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Neemöl: Herstellung & Wirkung des pflanzlichen Pflanzenschutzmittels

Neemöl oder Niemöl wird aus dem Samen des tropischen Niembaumes gewonnen. Wie nützlich dieses pflanzliche Wunderöl sein kann, zeigen wir Ihnen im Folgenden.

Neemöl in Fläschchen mit Mörser

Neemöl ist ein pflanzliches Wundermittel [Foto: espies/ Shutterstock.com]

Neem, Niem, Azadirachtin: Alle diese Begriffe beziehen sich auf ein biologisches Insektizid, dass sehr beliebt ist. Wo es herkommt, wie es genau wirkt und wie Sie es richtig anwenden, erfahren Sie hier in diesem Artikel.

Neemöl: Ursprung und Herstellung

Der Niembaum (Azadirachta indica) gehört zu der Familie der Mahagonigewächse (Meliaceae) und darin zur Gattung Azadirachta. Ein anderer Name für diesen Baum ist auch „indischer Flieder“ und lässt schon vermuten, dass er seine Heimat in Südostasien hat, genauer gesagt in Indien, Burma, Bangladesch und Pakistan. Da sich das Neemöl aus den Samen des Baumes einer so großen Beliebtheit erfreut und er in den meisten ariden subtropische und tropischen Gebieten wächst, wird der Baum nun auch in Australien, Amerika und Afrika kultiviert.

Vom Niembaum werden fast alle Teile in verschiedenster Weise genutzt: Blätter, Samen, Blüten und sogar die Rinde. Zum Beispiel baden beim indischen Neujahrfest Hindus in einem Sud aus den Blättern des Niembaumes, um den Körper und die Seele zu reinigen, während die Zweige des Niembaumes früher zur Zahnreinigung verwendet wurden.

Junge Blätter wachsen an Neem Baum

Vom Niembaum werden fast alle Teile in verschiedenster Weise genutzt [Foto: WishnclickS/ Shutterstock.com]

Der Baum kann eine Höhe von 20 Metern erreichen und ist sehr trockenheitsresistent, was sein Ursprungsgebiet schon vermuten lässt. Er wächst sehr schnell und kann schon nach einigen wenigen Jahren Früchte tragen. Ein ausgewachsener Baum kann bis zu 50 kg Früchte produzieren und bis zu 200 Jahre alt werden.

Die Steinfrüchte des Niembaumes sind oval und bis zu 2,5 cm lang. Aus den Samen dieser Früchte wird das Neemöl hergestellt, da sie bis zu 40 % Öl enthalten. Die Blüten sind weiß und ihr Duft erinnert an Jasmin. Die hilfreichen Wirkstoffe des Niembaumes kommen in allen Pflanzenteilen vor, jedoch in unterschiedlicher Zusammensetzung.

Neemöl: Herstellungsverfahren des Öls

Die Früchte, die von den Niembäumen herunterfallen, werden aufgesammelt und das Fruchtfleisch entfernt. Übrig bleiben die Kerne, die auf unterschiedlichste Art verarbeitet werden. Die Herstellung des Neemöls kann durch die drei folgenden Methoden erfolgen:

  1. Kaltpressung: Die ganzen oder zermahlenen Samenkerne des Niembaumes werden schonend gepresst. Dabei erhält man ein gelbes und bitter riechendes Öl.
  2. Wasserauszug: Eine weitere Methode ist der Wasserauszug. Leider nicht sehr effektiv, aber günstiger als die anderen Methoden. Dabei werden die gemahlenen Kerne in Wasser eingelegt und es entsteht ein Extrakt.
  3. Ölextraktion: Das Neemöl kann auch aus den Kernen extrahiert werden. Dafür wird ein gesättigter Kohlenwasserstoff verwendet (Hexan).
Neem Baum mit gelben Früchten und Samen

Die Kerne der Früchte können auf unterschiedlichste Art verarbeitet werden [Foto: ka pong26/ Shutterstock.com]

In den Pflanzenteilen des Niembaumes finden sich viele insektizide (gegen Insekten) und akarizide (gegen Milben) Substanzen, zum Beispiel:
  • Azadirachtin (der Hauptwirkstoff)
  • Nimbin
  • Nimbidin
  • Nimbandiol
  • Salannin
  • Meloiantriol

Bei einer optimalen Extraktion des Öls aus den Samen kann man einen Azadirachtin-Gehalt von 30 % im Öl erhalten. Sie sollten das Neemöl kühl und an einem dunklen Ort lagern, damit es nicht schlecht wird und seine Wirksamkeit verliert.

Neemöl gegen Blattläuse und Co.

