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Elsbeere: Pflanzen & Verwendung der seltenen Baumart

Die Elsbeere ist eine heimische Baumart, die man nur selten in Wäldern findet. Bei uns erfahren Sie alles zum Elsbeeren-Baum, zu seinen Eigenschaften und der Pflanzung im eigenen Garten.

Elsbeere mit Früchten
Die Elsbeere ist eng mit der Eberesche verwandt und bei uns heimisch [Foto: nadiia_oborska/ Shutterstock.com]

Die Elsbeere ist trotz ihres wertvollen Holzes und der essbaren Früchte kaum bekannt und wird nur selten angepflanzt. Wir stellen Ihnen die heimische Baumart vor und geben Tipps zur Pflanzung, Pflege und Verwendung der Elsbeere.

Elsbeere: Herkunft und Eigenschaften

Die Elsbeere (Sorbus torminalis) ist auch als Atlasbeere, Adlitzbeere, Wilder Sperberbaum, Schweizer Birnbaum oder Ruhrbirne bekannt, da ihre Früchte früher gegen Ruhr eingenommen wurden.
Sie ist eng mit der Eberesche oder auch Vogelbeere (Sorbus aucuparia) verwandt und gehört in die Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Sie ist über Europa, Kleinasien, den Kaukasus und Nordafrika verbreitet und findet sich in Deutschland vorwiegend im mitteldeutschen Hügelland, süddeutschen Raum und Alpenvorland bis auf 900 m Höhe.

Die Elsbeere wächst als mittelgroßer Baum bis zu einer Wuchshöhe von 10 bis 25 m und ihre Krone wird dabei im Alter bis zu 12 m breit. Auf flachgründigen Böden entwickelt sie sich hingegen eher zu einem Großstrauch oder als Kleinbaum um die 5 bis 10 m Höhe. In jungen Jahren ist sie äußerst schnellwüchsig und legt dabei 40 bis 60 cm an Trieblänge im Jahr zu. Das begehrte Holz der Elsbeere ist äußerst hart, zäh und weißgelb bis rötlich gefärbt. Es wird oftmals unter dem Namen „Birnbaum“ zu Höchstpreisen angeboten und für Flötenbau und Kleinmöbel sowie für Drechslerarbeiten und als Furnier verwendet. Die Knospen der Elsbeere im Winter sind eiförmig, 7 bis 9 mm lang und grün mit braunem Rand. Die ahornartig rundlich gelappten Blätter der Elsbeere sind unterseitig matt graugrün gefärbt. Im Herbst färbt sich der Baum prächtig gelborange bis rotbraun.

Elsbeere mit roten Blättern
Im Herbst zeigt die Elsbeere ihre prächtige Herbstfärbung in leuchtenden Farben [Foto: Vankich1/ Shutterstock.com]

Die weißen, bienenfreundlichen Blüten der Elsbeere sitzen zu mehreren in großen Schirmrispen zusammen und blühen von Mai bis Juni. Sie erinnern an Apfelblüten, verströmen aber einen eher unangenehmen Geruch. Die sich daraus entwickelnden essbaren Früchte sind eiförmig und etwa 1,5 cm lang. Ab Oktober ernähren die nach Frosteinwirkung teigig-weichen und lederbraun gefärbten Elsbeeren-Früchte Vögel und Säugetiere. Bei der Elsbeere handelt es sich um einen konkurrenzschwachen Pionierbaum, der zur Entwicklung ausreichend Licht benötigt. Daher ist er in unseren dicht bepflanzten und eher dunklen Wäldern kaum noch zu finden.

Tipp: Im Unterschied zur Vogelbeere sind Elsbeeren bereits im rohen Zustand genießbar. Die Blätter der Vogelbeere sind des Weiteren gelappt, die Früchte bei Reife orangerot gefärbt und klar von der Elsbeere zu unterscheiden.

