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Orchideen richtig düngen: Anleitung & Tipps vom Experten

Wir zeigen, wie man Orchideen richtig düngt. Alles über Nährstoffbedarf, Orchideendünger, Hausmittel und die typischen Fehler, die es zu vermeiden gilt.

gelbe orchidee

Das Farbenspiel von gelb und rot macht diese Orchidee zu einem echten Hingucker [Foto: leighklotzCC BY 2.0]

1. Nährstoffbedarf von Orchideen

Orchideen sind wohl mit die schönsten unserer Fensterbankpflanzen. Viele Menschen denken bei Orchideen nur an die allseits bekannte Schmetterlingsorchidee (Phalaenopsis). Allerdings gelangen mehr und mehr neue Sorten und Arten auf den Markt. So unterschiedlich wie die 1000 Orchideengattungen aussehen, ist auch ihr Nährstoffbedarf. Es stellt sich also die Frage, wie die unterschiedlichen Orchideen gedüngt werden? Generell haben fast alle Orchideen einen geringen Nährstoffbedarf. Denn viele der Blumen wachsen epiphytisch (als Aufsitzerpflanzen) auf Bäumen und dort überleben sie nur mit speziellen Fähigkeiten. Dazu zählt auch ein langsamer Stoffwechsel genauso wie Kakteen ihn besitzen. Es sind also nur wenige Nährstoffe nötig, um die Pflanze optimal zu versorgen; zu viele können hingegen schnell zu Verbrennungen an den empfindlichen Wurzeln führen.

Gerade die Gattungen Dracula, Disa und Phragmipedium (Frauenschuh) sowie Naturformen sind sehr empfindlich gegenüber Überdüngen. Hier sollte generell nur mit ½ -⅔ der empfohlenen Düngermenge gedüngt werden. Phalaenopsis (insbesondere die modernen Hybriden, Cattleya, Cymbidium) und große Bilbophyylum-Arten vertragen da schon mehr Nährstoffe. Hier kann gerne die komplette empfohlene Düngermenge der Hersteller gegeben werden. Aufgrund der großen Artenvielfalt ist es unmöglich, an dieser Stelle den genauen Nährstoffbedarf für jede Orchidee zu nennen. Glücklicherweise gibt es viele versierte Orchideenexperten und auch Hobbyzüchter, die Ihre Erfahrungen mit Ihnen teilen. Es lohnt sich also, für einzelne Sorten und Arten im Internet zu recherchieren.

2. Gesunde Wurzeln sind das A&O

Wird eine Orchidee nicht ordentlich gepflegt, bringt auch die beste Düngung nichts. Der häufigste Pflegefehler ist das falsche Gießen, was schnell zum Tod einer jeden Orchidee führen kann. Dabei wird meistens zu viel und nicht zu wenig gegossen. Wir zeigen Ihnen deswegen, wie es richtig geht: Vergessen sie die Schnapsglasregel zum Gießen. Wenn eine Orchidee nur in homöopathischen Dosen gegossen wird, ist der Wurzelballen nie ganz feucht. Dadurch wird die Nährstoffaufnahme behindert und an den trockenen Stellen können sich schädliche Salze anreichern. An diesen Punkten kann es dann später Verbrennungen geben.

Die bewährteste Gießmethode ist das Tauchen. Dabei wird der Orchideentopf für maximal 10 Minuten ins Wasser getaucht. Anschließend muss das Wasser wieder gut abfließen können und es wird erst wieder gegossen, wenn das Substrat an mehreren Stellen komplett abgetrocknet ist. Und hier ist ein transparenter Topf von Vorteil. Denn eigentlich brauchen die Wurzeln der Orchideen nicht unbedingt Licht. Durch den durchsichtigen Topf lässt sich aber viel besser der Wasserstatus im Substrat erkennen. So kann man auch sehen, ob das Substrat noch grob und luftig ist oder ob es sich bereits stark zersetzt hat. Dann sollte die Orchidee in neues Substrat getopft werden, damit wieder genug Luft an die wasserempfindlichen Wurzeln kommt. Ein Zeichen für zu häufiges Gießen oder ein zu feines Substrat können auch vergammelte Wurzeln sein. Die Wurzeln sollten eine weißlich-silbrige oder grüne Farbe aufweisen. Bei braunen oder schwarzen Wurzeln bekommt die Orchidee auf jeden Fall zu viel Wasser.