Pflanzenschutzmittel, die Neem enthalten, werden vor allem gegen Insekten eingesetzt, die beißende oder saugende Mundwerkzeuge besitzen. Besonders gut wirkt es bei beißenden Insekten, da es über die Fraßtätigkeit aufgenommen wird. Das Azadirachtin im Neemöl wirkt hemmend auf den Fraß und die Häutung. Neem hat ein weites Wirkungsspektrum, denn es kann gegen folgende Insekten eingesetzt werden:

  • Schmetterlinge (Lepidoptera), dazu gehören Schädlinge wie der Buchsbaumzünsler
  • Käfern (Coleoptera) wie der Kartoffelkäfer oder Rüsselkäfer
  • Gleichflügler (Homoptera), dazu gehören Blattläuse, Zikaden oder Heuschrecken
  • Zweiflügler (Diptera) oder einfach gesagt verschiedene Fliegen
gelbe Schädlinge an Pflanze

Neemöl wirkt besonders gut bei beißenden Insekten [Foto: Radu Bercan/ Shutterstock.com]

In erster Linie wirkt es auf die Larvenstadien durch die Unterbrechung der Ecdyson- beziehungsweise Juvenilhormonzufuhr. Dadurch wird die Metamorphose der Larven gestört oder verzögert. Das bedeutet dass sich die Larven nicht in ihr nächstes Larvenstadium oder in ein erwachsenes Insekt umwandeln können. Es zeigen sich Störungen bei der Häutung. Die Insekten sterben entweder ab, werden geschädigt oder sie können sich nicht mehr fortpflanzen. Bei erwachsenen Insekten bewirkt Neem eine Hemmung der Fraßtätigkeit. Das Absterben geschieht nicht sofort, jedoch tritt der Fraßstopp relativ schnell ein.

Folgende Wirkungen von Neemöl können an Insekten beobachtet werden:

  • Fraßhemmed
  • Fraßabschreckend
  • Häutungs- und Verpuppungsstörungen
  • Störung bei der Eiablage
  • Verringerte Fortpflanzungsfähigkeit

Da die Wirkstoffe des Neemöls von den Pflanzen aufgenommen werden, können auch Insekten erfasst werden die nicht direkt auf der Pflanze fressen, sondern die in einem Blatt minieren. Minieren bedeutet, dass ein Insekt im Inneren eines Blattes frisst und dadurch „Minen“ erzeugt. Die Aufnahme des Wirkstoffes in die Pflanze geschieht teilsystemisch, also verteilt es sich nicht in der ganzen Pflanze sondern nur in der unmittelbaren Nähe der besprühten Pflanzenteile.

Die Haltbarkeit ist im Freiland eher gering und da diese Hormone im Insektenreich sehr weit verbreitet sind, ist Azadirachtin beziehungsweise Neem nicht spezifisch, sondern breit wirksam. Zudem ist zu beachten dass Azadirachtin erst auf die letzten Larvenstadien einwirken und Schädigungen durch Larven daher nicht durch Neem vermieden werden können. Daher ist die Anwendung eher erfolgsversprechend, wenn schon ein Schaden angerichtet worden ist und man dadurch die weitere Vermehrung und Verbreitung verhindern möchte.

Neemöl an Pflanzen anwenden und dosieren

Neemöl und Pipette mit grünem Hintergrund

Neemöl kann in flüssiger und verdünnter Form verwendet werden [Foto: Yupa Watchanakit/ Shutterstock.com]

Das Neemöl kann in flüssiger und verdünnter Form auf die befallenen Pflanzenteile gespritzt werden, aber auch der Boden kann damit gegossen werden, um dort Insekten – wie zum Beispiel Thripse − zu erreichen.

Bei der Spritz-Anwendung achten Sie darauf, dass Sie die ganze Pflanze (Blattoberseite und Blattunterseite) mit der Spritzbrühe benetzen. Sie sollten das Mittel nicht aufbringen, wenn mit Regen gerechnet werden kann, die Temperaturen über 25 °C sind und auch nicht bei praller Sonne.

Auch kann Neem als Pulver verwendet werden, dass ebenso einfach zu erwerben ist, wie das Neemöl. Die Rückstände bei der Ölproduktion – der Neemkuchen – kann getrocknet und zu Pulver oder Pellets verarbeitet werden. Diese Produkte können Sie in den Boden einarbeiten und damit eine Verbesserung erzielen. Nicht nur dass der Neemkuchen ein wertvoller Dünger ist, er kann auch pflanzenschädigende Nematoden bekämpfen.

Neem Pulver in weißer Schale

Neem kann auch als Pulver verwendet werden [Foto: espies/ Shutterstock.com]

Eine weitere Anwendungsmöglichkeit von Neem ist das Neemschrot. Das Schrot besteht aus den ganzen Samen des Neembaumes, die zerkleinert werden. Wie Sie Neemschrot richtig anwenden, erfahren Sie hier.

Dieses Wunderöl scheint nur Vorteile mit sich zu bringen, jedoch kann man auch Probleme bei der Anwendung von Neemöl haben. Einige Pflanzen reagieren empfindlich auf das Mittel und verlieren schnell ihre Blätter durch phytotoxische Reaktionen. Zu diesen empfindlichen Pflanzen gehören Rosen, Fuchsien, Impatiens und Birnbäume.