Elsbeere pflanzen: Standort, Zeitpunkt und Vorgehen 

Die Elsbeere ist ein wärmeliebender Baum, der nur in größeren Gärten in Einzelstellung gepflanzt werden sollte. Der ideale Standort für Elsbeeren liegt auf trockenen bis frischen, nährstoffreichen und kalkhaltigen, durchlässigen Böden in voller Sonne oder Halbschatten. Der pH-Wert kann einen Wert zwischen 4,5 und 8 aufweisen, also sauer bis leicht alkalisch sein. Auf nassen Böden oder purem Sand geht die Elsbeere ein oder wächst kaum.

Die beste Pflanzzeit für die Bäume liegt zwischen Oktober und Ende November, wenn sie in die Winterruhe gehen und die meisten Blätter verloren haben. Elsbeeren-Hochstämme, Halbstämme und noch wenige Jahre junge Bäume werden von den meisten Baumschulen angeboten. Als Baum in Einzelstellung sollte zu allen Seiten 4 bis 5 Meter Abstand zu anderen Pflanzen eingehalten werden. Graben Sie am künftigen Standort ein großes Pflanzloch, welches etwa 1,5-mal so groß wie der Wurzelballen der Elsbeere ist. In die ausgehobene Erde geben Sie für einen optimalen Wachstumsstart etwas vorwiegend organischen Langzeitdünger, wie unseren Plantura Bio-Universaldünger, hinzu und mischen beides. Die im Düngegranulat enthaltenen Nährstoffe werden von Bodenorganismen über mehrere Monate hinweg freigesetzt. Erst dann sind sie für Pflanzenwurzeln verfügbar und es besteht keine Gefahr der Auswaschung von Nährstoffen.
Heben Sie die Elsbeere nun in das Pflanzloch und achten Sie darauf, den Ballen nicht zu tief zu setzen. Besonders wichtig ist das bei veredelten Pflanzen, die Veredlungsstelle muss hier deutlich über der Erde sitzen. Füllen Sie nun das Pflanzloch mit der Erde-Dünger-Mischung wieder auf und verfestigen Sie das Substrat um die Pflanze etwas. Bei bereits größeren Pflanzen sollten zwei Pflöcke quer zur Windrichtung in den Boden geschlagen und der Baum mit einer stabilen Baumanbindung abgesichert werden. Der Baum muss in seiner Bewegung eingeschränkt werden, damit junge Feinwurzeln nicht reißen, wenn der Stamm durch den Wind bewegt wird. In windexponierten Lagen besteht zudem das Risiko, dass der Baum schief anwächst. Formen Sie zuletzt einen Gießrand aus Erde und wässern Sie anschließend kräftig.

Tipp: Die Elsbeere ist selbstinkompatibel, kann sich also nicht selbst befruchten. Ein zweiter Elsbeeren-Baum im Garten als Befruchter erhöht die Erträge. Bei den zwei Bäumen darf es sich aber nicht um Klone handeln. Am besten werden zwei verschiedene Sorten oder zwei Pflanzen aus verschiedenen Baumschulen oder Wildbeständen gewählt.

Elsbeeren-Blätter
Elsbeeren sind pflegeleicht und kaum jemals von Krankheiten oder Schädlingen befallen [Foto: simona pavan/ Shutterstock.com]

Zusammenfassung: Elsbeere pflanzen

  • Boden: Trocken bis frisch, nährstoffreich und kalkhaltig, durchlässig
  • Standort: Sonne oder Halbschatten
  • Pflanzzeit: Oktober – Ende November
  • Pflanzabstand: 4 – 5 Meter
  • Für Stabilität Baum anbinden

Pflege der Elsbeere: Schneiden, gießen und Co.

Die Elsbeere ist pflegeleicht und benötigt kaum Aufmerksamkeit. Frisch gepflanzte Bäumchen können in kritisch trockenen Sommern unterstützend gewässert werden. Die Elsbeere ist erstaunlich trockenheitsverträglich, erwachsene Bäume benötigen kaum jemals Wasser.
Das Schneiden ist bei Elsbeeren nicht zwingend notwendig, hin und wieder sollten jedoch kranke und tote Äste entfernt und bei Bedarf die Krone etwas ausgelichtet werden.