3. Anleitung: so düngt man Orchideen richtig

Die einfachste Variante ist unserer Meinung nach, die Düngung und das Tauchen (Topf komplett für max. 10 min in Wasser tauchen) zu kombinieren. So bekommen die Orchideen bei jedem Wässern kontinuierlich Nährstoffe, wie in der Natur auch. Dabei gehen Sie wie folgt vor: Beispielhaft tauchen Sie ihre Phalaenopsis einmal in der Woche für eine optimale Wasserversorgung. Der Düngerhersteller empfiehlt aber, nur alle zwei Wochen mit 5 ml zu düngen. Dann nehmen Sie für die wöchentliche Düngung einfach 2,5 ml Dünger zum wöchentlichen Tauchen der Orchideen. So sorgen Sie für eine gleichmäßige Nährstoffversorgung. Und an dieser Stelle kommt der versprochene Vorteil von mineralischen Düngern: Das Tauchwasser kann immer wieder verwendet werden bis es umkippt. Bei organischen Düngern geschieht das wesentlich schneller und das Tauchwasser kann oft schon nach einem Tag weggekippt werden. Behalten Sie dabei aber den Wasserstand im Gefäß für das Tauchwasser im Auge. Verdunstet dort das Wasser in den Gießpausen, reichern sich die Nährstoffe an und es muss wieder mit Wasser verdünnt werden.

dünne Wurzeln Orchidee Überdüngung

Dünne Wurzeln sind ein Zeichen für zu viel Dünger [Foto: Waifer XCC BY 2.0]

Übrigens gilt immer: Flüssigdünger vor Gebrauch gut schütteln und auch das Tauchwasser vor dem Eintauchen des Orchideentopfes durchmischen. Gerade bei Orchideen sollte auch die Blattdüngung erwähnt werden. Denn auch darüber wird auf diversen Foren hitzig diskutiert. Unserer Meinung nach ist sie aber bei einem gesunden Wurzelwerk komplett überflüssig. Falsche Dosierungen oder Dünger können schnell zu irreparablen Schäden führen, die kaum noch rauswachsen. Außerdem steigt jedes Mal die Gefahr von einem Pilzbefall, wenn die Blätter nass sind.

Tipp: Orchideendünger eignet sich auch für Kakteen und Bonsai! Aber aufgepasst: Nicht jeder Kakteendünger oder Bonsaidünger eignet sich auch für Orchideen, da diese teilweise zu viel Chlorid enthalten.

Zeitpunkt Orchideen zu düngen

Da die gleich vorgestellten Dünger teilweise erhebliche Unterschiede in der Nährstoffkonzentration aufweisen, kann hier leider kein pauschaler Düngeplan aufgestellt werden. Als erstes sollten Sie sich immer nach den Herstellerangaben richten und bei Unsicherheiten immer etwas weniger der empfohlenen Menge benutzen. Ab dem Frühling kann bei den meisten Orchideen regulär gedüngt werden. Danach gehen die Meinung auseinander. Einige empfehlen eine Düngungspause von Oktober bis März, andere raten ¼ der vom Hersteller empfohlenen Düngemenge über den Winter weiterzugeben, also eine ganzjährige Düngung. Wie Sie hier verfahren, liegt ganz bei Ihnen. Ein bisschen Experimentierfreude kann hier sicherlich nicht schaden. Möchten Sie eine exakte Düngeranleitung für eine ganz bestimmte Sorte oder Art, dann hilft oft nur die Anfrage bei einer Orchideenzucht.

Was die Blütezeit angeht, gibt es nicht viel zu beachten. Die Blüte hat zu mindestens keine Auswirkungen auf die Düngung.

