skip to Main Content

Kartoffelkäfer bekämpfen: Wirksame Spritzmittel & Hausmittel

Kartoffelkäfer können ganze Kartoffelernten vernichten! Wir zeigen Ihnen, wie Sie einen Befall erkennen, ihn effektiv bekämpfen und vorbeugen können.

Kartoffelkäfer auf Blatt nah

Den Kartoffelkäfer erkennt man an seinen auffälligen Streifen [Foto: Manfred MoitziCC BY-SA 2.0]

Kartoffelkäfer können zur echten Plage werden. Daher ist es wichtig, den Schädling frühzeitig zu erkennen und ihm vorzubeugen. Falls es dafür schon zu spät sein sollte, gibt es aber auch verschiedene Möglichkeiten der Bekämpfung, die von Haus- und biologischen Mitteln bis hin zu chemischen Spritzmitteln reichen.

Schadbild: Kartoffelkäfer und seine Larven erkennen

Ein Befall durch den Kartoffelkäfer ist wirklich leicht zu erkennen. Bereits ab dem ersten Austrieb der Kartoffeln, müssen Sie mit Fraßspuren rechnen. Da die Kartoffelpflanze wegen ihrer giftigen Inhaltsstoffe von vielen Schädlingen verschmäht wird, sind bei deutliche Fraßspuren oft Kartoffelkäfer die Übeltäter. Genauer gesagt: Die älteren Larven des Käfers sind für die abgefressenen Blätter verantwortlich. Sind genug Larven vorhanden, können sie eine Kartoffelpflanze bis auf die dicken Blattrippen abfressen. Das bedeutet dann meist auch ein Totalausfall der Ernte.

Neben der Identifizierung des erwachsenen Käfers, sollten Sie ein besonderes Augenmerk auf die Larven legen. Diese kompakten, roten Larven sind an ihren seitlichen schwarzen Punkten ebenfalls leicht zu erkennen. Falls Sie besonders gute Augen haben, können Sie vielleicht auch die kleinen gelben Eier auf der Blattunterseite erkennen. Dafür kann natürlich auch eine Lupe zur Hilfe genommen werden. Die Eier sind in einem kompakten kreisrunden Gelege angeordnet.

Kartoffelkäfer: Steckbrief

Der Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) zählt zu den Blattkäfern und stammt ursprünglich aus Colorado. Aus diesem Grund wird der Schädling im englischsprachigen Raum „colorado beetle“ genannt. Die Einschleppung nach Europa geschah bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Es dauerte dann auch nicht sonderlich lange bis der Kartoffelkäfer zu einem bedrohlichen Schädling wurde. Denn zu dieser Zeit gab es noch keine wirksamen Pflanzenschutzmittel und so blieb den Leuten nichts anders übrig, als die Käfer von den Kartoffelfeldern abzusammeln. Ganze Heerscharen von Menschen und besonders Kinder mussten die Kartoffelfelder durchkämmen, um die überlebenswichtige Kartoffelernte zu sichern. Erst mit dem Einzug moderner Pflanzenschutzmittel konnte der Kartoffelkäfer wirkungsvoll bekämpft werden. Die frühen Pflanzenschutzmittel waren allerdings so giftig, dass die Kartoffeln heutzutage wohl nie auf den Markt gekommen wären.

Kartoffelkäfer Befall Kartoffel Schädling bekämpfen

Der Albtraum eines jeden Kartoffelbauern [Foto: Sergey GCC BY 2.0]

Es ist wichtig, die Entwicklung des Kartoffelkäfers genau zu verstehen, damit eine effektive Bekämpfung möglich ist. Im Frühling, wenn die ersten Kartoffeln austreiben, erwacht auch der Kartoffelkäfer und verlässt sein Winterquartier. Nachdem die Käfer den Erdboden verlassen haben, beginnen sie an den kleinen Kartoffeltrieben zu fressen und legen ihre Eier auf der Blattunterseite der Kartoffeln ab. Der Fraß der Käfer ist allerdings sehr gering und wird meistens gar nicht bemerkt. Erst wenn nach ungefähr zwei Wochen die Larven aus den Eiern schlüpfen, beginnt das Problem. Die Larven müssen vier Entwicklungsstadien durchlaufen, bevor sie sich zu einem erwachsenen Käfer entwickeln.

