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Pythium: Den Wurzelpilz erkennen & bekämpfen

Pythium ist ein Eipilz, der pflanzlichen Wurzeln gehörig zusetzen und sogar zum Tod der Pflanze führen kann. Wir zeigen, was Sie gegen Pythium tun können.

Pythiumbefall bei Paprikapflanze

Pythium kann zum Tod der Pflanze führen [Foto: joloei/ Shutterstock.com]

Die Namen Wurzelfäule oder Schwarzbeinigkeit bezeichnen dasselbe wie Pythium. Ein bodenbürtiger, pilzähnlicher Erreger, der Fäule an unseren Lieblingen im Garten verursacht. Alles was man über diesen „Pilz“ wissen sollte und wie Sie Ihn bekämpfen und loswerden können, erfahren Sie hier.

Pythium: Lebensweise und Lebenszyklus

Pythium gehört zur Ordnung der Oomycetes und der Familie der Phytiaceae und hat ein sehr großes Wirtsspektrum. Pythium ist ein sogenannter Eipilz oder auch Scheinpilz genannt. Eipilze sind eigentlich näher mit Algen verwandt als mit den Echten Pilzen, zu ihnen gehören unter anderem auch Pflanzenkrankheiten wie Phytophthora infestans oder der Falsche Mehltau.Der Eipilz bevorzugt feuchte Böden mit einem geringen Sauerstoffgehalt, daher sind Pflanzen auf Böden, die zur Staunässe neigen, besonders von Pythium bedroht. Je nach Entwicklungsstadium des Eipilzes kann die Keimung der Sporen und die folgende Infektion einer Wirtspflanze auch durch kühlere Temperaturen (10 bis 17 °C) und lichtarme Perioden begünstigt werden. Der Eipilz gehört zu den typischen Erregern von Auflaufkrankheiten. Auflaufkrankheiten verursachen oft ein Umkippen der Sämlinge oder Absterben der Keinmlinge, bevor diese überhaupt die Oberfläche durchbrechen. Folgende Bedingungen begünstigen das Auftreten von Pythium:

  • Wassergesättigte, feuchte Böden
  • Geringer Sauerstoffgehalt
  • Bodenverdichtungen
  • Hoher pH-Wert
  • Lichtmangel
  • Tagestemperaturen über 30 °C und Nachttemperaturen über 20 °C
Mehltau befällt Pflanzenblatt

Pflanzenkrankheiten wie der falsche Mehltau gehören zu den Eipilzen [Foto: Tunatura/ Shutterstock.com]

Der Entwicklungszyklus von Pythium

Der Eipilz entwickelt sich in zwei Phasen: In der ersten findet die geschlechtliche Vermehrung statt und es werden Oosporen gebildet. Diese dickwandigen Oosporen sind zur Überdauerung bei ungünstigen Bedingungen angelegt. Diese Dauersporen überleben im Boden, im Pflanzengewebe oder im Wasser und können auch an Gartengeräten haften bleiben. Wenn die Entwicklungsbedingungen besser werden, beginnt die zweite Phase der Entwicklung, die des Wachstums und der Verbreitung. Die Dauersporen des Eipilzes bilden dann sogenannte Schwärmersporen. Diese Sporen suchen sich die Wirtspflanzen und dringen über Verletzungen oder weiche Streckungszonen in die Wurzeln ein. Dort kommt es zu einer starke Vermehrung. Falls die Wurzeln austrocken, stirbt der Eipilz ab und es bilden sich Überdauerungssporen. Diese können dann bei günstigen Bedingungen wieder auskeimen. Dieser Eipilz kann nur im Boden oder in unterirdischen Pflanzenteilen auftreten. Günstigen Bedingungen für Schwärmersporen liegen bei Temperaturen von 10 − 17 °C und für Dauersporen 25 °C in Kombination mit Feuchtigkeit vor.

Pythium: Schadbilder und Symptome an Pflanzen

Wie alle Wurzelkrankheiten verursacht auch Pythium Welke, Vergilben, Wachstumsminderungen und braune faulige Wurzeln. Die Wurzeln werden von der Wurzelspitze her faul und die Rinde löst sich ab. Man kann die Rinde sogar von den Wurzeln abstreifen, sodass nur mehr sogenannte „Rattenschwänze“ über sind, also der innere Teil der Wurzel.

Verwelkte Pflanze durch Pythiumbefall

Pythium lässt die Blätter verwelken [Foto: Jean Faucett/ Shutterstock.com]

Ein besonderes Merkmal von Pythium ultimum ist aber, dass der Befall eine Eischnürung im Bereich zwischen Wurzel und Stängel verursacht. Dieser Bereich verfärbt sich meist braun, bei Stecklingen wird die Basis schwarz und sie kippen um. Daher kommt auch der Name Schwarzbeinigkeit. Es kann natürlich auch zu einem kompletten Ausfall kommen. Der Eipilz kann nämlich auch die Sämlinge befallen und verhindern, dass sie überhaupt aufgehen.

