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Nematoden zur Bekämpfung von Schädlingen

Es gibt unzählige verschiedene Nematoden-Arten, auch als Fadenwürmer bekannt. Manche von ihnen schaden Pflanzen, andere sind aber als Nützlinge einsetzbar.

Nematode Fadenwurm

Nematoden sind winzig klein und nur übers Mikroskop sichtbar [Foto: Scot Nelson]

Die winzigen Nematoden sind mittlerweile kaum noch aus dem biologischen Pflanzenschutz wegzudenken. Da chemische und teilweise sogar biologische Pflanzenschutzmittel bei der Anwendung im Boden erhebliche Nebenwirkungen auf das dortige Leben haben können, bleibt oft nur der Nematoden-Einsatz als einzige Bekämpfungsalternative übrig. Die im Pflanzenschutz eingesetzten Nematoden-Arten sind für Mensch, Haustiere und Pflanzen völlig harmlos und sobald alle Schädlinge beseitigt wurden, verschwinden auch die Nematoden.

Nematoden als Nützling einsetzen

Was macht Nematoden nun zu so effektiven Nützlingen? Sie können zum einen in großer Zahl vermehrt werden, weswegen sich bei einer Nematoden-Anwendung gerne mal eine halbe Millionen Nematoden in einem Quadratmeter Erde tummeln. Bei der großen Anzahl ist die Wahrscheinlichkeit mehr als gering, dass sich schädliche Larven vor Ihnen verstecken können. In fast allen Fällen sind es übrigens die Larven, die von einem Schädling bekämpft werden und ohne die verschwinden auch irgendwann die schädlichen erwachsenen Tiere (z.B. der Käfer des Dickmaulrüsslers).

Nematoden überzeugen aber nicht nur durch ihre schiere Masse, sie haben bei der Schädlingsbekämpfung auch einen noch viel kleineren Verbündeten. Dabei handelt es sich um spezielle Bakterien, die mit den Nematoden in Symbiose leben. Wenn nun eine Nematode und ein passendes Beutetier aufeinandertreffen, wird die Nematode dem Opfer die Bakterien injizieren. Die Bakterien verdauen den Schädling dann quasi von innen, anschließend kann die Nematode die Beute als Nahrung nutzen und sich vermehren. Wir können also festhalten, dass Nematoden durch ihre Masse und auch durch ihre Symbiose mit Bakterien sehr effektive Nützlinge sind.

Nematoden gegen Dickmaulrüssler

Bei der Dickmaulrüssler-Bekämpfung werden in der Regel die Larven bekämpft, die sich in der Erde und unter den Wirtspflanzen des erwachsenen Käfers befinden. Gerade weil der Dickmaulrüssler kaum mit anderen Mitteln befriedigend bekämpft werden kann, bietet sich im Prinzip nur die Bekämpfung mit Fadenwürmern an. Damit Ihr Rhododendron, Efeu, Lebensbaum und andere Pflanzen vor dem gefürchteten Buchtenfrass des Dickmaulrüsslers verschont bleiben, können folgende Nematoden eingesetzt werden:

  • HM-Nematoden: Nicht bei Bodentemperaturen unter 12°C einsetzten, in der Regel von April bis Mai und August bis Anfang Oktober sehr effektiv.
  • SK-Nematoden: Geeignet bei kühlen Bodentemperaturen (5 – 12°C). Aus diesem Grund wird hier der Einsatz zwischen Februar und April sowie Ende September bis Anfang November empfohlen.
  • SC-Nematoden: Diese Fadenwürmer parasitieren die ausgewachsenen Käfer, die sich tagsüber am Boden verstecken. Sorgt für schnelleren Fraßstopp, ist aber nur in Verbindung mit der Larvenbekämpfung wirkungsvoll. Nematoden werden in Verbindung mit einer Köderfalle verkauft und benötigen eine Bodentemperatur von 12 – 22°C (Anwendung Mitte April bis Anfang Oktober).