Dosierung und Fehler bei der Düngung erkennen

Die richtige Dosierung des Düngers ist ein zentraler Punkt, um eine Überdüngung und damit Pflanzenschäden zu vermeiden. Da die meisten Orchideendünger aber unterschiedliche Nährstoffkonzentrationen und Verhältnisse haben, ist es unmöglich, hier pauschale Tipps zu geben. Dennoch kann man als Faustregel sagen: Hat Ihre Orchidee einen guten Standort und wächst und blüht fleißig vor sich hin, dann verträgt sie in der Regel auch die volle vom Hersteller empfohlene Düngerdosis. Dieser Regel beinhaltet aber einige Ausnahmen.

Kranke Orchideen sowie Orchideen, die an einem weniger optimalen Standort stehen, sollten nie mit der vollen Düngerdosis gedüngt werden. Vor allem Orchideenarten mit dünnen Wurzeln vertragen nicht so viel Dünger wie eine Vanda oder eine Phalaenopsis mit ihren kräftigen Wurzeln. Ein weiterer Faktor, der zu einer Überdüngung führen kann, ist das Gießwasser. In manchen Regionen ist das Leitungswasser sehr calcium- und magnesiumreich, dadurch wird die Wasserhärte und die Leitfähigkeit des Wassers nach oben getrieben. Wird dann auch noch mit der vollen Düngermenge gedüngt, kann es auch hier zu Überdüngungen kommen. In allen hier vorgestellten Fällen sollte erstmal mit der Hälfte der empfohlenen Düngermenge gedüngt werden. Bei Problemen mit harten Leitungswasser kann dieses zusätzlich mit Regenwasser oder destillierten Wasser verschnitten werden.

Was machen Sie aber nun bei einer Überdüngung und wie erkennt man diese überhaupt? Oft wird einer Überdüngung erst erkannt, wenn es schon fast zu spät ist. Die Wurzeln sterben ab und beginnen zu faulen. Das Symptom kann also leicht mit einer Überwässerung verwechselt werden. Ist man sich sicher, dass die Symptome von einer Überdüngung kommen, hilft oft nur eine Radikalkur. Befreien Sie die Pflanze vom alten Substrat und spülen Sie die Wurzeln gründlich mit Regenwasser durch. Danach gehört die Pflanze in ein neues Substrat, das möglichst nährstoffarm und grob ist. Anschließend wird das neue Substrat und die Pflanze nicht gewässert! Die Wurzeln sollten einen Tag bekommen, um etwas zu trocknen. Bei der weiteren Pflege darf erstmal nicht gedüngt werden und auch die Wassergaben sollten nicht zu stark und zu oft ausgeführt werden. Wenn die Orchidee noch ein paar gesunde Wurzeln hat, stehen die Überlebenschancen recht gut. Eine Garantie gibt es aber nicht. Deswegen müssen wir uns an dieser Stelle wiederholen: Im Zweifel immer etwas weniger düngen, wie vom Hersteller empfohlen.

Verschiedene Orchideendünger im Überblick

Im Handel gibt es eine Vielzahl von Orchideendüngern. Als Kunde fragt man sich nun, welcher Dünger ist für meine Orchidee der beste und mit welchem Produkt bekomme ich die schönste Blütenpracht? Damit diese Frage beantwortet werden kann, haben wir uns einen Überblick über die bekanntesten Orchideendünger von Compo, Neudorf & Co verschafft.

1. Organische Dünger

Eigentlich eignet sich ein organischer Dünger weniger gut für die Orchideenkultur. Vor allem von handelsüblichen organischen Düngemitteln wie Knochen-, Hornspänen oder Pferdemist ist dringend abzuraten. Erstmal ist dort das Nährstoffverhältnis sehr ungünstig und die Nährstofffreisetzung ist unberechenbar. Aus diesem Grund werden im Handel auch fast ausschließlich mineralische Dünger angeboten. Wer aber partout auf anorganische und synthetische Dünger verzichten möchte, für den gibt es eine gute Alternative.

