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Rhabarber: Die Wurzel der Barbaren

Rhabarber: Die gesunde Stange braucht wenig Platz und ist bei Hobbygärtnern sehr beliebt. Wir zeigen wie Anbau, Ernte & Lagerung im eigenen Garten gelingt.

gebleichter Rhabarber

Gebleichter Rhabarber ist sehr mild im Geschmack und extrem lecker. [Foto: Oliver Stagg]

Der zu den Knöterichgewächsen zählende Rhabarber (Rheum rhabarbarum) gehört zum ersten Gemüse des Jahres. Zwar wird Rhabarber im Volksmund fälschlicherweise als Obst bezeichnet, was auf seine Verwendung in Süßspeisen zurückzuführen ist, jedoch handelt es sich genaugenommen bei dem Gemüse-Rhabarber um Blattstielgemüse, wie Mangold oder Stangensellerie. Durch die aktuelle Rückbesinnung auf alte Sorten und regionalen Bezug erfährt der Rhabarber in den letzten Jahren einen regelrechten Boom.

Herkunft und Geschichte

Rheum rhabarbarum stammt ursprünglich aus dem Himalaya und Teilen Chinas. Die verwandten Pflanzenarten wie der Tibet-Rhabarber (Rheum officinale) und der Handlappige Rhabarber (R. palmatum) fanden in der traditionellen Medizin als Arzneimittel Verwendung. Hierbei wurden nicht etwa die Stiele verarbeitet, sondern überwiegend die unterirdischen Sprossen. Die Verwandten des Rhabarbers wurden besonders wegen ihrer abführenden Wirkung geschätzt.

Der Gemüse-Rhabarber fand seinen Weg über Zentralasien nach England, wo er seit dem 18. Jahrhundert angebaut wird. Auch heutzutage erfreut sich der Rhabarber in England noch sehr großer Beliebtheit, was zu Bezeichnungen wie dem Rhubarb Triangle, einer Rhabarberhochburg in West Yorkshire, führt. Über England gelangte das Gewächs dann nach Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Rhabarberanbau

Der Rhabarber ist eine sehr pflegeleichte, krankheitsresistente und lohnenswerte Pflanze, die eigentlich in keinem Garten fehlen sollte. Die Pflanzen mögen es feucht und bevorzugen ein eher raues Klima, da eine ausreichend lange Kälteperiode ein Garant für einen guten Ertrag ist.

Zum Einstieg empfehlen sich ein- oder zweijährige Pflanzen im Container aus einer Gärtnerei zu beziehen. Etwas versiertere „Gartler“ können im Herbst auch von einer bestehenden Pflanze einen Teil abstechen und einpflanzen. Während Containerware ganzjährig gepflanzt werden kann, sollten abgestochene Rhabarberteilstücke lediglich von Anfang September bis Anfang Oktober gesetzt werden. Somit bleibt den Pflanzen noch ausreichend Zeit um einzuwurzeln.

Als Standort bevorzugt Rheum rhabarbarum einen sonnigen oder halbschattigen Platz. Da die Pflanze acht bis zehn Jahre am selben Standort kultiviert wird, sollte der Boden vor Pflanzung aufgelockert und mit viel Humus aufgebessert werden. Die Einarbeitung von Humus verbessert auch die Fähigkeit des Bodens Wasser zu speichern.  Als Daumenregel gilt ein Quadratmeter pro Pflanze, wobei zwei bis drei Pflanzen für den Eigenbedarf ausreichen. Für kleinere Gärten können kompaktbleibende Sorten wie ‚Timperley Early‘ gepflanzt werden. Im Durchschnitt liegt der Ertrag pro Pflanze bei zirka 3-5 Kilo.

Eine ausführliche Schritt-für-Schritt Anleitung zum Anbau finden Sie hier: Rhabarber anbauen: Aussaat, Pflege und Erntezeit.

