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Topinambur: Herkunft, Pflege & Ernte der leckeren Knollen

Topinambur war bereits im 17. Jahrhundert ein wichtiges Nahrungsmittel in Europa und ist seit einiger Zeit wieder stark im Kommen. Was viele nicht wissen: Die schmackhafte und kalorienarme Knolle kann problemlos im Garten angebaut werden.

Blühender Topinambur
Wie man an den Blüten unschwer erkennen kann, ist der Topinambur nah mit der Sonnenblume verwandt [Foto: LFO62/ Shutterstock.com]

Topinambur ist eine mehrjährige, historische Gemüseart, die vor einigen Jahren wiederentdeckt wurde und seitdem vermehrt angebaut wird. Doch was ist Topinambur? Und woher kommt er? Wir stellen die knollenbildende Sonnenblume vor und geben Tipps zum Anbau im eigenen Garten.

Topinambur: Herkunft und Eigenschaften

Topinambur (Helianthus tuberosus), auch Erdbirne oder Erdartischocke genannt, kam um 1600 aus Nordamerika nach Europa und versorgte die damalige Bevölkerung mit Kohlenhydraten. Im 18. Jahrhundert verdrängte die Kartoffel die Topinambur-Knollen als Nahrungsmittel, als Vieh- und Wildfutter wurden sie weiterhin angebaut. Bis vor einigen Jahren war das Gemüse weitgehend vergessen. Erst die Rückbesinnung auf altbewährtes und regional angebautes Gemüse brachte die schmackhafte Knolle zurück in die Gärten und auf unsere Teller. Doch wie sieht Topinambur eigentlich aus?

Topinambur bildet oberirdisch lange Triebe mit vielen Seitenästen aus, die mit rauen, sonnenblumenartigen Blättern besetzt sind. Die Äste sind sparrig und brechen sehr leicht im Wind ab. Ab August kann der Topinambur blühen, allerdings tut er das nicht immer und nur bei bestimmten Sorten. Die Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von 2,5 bis 3 Metern. Betrachtet man die Blüten von Topinambur verwundert es nur wenig, dass die Pflanze sehr eng mit der Sonnenblume (Helianthus annuus) verwandt ist. Beide Pflanzen besitzen einen sonnengelben Strahlenkranz um die mittig sitzenden, knopfigen, bräunlich-gelben Röhrenblüten. Die Blüte der Pflanze zeigt sich erst, wenn die Tage kürzer werden. In Deutschland ist das bereits ab August, in den mediterranen Anrainerstaaten teilweise erst ab Oktober.

Spannend ist allerdings, was unterirdisch an den Wurzeln des Topinambur gebildet wird. Im Laufe des Sommers formen sich ovale bis kegelförmige Rhizomknollen, die im Innen weiß und äußerlich bräunlich bis tiefrot sein können. An den Spitzen der unregelmäßig geformten Rhizomknollen sitzen Knospen für die Triebe im nächsten Jahr. Topinambur vermehrt sich also selbst vegetativ durch die Rhizome. Der Geschmack dieser Knollen ist aromatisch, erdig und ein wenig nussig, wird aber auch oft als artischocken-ähnlich beschrieben. Dies hat der Knolle den Beinamen Erdartischocke eingebracht. Es gibt eine große Bandbreite an Topinambur-Sorten, die sich in Blühfreudigkeit, Wuchshöhe, Standfestigkeit, Ertrag und Farbe der Rhizomknollen unterscheiden.

Topinambur-Knollen aufgeschnitten
Topinambur-Sorten besitzen verschieden gefärbte Schalen, im Inneren sind alle weiß [Foto: Chatham172/ Shutterstock.com]

Topinambur wird heutzutage auch zur Fruchtzuckerherstellung, als Energiepflanze zur Gewinnung von Biotreibstoffen und als Futterpflanze verwendet. Lediglich aus der Zuckerrübe lässt sich mehr Biomasse pro Hektar für die Produktion von Bioethanol gewinnen. Topinambur kann als nachwachsender Rohstoff auch zu Hackschnitzel verarbeitet und in einer Pelletheizung verheizt werden. Der Energiegehalt des Ertrags eines Hektars Topinambur entspricht hier über 6000 Liter Heizöl. Topinambur ist somit eine Hochleistungspflanze in allen Bereichen, von der Ernährung bis hin zur Energiegewinnung.

Hinweis zur Giftigkeit: Topinambur ist nicht giftig, die Blätter werden mit Vorliebe von Tieren wie Kaninchen gefressen. Die Rhizomknollen können übrigens auch roh gegessen werden.

Verwechslungsgefahr: Topinambur-ähnliche Pflanzen

Topinambur kann äußerlich mit einigen seiner Verwandten verwechselt werden. Wirft man allerdings einen Blick in den Boden, so besitzt nur Topinambur die gewünschten, schmackhaften Knollen. Eine Verwechslung ist so eigentlich unmöglich. Dem Topinambur ähnliche Pflanzen sind das Sonnenauge (Heliopsis sp.) oder die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum), die mittlerweile auf vielen Äckern zur Biogaserzeugung angebaut wird.