Zwiebeln werden bei einem Befall wässrig und faulig. Im schlimmsten Fall stirbt Ihre Pflanze sogar ab. Dies passiert leider, weil die fauligen Wurzeln kein Wasser und keine Nährstoffe mehr aufnehmen können und auch die Standfestigkeit abnimmt.

Achtung Verwechslungsgefahr: Es gibt auch einen Stamm des Bodenpilzes, der keinen Schaden anrichtet, also nicht pflanzenpathogen ist. Ganz im Gegenteil ist der Stamm M1 von Pythium oligandrum ein überaus hilfreiches und zugelassenes Pflanzenstärkungsmittel. Die Sporen dieses Pilzstammes sind der Wirkstoff des Pflanzenstärkungsmittels Polyversum und helfen gegen verschiedene Pilzkrankheiten. Pythium oligandrum unterdrückt andere schädliche Pilze, indem er sich von diesen ernährt − man nennt ihn daher auch einen Hyperparasiten. Der Pilz besiedelt dabei auch die Pflanzen und erhöht ihre Abwehrkräfte gegen Pilzinfektionen. Dieses Mittel wird besonders gegen Fusarien und Wurzelkrankheiten eingesetzt.

Pythium an der Erbse

An der Erbse (Pisum sativum) kommen besonders die Arten P. ultimum., P. debaryanum, P. aphanidermatum und P. arrhenomanes vor. Die Keimlinge werden vor dem Auflaufen geschädigt und fallen danach um. Ältere Pflanzen können auch an den Wurzeln Schäden davontragen. P. ultimum kann bei älteren Pflanzen auch Triebspitzenverbrennungen verursachen. Die Spitzen sehen zuerst wässrig aus und beginnen dann einzutrocknen und abzusterben. Die ganze Erbsenpflanze stirbt aber selten ab. Begünstigend wirken hohe Feuchte und Temperaturen zwischen 24 und 28 °C.

Pythium an Gurke, Melone, Kürbis, Zucchini und Tomate

Auch an Fruchtgemüsesorten wie Gurke, Melone, Kürbis, Zucchini und Tomate kann Pythium Keimlingsschäden verursachen. Dafür sind besonders die Arten P. aphanidermatum, P. debaryanum, P. myriotylum, P. ultimum und P. uncinulatum verantwortlich.

Pythium befällt Gurkenpflanze

Pythium kann Keimlingsschäden verursachen [Foto: Ryco Montefont/ Shutterstock.com]

An diesen Gemüsearten kann aber auch die Stängelgrundfäule durch Pythium ausgelöst werden. Der Schaden entsteht nach dem Auspflanzen. Es kommt zu einer glasigen, graugrünen Verfärbung des Stängelgrunds, die später braun wird. Der Stängel schnürt sich ein und beginnt zu faulen, genau zwischen dem Boden und den Keimblättern. Dadurch wachsen kaum Wurzeln und die Pflanzen sterben innerhalb von 2 Wochen ab.

Bei Tomaten (Solanum lycopersicum) entsteht nach dem Auspflanzen eine wässrige Zone am Stängel in Bodennähe. Diese Stelle schnürt sich dann ebenfalls ein und bringt die Tomaten zum Umkippen. Besonders begünstigend sind dabei viel Feuchtigkeit und wenig Licht. Die Stängelgrundfäule wird von den Pythium-Arten P. aphanidermatum, P. irregulare, P. sylvaticum und P. ultimum verursacht.

Verwelkte Tomatenpflanze durch Pilzbefall

Bei Tomatenpflanzen verursacht Pythium eine Stängelgrundfäule Foto: Apple_Foto/ Shutterstock.com]

Pythium an der Petersilie

Wenn die Petersilie (Petroselinum crispum) umfällt oder welkt, kann Pythium der Grund sein. Vor allem P. mastophorum ist besonders aggressiv bei der Petersilie am Werk, aber auch P. ultimum, P. irregulare, P. paroecandrum und P. sylvaticum können Ursache für Schäden sein. Auch bei der Petersilie treten Einschnürungen an den Stängeln der Keimlinge auf und auch ältere Pflanzen, die schon eine Höhe von 10 cm erreicht haben, werden befallen. An den Wurzeln zeigen sich graue, braune oder rostbraune Flecken. Bei starkem Befall fehlen sogar die Seitenwurzeln oder es bleiben nur braune Stümpfe übrig. Die Petersilie beginnt sich gelb zu verfärben und stirbt schlussendlich ab.

