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Eichenprozessionsspinner bekämpfen: So werden Sie ihn erfolgreich los

Der Eichenprozessionsspinner schädigt Eichen und ruft bei Menschen allergische Reaktionen hervor. Wir zeigen, wie er erfolgreich bekämpft und entfernt wird.

Warnung vor Eichenprozessionsspinner an Baumstamm angebracht
Der Eichenprozessionsspinner muss bekämpft werden, wenn er Menschen oder den Forst gefährdet [Foto: Nicole Lienemann/ Shutterstock.com]

Eigentlich sieht es ja ganz possierlich aus, wie die flauschigen braunen Raupen des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea L.) in einer langen Reihe hintereinander herlaufen, um sich die Blätter unserer Eichen einzuverleiben – fast möchte man sanft über die hoch aufragenden Brennhaare streichen. Leider handelt es sich jedoch bei der weich behaarten Larve des Eichenprozessionsspinners um einen ernst zu nehmenden Schädling, der mit seinen allergieauslösenden Brennhaaren auch Menschen und Tiere schädigen kann. Alles zum Thema Ausschlag durch die Raupen finden Sie hier.

Eichenprozessionsspinner bekämpfen

Hier erfahren Sie, wie Sie Raupe und Falter des Eichenprozessionsspinners (abgekürzt auch „EPS“) erkennen und diesen vorbeugen. Außerdem finden Sie alle Infos zur Entwicklung, Verbreitung und Schadwirkung der Spinner-Raupen. Die Bekämpfung sollten Sie um Ihrer Gesundheit willen aber besser einem Spezialisten überlassen.

Verbreitung und Nahrung des Eichenprozessionsspinner

Etwa seit 1990 ist der wärmeliebende Eichenprozessionsspinner in Deutschland auf dem Vormarsch. Seine Entwicklung wird durch den Klimawandel begünstigt. Es werden alle Arten von Eichen und in Ausnahmefällen auch andere Laubbäume, zum Beispiel Hainbuche, Buche, Birke oder Robinie, von ihm befallen. Bevorzugt tritt der Schädling in lichten, warmen Wäldern mit hohem Anteil von Eichen und an den besonnten Südrändern dieser Wälder auf. Auch Einzelbäume in Parkanalgen werden gern angenommen.

Am stärksten vom Eichenprozessionsspinner betroffene Bundesländer:

  • Berlin
  • Brandenburg
  • Sachsen-Anhalt
  • Baden-Württemberg
  • Nordrhein-Westfalen
  • Bayern
Eichenprozessionsspinner bewegen sich in Prozession fort
Die Raupen des EPS bewegen sich oft in ein- oder mehrreihigen Prozessionen fort [Foto: Peter Turner Photography/ Shutterstock.com]

Eichenprozessionsspinner erkennen

Um einen Befall frühzeitig zu erkennen, ist es wichtig, den Falter sicher identifizieren zu können. Die Larven des Eichenprozessionsspinners sind nachtaktiv. Auf ihrem Rücken befindet sich eine breite und dunkle Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern. Ab dem dritten Larvenstadium werden lange Brennhaare gebildet. Ab dem fünften Larvenstadium legen die Raupen große Gespinste aus Raupenseide an, die als Schutz und Nest zu Verpuppung dienen. Namensgebend ist das Verhalten der Raupen: Die geselligen Tiere bewegen sich häufig wie im Gänsemarsch direkt hintereinander her, als wollten sie eine feierliche Prozession bilden.

Die adulten Falter besitzen eine Spannweite von ungefähr 3 bis 3,6 Zentimetern und sind überall behaart. Ihre Behaarung setzt sich jedoch nicht aus Brennhaaren zusammen, ist also ungefährlich. Während die Flügel der Männchen zwei gut sichtbare Querstreifen zeigen, sind die Streifen schwächer ausgeprägt oder gar nicht vorhanden. Auch die Falter sind nachtaktiv, sodass man sie relativ selten antrifft.

Eichenprozessionsspinner-Falter sitzt auf Ast
Die Falter des EPS sind klein, unscheinbar und nachtaktiv, sodass man sie selten sieht [Foto: Sandra Standbridge/ Shutterstock.com]

Schadwirkung des Eichenprozessionsspinners

In der Regel ist ein Befall mit dem Eichenprozessionsspinner für einen gesunden Baum sehr gut zu verkraften. Auch nach völligem Kahlfraß treiben betroffene Eichen im nachfolgenden Jahr wieder gut aus. Problematisch ist allerdings ein mehrjähriger, wiederholter Befall. Grundsätzlich kann die Schwächung durch verschiedene abiotische (beispielsweise Trockenheit, Hitze, Wassermangel, Frost) sowie biotische (Eichenmehltau, Eichenprachtkäfer, Schwammspinner) Faktoren zu einem relevanten Vitalitätsverlust führen, sodass im Forst teils Pflanzenschutz mit Fraßgiften betrieben werden muss, um ganze Bestände vor dem Absterben zu bewahren. Gerade in öffentlichen Grünanlagen stellt der Spinner aber vor allem eine Gefährdung unserer Gesundheit dar, denn die Brennhaare können starke Reaktionen der Haut und der Atemwege auslösen. Hier können Sie alles darüber nachlesen, wie Sie einen Ausschlag oder andere Symptome vermeiden können.

