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Kratzbeere: Pflanzen, Pflege & Verwendung

Die Kratzbeere ist eine wilde, heimische Verwandte der Brombeere. Wir stellen das kaum bekannte Wildobst vor und zeigen, wie die vitaminreichen Früchte kultiviert und verarbeitet werden können.

Rubus Caesius
Die essbare Kratzbeere bildet blau bereifte Früchte aus [Foto: VerNel/ Shutterstock.com]

Die Kratzbeere bildet im Spätsommer essbare, blau bereifte Früchte, die vor allem von Wildobstfreunden geschätzt werden. In diesem Artikel erfahren Sie alles zu Eigenschaften, Anbau, Pflege und Erntezeit der stacheligen Ackerbrombeere.

Kratzbeere: Herkunft und Eigenschaften

Die Kratzbeere (Rubus caesius) wird auch Ackerbrombeere oder Kroatzbeere genannt und ist eng mit Himbeere (Rubus idaeus) und Brombeere (Rubus fruticosus) verwandt. Sie alle gehören zur großen Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Kratzbeere ist in Europa und Nordasien heimisch und kommt bei uns in Mitteleuropa zerstreut in Auwäldern, an Flussböschungen und Äckern vor. Die Kleinsträucher erreichen eine Wuchshöhe von 30 bis 80 cm, vereinzelt auch 100 cm. Sie breiten sich dafür mit mehrere Meter langen, kleinstacheligen, niederliegenden Triebe aus. Statt zu stechen, kratzen die kurzen Stacheln bei Kontakt eher, wodurch die Kratzbeere auch ihren Namen erhielt.

Die blau bereiften, grünen Ruten bilden an den Triebspitzen bei Bodenkontakt leicht Wurzeln und daher schnell ganze Dickichte aus Kratzbeeren. Die Triebe sind wechselständig mit dreizähligen, grob und ungleich gezähnten Blättern besetzt. Zwischen Mai und Juni zeigen sich die etwa 2 cm großen, fünfzähligen, weißen Blüten der Ackerbrombeere. Nach der Bestäubung bilden sich daraus Sammelsteinfrüchte, die wie Brombeeren aus 5 bis 20 recht großen Einzelfrüchten zusammengesetzt sind. Bei der Reife zwischen Juli und Oktober verfärben sich die Früchte der Kratzbeere schwarz, ihre Oberfläche zeigt sich mehlig und bereift bläulich. Im Herbst bildet die Kroatzbeeren-Pflanze dann eine hübsche orangerote Herbstfärbung aus, die zusammen mit den blauen Früchten einen attraktiven Kontrast setzt.

Blüte der Kratzbeere
Die weißen Blüten der Kratzbeere erscheinen zwischen Mai und Juni [Foto: Bildagentur Zoonar GmbH/ Shutterstock.com]

Kratzbeere pflanzen: So geht es

Die winterharte Kratzbeere bevorzugt nährstoffreiche, feuchte bis nasse, lehmige und kalkhaltige Standorte in sonnigen bis halbschattigen Lagen. Sie übersteht kurzzeitige Überschwemmungen unbeschadet und gilt als Indikatorpflanze für Bodenverdichtung. Die ideale Pflanzzeit für Kratzbeeren liegt im Spätherbst zwischen Oktober und Ende November oder alternativ im zeitigen Frühjahr im März. Der Boden sollte vor der Pflanzung mit organischem Material, wie reifem Kompost, angereichert und großflächig umgegraben werden. Die Kratzbeere kann als Unterpflanzung unter Gehölze oder ohne Konkurrenz in einer feuchten oder nassen Gartenecke angesiedelt werden. Da sich die Pflanze bei passendem Standort rasch ausbreiten kann, sind nur wenige Kratzbeeren nötig, um eine Fläche zu bewachsen. Ein Pflanzabstand von 80 bis 100 cm zwischen den Einzelpflanzen bietet den Kratzbeeren zunächst genügend Raum, um sich zu entfalten. Die Pflanzen wachsen schnell zu einem Dickicht zusammen und sind bald nicht mehr als verschiedene Pflanzen auszumachen. Kratzbeeren sollten bei der Pflanzung nicht tiefer in die Erde gepflanzt werden, als sie bisher im Topf saßen.

