logo

Wiesenschnaken: Schadbild erkennen & Larven biologisch bekämpfen

Wiesenschnaken stechen zwar nicht, können aber trotzdem großen Schaden anrichten. Genauer gesagt sind es ihre Larven, die im Ernstfall zum Absterben ganzer Rasenflächen führen können.

tipula paludosa
Wiesenschnaken im Rasen sind meist ungern gesehene Gäste [Foto: Revilo Lessen/ Shutterstock.com]

Auch wenn es sich bei Wiesenschnaken (Tipula paludosa) grundsätzlich um nützliche Insekten handelt, kann ein massenhaftes Auftreten im Rasen schnell zum Problem werden. Wie Sie das Schadbild, die adulten Tiere und die Larven von Wiesenschnaken erkennen sowie verschiedene Möglichkeiten deren umweltfreundlichen Bekämpfung finden Sie in diesem Artikel.

Wiesenschnaken erkennen: Lebensweise und Schadbild

Man findet Wiesenschnaken trotz ihres Zweitnamens – Sumpfschnake – vor allem auf frischen, mittelschweren, lehmigen Böden mit geschlossener Grasnarbe. Schnaken lassen sich ziemlich einfach erkennen und von anderen Insekten und deren Larven unterscheiden.

Adulte Wiesenschnaken sind mit einer Körperlänge von bis zu 2,5 cm und einer Flügelspannweite von 3 bis 4 cm relativ groß. Der Körper von Tipula paludosa ist einfarbig graubraun und langestreckt. Ihre Beine sind auffallend lang und dünn und ihre Flügel sind klar und nicht gefleckt. Kann man ein Exemplar genauer beobachten, fallen eine V-förmige Naht auf dem Rücken sowie das Fehlen von Punktaugen zwischen den Facettenaugen auf. Wie bei allen Schnakenarten sind auch die Mundwerkzeuge von Wiesenschnaken nicht zum Stechen geeignet. Stattdessen ernähren sich die ausgewachsenen Tiere von Wasser und Nektar. So sind sie weder uns Menschen gefährlich, noch schädigen adulte Wiesenschnaken den Rasen.

Tipp: Adulte Wiesenschnaken können auf den ersten Blick mit den sogenannten Kohlschnaken (Tipula oleracea) verwechselt werden. Für eine eindeutige Bestimmung muss man eine Schnake fangen und ihre Augen betrachten. Sind sie nah beieinander und berühren sich fast, handelt es sich um eine Kohlschnake. Bei Wiesenschnaken ist der Abstand um einiges größer.

Wiesenschnake nah
Zwischen den Facettenaugen von Wiesenschnaken ist etwas Platz [Foto: sergyiway/ Shutterstock.com]

Direkt nach dem Schlüpfen im Herbst sind die Larven der Wiesenschnake noch sehr klein. Sie wachsen aber bis zum nächsten Frühjahr auf eine Größe von bis zu 4 cm heran. Typisch für Tipula-Larven ist die sogenannte „Teufelsfratze“. Schaut man von hinten auf die bräunliche-graue Larve, sieht man eine dunkle, harte Platte, die von sechs weißen lappenartigen Fortsätzen umgeben ist. Dabei handelt es sich um ein Werkzeug, das der Fortbewegung dient. Es wurde aber von kreativen Betrachtern als Gesicht mit zwei dunklen Augen und weißen Hörnern interpretiert. Die eigentliche Kopfkapsel ist von fester Struktur und sehr klein. Des Weiteren haben die Larven weder Beine noch sonstige Fortsätze.

Tipp: Trotz allem ist die Unterscheidung der Larven von anderen Schnakenarten sehr schwierig. Gut gelingt jedoch die Abgrenzung zu Engerlingen, die ebenfalls großen Schaden im Rasen anrichten können. Die Larven von Wiesenschnaken sind deutlich schlanker als Engerlinge und weisen keine auffällige Verdickung oder Krümmung des Körpers auf.

Larve der Wiesenschnake
Tipula-Larven sind kopf- und beinlos [Foto: Henrik Larsson/ Shutterstock.com]

Die Puppen der Larven während der Ruhestadien sind rötlich-braun und in verschiedene Segmente aufgeteilt, von denen die hinteren ringförmig kleine Dornen tragen.