Gelegentlich befallen Blattlauspopulationen, Obstbaumsplintkäfer (Scolytus rugulosus) und einige Obstbaummotten wie die Pflaumen-Gespinstmotte (Yponomeuta padella) die Elsbeere. Wesentlich gefährlicher ist allerdings der Wühlmausverbiss an Wurzeln junger Bäume – hier kann ein Drahtkorb direkt bei der Pflanzung Abhilfe schaffen. Schorf (Venturia inaequalis) und Armillaria-Pilzbefall zählen zu den wenigen Krankheiten der Elsbeere und können das Absterben junger oder anderweitig geschwächter Bäume verursachen.

Elsbeeren sind völlig winterhart, ihre Blätter sind lediglich gegenüber Frühfrost im Oktober etwas empfindlich. Sie können vorzeitig abfallen – den Neuaustrieb im nächsten Jahr gefährdet dies allerdings nicht.

kahler Elsbeeren-Ast
Die Elsbeere ist bei uns vollkommen winterhart [Foto: Erni/ Shutterstock.com]

Elsbeere vermehren 

Elsbeeren können generativ über Samen oder vegetativ über Wurzelsprosse oder Veredelung vermehrt werden.
Gute Ergebnisse mit Samenvermehrung erreicht man, indem die Samen einfach im Oktober nach der Ernte ausgesät werden und man der Natur die Brechung der Keimruhe überlässt – allerdings werden die Samen gerne im Winter von Tieren gefressen.

Wie die meisten heimischen Baumarten besitzen nämlich auch Elsbeeren-Samen eine Keimruhe. In den Früchten sind zahlreiche Kerne enthalten, die zur Keimung einen längeren Kältereiz benötigen, also stratifiziert werden müssen. Eine genaue Anleitung für die erfolgreiche Aussaat von Kaltkeimern in jeder Jahreszeit finden Sie in unserem Spezialartikel. Über Samen vermehrte Elsbeeren blühen und fruchten erst nach 15 bis 20 Jahren.

Zur ungeschlechtlichen, vegetativen Vermehrung bildet die Elsbeere ab einem gewissen Alter viele Wurzelsprosse, die abgestochen und verpflanzt werden können. Eine Alternative ist das Veredeln von jungen Elsbeeren-Trieben auf Unterlagen von Weißdorn (Crataegus) oder Birnen (Pyurs). Hierfür werden im Spätherbst oder Winter unbelaubte Edelreiser geschnitten und im zeitigen Frühjahr zwischen Ende Februar und Mitte März aufgepfropft. In unserem Artikel „Apfelbaum veredeln“ stellen wir verschiedene Methoden vor, die auch für die Veredlung von Elsbeeren geeignet sind. Veredelte Elsbeeren fruchten sofort, sofern das Edelreis von einer adulten, also selbst bereits blühenden Elsbeere stammt.

reife Elsbeeren auf dem Boden
Elsbeeren werden im Spätherbst nach dem ersten Frost genussreif [Foto: Vitolga/ Shutterstock.com]

Ernte und Verwendung von Sorbus torminalis

Die essbaren Früchte der Elsbeere können erst nach dem ersten Frost oder längerer Lagerzeit richtig genossen werden. Erst dann werden die zahlreichen Früchte weich und teigig, entwickeln ihr apfelmusartiges Aroma. Die Erntezeit von Elsbeeren beginnt daher im Oktober oder November und endet im Dezember. Die Früchte werden als ganze Schirmrispe abgeschnitten und anschließend einzeln abgezupft.

Der Geschmack erinnert an den der Mispel (Mespilus germanica) und es lassen sich zahlreiche Spezialitäten wie Elsbeeren-Marmelade, Kompott und Saft herstellen. Likör, französischer Branntwein „Eau d’Alizer“ und der Elsbeeren-Schnaps, das „Adlitzbeerwasser“, gehören zu den kostbarsten Edelbränden aus Wildobst, für die etwa 150 Euro je Liter gezahlt werden. Getrocknete Elsbeeren sind wahre Delikatessen, denn sie besitzen ein mandel- und marzipanähnliches Aroma.

Ein weiterer, selten gewordener Verwandter von Vogelbeere und Elsbeere ist der Speierling (Sorbus domestica). In unserem Steckbrief erfahren Sie alles zu diesem wertvollen, seltenen Obstgehölz.

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