In den beiden ersten Larvenstadien sind die Larven sehr empfindlich gegenüber Pflanzenschutzmaßnahmen und haben auch noch keinen großen Hunger. Ist allerdings das dritte Larvenstadium erreicht, geht das große Fressen los und auch biologische Insektizide wirken nun weniger gut. Aus diesem Grund sollten die Larven immer in einer frühen Entwicklungsphase bekämpft werden. Bei trockener Witterung sind bis zu zwei weitere Generationen von Kartoffelkäfern möglich. Erfolgt aber gleich bei der ersten Generation eine effektive Bekämpfung, ist die Anzahl der Kartoffelkäfer in den folgenden Generationen niedriger und dann auch schon fast zu vernachlässigen.

Befall mit Kartoffelkäfern vorbeugen

Da die Kartoffelkäfer im Frühling mit den austreibenden Kartoffeln aus dem Boden kommen, bringen Netze oder ähnliches nichts. Auch eine strenge Fruchtfolge im heimischen Garten bringt gegen einen Kartoffelkäferbefall keinen großen Erfolg, denn es müssten Entfernungen von ca. 500 m zwischen den Beeten realisiert werden. Das ist wohl in keinem Hausgarten möglich. Aber lassen Sie Ihren Kopf nicht hängen: Es gibt durchaus Mittel und Wege, um die Wahrscheinlichkeit eines bedrohlichen Kartoffelkäferbefalls zu senken. Wenn Sie Ihre Kartoffeln vorgetrieben unter die Erde bringen, haben sie vor den Kartoffelkäfern einen Wachstumsvorsprung. Die Kartoffelkäfer und ihre Larven richten weniger Schaden an den Kartoffelpflanzen an und eine Bekämpfung können Sie so möglicherweise umgehen. Zusätzlich und gerade wenn Sie häufig Probleme mit Kartoffelkäfern haben, lohnt sich der Einsatz von frühreifen Kartoffelsorten. Auch hier kann der gemeine Kartoffelkäfer dann nicht mehr sein volles Schadpotential ausschöpfen. Zusätzlich können Nützlinge die Anzahl von Kartoffelkäfern senken. Sorgen Sie also für viele Rückzugsgebiete, damit möglichst viele Nützlinge in Ihrem Garten für Sie „arbeiten“. Zu den nützlichen Räubern gehören vor allem räuberische Wanzen, Laufkäfer, Florfliegen, Marienkäfer und Nematoden im Boden.

Kartoffelkäfer bekämpfen

Bei der Bekämpfung des Kartoffelkäfers ist neben der Wahl des richtigen Bekämpfungsmittels auch der Bekämpfungszeitpunkt von entscheidender Bedeutung. Da der erwachsene Kartoffelkäfer im Prinzip keinen erwähnenswerten Schaden verursacht, ist seine Bekämpfung zweitrangig. Viel wichtiger ist die Bekämpfung der ersten Larvengeneration im Frühjahr. Die erste Larvengeneration entsteht aus den abgelegten Eiern der Kartoffelkäfer, welche mit dem Kartoffelaustrieb im Frühling aus dem Boden kriechen. Wird diese Larvengeneration effektiv bekämpft, kann sich über das Jahr keine große Kartoffelkäferpopulation mehr aufbauen. Sie haben dann unter normalen Bedingungen Ruhe vor dem Kartoffelkäfer und können entspannt auf die Kartoffelernte warten.

  • Kartoffelkäfer natürlich mit Nützlingen bekämpfen:

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Nützlinge im Erwerb, welche in der Lage sind, den Kartoffelkäfer wirklich gut zu bekämpfen. Wir können an dieser Stelle nur auf die vorbeugenden Maßnahmen verweisen. Durch das Ansiedeln der natürlichen Gegenspieler des Kartoffelkäfers steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich keine großen Kartoffelkäferbestände aufbauen können. So können Sie einer Pflanzenschutzmaßnahme mit Pflanzenschutzmitteln möglicherweise aus dem Weg gehen.