Lebensweise

Die adulten Tiere schlüpfen ungefähr ab Mitte August aus den Puppen. Aufgrund der kurzen Lebensdauer beginnen Wiesenschnaken direkt mit Paarung und Eiablage. Da die Weibchen nur begrenzt flugfähig sind und maximal fünf Meter am Stück schaffen, findet man sie nur in der Nähe der Lebensräume von Larven. Ein Weibchen legt 300 bis 500 Eier und stirbt dann relativ schnell. Schon nach 11 bis 15 Tagen schlüpfen die ersten Larven. Insgesamt werden vor der Verpuppung vier Stadien durchlaufen, zwei davon noch im Herbst. Das dritte Larvenstadium geschieht tiefer im Boden und ermöglicht die Überwinterung unterhalb der Frostgrenze. In kalten Wintern können bis zu 50 Prozent der Larven von Tipula paludosa eingehen. War der Winter jedoch mild, überlebt meist der Großteil. Im Frühjahr geht die Entwicklung mit den letzten beiden Larvenstadien weiter. Hier wird dann auch der größte Schaden angerichtet, denn im finalen Stadium können die Larven bis zu 4 cm lang werden und sind dementsprechend richtige Vielfraße.

paarende Wiesenschnaken
Ungefähr im August paaren sich Wiesenschnaken [Foto: Magnus Binnerstam/ Shutterstock.com]

Ungefähr Mitte Mai haben die Wiesenschnakenlarven ihre maximale Größe erreicht. Dann wandern sie tiefer in den Boden und legen ungefähr 3 bis 5 cm unterhalb der Bodenoberfläche eine circa sechswöchige Ruhepause ein, bevor sie sich verpuppen und ab Mitte August als adulte Schnaken schlüpfen. So schafft die Wiesenschnake eine Generation pro Jahr.

Schadbild

Schon im Herbst fressen die noch jungen, kleinen Wiesenschnakenlarven an Gräserwurzeln und nachts oder an regnerischen Tagen auch an oberflächlichen Pflanzenteilen. Der Hauptschaden entsteht aber im Frühjahr, vor allem nach milden Wintern. Dann können die massenhaft auftretenden, großen Wiesenschnakenlarven ganze Rasenstücke entwurzeln.

Typische Anzeichen für einen Befall mit Larven von Wiesenschnaken sind:

  • Vermindertes Wachstum
  • Gelb-braune Verfärbungen von Blättern
  • Welkerscheinungen
  • Nesterweises Auftreten von Kahlstellen
  • Vermehrt Vögel auf dem Rasen. Sie fressen die nah unter der Bodenoberfläche lebenden Larven und können dabei durch ihr Scharren das Gras weiter schädigen.
Anzeichen Wiesenschnaken im Rasen
Braune, verwelkende Stellen können ein Hinweis auf Wiesenschnaken im Rasen sein [Foto: SingjaiStocker/ Shutterstock.com]

Unterschied zu Pilzerkrankungen: Bei einem Wiesenschnakenbefall verfärben sich Blätter einheitlich braun und nicht fleckig. Es wirkt, als ob der Rasen stellenweise vertrocknet.

Ist man sich unsicher, hilft ein einfacher Spatenstich an einer betroffenen Stelle. Bei einem Befall sollte man so direkt die Larven sehen, von denen in schweren Fällen bis zu 600 pro Quadratmeter vorkommen können.

Wiesenschnaken Larven im Boden
Bei einem schweren Befall kommen Tipula-Larven massenhaft im Boden vor [Foto: Martina Unbehauen/ Shutterstock.com]

Auf einen Blick: Wie sehen Wiesenschnaken im Rasen aus?

  • Adulte Schnaken: Länge: bis 1,8 cm (Männchen), 2,5 cm (Weibchen); Spannweite: bis 3 cm; lange, dünne Beine; einfarbig, bräunlich-grau mit klaren, unbefleckten Flügeln.
  • Larven: Bräunlich-grau; bis zu 4 cm (im Frühjahr); sklerotisierte, kleine Kopfkapsel; „Teufelsfratze“ am Hinterleib zur Fortbewegung.
  • Puppen: Rötlich-braun; verschiedene Segmente, davon die hinteren mit kleinen Dornen.
  • Schadbild: Verwelken und Braunfärbung von Gräsern bis hin zu nesterweisen Kahlstellen im Rasen.

