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Spinnmilben: erkennen, vorbeugen und bekämpfen

Alles zu Spinnmilben an Orchideen, Oleander, Gurken & Co.: Wie Sie Spinnmilben erkennen, ihnen vorbeugen und mit Hilfe von Hausmitteln bekämpfen können.

Spinnmilbe Schmierläuse starker Befall

Ein starker Befall an Spinnmilben mit Deformation der Blätter [Foto: Andreas RocksteinCC BY-SA 2.0]

So erkennen Sie einen Befall mit Spinnmilben

Jeder Hobbygärtner, der schon mal ungeliebten Besuch von Spinnenmilben bekommen hat, weiß wie hartnäckig die kleinen Spinnentiere sein können. Ob Rosen, Obstbäume, der Oleander im Garten oder Orchideen, Ficus und der Zitronenbaum auf der Fensterbank: Spinnenmilben können eine Vielzahl von Pflanzen befallen. Gerade Tomaten, Gurken und andere Gemüsearten, die im Gewächshaus kultiviert werden, sind ein beliebtes Ziel für die kleinen Milben. Treten die Spinnmilben nur in kleiner Zahl auf, werden sie meistens gar nicht bemerkt. Bei trockener und warm-heißer Witterung steigt die Anzahl der Spinnenmilben aber rasant an und die Tiere werden schnell zu einem Problem.

Meistens sind zuerst auf den Blättern der betroffenen Pflanzen kleine Punkte zu sehen, die weiß, gelb oder auch rotbraun aussehen können. Innerhalb von wenigen Tagen können mehr und mehr von diesen kleinen Verfärbungen entstehen. Wird dann ein Blick auf die Blattunterseite geworfen, sind sehr kleine 0,25 – 0,8 mm Krabbeltiere zu erkennen. Viel auffälliger sind aber die kleinen Gespinste der Milben. Wenn gegen den Befall nichts unternommen wird und die Spinnmilbenpopulation ungehemmt weiterwächst, werden die Blätter immer stärker befallen. Dadurch können sich vor allem junge Blätter einrollen und Triebspitzen verkahlen mit der Zeit. Die Pflanzen stoßen dann die kaputten Blätter ab, wodurch sie vertrocknen und irgendwann abfallen. Wegen der unschönen Blattflecken sind die Schädlinge gerade bei Zierpflanzen sehr ungern gesehen. Eine große Anzahl von Spinnenmilben kann aber auch den Ertrag von Gemüsepflanzen senken.

Steckbrief zur Spinnenmilbe

Die Spinnmilbe (Tetranychidae) ist ein Spinnentier und hat deswegen auch 8 Beine, zu mindestens die Nymphen und erwachsenen Tiere. Sie gehören aus diesem Grund auch nicht zu den Insekten (die haben bekanntlich ja nur 6 Beine). Diese Unterscheidung wird später nochmal bei der Bekämpfung wichtig. Äußerlich können sich die Milben stark unterscheiden. Das Farbspektrum der erwachsenen Tiere reicht von Gelb bis Grün über Rot. In Deutschland sind vor allem die Gemeine Spinnmilbe (Tetrnychus urticae) und die Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi) als wichtigste pflanzenschädigende Spinnmilben bekannt.

Spinnmilben Eier an Blattunterseite

Spinnmilben und deren Eier findet man häufig an der Blattunterseite [Foto: K-State Reseach and ExtensionCC BY 2.0]

Wie die Blattlaus ernähren sich auch die Spinnmilben durch Saugen an den Blättern der befallenen Pflanzen. Allerdings saugen die Spinnentiere nur einzelne Blattzellen aus, wodurch die charakteristischen Punkte entstehen. Die Spinnmilbe saugt nicht an den zuckerhaltigen Leitbahnen (das machen Blattläuse gerne), deswegen wird auch kein Honigtau produziert. Trockene Witterung und heiße Temperaturen sorgen für eine stark verkürzte Entwicklungszeit der Spinnmilben und dadurch zu riesigen Populationen. Feuchte Witterung und starke Regenfälle mögen die Spinnmilben dagegen überhaupt nicht.

Spinnmilben vorbeugen

Im eigenen Garten ist ein vorbeugender Schutz gegen Spinnmilben leider eher schwierig zu gewährleisten. Durch die geringe Größe der Tiere, sind sie anfangs nicht zu erkennen. Erst bei einem größeren Befall werden die Tiere entdeckt. Dann ist es für vorbeugende Maßnahmen aber schon längst zu spät. Sie können also nur hoffen, dass es keine längeren ausgeprägten Hitzeperioden gibt, dann sollte sich ein Spinnmilbenbefall auch in Grenzen halten.

In Gewächshäusern kann da schon mehr gemacht werden: Das Klima im Gewächshaus sollte so gestaltet werden, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu stark fällt und auch die Temperatur sollte durch Lüften nicht zu hoch steigen. Spinnmilben entwickeln sich bei ungefähr 30 °C und einer möglichst trockenen Luft extrem schnell. Vermeiden Sie dabei aber auch nasse Blätter an den Pflanzen. Durch diese können Schaderreger wie der falsche Mehltau oder anderer Pilzkrankheiten schnell über die Pflanze herfallen.

Gespinste der Spinnmilbe

Vom Nahen erkennt man die typischen Gespinste der Spinnmilbe [Foto: Maja DumatCC BY 2.0]

Insgesamt rentiert es sich, wenn Nützlinge geschont werden. Wird nicht oder ausschließlich Nützling-schonend gesprüht, können sich natürlich vorkommende Räuber wie Raubmilben, Marienkäfer und Gallmücken um die Spinnmilben kümmern. Besonders müssen Sie aufpassen, wenn die Gartensaison zu Ende geht und sie Kübelpflanzen wie einen Zitronenbaum zum Überwintern ins Haus holen. Untersuchen Sie die zu überwinternden Pflanzen akribisch auf Spinnmilben ab. In der Winterzeit, wenn in der Wohnung trockene, warme Heizungsluft das Klima bestimmt, können sich Spinnmilben optimal vermehren. Eine Bekämpfung mit Hausmitteln ist dann oft erfolgslos.

