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Raubwanzen: So kann man heimische Raubwanzenarten effektiv loswerden

Sie verkriechen sich gerne in Spalten im Haus und können Menschen sogar stechen. Wie zeigen, wie man die lästigen Raubwanzen schnell wieder loswird.

Rote Mordwanze
Wir stellen Ihnen die kleinen Blutsauger genauer vor [Foto: Tomasz Klejdysz/ Shutterstock.com]

Die Familie der Raubwanzen ist sehr groß und die verschiedenen Arten der Raubwanzen können ziemlich unterschiedlich aussehen. Was es mit diesen kleinen Insekten und Vampiren auf sich hat und warum die nützlichen Raubwanzen eigentlich gar keine Raubwanzen sind, erfahren Sie hier.

Raubwanzen

Die Familie der Raubwanzen (Reduviidae) umfasst fast 7000 unterschiedliche Arten, jedoch sind die meisten davon in den tropischen Gebieten der Erde beheimatet – wir in Mitteleuropa haben es nur mit ungefähr 20 verschiedenen Arten zu tun.

Raubwanzen: Herkunft und Steckbrief

Raubwanzen können eine Größe von 5 bis zu 20 Millimetern haben, wobei die Farbe von einem unauffälligen Braunton bis hin zu einer auffälligen rot-schwarzen Färbung reichen kann. Außerdem sind unterschiedlichste Musterungen bei den Raubwanzen möglich.

Eine Gemeinsamkeit von Raubwanzen ist ihr Ernährungsstil, denn alle Arten ernähren sich räuberisch. Ein solches Vorgehen zeichnet sich dadurch aus, dass die Wanzen sich von anderen Insekten ernähren und diese aussaugen – für uns also prinzipiell eine nützliche Eigenschaft. Die Raubwanzen stechen die Insekten an und injizieren ihren Speichel, um ihre Beutetiere lahmzulegen und sie dann in Ruhe zu töten. Wenn man Raubwanzen jedoch bedrängt, kann es durchaus dazu kommen, dass man einen Wanzenstich davonträgt. Oft erhält man beispielsweise einen Stich, wenn man Kleidung anzieht, in der sich eine Wanze versteckt hält. Solche Stiche können zwar etwas schmerzen, mit anderen Folgen aber muss man glücklicherweise nicht rechnen.

Blauutlaus auf Blume
Bestimmte Raubwanzen können als Nützlinge gegen Blattläuse, Thripse und Weiße Fliegen eingesetzt werden [Foto: Chloe Langton/ Shutterstock.com]

Leider aber gibt es sogar Arten, die ihren Gefallen an Vögeln und Säugetieren gefunden haben und sich mit deren Blut vollsaugen – ganz wie ein Vampir. Uns Menschen befallen hingegen Bettwanzen (Cimex lectularius), die aber zu einer anderen Wanzenfamilie zählen, nämlich den Plattwanzen (Cimicidae). Die Bettwanzen ernähren sich von menschlichem oder tierischem Blut und hinterlassen auf der Haut juckende Einstichstellen. Damit sind diese ebenfalls wahre Vampire, da sie sich zum Beispiel an menschlichem Blut laben.

In Deutschland heimische Raubwanzenarten

In Deutschland und Mitteleuropa gibt es ungefähr 20 Raubwanzen-Arten – die wichtigsten davon beschreiben wir Ihnen im Folgenden kurz.

Raubwanzenarten: Die Kotwanze (Reduvius personatus)

Diese Wanze wird auch Staubwanze oder Maskierter Strolch genannt, da sich die Larven dieser Art gerne mit Staub und Sand bedecken, um sich zu verstecken und unsichtbar zu machen. Durch diese Tarnung der Larven können sie anderen Insekten einfacher auflauern und diese dann aussaugen. Die erwachsenen Wanzen sind dunkel gefärbt und haben eine Körperlänge von 16 bis 17 mm. Unter dem flachen Körper verbirgt sich ihr starker Stechrüssel, mit dem sie äußerst schmerzhafte Stiche verpassen können. Sollte Sie eine solche Wanze stechen, bekommen Sie wahrscheinlich eine juckende Quaddel, die einem Bienenstich ähnelt.

Kotwanze
Die Kotwanze ist sehr dunkel gefärbt [Foto: Maslowski Marcin/ Shutterstock.com]

Raubwanzenarten: Die Mückenwanze (Empicoris culiciformis)

Die Mückenwanze ist eine sehr feingliedrige Wanze, die 4 bis 5,2 mm lang werden kann. Ihre Beine sind schwarz und weiß geringelt. Die beiden vorderen Beine benutzt die Mückenwanze nicht zum Gehen, sondern zum Fangen ihrer Beute – daher nennt man diese beiden Füße auch Fangarme. Man kann die Mückenwanze in ganz Europa, Asien, Nordamerika und im Norden Afrikas finden. Man trifft auf sie vor allem in und an Gebäuden, wo sie auf Insekten wie Staubläuse (Psocoptera) Jagd machen.