Kartoffelkäfer Kartoffelblatt Schädling bekämpfen

Niemand will diesen kleinen Käfer auf seiner Kartoffelpflanze finden [Foto: Anton VakulenkoCC BY-SA 2.0]

  • Kartoffelkäfer natürlich mit Hausmitteln bekämpfen:

Die älteste und zugleich mühsamste Methode ist das Absammeln der Kartoffelkäfer. Für eine gute Bekämpfung sollten aber auch die Larven abgesammelt und die Eigelege ebenfalls verdrückt oder abgestrichen werden. Bei einzelnen Kartoffelpflanzen auf dem Balkon oder der Terrasse mag das noch unproblematisch sein. Sind sie allerdings stolzer Besitzer eines größeren Kartoffelbeetes, ist das Absammeln eine fast unlösbare Aufgabe. Es kostet einfach sehr viel Zeit. Wenn Sie sich doch für dieses Mittel aus der Kategorie Hausmittel entscheiden, dann empfehlen wir das Absammeln am Morgen durchzuführen. Andere Hausmittel, die oft im Zusammenhang mit Kartoffelkäfern erwähnt werden, sind hingegen fast wirkungslos. Zu diesen Mittel gehören:

  • Gesteinsmehl
  • Holzasche
  • Spritzbrühen aus Farn oder Minze
Kartoffelkäfer Befall Kartoffel Schädling bekämpfen

Spätestens wenn man die Käfer entdeckt heißt handeln! [Foto: Magnus HagdornCC BY-SA 2.0]

  • Kartoffelkäfer natürlich mit biologischen Mitteln bekämpfen:

Für die biologische und natürliche Bekämpfung des Kartoffelkäfers stehen theoretisch mehrere wirkungsvolle Mittel zur Verfügung. Nur leider ist ein sehr effektives Pflanzenschutzmittel nur für den ökologischen Landbau zugelassen und nicht für den Privatanwender. Es handelt sich dabei um ein Bakterienprotein, welches selektiv auf den Schädling wirkt und fast unverzüglich zum Fraßstopp führt. Bald darauf stirbt der Kartoffelkäfer ab. Während das gegen Raupen eingesetzte Bakterienprotein Bacillus th. aizawa für den Hobbygärtner zugelassen ist und exzellent wirkt, ist das gegen den Kartoffelkäfer wirkungsvolle Bacillus th. tenebrionis nicht erhältlich. Aus diesem Grund bleiben nur Neempräparate für die biologische Bekämpfung im Hausgarten übrig. Damit das Neemmittel gut wirkt, muss es auch auf die Blattunterseite gesprüht werden. Ein wichtiger Punkt: Die Larven des Kartoffelkäfers werden in ihrer Entwicklung immer widerstandsfähiger gegen die biologischen Spritzmittel. Optimalerweise wird das Pflanzenschutzmittel deswegen kurz nach dem Eischlupf im Frühjahr aufgetragen. Nach einer wiederholten Spritzung sollte das Problem mit den Kartoffelkäfern dann beseitigt sein.

Folgende Produkte haben sich bei uns im Garten bewährt:

  • Kartoffelkäfer mit chemischen Spritzmitteln bekämpfen:

Bei den chemischen Spritzmitteln gibt es im Prinzip nur einen Wirkstoff, den wir mit gutem Gewissen empfehlen können. Das liegt daran, dass der Kartoffelkäfer gegen einen der beliebtesten Wirkstoffe, die Pyrethroide, weitgehend resistent ist (gleiches gilt für den ähnlichen biologischen Wirkstoff Pyrethrum aus der Chrysantheme). Wir raten dringend davon ab, den Kartoffelkäfer mit diesen beiden Wirkstoffen zu bekämpfen, da die Resistenz dadurch weiter gefördert wird. Nur chemische Pflanzenschutzmittel mit sogenannten Azadirachtin A sollten für die Bekämpfung des Kartoffelkäfers verwendet werden. Es handelt sich dabei quasi um eine verbesserte Form des Neemöls.

Dominic

Ich studiere Gartenbauwissenschaften und gehöre natürlich den passionierten Hobbygärtnern an. Meine ersten Wassermelonen habe ich bereits im Alter von 7 Jahren geerntet. Momentan finde ich Themen in Bezug auf die Interaktion von Pflanzen mit anderen Lebewesen und der Umwelt besonders interessant.
Mein Lieblingsobst: Ganz klar Avocados
Mein Lieblingsgemüse: Eigentlich alles, außer Rosenkohl

Back To Top