Rhabarber richtig düngen und pflegen

Rhabarber mag es gerne nährstoffreich. Eine regelmäßige Düngung des Rhabarbers mit Hornspänen oder Pferdemist ist empfehlenswert. Alternativ kann auch mit einem klassischen Flüssigdünger gearbeitet werden. Entgegen der gängigen Meinung vertreten wir die Ansicht, dass ein Ausbrechen bzw. Abschneiden des Blütenstandes nicht notwendig ist. Zwar erhöht diese Maßnahme minimal den Ertrag, jedoch entgeht dem Gartenbesitzer die sehr dekorative Blütenpracht des Rhabarbers. Das Ausbrechen sollte unserer Meinung nach nur im Erwerbsanbau betrieben werden, da es hier vorrangig um Ertrags- und somit Gewinnmaximierung geht.

Wir von Plantura empfehlen folgende Produkte:
  • Floragard Aktiv Tomaten- & Gemüseerde: Spezialerde mit Kompost und Guano zur optimalen Nährstoffversorgung für Tomaten im Gemüsebeet, Gewächshaus sowie Balkon und Terrasse.
  • Floragard Kompost-Erde: Spezialerde aus unkrautfreiem Edelkompost und ausgesuchten Torfqualitäten. Sie versorgt Ihre Pflanzen lang anhaltend und gleichmäßig mit allen wichtigen Nährstoffe und der hohe Humusgehalt macht leichte und schwere Böden.
  • Cuxin organischer Volldünger Orgasan: Organischer Gartendünger für Gemüse, Obst und Ziergärten mit langer und kontinuierlicher Wirkungsdauer.

Ernte und Lagerung von Rhabarber

Je nach Vitalität der Pflanze sollte mit der Rhabarber-Ernte erst ab dem dritten Standortjahr begonnen werden. Die Rhabarberstangen schneidet man nicht, sondern dreht sie aus dem Boden. Andernfalls können die Pflanzen an den Schnittstellen faulen oder andere Krankheiten bekommen. Pro Woche können pro ausgewachsener Pflanze zirka drei Stängel geerntet werden ohne der Pflanze nachhaltig zu schaden. Zwar halten die Stiele sich im Kühlschrank feucht eingeschlagen zirka eine Woche, dennoch sollte stets nur die Menge frisch geerntet werden, die auch tatsächlich benötigt wird. Somit hat die Pflanze mehr Kraft. Sollte man gegen Ende der Rhabarbersaison einige Stiele überhaben, können diese auch problemlos eingefroren oder zu Marmelade verarbeitet werden.

Die Blätter können bei der Ernte direkt entfernt werden, da diese einen hohen Gehalt an Oxalsäure aufweisen. Werden die Blätter nicht entfernt, verlieren die Rhabarberstängel Wasser und werden schnell labbrig. Praktischerweise können die Blätter im Ganzen zum Mulchen verwendet werden oder in zerkleinerter Form dem regulären Kompost beigegeben werden.

Auf Grund des steigenden Oxalsäuregehalts und der benötigten Regenerationszeit sollte ab Johanni (24. Juni) die Ernte eingestellt werden. Durch eine schonende Ernte werden Sie über viele Jahre Freude an der Pflanze haben. Zur „Rhabarberernte“ finden Sie hier mehr.

Insbesondere unter britischen Rhabarberfreunden hat sich das sog. Forcieren und Bleichen eingebürgert. Hierbei stülpt man im späten Winter ein Gefäß (meist Terrakotta) über die Pflanze und beschleunigt somit das Wachstum. Weitere Details zum Forcieren von Rhabarber finden Sie hier: Forcieren und Bleichen von Rhabarber.

Sorten

Sorten werden entweder nach Ihres Erntezeitpunktes (frühe, mittlere und spätreife Sorten) oder nach der Farbe Ihrer Stiele eingeteilt. Generell tragen grüne Sorten zwar mehr, jedoch werden den rotfleischigen Sorten ein milderer Geschmack und ein höherer Zierwert zugeschrieben. Es gibt eine schier ungeheure Auswahl an Sorten. Einen Überblick über die Bekanntesten finden Sie hier:

