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Schildläuse: Erkennen, vorbeugen & bekämpfen

Schildläuse schnell & effektiv bekämpfen: Wir zeigen Ihnen, wie Sie die unliebsamen Läuse mit biologischen und chemischen Mitteln schnell wieder loswerden.

Schildläuse sind, wie andere Pflanzenläuse auch, mit einem Stechrüssel ausgestattet. Mit diesem saugen sie den energiereichen Pflanzensaft auf und schwächen so die befallene Pflanze. Aus diesem Grund gehören Schildläuse zu den Schädlingen und gerade an Zimmerpflanzen sind sie ein großes Problem. Bei der erfolgreichen Bekämpfung braucht es zudem ein konsequentes Vorgehen, um die lästigen Biester zu beseitigen. Aber haben Sie auch gewusst, dass aus Schildläusen hochwertige Rohstoffe hergestellt werden? Bestimmte Arten dienten vor allem früher als Lieferant für den roten Farbstoff Karmin. Dieser hat früher vielen Lippenstiften und Lebensmitteln eine starke Rotfärbung verliehen. Sogar der rote Campari wurde vor einiger Zeit noch mit Karmin eingefärbt.

Schildläuse erkennen

Die Familie der Schildläuse (Coccoidea) ist relativ artenreich. So sind in Mitteleuropa etwa 100 Arten der Pflanzensauger vertreten. Dieser Artenreichtum sorgt dafür, dass sich Schildlaus zu Schildlaus teilweise erheblich voneinander unterscheiden. Unserer Meinung nach ist es deswegen wichtig, die generellen Anzeichen eines Schildlausbefalls zu erkennen und sich nicht in optische Details der unterschiedlichen Schildläuse zu verstricken. Zwar werden von Schildläusen auch Gehölze und Weinreben befallen, für den Hobbygärtner sind aber meistens befallene Zimmerpflanzen das wirkliche Problem. Besonders gerne suchen sich die Schildläuse Orchideen, Palmen, Ficus, Zitrusbäume und Oleander als Wirtspflanze aus.

Ein starker Befall tritt dabei meistens im Winter und Frühjahr auf, wenn die Pflanzen durch schlechte Standortbedingungen geschwächt sind. Dann vermehren sich die 0,8 bis 6 mm großen Schildläuse extrem schnell und werden ein Problem für die betroffene Pflanze. Sie verstecken sich gerne an Blattansätzen, der Blattunterseite und anderen schwer zugänglichen Stellen an der Pflanze, was das Auffinden zusätzlich erschwert. Ein sicheres Indiz für einen Schildlausbefall ist der Honigtau. Genauso wie Blattläuse produzieren die weiblichen Schildläuse ebenfalls den zuckerreichen Honigtau, der schnell ganze Blätter verklebt. Dieser ist in Verbindung mit den unbeweglichen Schildläusen und dem charakteristischen Rückenschild ein sicheres Zeichen für einen Schildlausbefall. Die Schildläuse tauchen oft kolonieartig auf, deswegen sprechen viele pustelartige Gebilde konzentriert an einer Stelle der Pflanze ebenfalls für Schildläuse.

Schildläuse: Ein Steckbrief

Schildläuse sind je nach Entwicklungsstadium und Geschlecht sehr variabel in ihrer Beschaffenheit. Im Prinzip bekommen wir als Schädling nur die älteren Weibchen der Schildlaus zu Gesicht. Die Weibchen besitzen in ihrer späteren Entwicklung einen ausgeprägten Schild zum Schutz. Dieser Schutzschild ist auch notwendig, denn die weibliche Laus ist ab ihrem zweiten Larvenstadium komplett bewegungsunfähig und damit kann sie Fressfeinden nicht entkommen. Die Weibchen sind zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, den Pflanzensaft über den Stechrüssel aufzunehmen, Eier zu legen und Honigtau abzugeben. Dabei können die Weibchen auch fruchtbare Eier ohne die Befruchtung eines Männchens legen. Diese sogenannte Jungfernzeugung ist für die rasche Vermehrung der Schildläuse verantwortlich.