Auf einen Blick: Kratzbeere pflanzen

  • Sonnigen bis halbschattigen Standort mit feuchtem, lehmigem und kalkhaltigem Boden auswählen
  • Pflanzzeit: Oktober bis Ende Novemeber oder März
  • Boden umgraben und mit organischem Material anreichern
  • Pflanzabstand: 80 bis 100 cm
  • Nicht tiefer einpflanzen, als die Pflanze im Topf saß
Reife Kratzbeere
Die attraktive Herbstfärbung der Kratzbeere changiert zwischen Orange- und Rottönen [Foto: PavlovaSvetlana/ Shutterstock.com]

Tipp: Schnell kann die Ackerbrombeere leider auch zur Plage werden. Möchten Sie die Kratzbeere bekämpfen, sollten Sie daher über einen langen Atem verfügen. Um die Pflanze dauerhaft loszuwerden, müssen alle Triebe und Wurzeln sorgfältig entfernt werden, denn aus übrigen Wurzel- und Triebstücken können erneut Kratzbeeren heranwachsen. Sie wurzeln bis zu zwei Meter tief und treiben dann aus diesen Wurzelresten erneut aus. Die beste Bekämpfungsstrategie ist daher, die Pflanze komplett zu roden, möglichst alle Wurzelteile auszugraben und später wiederholt durchtreibende Kratzbeeren erneut zu entfernen.

Die wichtigsten Pflegemaßnahmen

Kratzbeeren sind nährstoffliebende Kleinsträucher, weshalb sie von einer regelmäßigen, ausgewogenen Düngung sehr profitieren. Wichtig ist hierbei, dass keine reinen Stickstoffdünger verwendet werden, da die Kratzbeere hier mit starkem Triebwachstum reagiert und noch mehr wuchert, statt Früchte zu tragen. Ideal geeignet ist ein vorwiegend organischer Langzeitdünger wie unser Plantura Bio-Universaldünger. Das tierfreie Düngegranulat wird hierfür rund um die Kratzbeere herum verteilt und wenn möglich oberflächlich eingearbeitet. Es zersetzt sich über Monate hinweg, wodurch die enthaltenen Nährstoffe langsam und ohne Auswaschungsgefahr für die Pflanzen verfügbar werden.

Plantura Bio-Universaldünger
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In heißen und sehr trockenen Sommerphasen sollten Kratzbeeren regelmäßig gewässert werden, vor allem, wenn sie frisch gepflanzt wurden und noch kein ausladendes Wurzelsystem ausbilden konnten. Kratzbeeren sind äußerst schnittverträglich, müssen jedoch zur Fruchtbildung nicht zwingend zurückgeschnitten werden. Sollten die Kratzbeeren allerdings zu auslandend werden, können die Ruten ohne Bedenken auch stark eingekürzt werden.

Schale mit Kratzbeeren
Die Kratzbeere reift ab Juli und kann tief in den Herbst hinein bis Oktober geerntet werden [Foto: photowind/ Shutterstock.com]

Ernte und Verwendung der Kratzbeere

Die Kratzbeere bildet essbare Früchte aus, die bei ihrer Reife zwischen Juli und Oktober saftig, süßlich, meist aber äußerst sauer und wenig aromatisch schmecken. Reife Kratzbeeren können jedoch zu einer schmackhaften Marmelade oder Kompott verarbeitet werden. Bekannt und besonders beliebt ist jedoch die Zubereitung zu Kratzbeeren-Likör. Die händische Ernte gestaltet sich aufwändig, da der Ertrag der Sträucher niedrig ist und die Triebe bestachelt sind. Handschuhe sind bei der Kratzbeeren-Ernte also sinnvolle Schutzmaßnahmen. Bei Wildsammlungen sollte darauf geachtet werden, dass in Endemiegebieten des Fuchs- und Hundebandwurms (Echinococcus) nur erhöht wachsende Früchte geerntet, diese gründlich gewaschen und auf mindestens 60 °C erhitzt werden. Die getrockneten Blätter der Kratzbeere werden in der Pflanzenheilkunde ähnlich wie Brombeerblätter vor allem bei Darmproblemen wie Durchfall, aber auch Entzündungen und Hautausschlägen verwendet.

In der Gattung Rubus findet sich ebenfalls die aromatische und attraktive Japanische Weinbeere (Rubus phoenicolasius). Wir stellen Ihnen die kaum bekannte Pflanze vor und geben Tipps für den erfolgreichen Anbau im eigenen Garten.

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