  • BioTrissol Orchideendünger (Neudorff)

Der rein biologische Dünger von Neudorff mit einem NPK-Verhältnis von 4+1,5+4 enthält ebenfalls alle Spurennährstoffe, die eine Orchidee benötigt. Gerade der etwas geringe Phosphatanteil von 1,5 unterscheidet BioTrissol von den mineralischen Düngern. Das ist aber kein Qualitätsnachteil. Es gibt nur sehr wenige exotische Orchideen, die wirklich mehr Phosphat benötigen. Sie können also sicher sein, dass dieser organischer Dünger Ihre Orchideen bei richtiger Anwendung gut mit allen Nährstoffen versorgt. Preislich befinden wir uns hier in der Mittelklasse. Übrigens: Nach Herstellerangaben eignet sich der Dünger auch für die Kultur in Seramis, allerdings nicht für die Hydrokultur.

  • Einfaches Dosieren über Verschlusskappe
  • Flüssigdünger
  • In 250 ml Flaschen erhältlich

2. Organisch-Mineralische Dünger

Einen Hybrid aus mineralischem und organischem Dünger vertreiben die Firmen FloraSelf und Compo. In den hier vorgestellten Düngern wird also die schnelle Nährstoffwirkung der synthetischen Dünger mit der langfristigen Nährstofffreigabe von biologischen Düngern kombiniert. Für eine gleichmäßige Nährstoffversorgung muss also nicht zwingend bei jedem Wässern, Tauchen oder Gießen auch gedüngt werden.

  • Orchideendünger plus Guano (Compo)

Wie der Name schon verrät, ist der organische Anteil bei diesem Dünger Guano. Aufgrund seiner Nährstoffzusammensetzung eignet sich der aus Mineralien und Vogelexkrementen bestehende Stoff sehr gut für Orchideen. Mit den zusätzlichen anorganischen Nährstoffen erhält der Dünger ein ausgeglichenes Nährstoffverhältnis (NPK: 3+4+5), welches sich gut für die Orchideenkultur eignet. Ebenfalls sind alle essentiellen Spurennährstoffe enthalten. Mit seinem Preis ist der Dünger eher im oberen Bereich einzuordnen.

  • Einfaches Dosieren über Verschlusskappe
  • Flüssigdünger
  • In 250 ml Flaschen erhältlich
  • Orchideendünger Select (FloraSelf)

Der Dünger von FloraSelf unterscheidet sich bei der Nährstoffzusammensetzung leicht vom Produkt von Compo. Mit einem insgesamt höheren Nährstoffangebot (NPK: 4+6+6) zählt dieser Nährstofflieferant zu den hoch konzentrierten Orchideendüngern. Gerade bei den empfindlichen Gattungen und Naturformen könnte das Nährstoffangebot von diesem Dünger langfristig zu Verbrennungen führen. Aus diesem Grund sollte der Dünger vorsichtig dosiert werden. Der Vorteil dieses Düngers ist, dass die Flasche bei einer niedrigeren Dosierung natürlich auch länger hält. Übrigens gehört der Orchideendünger Select zu den preiswerten Produkten!

  • Einfaches Dosieren über Verschlusskappe
  • Flüssigdünger
  • In 500 ml Flaschen erhältlich
  • Alle Spurennährstoffe enthalten

 

3. Mineralische Dünger

Unter dieser Kategorie werden die meisten Orchideendünger vertrieben. Das liegt einmal an der sehr verlässlichen Nährstoffzusammensetzung und zudem können die Nährstoffe direkt von den Pflanzen aufgenommen werden. Auf jeden Fall sollten deswegen Düngerüberdosierungen vermieden werden, da dadurch schnell Verbrennungen an den Wurzeln entstehen können. Ein weiterer Vorteil wird später im Unterpunkt `Anleitung: so düngt man Orchideen richtig` verraten.

  • Vitalnahrung Orchideendünger (Seramis)

Der Dünger aus dem Hause Seramis ist der Dünger mit dem höchsten Stickstoffanteil. Auch die anderen Nährstoffe sind bei einem NPK-Verhältnis von 6+3+6 mehr als ausreichend vertreten. Genau wie bei dem Dünger von FloraSelf sollte auch hier eher etwas weniger Dünger genommen werden. Für nährstoffhungrige Phalaenopsis-Hybride ist dieser Dünger aber mit Sicherheit die richtige Wahl. Besonders hervorzuheben bei diesem Dünger: das kinderleichte Dosieren. Dafür wird die Düngerflasche einfach zusammengedrückt und in den oberen Messbecher fließt kontrolliert die benötige Düngermenge. Preislich gehört die Vitalnahrung von Seramis zu den mittelteuren Düngern in diesem Test.