Wiesenschnaken bekämpfen

Hat man die ersten Fliegen in seinem Garten entdeckt, stellt sich schnell die Frage: „Wie bekämpfe ich Tipula-Larven im Rasen?“ Die synthetisch-chemische Bekämpfung von Wiesenschnakenlarven im Rasen ist schon seit einiger Zeit verboten. Es gibt aber trotzdem eine Vielzahl an Bekämpfungsmöglichkeiten, die teilweise sehr verträglich mit der Umwelt sind und andere nützliche Insekten im Boden unbeschadet lassen.

Wiesenschnake in Wohnung
In unseren Wohnungen sind Wiesenschnaken noch weniger willkommen [Foto: Barry Paterson/ Shutterstock.com]

Nematoden gegen Wiesenschnakenlarven

Nematoden der Art Steinernema carpocapsae parasitieren die Larven von Wiesenschnaken und einigen anderen Schädlingen. Die winzig kleinen Fadenwürmer, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind, suchen im Boden die Larven auf und dringen in sie ein. Dort vermehren sie sich weiter und töten dabei die Wiesenschnakenlarven. Dies erfolgt durch Abgabe eines Bakteriums, das wiederum ein Toxin abgibt. Schon nach sieben Tagen sind erste Behandlungserfolge sichtbar. Bietet die alte Larve keine Nahrung mehr, wird sie von den Nematoden verlassen, die sich auf die Suche nach neuen Wirten begeben. Das geht so weiter, bis sie keine Larven mehr finden und schlussendlich selbst absterben. So handelt es sich bei der Bekämpfung von Wiesenschnaken im Rasen mit Nematoden um eine nachhaltige, chemiefreie und für Mensch und Umwelt unbedenkliche Bekämpfungsmethode. Es kann ein Wirkungsgrad von 80 bis 90 Prozent erreicht werden.

Nematoden
Nematoden sind winzig kleine Fadenwürmer, die mit bloßem Auge kaum erkennbar sind [Foto: D. Kucharski K. Kucharska/ Shutterstock.com]

Eine Bekämpfung von Wiesenschnaken mit Nematoden ergibt nur zwischen Mitte September und Mitte Oktober Sinn, also zwei bis drei Wochen nach dem Flug der Imagines, der fertig ausgebildeten und geschlechtsreifen Insekten. Mit zunehmendem Alter entwickeln die Larven nämlich bessere Abwehrmechanismen und werden immer widerstandsfähiger. In diesem Zeitraum werden unsere Plantura SC-Nematoden gegen Maulwurfsgrillen, Wiesenschnaken und Erdraupen angewendet. Ein Päckchen mit zehn Millionen Nematoden reicht hierbei für circa 20 Quadratmeter. Die Nematoden können bequem bestellt und zu Ihnen nach Hause geliefert werden. Vor Verwendung können sie noch bis zu sechs Wochen im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Plantura SC-Nematoden
Plantura SC-Nematoden
Nematoden der Art Steinernema carpocapsae
zur biologischen und wirksamen Bekämpfung von Maulwurfsgrillen, Wiesenschnaken & Erdraupen

Tipp: Wählen Sie für die Anwendung einen bewölkten, eher regnerischen Tag, denn die Nematoden reagieren empfindlich auf UV-Strahlung. Auch in der Zeit danach sollte der Boden stets feucht gehalten werden, sonst besteht die Gefahr, dass die Nematoden austrocknen.

Insektizide gegen Wiesenschnaken

Im Grünland und auf Rasen sind generell keine Insektizide gegen Wiesenschnaken zugelassen. Abgesehen davon beeinträchtigen diese synthetischen Stoffe neben ihrer gewollten Wirkung oft auch andere, nützliche Insekten. Auch auf uns Menschen oder Haustiere können sie negative Auswirkungen haben. Glücklicherweise braucht es keine Insektizide gegen Wiesenschnaken, denn es gibt ausreichend andere Bekämpfungsmöglichkeiten.

Wiesenschnaken mit Kalkstickstoff bekämpfen

Die beste Wirkung mit Kalkstickstoff gegen Tipula wird bei einer Ausbringung des Düngers im frühen Frühjahr, also ab ungefähr März, erzielt. Je jünger die Larven sind, desto empfindlicher sind sie nämlich. Die Bodentemperatur sollte bereits 3 – 8 °C erreicht haben. Werden dann an regnerischen Tagen 30 bis 40 g des Düngers pro Quadratmeter ausgebracht, können Wirkungsgrade von 40 bis 60 Prozent erreicht werden. Aber Achtung, auf Dauer birgt eine Düngung mit Kalkstickstoff auch viele Nachteile, wie Sie in unserem Spezialartikel über Kalkstickstoffdünger nachlesen können.

