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Eichenprozessionsspinner: Bekämpfung & Ausschlag vermeiden

Eichenprozessionsspinner können schmerzhafte Ausschläge verursachen! Wir zeigen, wie man ihn bekämpfen kann und ob man den Schädling melden muss.

Eichenprozessionsspinner Larve Raupe Brennhaare

Vorsicht! Die Haare der Raupe verursachen schmerzhafte Ausschläge [Foto: Andreas MärzCC BY 2.0]

Eichenprozessionsspinner können zu einer echten Plage werden. Noch dazu sind die Brennhaare auf den Raupen des Schädlings gefährlich für uns Menschen, aber auch für Haustiere wie Hunde und Katzen. Dieser Artikel gibt einen Überblick, wie man die Raupen und Schmetterlinge des Eichenprozessionsspinners erkennt und wo seine häufigsten Verbreitungsgebiete in Deutschland liegen. Zudem geben wir Aufschluss zu den Fragen, wie man den Eichenprozessionsspinner bekämpfen kann und ob man den Schädling melden muss.

Eichenprozessionsspinner: Aussehen von Raupe und Schmetterling

Der nachtaktive Eichenprozessionsspinner (Traumatocampa pinivora) ist im Gegensatz zu vielen anderen Schädlingen hierzulande heimisch und wurde nicht aus anderen Regionen der Welt eingeschleppt. In manchen Jahren kommt es ähnlich wie bei den Maikäfern zu Massenvermehrungen. Die Larven des Prozessionsspinners können dann großen Schaden anrichten. Aus diesem Grund ist es wichtig sowohl die Larve als auch den Falter richtig identifizieren zu können. Die erwachsenen Falter besitzen eine Spannweite von ungefähr 3 cm, wobei die weiblichen Schmetterlinge mit bis zu 3,6 cm immer etwas größer ausfallen. Während die sichtbaren Flügel der Männchen eine asch- bis braungrau Farbe haben und zudem zwei gut sichtbare Querbinden (Streifen) aufzeigen, sind die Vorderflügel bei den Weibchen dunkelgrau bis braungrau gefärbt. Die Streifen auf den Flügeln sind hier schwächer ausgeprägt oder bei einigen weiblichen Faltern erst gar nicht vorhanden. Die Schmetterlinge sind zudem behaart, allerdings handelt es sich dabei nicht um die giftigen Brennhaare wie sie bei den Raupen vorkommen.

Die Larven des Eichenprozessionsspinners sind ebenfalls nachtaktiv. Nach dem Eischlupf müssen die Raupen sechs Larvenstadien bis zur Verpuppung durchlaufen. Bei ihrer Entwicklung werden die Raupen bis zu 5 cm groß. Neben den typischen Brennhaaren, die ab dem dritten Larvenstadium gebildet werden, gibt es eine Reihe von weiteren Erkennungsmerkmalen. Auf dem Rücken der Raupen befindet sich eine breite und dunkle Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern. Außerdem können die Raupen des Eichenprozessionsspinners an ihrem Verhalten erkannt werden. Die geselligen Raupen gehen öfters in Gruppen auf Nahrungssuche, dabei bewegen sie sich wie im Gänsemarsch direkt hintereinander. Von diesem Verhalten rührt auch der Name „Prozessionsspinner“ her. Ein weiteres Erkennungsmerkmal sind große Gespinste, die ab dem fünften Larvenstadium angelegt werden. Diese dienen tagsüber als Schutz und als eine Art Nest für die Verpuppung.

Eichenprozessionsspinner: Verbreitung und Steckbrief

Der zu den Zahnspinnern (Notodontidae) gehörende Nachtfalter ist seit 1990 in Deutschland auf dem Vormarsch. Es wird vermutet, dass der Klimawandel für den wärmeliebenden Eichenprozessionsspinner einen Vorteil darstellt und deswegen auch mitverantwortlich für seine Ausbreitung sein soll. Hier die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners mit den am stärksten befallenen Bundesländern:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Sachsen-Anhalt
  • Baden-Württemberg
  • Nordrhein-Westfalen
  • Bayern
Eichenprozessionsspinner Motte Schmetterling

Die Motte des Eichenprozessionsspinners ist eher unscheinbar [Foto: Ben SaleCC BY 2.0]

Auf dem Speiseplan der gefräßigen Raupen stehen alle Eichenarten, wobei besonders einzelnstehende Bäume oder Eichen am Waldrand (insbesondere die wärmebegünstigte Südseite) bevorzugt werden. Neben Wäldern können auch Eichen in Parks oder im urbanen Bereich dem Eichenprozessionsspanner zum Opfer fallen. Bei starker Vermehrung und knappen Nahrungsangebot werden selten auch andere Bäume wie die Hainbuche befallen. Die weiblichen Falter legen ihre etwa einen Millimeter großen Eier gerne im Kronenbereich von älteren Eichen ab. Ein Eigelege kann dabei aus 100 – 200 Eiern bestehen und wird in Form einer länglichen Platte abgelegt.