  • 200 ml Flasche
  • Flüssigdünger
  • Alle Spurennährstoffe enthalten
  • Vita+plus Orchideendünger (Substral)

Die Firma Substral stellt mit dem Vita+plus einen Orchideendünger zur Verfügung, der einen ziemlich hohen Kaliumanteil aufweist. Das NPK-Verhältnis von 4+4,5+8 ist unserer Meinung nach nicht ganz optimal. Denn eine zu hohe Kaliumaufnahme kann die Magnesium- und Calciumaufnahme der Orchideen einschränken. Indirekt kann das Wachstum dadurch negativ beeinflusst werden. Vielleicht gibt es ja unter den Lesern Hobbygärtner, die Ihre Erfahrungen mit diesem Dünger mit uns teilen möchten. Der Preis für den Vita+plus liegt im mittleren bis hohen Preissegment.

  • 250 ml Flasche
  • Flüssigdünger
  • Alle Spurennährstoffe enthalten
  • Einfaches Dosieren über Verschlusskappe
  • Wuxal Orchideendünger (Manna)

Dieser mineralische Dünger beinhaltet das gleiche Nährstoffverhältnis wie der Orchideendünger von Compo (NPK: 3+4+5). Genauso enthält er alle Spurennährstoffe und liegt auch beim Preis auf dem selben Niveau wie der Compo Dünger.

  • 250 ml Flasche
  • Flüssigdünger
  • Einfaches Dosieren über Verschlusskappe
  • Gardol Orchideendünger (Bauhaus)

Auch zwei Hausmarken von bekannten Baumärkten haben wir unter die Lupe genommen. Der mineralische Orchideendünger von Bauhaus hat ein ausgeglichenes Nährstoffverhältnis (NPK: 5-4-6). Tipp: Um richtig Geld zu sparen, greifen sie unbedingt zu der 500 ml Variante!

  • 250 ml und 500 ml Flasche
  • Flüssigdünger
  • Alle Spurennährstoffe enthalten
  • Einfaches Dosieren über Verschlusskappe

 

  • Living Garden Orchideendünger (Obi)

Der letzte vorgestellte Dünger wird von Obi vertrieben. Im Vergleich zu der Hausmarke von Bauhaus sind die Nährstoffe hier etwas niedriger konzentriert (NPK: 3+3+5). Auch hier gilt: Wer richtig sparen will, der greift zu der großen 500 ml Flasche.

  • 250 ml und 500 ml Flasche
  • Flüssigdünger
  • Alle Spurennährstoffe enthalten
  • Einfaches Dosieren über Verschlusskappe

 

Im Allgemeinen gilt: Sind sie sich unsicher, ob Ihre Orchidee gut mit dem gekauften Dünger klarkommt, dann benutzen Sie etwas weniger Dünger als der Hersteller empfiehlt. Denn aufgrund des oben angesprochenen langsamen Stoffwechsels sind Überdüngungen, aber auch Unterdüngungen erst sehr spät wirklich gut zu erkennen. Deswegen sollten Sie lieber auf Nummer sicher gehen. Düngerfehler sowie andere Kulturfehler sind bei Orchideen nur sehr unschön anzusehen, da sie nur langsam wieder rauswachsen (wenn überhaupt!).

Flüssigdünger vs. Düngestäbchen

Wie Sie vielleicht gemerkt haben, wurden keine Düngestäbchen speziell für Orchideen vorgestellt. Wir sind der Meinung, dass Düngestäbchen oder generell fester und ungelöster Dünger nicht die erste Wahl sein sollte. Die Nährstoffe, die sich langsam aus den Düngestäbchen lösen, verteilen sich nur sehr langsam und punktuell. Es kann also sein, dass die spärliche Bewurzelung der Orchideen gar nicht an dieser Stelle vorhanden ist. Somit werden die Nährstoffe nicht aufgenommen und reichern sich an. Zusammengefasst kann eine Düngung mit Stäbchen keine gleichmäßige Düngung garantieren. Deswegen greifen Sie lieber zu Flüssigdünger!