Kaltstickstoffdüngung
Eine Kalkstickstoffdüngung kann Wiesenschnakenlarven bekämpfen [Foto: The Toidi/ Shutterstock.com]

Hausmittel gegen Wiesenschnaken

Auch mechanisch kann man gegen die Larven vorgehen, zum Beispiel durch Walzen des Rasens, während sich die Larven noch in einem frühen Entwicklungsstadium befinden. Besonders geeignet sind hier Aerifizierwalzen mit Stacheln.
Vertikutieren schadet den Larven ebenfalls nachhaltig, jedoch auch dem Rasen. Deshalb sollte man das Vertikulieren mit einer Nachsaat kombinieren.
Auf kleinen Flächen kann man auch Untersetzer mit einem Ködergemisch aus zehn Teilen feuchter Weizenkleie und einem Teil Zucker verteilen. Die Tipula-Larven im Rasen werden davon stark angezogen, verlassen den Boden und begeben sich in die Untersetzter. Dort können sie dann in den frühen Morgenstunden abgesammelt werden. Eine ähnliche Wirkung haben Stücke von schwarzer Folie oder Plastik.
Schlussendlich kann man kleine Rasenflächen auch mit einem Vlies abdecken, sobald man im August die ersten fliegenden Schnaken entdeckt hat. Das hindert die Schnaken daran, ihre Eier in dieses Rasenstück abzulegen. Wichtig ist, dass das Vlies möglichst hell und luft- sowie wasserdurchlässig ist, damit dem Rasen möglichst wenig geschadet wird. Entfernen Sie das Vlies nur zum Rasenmähen. Ungefähr Mitte September sterben die letzten adulten Tiere, sodass dann das Vlies wieder komplett vom Rasen entfernt werden kann.

vertikutieren
Auch vertikutieren kann beim Bekämpfen von Wiesenschnaken helfen [Foto: Ingo Bartussek/ Shutterstock.com]

Auf einen Blick: Wie kann man Wiesenschnaken bekämpfen?

  • Wiesenschnaken mit synthetischen Insektiziden zu entgegnen, ist nicht erlaubt.
  • Nematoden stellen eine nachhaltige, sichere Bekämpfungsmöglichkeit dar. Die winzig kleinen Fadenwürmer töten Wiesenschnakenlarven im Rasen, indem sie diese parasitieren.
  • Eine Düngung mit Kalkstickstoff kann den Wiesenschnakenlarven zusetzten, wobei Kalkstickstoff auf lange Sicht nachteilig für den Rasen ist.
  • Walzen und Vertikutieren kann ebenfalls Wiesenschnakenlarven töten.
  • Köderfallen locken Larven aus dem Boden, die man absammeln kann.
  • Kleine Rasenflächen können mit Vlies abgedeckt werden.

Einem Befall vorbeugen

Einige der oben genannten Maßnahmen dienen auch dem Vorbeugen eines Wiesenschnakenbefalls. So kann man zum Beispiel durch das Abdecken des Rasens mit Vlies, Folie oder Pappe die Eiablage verhindern. Gelegentliches Walzen oder Vertikutieren hält sie ebenfalls in Schach. Zusätzlich wirkt auch die Förderung von Fressfeinden von Wiesenschnaken einem Befall Ihres Rasens entgegen. Dazu zählen viele Vögel wie zum Beispiel Amseln und Stare. Wie Sie Ihren Garten vogelfreundlicher gestalten können, haben wir in einem extra Artikel zusammengefasst.

Ein gesunder, sattgrüner Rasen braucht Einiges an Pflege. Denn nicht nur Schädlinge, auch eine Düngung zum falschen Zeitpunkt oder falsches Mähen können den Rasen beeinträchtigen. Daher ist es wichtig zu wissen, welche Pflegearbeiten für den Rasen rund ums Jahr anstehen und was man dabei beachten muss.

Erhalten Sie unsere Garten-Post

Jetzt für unsere kostenlose Garten-Post anmelden und tolle Garten-Tipps sowie Inspirationen regelmäßig ins Email-Postfach bekommen.

Durch das Anmelden willigen Sie ein, dass wir Ihnen regelmäßig per E-Mail unseren Newsletter rund um den Garten und mit Produktangeboten zusenden. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Unsere Datenschutzerklärung finden Sie hier.