Pythium an der Karotte

Wurzel- und Knollengemüse, wie die Karotte (Daucus carota) oder Radieschen (Raphanus sativus) werden von der Pythium-Wurzelfäule besonders auf staunassen Böden bedroht. Die ersten Anzeichen zeigen sich bei einer Möhrengröße von 10 bis 15 cm. Am Tag sehen die Möhren schlapp aus, erholen sich nachts aber wieder. Das Wachstum beginnt zu stocken und die Blätter verfärben sich. Es werden vermehrt Seitenwurzeln gebildet und das Wurzelgewebe ist weich und rostrot verfärbt.

Die Pythium-Wasserfleckenkrankheit verursacht durchscheinende und eingesunkene Befallsstellen, die an den Rüben bis zu 5 mm tief reichen können. Wenn man die Oberhaut befallener Karotten entfernt, kann man schwarze warzenartige Gebilde erkennen. Diese Krankheit (cavity spot) ist ein wichtiges Thema im Karottenanbau und wird von P. violae und P. sulcatum verursacht.

Pythium am Sellerie

Die Keimlingskrankheit und Wurzelfäule wird beim Sellerie (Apium) von P. mastophorum und einigen anderen Arten ausgelöst. Bei der Anzucht welken die Keimlinge nesterartig und verfärben sich gelblich. Zusätzlich beginnen die Keimblätter abzufallen und die Keimlinge sind gestaucht. Dadurch, dass ihre Wurzeln einschrumpfen, lassen sich die Keimlinge auch leicht aus der Erde ziehen. Die Wurzeln verfärben sich rostbraun, auch bei älteren Pflanzen, die dadurch faulen und letztlich absterben.

Pythium am Salat

Auch beim Salat (Lactuca sativa) kommt es zu Keimlingskrankheiten durch Pythium-Befall (P. irregulare, P. sylvaticum). Auch die Salatwelke bei Kopfsalat und Endivien (Cichorium endivia) wird von Pythium im Frühjahr und Herbst verursacht. Bei heißer und trockener Witterung zeigt sich der Schaden von P. tracheiphilium. Der Salat hat ein vermindertes Wachstum, schneidet man den Salatkopf durch, erkennt man braune Gefäße. An den Blattstielen sind Nekrosen sichtbar und es kann sogar zu Vergilbungen und zum Absterben der Blätter kommen. Der Salat kann aus dem Boden herausgezogen werden, ohne dass die Wurzeln abreißen. Diese erscheinen stark nekrotisch.

Pythium: Was kann man unternehmen?

Es gibt einige Wege, wie man diesen gefürchteten Pilz wieder loswird. Lange Zeit war „Hygiene“ im Garten die wichtigste Bekämpfungsstrategie gegen Auflaufkrankheiten. Alles wurde keimfrei gemacht und trotzdem fanden Wurzelkrankheiten wie Pythium ihren Weg zu den Pflanzen. Welche Methoden besser funktionieren, verraten wir Ihnen im folgenden Abschnitt.

“Pythium: Biologisch bekämpfen”

Dünger über Gemüsebeet

Es gibt Pilzarten die andere Pilze bekämpfen [Foto: khemmarat jittasupo/ Shutterstock.com]

Untersuchungen zeigen, dass es Bakterien und Pilze gibt, die gute Gegenspieler zu bodenbürtigen Krankheitserregern sind. Daher kann man diese Organismen gut zur biologischen Bekämpfung von Pythium einsetzen. Sie können zum Beispiel den hyperparasitären Pilz Trichoderma harzianum anwenden. Aber auch Gliaocladium sp. schafft es, den Schadpilz zu verdrängen.

Das biologische Fungizid Prestop kann gegen verschiedene Pythium-Arten an Jungpflanzen, Gemüse und Zierpflanzen verwendet werden. Die Anwendung erfolgt durchs Gießen oder Spritzen. Dieses biologische Fungizid beruht auf dem hyperparasitierenden Bodenpilz Gliocladium catenulatum.

Das Mittel besitzt drei Wirkmechanismen: Es parasitiert den schädlichen Pilz und tötet diesen ab. Außerdem produziert das Mittel Enzyme, die das Wachstum des Pilzes unterdrücken. Der letzte Wirkmechanismus funktioniert durch Konkurrenz. Das Fungizid verdrängt aufgrund seines starken Wachstums den Schadpilz, da er ihm den Lebensraum entzieht. Auch Präparate mit Trichoderma arbeiten mithilfe dieses Wirkmechanismus.

Pythium: Chemisch bekämpfen”

Für den Anbau in größerem Stil wird das Saatgut oft mit speziellen Mittel gebeizt, um eine Pilzinfektion zu verhindern. Beizen bedeutet, dass das Saatgut mit einem Pflanzenschutzmittel überzogen wird, bevor es ausgesät wird − dadurch wird es geschützt. Für den Hausgebrauch sind solche Mittel allerdings nicht zugelassen.