Die Eier der Schildläuse liegen oft geschützt in der Nähe oder direkt unter dem Muttertier. Aus ihnen schlüpfen die 0,8 mm kleinen Junglarven. Diese Larven sind noch beweglich und können sich deswegen einen neuen Platz an der Pflanze suchen, um dort den Pflanzensaft als Nahrung zu nutzen. Bereits ab dem zweiten Larvenstadium verlieren die Larven ihre Beweglichkeit wieder. Die Männchen der Schildlaus sind hingegen immer beweglich und in der Regel geflügelt. Trotzdem haben sie ein bedauernswertes Schicksal: Ihr einziger Zweck ist die Befruchtung der Weibchen. Die Männchen können nämlich keine Nahrung aufnehmen, da Darm und Mundwerkzeuge stark zurückgebildet sind. Aus diesem Grund leben die Männchen auch nur wenige Tage lang.

Schildläusen vorbeugen

Da Schildläuse besonders gerne Zimmerpflanzen wie Orchideen und Palmen befallen, sollten die Zimmerpflanzen gerade im Winter regelmäßig auf die verdächtigen Schilde der Schildläuse abgesucht werden. Oft können bei der Begutachtung aber nur die großen weiblichen und unbeweglichen Schildläuse erfasst werden. Die unter einen Millimeter großen Junglarven sind für das menschliche Auge fast unauffindbar. Trotzdem kann ein prüfender Blick auf neu erworbene Zimmerpflanzen nicht schaden, denn Schildläuse lassen sich nicht so leicht bekämpfen. Weil die männlichen Schildläuse fliegen können, könnte man zu dem Schluss kommen, dass sie auch für die Verbreitung verantwortlich sind. Das stimmt so aber nicht. Die Flugfertigkeiten der Männchen sind sehr begrenzt und zudem können sie ja auch keine Eier legen und sich somit nicht alleine  vermehren.

Schildläuse Befall Baum

Dieser Baum leidet stark unter dem Schildlausbefall [Foto: iStock.com/Whiteway]

Neben der frühzeitigen Erkennung einer Schildlauspopulation ist der Zustand der Pflanze entscheidend. Häufig vermehren sich die Schildläuse zügellos auf ihren Wirtspflanzen, weil diese standortbedingt geschwächt sind. Die häufigste Ursache ist die mangelnde Lichtintensität im Winter und auch noch im Frühling. Das fehlende Licht in Verbindung mit trockener und oft auch zu warmer Luft ist für die meisten Kübel- und Zimmerpflanzen purer Stress. Genauso schlecht wirkt sich eine zu starke Stickstoffdüngung auf die Vitalität von Pflanzen aus. Diese Faktoren führen zu einer sehr anfälligen Pflanze, die sich kaum gegen einen Schildlausbefall wehren kann. Abhilfe kann nur bedingt geschaffen werden. In jedem Fall sollte die Stickstoffdüngung im Winter stark reduziert oder ausgesetzt werden. Bekommen Ihre Zimmerpflanzen im Winter zu wenig Licht, dann sollten die Pflanzen auch möglichst kühl stehen. Nur bei kühleren Temperaturen kann die Pflanze ihren Stoffwechsel etwas an die schlechten Lichtverhältnisse anpassen. Außerdem entwickelt sich die Schildlaus bei niedrigen Temperaturen ebenfalls langsamer.

Achtung: Natürlich darf die Pflanze nur so kalt gestellt werden, wie sie es selbst verträgt!

Schildläuse bekämpfen

Meistens wird ein Befall durch Schildläuse erst erkannt, wenn sie sich schon recht gut vermehrt haben. Zu diesem Zeitpunkt ist das Absammeln der Schildläuse meistens nicht mehr sinnvoll. Zudem können Tiere an versteckten Stellen unentdeckt bleiben, genauso wie die kleinen Junglarven. Die Schildläuse würden sich wieder rasch vermehren und das Problem wäre nicht beseitigt.

Wir empfehlen folgende Produkte:

  • Neudorff Promanal Schild- und Wolllausfrei: anwendungsfertiges Spritzmittel zur Bekämpfung von Wollläusen, Schildläusen und Spinnmilben an Zierpflanzen. Der ölige Spritzbelag lässt die Schädlinge ersticken und verleiht den Blättern einen schönen Glanz. Nicht bienengefährlich.
  • Bayer Zierpflanzenspray Lizetan AF: Vielseitig einsetzbares Spritzmittel, das auch gegen versteckt sitzende Schädlinge wirkt. Sehr verträglich für Pflanzen, auch für Orchideen.
  • Bestell-Set Nützlinge: Gewünschten Nützling auf Bestellschein ankreuzen, einschicken und bequem per Post erhalten.

