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Botrytis: Grauschimmel erkennen, vorbeugen & bekämpfen

Botrytis cinerea ist einer der häufigsten pflanzenschädigenden Pilze. Wir stellen den lästigen Pilz vor und zeigen, wie man ihn erfolgreich bekämpft.

Erdbeeren mit Grauschimmel botrytis

Grauschimmel an Erdbeeren ist besonders ärgerlich [Foto: Floki/ Shutterstock.com]

Wer kennt ihn nicht, den grauen Schimmelrasen auf den geliebten Erdbeeren? Dieser wird meistens von Botrytis cinerea verursacht, dem Grauschimmel. Mit ein bisschen Wissen über den Pilz, können Sie dem Befall vorbeugen oder ihn bekämpfen. Wir zeigen Ihnen, wie das geht, damit Sie noch lange Freude an Ihren Pflanzen haben können.

Botrytis cinerea: Grauschimmel im Porträt

Der Pilz Botrytis cinerea ist ein Wund- und Schwächeparasit und ist überaus anpassungsfähig, daher neigt er stark zu Resistenzbildungen. Er ist einer der am schwierigsten zu kontrollierenden Pathogene und kann uns bei verschiedenen Pflanzen in unserem Garten Sorgen bereiten.

Botrytis cinerea: Der Lebenszyklus

Dieser Pilz gehört zu der Klasse der Schlauchpilze (Ascomycetes) und hat einen großen Wirtspflanzenkreis. Den Namen Schlauchpilze verdankt diese Klasse der Form seiner Fortpflanzungsorgane. Die Schlauchpilze umfassen 45.000 verschiedene Arten und sind somit die größte und auch bedeutendste Gruppe unter den Echten Pilzen. Zu den Ascomycetes gehören unter anderem auch der Apfelschorf (Venturia inaequalis), Mutterkorn (Secale cornutum) oder der Pinselschimmel (Penicillium), der von der Antibiotika-Produktion bekannt ist.

An den faulenden Stellen bilden sich die Konidien (ungeschlechtliche Pilzsporen). Die Konidien des Grauschimmels werden über den Wind oder Spritzwasser verbreitet und infizieren so neues Pflanzengewebe. Die Infektion tritt bei andauernder Feuchtigkeit auf. Die Infektion verbreitet sich dann über die Früchte und die Pflanze. An Erdbeeren kann man dann den bekannten grauen Schimmelrasen beobachten. Es können aber auch die Früchte direkt infiziert werden.

Erdbeeren verschimmelt

Dir Früchte können direkt mit Botrytis infiziert werden [Foto: Catherine311/ Shutterstock.com]

Der Pilz überwintert auf organischem Material und im Frühjahr beginnt seine Entwicklung erneut. Als Dauerform werden Sklerotien gebildet, jedoch kann der Pilz auch als Myzel auf abgestorbenen Pflanzenteilen überwintern. Sklerotien sind harte Dauerformen von Pilzen, die sehr widerstandsfähig gegen Trockenheit oder Kälte sind, dadurch können Pilze lange Zeit in einem Ruhestadium verweilen, bis es wieder für sie optimale Bedingungen gibt. Die Entwicklung wird durch die feuchten Bedingungen im Frühling gestartet und damit beginnt das Wachstum des Pilzes wieder und damit auch die Bildung neuer Sporen.

Der Entwicklungszyklus des Grauschimmels im Überblick:

  • Im Boden befinden sich Sklerotien, die lange Zeit dort überleben können.
  • Auf organischem Material kann der Pilz auch als Myzel überdauern.
  • Ausgehend von diesen Quellen verbreiten sich die Sporen und infizieren unsere Pflanzen.
  • Die Verbreitung geschieht durch den Wind oder Spritzwasser.
  • Auf den Pflanzen bildet sich ein grauer Pilzrasen, an dem sich auch Sporen bilden.
  • Feuchtigkeit und Temperaturen zwischen 20 und 28 °C sind optimal für den Grauschimmel.

Botrytis cinerea: Schadbild erkennen

Wie schon sein Name sagt, bildet sich ein flächiger, mausgrauer Pilzrasen beim Befall mit Grauschimmel. Dieser Pilzrasen hat die Angewohnheit, dass er stark stäubt. Das Gewebe der Pflanzen stirbt ab und es bilden sich auch braune Flecken auf Blättern und Früchten. Die Früchte sehen zu Beginn aber eher glasig aus. An Tomaten können sogenannte Geisterflecken auftreten. Dabei bildet sich ein helles Zentrum und um dieses Zentrum, mit etwas Abstand, ein heller Ring.

Der Pilz kann an allen Pflanzenteilen auftreten, besonders gerne werden weiche Früchte und Blüten befallen, aber auch Triebe und verholzte Teile können mit Grauschimmel in Kontakt kommen.