Raubwanzenarten: Das Teufelchen (Phymata crassipes)

Die Teufelchen-Raubwanze nennt man auch die Gottesanbeterinnenwanze. Diese hat eine Körperlänge von 7,1 bis 8,8 mm sowie eine hellbraune Färbung. Das Teufelchen findet man in Mitteleuropa, Asien und in Nordafrika. Besonders oft findet man diese Art im Südwesten Deutschlands und in Österreich bis zu einer Seehöhe von 1500 m.

Raubwanzenarten: Die Geringelte Mordwanze (Rhynocoris annulatus)

Die Geringelte Mordwanze findet man in Nord- und Mitteleuropa, sie hat sich außerdem bis nach Sibirien ausgebreitet. Ihre Lebensansprüche sind eher einfach, denn diese Wanze kann gut mit Trockenheit und Feuchte sowie geringen Temperaturen umgehen. Diese schwarzen Wanzen mit roter Musterung haben eine Körperlänge von 12 bis 14,8 mm. Man findet sie vor allem am Boden und an Gehölzen.

Geringelte Mordwanze
Die Geringelte Mordwanze ist in ganz Europa zu finden [Foto: Henrik Larsson/ Shutterstock.com]

Raubwanzenarten: Die Rote Mordwanze (Rhynocoris iracundus)

Die Rote Mordwanze sieht der Geringelten Mordwanze ähnlich, jedoch ist sie stärker rot gefärbt. Ihre Körperlänge beträgt 13,8 bis 17,6 mm und man findet sie auf den Blüten zahlreicher Pflanzen. Am Boden, auf verschiedenen Pflanzen sowie auf Totholz findet man vor allem die Larven dieser Wanzenart. Die Rote Mordwanze bevorzugt warme, sonnige und trockene Standorte und ernährt sich räuberisch von Insekten.

Eine nützliche Raubwanze: Macrolophus pygmaeus

Es gibt nicht nur schädliche Raubwanzen, sondern auch solche, die wir als Nützling verwenden können. Die Wanze Macrolophus pygmaeus wird zwar Raubwanze genannt, gehört systematisch jedoch zu den Weichwanzen (Miridae) und nicht zu den Raubwanzen. Diese Wanze ist 3,1 bis 3,9 mm lang und in Europa weit verbreitet. Praktischerweise kann man sie gegen verschiedene Arten der Weißen Fliege (Aleyrodidae), gegen Blattläuse (Aphidoidea) und gegen Thripse (Thysanoptera) einsetzen. Sie werden zur Bekämpfung dieser Schädlinge im Glashaus verwendet – die optimalen Bedingungen für diese Wanzen liegen bei 22 °C und einer Luftfeuchte von über 65 %.

Raubwanzen erkennen

Die Raubwanzen bilden eine große Insektengruppe, die im Aussehen stark variiert. Grundsätzlich haben alle Wanzen sechs Beine und maximal eine Körperlänge von 19 Millimetern. Die kleinsten Raubwanzen haben eine Körpergröße von nur 3,5 Millimetern und sind sehr fein und zart gebaut, ganz ähnlich wie Mücken. Einige Arten der Raubwanzen haben die beiden Vorderbeine außerdem zu Fangbeinen entwickelt. Die Färbung von Raubwanzen kann von einer dunklen bis hin zu einer hellen Färbung reichen und zudem auch auffällig sein. Viele Raubwanzen sind gefleckt oder anders gemustert in Farben wie Rot, Gelb oder Schwarz. Raubwanzen haben Flügel, die meisten von ihnen können auch fliegen. Die Fühler dieser Wanzen haben immer ein Knie, sie sind also leicht geknickt. Auch bestehen die Stechrüssel aus drei Gliedern und sind nach unten gebogen. Wenn die Raubwanzen ihre Beute mit diesem Rüssel anstechen, spritzen sie ihr Speichelsekret hinein, lähmen die Beute auf diese Weise und können sie anschließend töten und verspeisen. In Europa müssen Sie sich keine Sorgen machen, wenn Sie von einer Raubwanze gestochen werden, denn das geschieht nur in Ausnahmefällen und es entstehen allenfalls juckende Quaddeln. Raubwanzen in anderen Teilen der Welt, wie zum Beispiel in Südamerika, können aber Infektionskrankheiten übertragen. Tropische Raubwanzen übertragen zum Beispiel die Chagas-Krankheit.