bizarre Orchidee

Orchideen sind wunderschön und manchmal auch ein wenig bizarr [Foto: Protopian Pickle Jar]

Hausmittel und Hormone als Dünger

Wie bei allen anderen Pflanzen kursieren auch für Orchideen viele Hausmittel für die Düngung im Netz. In erster Linie werden Düngungen mit Zucker, Süßstoff, Kaffee, Hefe und Bier empfohlen. Zucker und auch Süßstoffe haben bei einer normalen Pflanzenkultur nichts verloren! Der Zucker wäre sogar sehr schädlich und würde dafür sorgen, dass Stickstoff festgesetzt wird und nicht mehr von den Pflanzen aufgenommen werden kann. Auch von anderen Düngeexperimente mit Kaffee, Tee und weiteren Hausmitteln, raten wir ab. Erstens ist die Nährstoffzusammensetzung in diesen Lebensmitteln teilweise nicht optimal und die Nährstofffreisetzung im Orchideensubstrat würde viel zu langsam voranschreiten. Der feinkrümlige Kaffeesatz kann im Orchideensubstrat die Luftporen verschließen und dadurch könnten die empfindlichen Wurzeln ersticken. Wir empfehlen ausschließlich den Einsatz von einem guten und flüssigen Orchideendünger.

Orchideen weiß und lila

Orchideen gehören zu den beliebtesten Zimmerpflanzen [Foto: Michele Dorsey WalfredCC BY 2.0]

Auch eine Hormongabe durch die Antibabypille halten wir für kompletten Blödsinn. Das hat mehrere Gründe: Die Wirkung von Hormonen ist sehr komplex. Kleinste Änderungen in der Hormonmenge können den eigentlichen Effekt aufheben oder sogar ins Gegenteil umkehren. Es stimmt zwar, dass Pflanzenhormone und Hormone von Menschen teilweise sehr ähnlich sind. Aber bereits kleinste Veränderungen können zu einer anderen Wirkung oder zu einer kompletten Wirkungslosigkeit führen. Experimente mit Hormonen gehören ins Labor und nicht auf die häusliche Fensterbank. Durch dieses „Hausmittel“ werden Sie auf jeden Fall nicht zu einer schönen Blütenpracht gelangen. Das geht nur über die richtige Pflege und den richtigen Standort!

4. Fazit zu gekauften Orchideendüngern

Insgesamt gibt es bei den unter die Lupe genommenen Orchideendüngern keine größeren Mängel. Nur der hohe Kaliumanteil des Vita+plus Düngers (Substral) ist vielleicht etwas zu gut gemeint. Wer aus bestimmten Gründen auf synthetische Dünger verzichten will, kann mit gutem Gewissen auf den organischen Dünger BioTrissol von Neudorff zurückgreifen. Die mineralischen Dünger sind vor allem für Orchideenfreunde gedacht, die ihr angesetztes Gießwasser für längere Zeit nutzen wollen. Dadurch spart man sich das ständige Ansetzen einer neuen Düngerlösung. Wobei dazu auch gesagt werden muss, dass die Dosierung bei allen Düngern durch die integrierten Messbecher in den Verschlusskappen sehr fix vonstattengeht. Generell ist für eine erfolgreiche Orchideenkultur wichtig, dass überhaupt gedüngt wird. Und das sollte mit einem qualitativ hochwertigen Orchideendünger passieren. Orchideen überleben zwar auch recht lange ohne zusätzliche Düngung, aber wenn Sie eine Orchidee mal richtig wachsen sehen wollen und zusätzlich auch viele Blüten bestaunen möchten, dann ist eine Düngung unverzichtbar.

David

Ich bin Student der Gartenbauwissenschaften und zudem gelernter Zierpflanzengärtner. Das Thema Anbau lässt mich seit meiner Kindheit einfach nicht los: Egal, ob auf der kleinen Stadtfensterbank oder im großzügigen Garten - Gärtnern muss ich auch in meiner Freizeit immer und überall.
Lieblingsobst: Himbeeren
Lieblingsgemüse: Brokkoli

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