Tomaten mit Grauschimmelbefall im Garten

Auf den verholzten Teilen der Pflanzen entstehen braune Flecken [Foto: AJCespedes/ Shutterstock.com]

Besonders anfällige Kulturen sind Tomaten, Gurken, Zwiebeln und Salat. Beim Beerenobst hat der Grauschimmel es besonders auf die Erdbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren und Brombeeren abgesehen und macht auch nicht vor unseren Zierpflanzen halt. Rosen, Tulpen, Rhododendron und Hortensien sind nur einige der betroffenen Zierpflanzen in unseren Gärten.

Geranien mit Grauschimmel

Auch Geranien können von Grauschimmel befallen werden [Foto: Floki/ Shutterstock.com]

Botrytis erfolgreich bekämpfen und Grauschimmel vertreiben

Es gibt verschiedene Ansätze zur Bekämpfung von Grauschimmel. Hier zeigen wir Ihnen Tipps und Tricks zur Vorbeugung und verschiedene Bekämpfungsmaßnahmen.

Botrytis cinerea bekämpfen: Geeignete Spritzmittel

Die chemische Bekämpfung von Botrytis cinerea ist etwas problematisch. Dieser Pilz ist überaus anpassungsfähig und kann sehr schnell Resistenzen ausbilden. Daher sollten Sie zuerst unsere vorbeugenden und natürlichen Bekämpfungsmaßnahmen anzuwenden, bevor Sie zur chemischen Bekämpfung greifen. Studien an Himbeeren aus Norddeutschland zeigen, dass sich schon nach fünf Jahren 100%ige Resistenzen ausbilden können.

Sollten Sie keinen Ausweg mehr sehen, können folgende Wirkstoffe Erfolg versprechen:

  • Trifloxystrobin
  • Cyprodinil
  • Fludioxonil
  • Bodenpilz Gliocladium catenulatum

Nur ein paar Beispiele für Pflanzenschutzmittel gegen Grauschimmel:

  • Switch von Syngenta (basiert auf den Wirkstoffen Cyprodinil und Fludioxonil)
  • Baymat Plus AF Pilzfrei (basiert auf den Wirkstoffen Trifloxystrobin und Tebuconazl)
  • Celaflor Pilzfrei Saprol N (basiert auf den Wirkstoffen Trifloxystrobin und Tebuconazl)
  • Biologisches Fungizid Prestop von Kwizda (basiert auf dem Bodenpilz Gliocladium catenulatum)

Bei der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln ist immer Vorsicht angesagt. Halten Sie sich immer an die Gebrauchsanweisung, besonders an die Hinweise zur persönlichen Sicherheit und die Dosierung.

Wir empfehlen folgende Produkte gegen Pilzerkrankungen:
  • Celaflor Pilzfrei Saprol N: Zur Bekämpfung häufiger Pilzkrankheiten an Rosen und anderen Zierpflanzen sowie Gemüse. Schont Nützlinge und ist nicht bienengefährlich.
  • Neudorff AF Pilzfrei: Spritzmitel gegen Pilzkrankheiten, ist jedoch bienengefährlich.
  • Cuxin Urgesteinsmehl: Dient der Wiederanreicherung des Bodens mit wertvollen Mineralsubstanzen, reagiert leicht basisch und wirkt so der Bodenübersäuerung entgegen.

Botrytis cinerea bekämpfen: Natürliche Maßnahmen

Auch auf natürlichem Weg haben sich einige Methoden gegen den Grauschimmel bewährt. Zum einen wäre hier die Verwendung von verschiedenen Jauchen und Tees zur Bekämpfung und zur Vorbeugung zu nennen, da viele dieser Mittelchen Pflanzenstärkungsmittel sind. Gesunde und starke Pflanzen werden nicht so schnell von Krankheiten befallen, als Pflanzen in einem geschwächten Zustand.

Schachtelhalmbrühe tee im Glas mit Zweigen

Schachtelhalmbrühe kann auf natürliche Weise gegen Grauschimmel helfen [Foto: Madeleine Steinbach/ Shutterstock.com]

Zum Beispiel kann Schachtelhalmbrühe zur Stärkung aufgesprüht werden. Bei Erdbeeren taucht man die Wurzeln vor dem Setzen in Schachtelhalmbrühe, unterstützt das Wachstum später mit verdünnter Brennnesseljauche und entlaubt die Pflanzen etwas, wenn der Bestand sehr dicht ist. Hier erfahren Sie mehr über die Schachtelhalmbrühe und die Brennnesseljauche.