  • Champagne: frühe und ertragreiche Sorte.
  • Elmsblitz: alte und dunkelrote Rhabarbersorte mit einem niedrigen Oxalsäuregehalt.
  • Elmsjuwel: Stiel und Fleisch rot mit einem geringen Säuregehalt; besonders empfehlenswert für Oxalsäure empfindliche Personen; mittlerer Ertrag.
  • Frambozen Rood: späte und aromatische Sorte mit roten Stielen und grünem Fleisch. Auf Grund des Duftes ist Frambozen Rood auch als Erdbeer- oder Himbeerrhabarber bekannt.
  • Gigant: sehr wüchsige und grünstielige Sorte mit einem hohen Oxalsäuregehalt.
  • Goliath: größte rotstielige und grünfleischige Rhabarbersorte mit Stielen von bis zu 100 cm. Während der Blüte erreicht die Pflanze bis zu 180 cm; eine qualitativ hochwertige und sehr ertragreiche Sorte.
  • Holsteiner Blut: sehr bekannte Sorte bei der die Stängel am Ende rot sind; die Sorte ist bekannt für ihren milden Geschmack und hohen Zuckergehalt.
  • Holsteiner Edelblut: Stängel einheitlich rot eingefärbt; sehr guter und milder Geschmack. Etwas geringerer Ertrag als bei der Schwestersorte Holsteiner Blut.
  • Paragon: sehr alte und frühreife Sorte mit grünen Stielen.
  • Red Valtenine: spätreife Sorte mit roten Stielen und rotem Fleisch.
  • Stockbridge Arrow: eine der beliebtesten modernen Sorten in England; sehr ertragreich.
  • Timperley Early: eine der frühsten Sorten mit rot/pink/grün gefärbten Stielen. Timperley Early verholzt nur wenig; auf ein Schälen kann verzichtet werden; eine relativ kompakte Sorte.

Eine umfangreiche Sortenübersicht finden Sie hier: Rhabarber: die richtige Sorte zum Anbauen wählen.

Vermehrung

Rhabarber wird meist über Teilung vermehrt. Sobald die Blätter vergilben, können Sie die Stiele knapp oberhalb des Bodens abschneiden (Messer- / Scherenklinge steril halten). Anschließend können die Rhizome der Rhabarberstaude ganz einfach mit einem Spaten geteilt werden.

Verwendung in der Küche

Rhabarber eignet sich bestens für leckere Nachspeisen wie Kuchen und Pudding. Zusammen mit Erdbeeren kann man die aromatischen Stangen auch zu Marmelade verarbeiten. Rhabarber wird auch immer beliebter als Beilage für deftige Braten, die im Ofen langsam geschmort werden.

Schädlinge und Krankheiten

Im Allgemeinen ist Rhabarber pflegeleicht und nur wenig anfällig für Krankheiten. Alle 10 Jahre sollte der Standort gewechselt werden. Hier bietet es sich an Jungpflanzen zu setzen oder ggf. junge Rhizome der Mutterpflanze abzustechen. In sehr schweren und feuchten Böden kann es teilweise Probleme mit Fäulnis geben. Generell sollte in solch einem Fall der Boden vor der Pflanzung mit reichlich Kompost gut aufgelockert werden. Bei der Ernte sollten keine Scheren oder Messer verwenden werden, da hierdurch Krankheiten übertragen werden können.

Ein besonderer Dank gebührt den Photographen: Oliver Stagg, Jay CrossTero Laakso, Till Westermayer, elPadawan, s9-4pr, Smabs Sputzer, Margaret Edge, Les Pearce, Ewen Roberts, Meal Makeover Moms und Mattie Hagedorn.

 

Simon

Ich bin Student der Gartenbauwissenschaften und ein richtiges Dorfkind. Neben Kräutern- und Naschobst auf einem Balkon baue ich in meiner kleinen Parzelle am Ortsrand Gemüse an. Ich genieße die Zeit draußen in meinem Gemüsegarten, in dem ich ausschließlich biologische Dünge- und Pflanzenschutzmittel einsetze. Neben meiner Liebe zur Natur schreibe ich leidenschaftlich gerne und beschäftige mich auch mit Grundlagen der Psychologie und Ethik.

Lieblingsobst: Holunder und Himbeeren.
Lieblingsgemüse: Schwarzkohl, Artischocken und Spargel.

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