Raubwanzen vorbeugen

Normalerweise sollten Sie keine großen Probleme mit Raubwanzen in Ihren Wohnräumen haben, da diese sich von anderen Insekten ernähren, die sie eher in natürlichen Lebensräumen finden. Jedoch kann es immer wieder dazu kommen, dass sich Raubwanzen auf Dachböden oder an anderen ruhigen Plätzen verstecken. In erster Linie sollten Sie immer versuchen, Insekten wie Raubwanzen von den eigenen vier Wänden fernzuhalten und sie am Eindringen zu hindern. Achten Sie daher darauf, dass Fenster und Türen gut abgedichtet sind und keine Eintrittswege für Raubwanzen bieten.

Gitter
Insektenschutzgitter verhindern das Eindringen von Raubwanzen in Wohnräume [Foto: Kwangmoozaa/ Shutterstock.com]

Lassen Sie die Türen und Fenster auch nicht unnötig lange offenstehen, denn auch darüber gelangen die Raubwanzen in Ihr Haus. Um trotzdem ungehindert Ihre Räume lüften zu können, sollten Sie Insektenschutzgitter oder -netze an den Fenstern und Balkontüren anbringen. So können Sie bedenkenlos lüften, ohne dass sich Raubwanzen und andere Insekten nach drinnen verirren. Da Wanzen von Licht und Wärme angezogen werden, sind Insektenschutzgitter besonders beim Lüften am Abend und in der Nacht von Vorteil. Sollten Sie keine solchen Gitter und Netze Ihr Eigen nennen, sollten Sie beim Lüften abends wenigstens immer das Licht im Zimmer ausmachen.

Zusammenfassung Raubwanzen vorbeugen:

  • Fenster und Türen abdichten und geschlossen halten
  • Insektenschutzgitter anbringen
  • Abends nur bei ausgeschaltetem Licht lüften

Raubwanzen bekämpfen und loswerden

Bei der Bekämpfung von Raubwanzen stehen Ihnen sowohl chemische als auch biologische Bekämpfungsmethoden zur Verfügung. Im Folgenden erfahren Sie, welche Methode wirklich gegen die Schädlinge funktioniert.

Raubwanzen chemisch bekämpfen

Um Raubwanzen effektiv mit chemischen Mitteln zu bekämpfen, können Sie verschiedene Insektizide verwenden, welche die Wirkstoffe Deltamethrin, Pyrethrum oder Permethrin enthalten. Diese Wirkstoffe sind in vielen breit wirksamen Insektensprays enthalten und wirken daher sehr gut für die Bekämpfung von Raubwanzen. Diese Mittel zeigen sehr rasch ihren Effekt und haben teilweise auch eine Barrierewirkung. Das bedeutet, dass nicht nur die Wanzen, die man erwischt, abgetötet werden, sondern, dass auch lebende Wanzen davon abgehalten werden, in Ihr Haus einzudringen.

Hinweis: Bei der Verwendung von chemischen Insektiziden sollten Sie immer auf die Anwendungshinweise und die Sicherheitsbestimmungen achten. Vermeiden Sie stets den Kontakt mit der Haut oder den Augen sowie auch das Einatmen von Insektiziden.

Raubwanzen biologisch und mit Hausmitteln bekämpfen

Zu den biologischen Bekämpfungsmitteln gehört natürlich das Neemöl, welches mit seinem Wirkstoff Azadirachtin sehr gut gegen verschiedenste Arten von Insekten eingesetzt werden kann. Dieses Öl stammt von dem tropischen Niembaum und wird in seinen Herkunftsländern schon seit jeher zur Bekämpfung von Insekten eingesetzt. Hier erfahren Sie noch mehr zum Thema Neemöl und zur Anwendung dieses biologischen Pflanzenschutzmittels. Eine weitere Methode zur biologischen Bekämpfung von Raubwanzen ist der Einsatz von Schmierseife oder Spiritus. Aus der Schmierseife bereitet man eine Lauge her und besprüht damit die Raubwanzen. Außerdem kann man Spiritus mit Wasser mischen und damit die Raubwanzen bekämpfen.

Neemöl in Glasfläschchen
Neemöl ist ein wirkungsvolles biologisches Schädlingsbekämpfungsmittel [Foto: Swapan Photography/ Shutterstock.com]

Zusammenfassung Raubwanzen bekämpfen und loswerden:

  • Die chemische Bekämpfung kann zwar sehr effektiv sein, allerdings sollten Sie hier immer darauf achten, den Kontakt mit den reizenden Stoffen zu vermeiden
  • Bei der biologischen Bekämpfung von Raubwanzen sollten Sie auf Neemöl setzen oder eine Lauge aus Schmierseife oder Spiritus herstellen

Vielleicht handelt es sich bei den Wanzen in Ihrem Haus auch um Baumwanzen. Wie Sie diese erkennen und wieder loswerden können, erfahren Sie in diesem Spezial-Artikel.

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