Brennesseljauche im Kessel

Brennesseljauche unterstützt das Wachstum [Foto: Nadezda Nikitina/ Shutterstock.com]

Wichtig ist aber, dass man spätestens nach drei Jahren einen neuen Standort für die Erdbeeren sucht. Da die Blüte der Erdbeeren befallen wird, kann man diese mit Gesteinsmehl bestäuben, um den Befall zu mindern. Das Gesteinsmehl kann auch als Dünger auf den Boden aufgebracht werden – vor allem auf saure Böden als Bodenverbesserung. Mit der Düngung sollte man es aber auch nicht übertreiben. Viel Stickstoff kann begünstigend für Pilzinfektionen sein, daher damit eher sparsam umgehen.

Schaufel in Sack mit Gesteinsmehl

Auch Gesteinsmehl ist hilfreich im Kampf gegen Grauschimmel [Foto: Gulthara/ Shutterstock.com]

Botrytis clever vorbeugen

Da der Pilz auf organischem Material den Winter überlebt, haben wir damit schon den ersten Angriffspunkt. Entfernen Sie abgestorbene Pflanzenteile, diese sind voller Sporen und infizieren damit nur noch mehr Pflanzen. Es ist wichtig, so wenig Infektionsquellen im Garten zu haben, wie es nur möglich ist.

Besonders wichtig ist auch der Umgang mit Feuchtigkeit, den Feuchte begünstigt Botrytis. Daher sollte der Pflanzabstand zwischen Ihren Pflanzen nicht zu eng sein. Ein größerer Abstand fördert eine gute Luftzirkulation und begünstigt ein rascheres Abtrocknen. Dabei helfen auch Sorten, die kleinere Blätter ausbilden, sie trocknen schneller ab.

Besonderes Augenmerk sollten Sie auch auf Ihre Gießpraxis werfen. Gießen Sie nicht von oben, damit befeuchten Sie die ganze Pflanze und schaffen so optimale Bedingungen für eine Pilzinfektion. Daher gießen Sie die Pflanzen am besten dort, wo sie die Feuchte wirklich brauchen – nämlich am Boden. Wenn Sie mit Bewässerungssystemen arbeiten, setzen Sie auf die Tröpfchenbewässerung.

Gießen im Beet mit Gießkanne

Pflanzen solltne immer nur am Boden gegossen werden [Foto: Elena M. Tarasova/ Shutterstock.com]

Bei Erdbeeren sollten Sie bei der Verwendung von Stroh vorsichtig sein. Natürlich ist es praktisch wenn die Erdbeeren nicht voller Erde sind, jedoch sollten Sie das Stroh nicht von Beginn an rund um die Erdbeerpflanzen verteilen. Es reicht, wenn Sie es kurz vor beziehungsweise bei der Blüte am Boden verteilen. Leider gibt es keine gegen Botrytis resistenten Erdbeersorten.

Erdbeerpflanze mit Stroh bedeckt

Stroh sollte erst mit der Blüte um Erdbeerpflanzen verteilt werden [Foto: patjo/ Shutterstock.com]

Achten Sie auch auf eine Fruchtfolge in Ihrem Garten und wechseln Sie regelmäßig den Standort Ihrer Zierpflanzen. Im Gemüsebeet kann eine Mischkultur mit Knoblauch oder Zwiebeln eine vorbeugende Wirkung erzielen. Die Senföle in diesen Pflanzen wirken gegen den Pilz. Sie können auch die Ernterückstände des Knoblauchs und der Zwiebeln im Garten belassen und in den Boden einbringen. Die Senföle wirken gegen verschiedene Pathogene und Schädlinge.

Knoblauchzehen in Beet stecken per hand

Knoblauch als Pflanzpartner beugt dem Grauschimmel vor [Foto: yuris/ Shutterstock.com]

Wenn Sie ein Glashaus besitzen, sollten Sie darauf achten, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist und sich kein Tau auf den Blättern bildet. Regelmäßiges Lüften oder die Verwendung von automatischen Fensterhebern ist besonders wichtig.

Ein besonderer Lagerhinweis: Kühlen Sie geerntet Früchte, besonders Beeren, schnell auf 0 bis 3 °C. Damit bleiben diese auch noch länger frisch, ansonsten könnten potentiell infizierte Früchte Ihre ganze Ernte mit dem grauen Schimmelrasen überziehen. Versuchen Sie auch, die Früchte so wenig wie möglich anzufassen und sie nicht zu beschädigen.

Brombeeren mit Grauschimmel

Infizierte Früchte können schnell die ganze Ernte ruinieren [Foto: Floki/ Shutterstock.com]

Botrytis vorbeugen: Noch einmal kurz zusammengefasst

  • Befallene und abgestorbene Pflanzenteile entfernen
  • Größerer Pflanzenabstand
  • Nicht von oben gießen sondern bodennah
  • Stroh erst ab der Erdbeerblüte am Boden auflegen
  • Fruchtfolge und Standortwechsel
  • Mischkultur mit Knoblauch
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