläuft.
  • Vom Mitteltrieb gehen Seitenäste ab. Diese werden mit der Säge eingekürzt, wenn die Dicke des Mitteltriebes nach ihrem Austritt deutlich abnimmt. Besonders Seitentriebe, welche dem Mitteltrieb Konkurrenz zu machen scheinen, werden stark eingekürzt.
  • Die Seitentriebe können gegebenenfalls heruntergebunden werden, wenn sie sehr steil stehen – auf die Art wird die Krone luftiger.
  • Nach innen oder steil nach oben wachsende Äste sowie Totholz werden entfernt.
Allee mit blühenden Marillenbäumen
Spindelförmige Aprikosen trifft man in Gärten eher selten an [Foto: Maria Uspenskaya/ Shutterstock.com]

Tipp: Aprikosenbäume lassen sich auch als Spalierobst kultivieren. An einer Südwand kommt das dem Wärmebedürfnis des Baumes sehr entgegen.

Jährlicher Erhaltungsschnitt des Aprikosenbaums

  • Grundsätzlich selten und vorrangig mit der Säge schneiden. Aprikosen bringen langjährig tragendes Fruchtholz hervor und müssen nicht jährlich radikal geschnitten werden.
  • Totes oder krankes Holz sowie nach innen wachsende Triebe entfernen.
  • Langtriebe herunterbinden oder einkürzen, wenn sie dem Mitteltrieb Konkurrenz machen. Bei Trichterkronen sollten alle Hauptäste in etwa dieselbe Höhe besitzen, um die sogenannte Saftwaage zu gewährleisten. Auf diese Weise werden die Äste gleichmäßig mit Wasser und Nährstoffen versorgt.
  • Manchmal verzweigt sich ein Baum schlecht, obwohl das Fruchtholz erneuert werden muss. Dann hilft es, die Spitzenknospen von Langtrieben auszubrechen oder abzuschneiden.
Aprikosenbaum Früchte
Aprikosen tragen viele Jahre am mehrjährigen Holz [Foto: Lloid/ Shutterstock.com]

Alten Aprikosenbaum schneiden

Bei älteren Aprikosenbäumen kommt es üblicherweise zu heftigeren Rückschnitten, da alte Äste irgendwann keine hohe Fruchtleistung mehr erzielen und somit neue, jüngere Fruchtäste herangezogen werden müssen. Somit unterscheidet sich der Schnitt erheblich vom normalen Pflegeschnitt.

  • Der Radikalschnitt wird optimalerweise im Vorjahr bereits vorbereitet: Schneiden Sie hierzu im Winter die Spitzen der alten Äste ab, an denen Sie sich den Austrieb tieferliegender jüngerer Äste wünschen. Dies regt den Austrieb neue Triebe an.
  • Schneiden Sie dann im Sommer des Folgejahres die ältesten Äste oberhalb eines kräftigen, jungen Triebes ab. Lassen Sie dabei den oben genannten Zapfen stehen, damit der Ast zurücktrocknen kann.
  • Steht dieser neue Gerüstast zu steil, kann er in einem Winkel von 45 Grad heruntergebunden werden.
Marillenbaum verjüngen
Alte Aprikosenbäume werden verjüngt [Foto: ioanna_alexa/ Shutterstock.com]

Aprikosen-Säulenbaum schneiden

Nur schwachwüchsige Aprikosen und spezielle Sorten können zu den kleinen und kompakten Säulen-Obstbäumen erzogen werden. Beispielsweise ist das möglich, wenn sie auf der schwachwüchsigen Unterlage ‘Pixy’ veredelt sind, welche das Wachstums so weit bremst, dass eine Kultur in der schmalen und kleinen Form möglich wird. Hierbei beschränkt sich der jährliche Pflegeschnitt auf das Wesentliche.

blühende, kleine Aprikosenbäume
Auch professionelle Anbauer setzen eher auf kleine Aprikosenbäume [Foto: Irina Papoyan/ Shutterstock.com]
  • Die Seitentriebe werden auf 10 bis 15 cm eingekürzt.
  • Der Mitteltrieb wird auf die gewünschte Höhe eingekürzt. Damit werden auch das seitliche Wachstum und die seitliche Verzweigung angeregt, was besonders bei dieser Kronenform von Vorteil ist.
  • Ältere Gerüstäste, an denen das Fruchtholz steht, werden eventuell entfernt, wenn sie nicht mehr gut tragen. Stattdessen können jüngere Seitentriebe formiert, also in einen flachen Winkel gespreizt oder gebunden werden, um besser Fruchtholz anzusetzen.

Spalier-Aprikosenbaum schneiden

Je nach Standort eignet sich auch ein Anbau im Spalier. Folgendermaßen bringen Sie einen Marillenbaum in Form:

  • Grundlage sollte eine längere Mittelachse sein.
  • Zu steile Seitenäste werden in Richtung der Waagrechten heruntergezogen und fixiert, diese bilden die Leitäste.
  • Unpassend angesetzte Äste werden entfernt. Dabei wird wie immer ein Zapfen stehen gelassen, sodass der Trieb zurücktrocknen kann.
  • Brauchen Sie eine bessere Verzweigung für mehr Fruchtäste, dann schneiden Sie nach der Ernte die Leitäste auf einige Knospenaugen zurück. Daran werden sich neue Zweige ausbilden, die in den Folgejahren zu tragen beginnen. Hat der Baum schon eine ausgeprägte Krone, können Sie die Fruchtäste in Frieden lassen, da die Aprikose hier die Fruchtspieße bildet.
  • Neben der Verzweigung ist am Spalier auch eine kompakte Wuchsform anzustreben. Dazu werden regelmäßig die Triebspitzen eingekürzt, wodurch der Baum auf einer begrenzten Fläche gehalten wird. Entscheidend hierfür ist der Zeitpunkt: Das Spitzen-Schneiden erfolgt Anfang Juli, denn zu dieser Zeit folgt auf den Schnitt keine starke Reaktion des Baumes. Ein Drittel der frisch blättertragenden Zweige kann nun eingekürzt werden.
Ertrag Marillenbaum
Ein regelmäßiger Rückschnitt sorgt für Wachstum und Ertrag [Foto: Irina Safonova/ Shutterstock.com]

In unserem Artikel zum Anbauen, Pflegen und Ernten des Pflaumenbaumes stellen wir Ihnen die beliebte Verwandte der Aprikose vor.

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