Nematoden gegen Trauermücken

Genau wie beim Dickmaulrüssler ist die einfachste und effektivste Bekämpfungsstrategie bei Trauermückenbefall der Nematoden-Einsatz. Die erwachsenen Trauermücken, die oft für Fruchtfliegen gehalten werden, schädigen eigentlich gar keine Pflanzen. Aber ihre Larven, die in der Erde stecken und sich besonders gerne in den Töpfen von Zimmerpflanzen breitmachen, können die Wurzeln schädigen. Wird den Larven der Garaus gemacht, fliegen auch bald keine lästigen Trauermücken mehr umher. Folgende Nematoden-Art hat sich bewährt:

  • SF-Nematoden: Können bei Zimmerpflanzen das ganze Jahr über angewendet werden und im Freien ab 12°C Bodentemperatur.

Nematoden gegen Schnecken

Wie jeder Hobbygärtner weiß, können Schnecken innerhalb einer Nacht ganze Jungpflanzenbestände vernichten und auch so erheblichen Schaden in den Beeten anrichten. Neben Schneckenkorn und Schneckenzaun sind mittlerweile auch Fadenwürmer ein wirksames Mittel gegen die unzähligen Bauchfüßer. Da Schnecken eine wahre Dauerplage sein können, macht hier manchmal auch ein dauerhafter Nematoden-Einsatz Sinn. Der besondere Vorteil: Schnecken vermehren sich besonders stark bei feuchter Witterung und genau das effektive Schneckenkorn muss dann teilweise täglich nachgestreut werden. Die Nematoden hingegen brauchen ebenfalls eine feuchte Witterung, um sich gut zu entwickeln, und wirken über einen langen Zeitraum. Damit sich die Bekämpfung der Schnecken effektiv gestaltet, sollte auf folgende Nematoden-Art zurückgegriffen werden:

  • PH-Nematoden: Der Einsatz ist ab 5°C möglich, aber besser erst bei Temperaturen um 10 – 25°C. Gerade im Gewächshaus sehr effektiv; dafür soll die Spanische Wegschnecke nicht optimal erfasst werden.

Nematoden gegen Engerlinge

Engerlinge sind die Larven des Blatthornkäfers wie Juni- und Maikäfer. Sie können zum Beispiel bei massenhafter Vermehrung auf Rasenflächen Schäden hervorrufen. Die komplette und dauerhafte Bekämpfung von Engerlingen kann sich bei den hartnäckigen Larven teilweise über Jahre hinziehen – insbesondere beim Maikäfer. Der Grund dafür liegt in den unterschiedlichen Larvenstadien der Engerlinge. Im Prinzip werden nur die ersten beiden jungen Entwicklungsstufen der Engerlinge effektiv bekämpft. Deswegen ist der richtige Bekämpfungszeitpunkt sehr wichtig, genau wie die richtige Nematoden-Art:

  • HM-Nematoden: Auch bei Engerlingen darf der Einsatz nicht unter 12°C Bodentemperatur erfolgen. Die Nematoden sollten von August bis September ausgebracht werden. HM-Nematoden bekämpfen zwar Engerlinge von Mai- und Junikäfer, aber die Larven des Junikäfers werden etwas besser parasitiert.

Nematoden richtig anwenden

Zwar sind Nematoden sehr effektive Nützlinge und beseitigen Schädlinge in großer Anzahl. Das ganze Unternehmen funktioniert aber nur, wenn die Ausbringung richtig erfolgt. Ein einziger Fehler kann dazu führen, dass die Nematoden absterben und die Wirkung gegen Null geht. Denn Sie müssen immer im Hinterkopf behalten, dass es sich um lebendige Nützlinge handelt, die nur unter bestimmten Bedingungen aktiv bleiben. Soll der Einsatz also ein voller Erfolg werden, gibt es drei zentrale Punkte, die beachtet werden müssen:

  • Nematoden sind extrem empfindlich gegenüber UV-Licht. Aus diesem Grund dürfen Fadenwürmer nie tagsüber ausgebracht werden. Besser eignet sich der Abend oder frühe Morgen.
  • Die Bodentemperatur muss für die jeweilige Nematoden-Art stimmen. Bei zu niedrigen Temperaturen stellen die Nematoden ihre Aktivität komplett ein. Beachten Sie auch, dass die Bodentemperatur in der Regel niedriger als die Lufttemperatur ist.
  • Während die Nematoden ihre Arbeit verrichten und sich um die Schädlinge „kümmern”, sollte die Erde immer feucht sein – Staunässe ist hingegen unbedingt zu vermeiden.

Wer seinen Nematoden-Einsatz weiter optimieren möchte, kann hier weitere hilfreiche und praktische Tipps zum Thema Nematoden als Nützlinge finden.

Nematoden kaufen und bestellen

Das Bestellen und Kaufen von Nematoden ist mittlerweile unproblematisch, da es eine große Anzahl an Händlern gibt. Sogar große Versandhäuser bieten schon Nützlinge per Postversand an. Meist werden die Nematoden in Pulverform geliefert und müssen vor der Anwendung in Wasser gelöst werden. Einmal im Wasser gelöst, müssen sie direkt eingesetzt werden. In Pulverform sind sie im Kühlschrank hingegen noch für kurze Zeit lagerfähig. Achten Sie genau auf die Informationen des Händlers und auf das Haltbarkeitsdatum, damit es nach der Bestellung keine Komplikationen gibt. Die gängigsten HM-Nematoden können bereits für um die 10 € erworben werden und sollten für circa 12 Quadratmeter reichen. Wenn Sie die Nützlinge direkt bei einem spezialisierten Nützlingszüchter kaufen, können die Anbieter vor dem Bestellen oft mit Rat weiterhelfen, damit auch wirklich die richtigen Nematoden für ihr Vorhaben ausgesucht werden.

Folgende Nematoden-Arten haben sich bei uns im Garten bewährt:
  • SC Nematoden: Zur Bekämpfung von erwachsenen Maulwurfsgrillen, Larven der Wiesenschnaken und Erdraupen.
  • HM Nematoden: Nützlinge zur Bekämpfung des Dickmaulrüsslers und Gartenlaubkäfers.
  • SF Nematoden: Zur ganzjährigen Bekämpfung lästiger Trauermücken.

Nematoden: Schädlinge gegen Kartoffel und Co.

Leider werden viele Hobbygärtner schon schmerzlich erfahren haben, dass Nematoden nicht nur nützlich sind. Einige Arten, die zum Glück nicht zu den hier vorgestellten Nematoden zählen, können viele unserer Gemüsepflanzen und andere Pflanzen befallen. Befindet sich einmal eine größere Nematoden-Population in Ihren Beeten, werden Sie diese nur schwer wieder los.

Handelsübliche Pflanzenschutzmittel gegen Nematoden sind heutzutage zum Glück weitestgehend verboten, denn sie richten großen Schaden an und töten langfristig viele nützliche Bodenorganismen. Aus diesem Grund wird vermehrt nach biologischen Maßnahmen gesucht, damit Nematoden trotzdem bekämpft werden können. Sollten Sie Probleme mit Nematoden an Rasen, Tomaten, Kartoffeln oder anderen Gemüsepflanzen haben, dann hilft Ihnen dieser Artikel mit Sicherheit weiter.

David

Ich bin Student der Gartenbauwissenschaften und zudem gelernter Zierpflanzengärtner. Das Thema Anbau lässt mich seit meiner Kindheit einfach nicht los: Egal, ob auf der kleinen Stadtfensterbank oder im großzügigen Garten - Gärtnern muss ich auch in meiner Freizeit immer und überall.
Lieblingsobst: Himbeeren
Lieblingsgemüse: Brokkoli

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