Pythium erfolgreich vermeiden

Das wichtigste bei der Vermeidung und Vorbeugung ist die Kontrolle Ihres Standortes. Feuchte ist besonders günstig für diesen Eipilz, daher sollten Sie versuchen Ihren Garten trocken zu halten und besonders Überflutungen zu vermeiden. Wenn Sie besonders schweren und feuchten Boden haben, versuchen Sie Sand oder Schotter einzuarbeiten, damit das Wasser besser drainiert wird.

Vorbeugend kann man im Garten Komposterde verwenden.. In dieser Erde befinden sich oft nützliche Pilze, die durch Konkurrenzkraft und parasitisches Verhalten Schadorganismen bekämpfen.

Wie schon erwähnt bestärkt Lichtmangel das Wachstum von Pythium. Daher sollte besonders Ihre Aussaaten immer genügend Licht abbekommen. Ziehen Sie Ihre Lieblinge nicht in einem dunklen Eck heran, sondern auf einer sonnigen Fensterbank in sauberen Pflanzgefäßen. Bei der Anzucht von Pflanzen kann man zusätzlich noch auf einige Dinge achten, um die Gefahr einer Pythium-Infektion zu reduzieren: Die Temperatur sollte bei 19 °C liegen, das gesunde Substrat muss so trocken wie möglich sein. Pflanzen Sie Ihre kleinen Schützlinge am besten erst am Abend aus. Das Gießwasser sollte auch nicht zu kalt sein. Wenn Sie eine Tröpfchenbewässerung verwenden, achten Sie darauf, dass die Bewässerung nicht direkt auf den Stängel gerichtet ist.

Pflanzen wachsen auf Fensterbank neben Gießkanne

Eine sonnige Fensterbank eignet sich als Hilfe zur Vermeidung von Pilzen [Foto: Africa Studio/ Shutterstock.com]

Sie können auch Pflanzenstärkungsmittel aus dem Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) verwenden. Die Ackerschachtelhalmbrühe hat vorbeugende Wirkung gegen Bodenpilze und dient auch als Stärkungsmittel für unsere Pflanzen. Besonders bei Keimlingskrankheiten kann man Ackerschachtelhalmjauche einsetzen und die Anzuchterde vorher mit der Jauche übergießen. Um die Pflänzchen beim Aussetzen vor dem Bodenpilz zu schützen, können Sie den Setzlingen ein kurzes Wurzelbad in Ackerschachtelhalmjauche gönnen. Zur vorbeugenden und direkten Pilzabwehr können Sie die Pflanzen auch vormittags mit dieser Jauche gießen.

Hier erfahren Sie mehr über den Ackerschachtelhalm und seine Anwendungsmöglichkeiten.

Die Vorbeugung noch einmal kurz zusammengefasst:

  • Halten Sie Ihre Gartenbeete trocken und luftig
  • Verwenden Sie Komposterde
  • Beim Anziehen von Pflanzen:
    • Genügend Licht
    • Saubere Anzuchtgefäße
    • Anzuchttemperatur ca. 19 °C
    • Nicht zu kalt gießen
    • Abends auspflanzen
  • Ackerschachtelhalmjauche zur Pflanzenstärkung (und Pilzbekämpfung)

Pythium oder Phytophthora: Der Unterschied

Pythium im Labor

Pythium ist weniger wirtsspezifisch [Foto: sruilk/ Shutterstock.com]

Pythium sp. und Phytophthora sp. gehören beide zur Klasse der Oomycetes und darin zur Familie der Pythiaceae, jedoch zu verschiedenen Gattungen. Dennoch kommen diese beiden Pilze oft als Mischbefall vor. Jedoch ist Pythium weniger wirtsspezifisch als Phytophthora. Auch ist Phytophthora aggressiver als Pythium, denn Phytophthora kann auch ausgewachsene Pflanzen befallen und abtöten. Beide Pilze bevorzugen staufeuchte Böden mit einem geringen Sauerstoffgehalt und verursachen das Umkippen von Aussaaten und Fäulnis im Wurzelbereich.

Phytophthora im Labor

Phytophthora ist aggressiver und kann auch erwachsene Pflanzen töten [Foto: RUJIPAS YONGSAWAS/ Shutterstock.com]

Alleine an den äußerlich erkennbaren Symptomen der Fäule kann man die beiden Erreger nicht auseinanderhalten. Die genaue Unterscheidung kann man nur durch die Untersuchung der Sporen der Pilze vornehmen − besonders da diese Erreger viele verschiedene Vertreter haben, an unterschiedlichsten Kulturen zum Beispiel Pythium ultimum oder Phytophthora infefstans.

Wie sich Phytophthora entwickelt und was Sie am besten gegen diesen Pilz unternehmen, erfahren Sie hier.

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