Aus den Eiern schlüpfen die vorerst harmlosen Larven und fressen an den Blättern der Eichenbäume. Dabei wird das komplette Blatt verspeist, nur die dicke Mittelrippe wird von den Raupen verschmäht. Je nach Witterung können ab April die ersten Larven des dritten Entwicklungsstadiums vorhanden sein. Ab dieser Entwicklungsstufe besitzen sie die typischen Brennhaare die mit Widerhaken und einem Nesselgift ausgestattet sind. Auf die Brennhaare wird im unteren Textabschnitt nochmal ausführlich eingegangen. An dieser Stelle sollte ausdrücklich erwähnt werden, dass der Eichenprozessionsspinner im Großen und Ganzen keine Gefahr für Eichen darstellt. In den Jahren, wo es zu keiner Massenvermehrung kommt, sind die Fraßschäden der Raupen minimal und nicht weiter problematisch. Selbst nach einer Massenvermehrung des Eichenprozessionsspinners und einem damit einhergehenden Kahlfraß, erholen sich die betroffenen Eichen meist wieder. Nur ein mehrjähriger Kahlfraß des Eichenprozessionsspinners in Verbindung mit weiteren negativen Einwirkungen kann einer Eiche ernsthaft schaden. Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich vielmehr um einen Gesundheitsschädling, da die Brennhaare teilweise heftige Reaktionen beim Menschen auslösen können.

Eichenprozessionsspinner: Bekämpfung und Meldepflicht

Eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gestaltet sich aus vielerlei Gründen als schwierig. Das liegt zum einen an der befallenen Pflanze: Der Eiche. Die ausladenden und oft viele Meter hohen Bäume lassen sich mit herkömmlichen Spritzgeräten nicht effektiv einnetzen. Die Bekämpfung der Raupen in den höher liegenden Baumkronen ist deswegen im Prinzip unmöglich. Zum anderen ist es generell nicht zu empfehlen, sich großen Populationen von Eichenprozessionsspinnern zu nähern. Denn die fast unsichtbaren Brennhaare der Raupen brechen leicht ab und können mit dem Wind über relativ lange Strecken transportiert werden. Gelangen sie dann auf die Haut oder in die Atemwege, kann es unteranderem zu Quaddeln, Ausschlag, Hautentzündungen, schmerzhaftem Husten und Asthma kommen. Nähern Sie sich doch mal unabsichtlich einem Eichenprozessionsspinnernest oder freilebenden Raupen, dann sollten folgende Regeln beachtet werden:

  • Alle Hautbereiche müssen durch Kleidung möglichst gut geschützt sein
  • Raupen und Gespinste nicht berühren
  • Kleidung nach Kontakt gründlich waschen; gleiches gilt für die Haare und den Körper

Wenn es zu Problemen aufgrund der Anwesenheit von den Eichenprozessionsspinnern kommt, bleiben Ihnen eigentlich nur zwei Auswahlmöglichkeiten: Erstens können Sie das Befallsgebiet meiden, um dadurch den Kontakt mit den Brennhaaren zu umgehen. Die Alternative wäre eine Bekämpfung der Raupen durch eine Fachfirma, welche auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert ist. Diese Firmen verfügen über spezielle Schutzkleidung, wodurch sie den Pflanzenschutzeinsatz unbeschadet durchführen können. Noch dazu haben sie auch die nötigen Geräte, um große Bäume von der Raupenplage zu befreien. Der Eichenprozessionsspinner kann zudem mit biologischen Mitteln sehr gut bekämpft werden; die Chemiekeule ist also gar nicht notwendig. An dieser Stelle möchten wir auch nochmal darauf hinweisen, dass es keine Meldepflicht bei einem aufkommenden Befall durch den Eichenprozessionsspinner gibt. Sie können den Befall natürlich freiwillig der jeweiligen zuständigen Behörde melden. Dort erhalten Sie unter Umständen weitere Tipps und Anregungen.

Eichenprozessionsspinner: Ausschlag und andere Symptome

Die gefährlichen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners befinden sich nicht nur auf den Raupen selbst. Auch die Nester der Eichenprozessionsspinner sind voll mit den Widerhaken besetzten Haaren. Sie reichern sich in dem Gestrüpp unter den befallenen Eichen an und können über mehrere Jahre lang weiterhin ihre Giftigkeit behalten und zu Ausschlag führen. Die Brennhaare sind wahrscheinlich wegen dem Inhaltsstoff Thaumetopoein so giftig. Gelangen die Haare auf ungeschützte Hautpartien, krallen sie sich fest und lösen teilweise schweren Ausschlag und Hautreizungen aus. Dieser äußert sich durch Quaddeln und eine gerötete Haut. Solche Hautreaktionen sollten behandelt werden, da sie unbehandelt bis zu zwei Wochen anhalten können. Nebenbei kann auch Schwindel, Fieber und Müdigkeit auftreten. Nur in selten Einzelfällen kann es auch zu einem allergischen Schock kommen.

Mit diesen Produkten können Sie sich schützen:

  • Gartenhandschuhe: Schützen Sie Ihre Hände vor Stacheln und Dornen, oder nutzen Sie die Handschuhe zum Aufsammeln von giftigen Insekten.
  • Schneckenzange: Praktische Zange zum Aufsammeln von Schnecken oder anderen Insekten.

Eichenprozessionsspinner: Gefährlich für Hund und Co?

Nun sollten alle Haustierbesitzer aufhorchen! Auch für Hund und Katze sind die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners gefährlich. Zwar ist die Haut der Tiere weitestgehend durch das Fell geschützt. Allerdings werden die Raupen des Eichenprozessionsspinners aus Neugier beschnüffelt oder verzehrt, wodurch es zu starken Entzündungen im Nasen- und Mundbereich der Tiere kommen kann.

Dominic

Ich studiere Gartenbauwissenschaften und gehöre natürlich den passionierten Hobbygärtnern an. Meine ersten Wassermelonen habe ich bereits im Alter von 7 Jahren geerntet. Momentan finde ich Themen in Bezug auf die Interaktion von Pflanzen mit anderen Lebewesen und der Umwelt besonders interessant.
Mein Lieblingsobst: Ganz klar Avocados
Mein Lieblingsgemüse: Eigentlich alles, außer Rosenkohl

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