Schildläuse biologisch bekämpfen

Eine Bekämpfung von Schildläusen ist leider nur mit Pflanzenschutzmitteln möglich. Das biologische Mittel der Wahl ist ein Ölpräparat. Biologische Mittel wie Neem oder Pyrethrum wirken als Kontaktgift nur sehr schlecht, da die Schildläuse durch ihren Panzer gut gegen diese Wirkstoffe geschützt sind. Ölpräparate (zum Beispiel auf Rapsölbasis) bekämpfen Schildläuse hingegen sehr effektiv. Das Öl legt sich mit einem dünnen Film um die Läuse und erstickt sie. Mittel dieser Art sind zwar für uns Menschen völlig unbedenklich, doch die behandelten Pflanzen können sehr empfindlich auf Ölmittel reagieren. Bevor Sie die ganze Pflanze mit dem Ölmittel benetzten, damit die Schildlaus bekämpft wird, sollte das Präparat auf einer kleinen Blattpartie ausprobiert werden. Erst wenn es hier zu keinen Blattschäden kommt, können Sie die Schildläuse auf der ganzen Pflanze bekämpfen. Bedenken Sie aber auch dabei, dass die behandelten Pflanzen in den nächsten Tagen sehr empfindlich auf Licht reagieren. Vermeiden Sie deswegen auf jeden Fall direkte Sonnenstrahlung auf den behandelten Pflanzen.

Schildläuse chemisch bekämpfen

Sollte sich das Ölpräparat nicht mit Ihrer betroffenen Pflanze vertragen, hilft meist nur das Wegschmeißen der betroffenen Pflanze oder konventionelle Pflanzenschutzprodukte. Wenn Sie auf chemische Produkte zurückgreifen, um Schildläuse zu bekämpfen, dann empfehlen wir Lizetan von Bayer. Das Mittel kann gegossen oder gespritzt werden, wodurch der Wirkstoff von den Pflanzen aufgenommen wird. Durch die Saugtätigkeit der Schildläuse wird das Gift ebenfalls durch die Schädlinge aufgenommen und die Schildläuse somit sehr effektiv bekämpft. Der Wirkstoff verleibt einige Tage in der Pflanze weswegen auch junge Schildläuse bekämpft werden, die direkt bei der Pflanzenschutzmaßnahme noch nicht an der Pflanze gesaugt haben. Das Mittel Lizetan gibt es auch in Form von Stäbchen, die einfach in die Erde gesteckt werden. Die beste und sicherste Bekämpfungsmethode ist aber das Versprühen des flüssigen Pflanzenschutzmittels auf die gesamte Pflanze.

Schildläuse mit Nützlingen bekämpfen

Der Einsatz von Nützlingen ist in der Regel nur etwas für echte Insektenkenner. Weil Nützlinge hochspezifisch sind und nur einzelne Schildlausarten befallen, können Nützlinge nicht pauschal gegen alle Schildläuse eingesetzt werden. Hier wäre die Identifizierung der genauen Schildlausart die Grundlage für eine effektive Bekämpfung. Möchten Sie unbedingt Nützlinge zum Bekämpfen von Schildläusen einsetzen, dann sollte ein Fachmann vorher die Schildlausart bestimmen. Oft wird dieser Service vom Vertreiber der Nützlinge angeboten. Für die Schildlausbekämpfung kommen vor allem unterschiedliche Schlupfwespenarten in Frage.

Ein besonderer Dank an die Fotographen: Gilles San Martin, Scot Nelson, USGS Bee Inventory and Monitoring Lab, Bob Peterson, Pavel Kirillov, jacinta lluch Valero, Maja Dumat – Creative Commons Licence BY 2.0 und Gailhampshire.

Dominic

Ich studiere Gartenbauwissenschaften und gehöre natürlich den passionierten Hobbygärtnern an. Meine ersten Wassermelonen habe ich bereits im Alter von 7 Jahren geerntet. Momentan finde ich Themen in Bezug auf die Interaktion von Pflanzen mit anderen Lebewesen und der Umwelt besonders interessant.
Mein Lieblingsobst: Ganz klar Avocados
Mein Lieblingsgemüse: Eigentlich alles, außer Rosenkohl

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