Ein weiteres Problem wird durch die breite Wirksamkeit von Neem verursacht. Es ist natürlich sehr praktisch, dass Neemöl so vielen lästigen Schädlingen den Gar aus macht, jedoch weiß das Neemöl natürlich nicht, wer ein Schädling und wer ein Nützling ist. Ob es sich nun um einen Kartoffelkäfer oder einen Marienkäfer handelt, macht für den Wirkstoff keinen Unterschied. Daher ist Neemöl leider auch nützlingsschädigend. Besonders empfindlich reagieren folgende Nützlinge:

  • Brackwespe (Aphidius rhopalosiphi)
  • Florfliege (Chrysoperla carnea)
  • Raubmilbe (Amblyseius cucumeris)
  • Schwebfliegen (Episyrphus balteatus)
  • Sieben-Punkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata)

Neemöl kaufen

Neemöl mit Blättern in Holzschale

Einige Produkte enthalten Neem und sind zur biologischen Schädlingsbekämpfung geeignet [Foto: mirzamlk/ Shutterstock.com]

Die folgenden Produkte enthalten Neem und sind zur biologischen Schädlingsbekämpfung um Haus- und Kleingarten geeignet und zugelassen:
  • Buchsbaumzünslerfrei
  • Celaflor Schädlingsfrei Neem
  • Compo Bio Insekten-frei Neem
  • Garten und Bienen Schädlingsstopp
  • Lizetan AZ Schädlingsfrei
  • Lizetan AZ Schädlingsfrei Gießmittel
  • Naturen Bio Schädlingsfrei Neem
  • Neem Plus Schädlingsfrei
  • NeemAzal-T/S

Beachten Sie, dass sich Zulassungen verändern können und Produkte auch wieder vom Markt genommen werden. Generell kann man mit Mitteln wie Azadirachtin oder Produkte aus dem Niembaum/Neembaum nichts falsch machen.

Neemöl: Schützt Hund, Katze und Pferd

Hund kratzt sich

Neemöl hält lästige Insekten von Ihren Vierbeinern fern [Foto: Milka_Z/ Shutterstock.com]

Der Begriff Neem kommt aus dem Alt-Indischen und bedeutet Gesundheitsspender und Krankheitserleichterer − wenn diese Übersetzung nicht schon für sich spricht. Die Inhaltsstoffe des Neemöles können auch bei unseren tierischen Lieblingen zum Einsatz kommen, denn sie können folgende Wirkungen entfalten:
  • Antibakteriell (gegen Bakterien)
  • Antimykotisch (gegen Pilze)
  • Antiviral (gegen Viren)
  • Entzündungshemmend
  • Hautpflegend
  • Wundheilend
  • Aber auch schleimhautreizend

Das Neemöl kann durch seine desinfizierende Wirkung zur Behandlung von Wunden verwendet werden.  Außerdem hält es lästige Insekten von Ihren Katzen, Hunden oder Pferden fern. Da sich das Öl auch positiv auf Haut und Haare auswirkt, kann es zur Fellpflege angewendet werden. Neemöl ist eben ein richtiger Alleskönner. Wie Sie das Neemöl genau bei Ihren Haustieren anwenden können, erfahren Sie hier.

Neemöl auf der Haut: Neemöl in Shampoo und Seife

Neem ist nicht nur für unsere Pflanzen und Tiere gut, sondern wir können Neem auch selbst verwenden. Das Öl findet man oft in Kosmetika wie Shampoos, wo es für glänzendes und schuppenfreies Haar sorgt, oder Salben. Sie können das Neemöl auch beim Duschen oder Baden zugeben und von der antibakteriellen Wirkung profitieren, sodass Ihre Haut geklärt und desinfiziert wird.

Öl in Glasflasche für Haare

Neemöl kann für glanzvolles Haar sorgen [Foto: Maryna Pleshkun/ Shutterstock.com]

Das Neemöl kann uns bei diversen Hautleiden Linderung verschaffen. Einsatz findet das Öl zum Beispiel bei Pilzinfektionen und juckender Haut, aber auch bei Schmerzen, die durch Rheuma und neurologische Probleme hervorgerufen werden, kann das Einreiben mit Neemöl helfen.

Weitere Tipps, wie Sie Neem auf Ihrer Haut verwenden können und was es dabei Wichtiges zu beachten gilt, finden Sie in unserem Spezialartikel hier.

Wir empfehlen folgende Neem-Produkte:

Kathi

Ich studiere Phytomedizin in Wien und bin auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Die Vielfalt der Natur begleitet mich also schon mein ganzes Leben: angefangen im großen Gemüsegarten bis hin zu unseren Weideflächen. Besonders haben es mir Themen rund um den Pflanzenschutz angetan.
Lieblingsobst: Erdbeere
Lieblingsgemüse: Tomate

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