Spinnmilben bekämpfen

Auch wenn Spinnmilben sehr klein sind und eigentlich nicht besonders widerstandsfähig aussehen: Glauben Sie mir, diese Tiere sind sehr widerstandsfähig! Ich selber hatte vor einigen Jahren eine Frangipani (Plumeria), die immer wieder mit einer Heerschar von Spinnenmilben zu kämpfen hatte. Alle Hausmittel egal, ob Seifenlauge, Öl oder die empfohlene Plastiktüte haben nicht geholfen. Augenscheinlich waren zwar zunächst alle Spinnmilben weg, aber früher oder später kamen sie genauso zahlreich wieder.

Die Plastiktüte, die die Luftfeuchtigkeit um die Pflanze erhöhen soll, ist ein eher gefährliches Hausmittel. Die Luft kann sich darunter so stark erhitzen, dass auch die befallene Pflanze ernsthaft geschädigt werden kann. Seifenlaugen aus Kaliseife können dagegen tatsächlich helfen, wenn die behandelten Pflanzen anschließend ins Freie gestellt werden können. Dort können Nützlinge und feuchte Witterung dafür sorgen, dass die Spinnmilben in Zaum gehalten werden. Bei Pflanzen, die im Winter drinnen stehen müssen oder bei generellen Zimmerpflanzen wie Orchideen und Kakteen, hilft oft nur ein Pflanzenschutzmittel.

Es ist aber auch eine natürliche Bekämpfung möglich. Das biologische Spritzmittel Spruzit AF von Neudorff wirkt neben Insekten auch gegen Spinnmilben. Für eine langfristige Wirkung sind in der Regel mehrere Spritzanwendungen nötig. Bei der ersten Spritzung werden meistens nicht alle der kleinen Spinnmilben erfasst. Wichtig ist auch, dass bei der Behandlung die Blattunterseiten großzügig eingesprüht werden. Der natürliche Wirkstoff Pyrethrum wirkt nämlich nur, wenn er direkt auf den Schädling gesprüht wird. Einige hartnäckige Problemfälle kriegt man leider aber auch damit nicht in den Griff, so dass teilweise nur der Griff zu chemischen Produkten bleibt. Gegen Spinnmilben wirken allerdings viele Insektizide nicht ausreichend. Deswegen werden gegen Spinnmilben spezielle Akarizide eingesetzt. Diese Pflanzenschutzmittel wirken verlässlich gegen die Spinnentiere. Gerade bei Zimmerpflanzen ist die Behandlung recht unproblematisch, da Bienen und andere Nützlinge keinen Kontakt mit den behandelten Pflanzen haben. Ein bewährtes Spritzmittel ist Triathlon Universal Insekten-frei AF von Compo. Auch hier muss die Blattunterseite mitbehandelt werden. Generell sollten bei Pflanzenschutzmitteln immer alle Herstellerangaben gelesen werden. Zum Beispiel ist das eben genannte Mittel von Compo ausschließlich für Zierpflanzen zugelassen.

Spinnmilben an Bananenblatt

Auch Exoten wie die Banane können von Spinnmilben befallen werden [Foto: Maja DumatCC BY 2.0]

Neben der Möglichkeit, die Spinnmilben mit Spritzmitteln zu bekämpfen, gibt es theoretisch auch Nützlinge, die gezielt gegen Spinnmilben eingesetzt werden. In der heutigen Landwirtschaft, speziell im Obstbau, kann fast komplett auf Spritzungen gegen die unliebsame Spinnmilbe verzichtet werden. Zu verdanken ist das der gefräßigen Raubmilbe (Phytoseiulus persimilis). Bei der Raubmilbe stehen Spinnmilben ganz weit oben auf dem Speiseplan und in großen Obstanlagen bildet sich ein natürliches Gleichgewicht zwischen den gezielt eingesetzten Raubmilben und den Spinnenmilben. Im kleinen Hausgarten ist der Einsatz von Raubmilben allerdings weniger erfolgsversprechend. Sinnvoller ist hier der Einsatz von Raubmilben im Gewächshaus und im Haus. Dort kann der Nützling nicht so schnell abwandern und auch wenn der Name Raubmilbe gefährlich erscheint, sind die Tiere für den Menschen natürlich nicht gefährlich. Ein Nützlingseinsatz ist immer nur dann erfolgsversprechend, wenn die Nützlinge auch gute Lebensbedingungen vorfinden und sich dadurch schnell vermehren können. Raubmilben brauchen im Gegensatz zur Spinnmilbe nur Temperaturen um 22 °C und eine Luftfeuchtigkeit um 60 %. Wenn Sie den Raubmilben diese Bedingungen in einem mehr oder weniger geschlossenen Raum dauerhaft bieten können, dann sind diese Spinnmilbenvertilger der beste Pflanzenschutz.

Folgende Produkte haben sich bei uns im Kampf gegen die Spinnmilbe bewährt:

 

Dominic

Ich studiere Gartenbauwissenschaften und gehöre natürlich den passionierten Hobbygärtnern an. Meine ersten Wassermelonen habe ich bereits im Alter von 7 Jahren geerntet. Momentan finde ich Themen in Bezug auf die Interaktion von Pflanzen mit anderen Lebewesen und der Umwelt besonders interessant.
Mein Lieblingsobst: Ganz klar Avocados
Mein Lieblingsgemüse: Eigentlich alles, außer Rosenkohl

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