Entwicklung des Eichenprozessionsspinners

Im Anschluss an diesen Absatz finden Sie eine tabellarische Darstellung der Entwicklung des Eichenprozessionsspinners. Die weiblichen Falter legen ihre etwa einen Millimeter großen Eier zwischen Ende Juli und Anfang September im oberen Kronenbereich von Eichen ab. Ein Gelege kann aus 100 bis 200 Eiern bestehen und wird in Form einer länglichen Platte angeordnet und sorgfältig getarnt. Aus den Eiern schlüpft mit Beginn der Vegetationsperiode das erste Larvenstadium, das noch gelblich-braun gefärbt ist. Dieses frisst an den Blättern der Eiche und verspeist das komplette Blatt – nur die Mittelrippe wird von den Raupen verschmäht. Je nach Witterung können ab April die ersten Larven des dritten Entwicklungsstadiums vorhanden sein. Ab diesem Stadium besitzen sie die typischen Brennhaare, die mit Widerhaken und einem Nesselgift ausgestattet sind. Im Juni oder Juli erfolgt die Verpuppung. Nach drei bis sechs Wochen als Puppe schlüpft schließlich der ausgewachsene Falter, um die nächste Generation zu zeugen.

Entwicklungsstadien der Eichenprozessionsspinner im Jahr

Eichenprozessionsspinner vorbeugen

Eine vorbeugende Pflanzenschutzbehandlung von Eichen und anderen Laubbäumen wird vom Umweltbundesamt als nicht sinnvoll bewertet. Bei besonders gefährdeten Bäumen sollten Sie jedoch wiederholte Kontrollen durchzuführen, um bei einem auftretenden Befall rechtzeitig reagieren zu können. Denn chemische Bekämpfungsmaßnahmen beispielsweise können nur im ersten und zweiten Entwicklungsstadium angewendet werden. Spätestens Mitte Mai ist eine solche Behandlung also nicht mehr möglich. Allgemein führt die Förderung von natürlichen Gegenspielern zu einer gewissen Abmilderung der Befallsstärke. Eine effektive Dezimierung des wärmeliebenden Eichenprozessionsspinners ist allerdings nur durch längere Kälteperioden möglich.

Wann besteht ein hohes Befallsrisiko für Eichenprozessionsspinner?

  • Eichen stehen in einer Monokultur oder in offener Landschaft und mit geringem Unterwuchs an anderen Pflanzen
  • In den Vorjahren fand ein Befall statt
  • Nahegelegene Laubbäume waren im Vorjahr befallen
  • Milde Winter und warme Sommer begünstigen die Entwicklung
Eichenprozessionsspinner sitzen auf Rinde
Die langen Brennhaare werden erst ab dem dritten Larvenstadium ausgebildet [Foto: Sarah2/ Shutterstock.com]

Eichenprozessionsspinner bekämpfen

Eine Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners gestaltet sich aus verschiedenen Gründen als schwierig. Einerseits befällt der Schmetterling bevorzugt bereits hochgewachsene Bäume und diese lassen sich mit herkömmlichen Spritzgeräten kaum behandeln. Zum anderen ist es eine sehr schlechte Idee, sich einer Gruppe von Eichenprozessionsspinnern zu nähern. Versuchen Sie daher niemals, das Tier selbst zu entfernen! Wenn Sie gezwungen sind, sich in der Nähe eines befallenen Baumes aufzuhalten, beachten Sie bitte folgende Hinweise.

Hinweise zum Aufenthalt bei einem befallenen Baum:

  • Alle Hautbereiche müssen durch Kleidung möglichst gut geschützt sein
  • Raupen und Gespinste nicht berühren
  • Kleidung nach Kontakt bei 60 °C waschen; Haare und Körper gründlich abduschen

Wenn es in Ihrem Privatgarten zu Problemen aufgrund der Anwesenheit von Eichenprozessionsspinnern kommt, bleiben Ihnen eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder Sie meiden das befallene Gebiet, um dadurch den Kontakt mit den Brennhaaren zu umgehen – dies wird vom Umweltbundesamt empfohlen. Oder Sie veranlassen die Bekämpfung der Raupen durch eine Fachfirma, welche auf Schädlingsbekämpfung spezialisiert ist. Der Eichenprozessionsspinner kann mit biologischen Mitteln sehr gut bekämpft werden – Bacillus thuringiensis Präpärate wie unserer Plantura Zünslerfrei XenTari® werden ebenfalls von Fachfirmen eingesetzt. Für Sie als privaten Anwender hat das Mittel allerdings bisher keine Zulassung für den Eichenprozessionsspinner. Auch das Absaugen und Abkratzen sind gängige Methoden, die eingesetzt werden. Verbrennen oder Fällen der befallenen Pflanzen birgt die Gefahr, dass sich die Brennhaare noch weiter verteilen, wodurch diese Methoden ausscheiden. 

Eichenprozessionsspinner Warnschild
Vor dem EPS wird nicht umsonst gewarnt: Versuchen Sie besser nicht, ihn selbst zu bekämpfen [Foto: Ralf Geithe/ Shutterstock.com]

Ist der Eichenprozessionsspinner meldepflichtig?

An dieser Stelle möchten wir darauf hinweisen, dass zwar keine Meldepflicht für den Eichenprozessionsspinner besteht. Sie können und sollten einen Befall im privaten sowie öffentlichen Bereich jedoch freiwillig dem zuständigen Ordnungsamt oder Grünflächenamt melden. Dort erhalten Sie unter Umständen weitere Tipps und es werden nötigenfalls Maßnahmen zur Beseitigung eingeleitet.

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