Topinambur pflegen: Schneiden, düngen & Co.

Topinambur wächst auf nahezu allen Bodenarten, bevorzugt jedoch sandige und humose Lehmböden. Der Wasserbedarf der Jerusalem-Artischocke ist sehr hoch, allein wegen der großen Biomasse, die gebildet wird. Die Böden sollten gut Feuchtigkeit speichern und bei Bedarf abgeben können, Staunässe sollte jedoch unbedingt vermieden werden. Topinambur verträgt volle Sonne und heiße Tage sehr gut, vorausgesetzt, es gibt genügend Wasser.

Nachdem die Knollen zwischen Ende März und Mitte Mai in den Boden gesetzt wurden, beginnen die ersten Triebe rasch zu schießen. In trockenen Jahren sollte zu Beginn regelmäßig gewässert werden, so baut der Topinambur schnell die notwendige Wurzelmasse auf. Besonders auf kargen Böden kann der Ertrag durch regelmäßiges Düngen gesteigert werden. Unser Plantura Bio-Tomatendünger besitzt mit seinem erhöhten Kaliumgehalt eine optimale Zusammensetzung für das Knollenwachstum des Topinambur. Zu hohe Stickstoffgaben, beispielsweise durch frischen Mist, fördern stattdessen das Triebwachstum, die Knollen bleiben kleiner und die Lagerfähigkeit lässt nach. Während Pflanzung und zwei Monate danach gibt man das Düngegranulat zu den Topinambur-Pflanzen und arbeitet es oberflächlich ein.

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Soll der Topinambur als Futter verwendet werden, so kann man einmal im Sommer und einmal im Herbst die Triebe abschneiden und verfüttern. Möchte man die Knollen ernten, lässt man die Pflanze einfach in Ruhe wachsen. In windigen Lagen sollte die hohe, aber nicht sonderlich standfeste Staude an einem kräftigen Pflock angebunden werden.

Häufige Schädlinge und Krankheiten von Topinambur

Auf eine Schädlings- und Krankheitsbekämpfung kann man bei einem Anbau im eigenen Garten verzichten. Topinambur ist sehr robust und widerstandsfähig. In feuchten, kühlen Jahren kann ein zu vernachlässigender Befall des Echten Mehltau auftreten. Als Schädling ist nur die Wühlmaus bekannt, die in den Knollen eine Delikatesse auf Augenhöhe vorfindet und sich die gesamte Ernte einverleiben kann. Wird Topinambur jahrelang auf derselben Fläche angebaut, so kann es zu Fäulnis an der Triebbasis durch Sklerotinia kommen. Da dieser Pilz im Boden überdauert, sollte man befallene Pflanzen entsorgen und im nächsten Jahr dringend die Fläche wechseln.

Topinambur überwintern

Topinambur kann mehrere Jahre, bei guter Pflege sogar bis zu 20 Jahre lang, im Boden bleiben und jeden Frühling wieder frisch austreiben und neue Knollen bilden. Hierfür gräbt man im Herbst nur einen Teil der Rhizomknollen aus und belässt den Rest im Boden. Den Winter über ruhen die Topinambur-Knollen, überwintern und treiben zuverlässig im nächsten Frühjahr wieder aus.

Vermehrung von Topinambur

Topinambur kann man, wie die Kartoffel, über die Knollen vermehren. Diese Art der Vermehrung ist nicht nur sehr einfach, eine einmal gekaufte Sorte kann so selbst vermehrt und erhalten werden. Die im Herbst geernteten Knollen werden den Winter über eingelagert und im nächsten Frühjahr an einen neuen Standort gesetzt. Lediglich in der Züchtung neuer Sorten werden Samen erzeugt und ausgesät. Natürlicherweise reifen die Samen in unseren Breiten meist gar nicht erst aus – hier ist es nicht lange genug warm. Die Vermehrung von Topinambur über die Knollen ist daher in der Regel auch der einzige praktikable Weg.

Hoher Topinambur-Strauch mit Blüten
Im Hausgarten kann Topinambur ohne Kontrolle zu einer wuchernden Plage werden [Foto: Grandpa/ Shutterstock.com]

Hinweis Topinambur entfernen: Topinambur kann zu einer echten Plage werden, da er oft wuchert und kräftige Triebe aus allen im Boden verbliebenen Knollen bildet. Hier muss man tiefgründig umgraben und möglichst alle Rhizomknollen entfernen, um die Ausbreitung zu verhindern. Topinambur gänzlich aus dem Garten zu entfernen ist nur mit sehr viel Mühe und regelmäßigem Umgraben und Ausbuddeln der Knollen möglich.

Topinambur ernten und lagern

Die riesigen Pflanzen lassen im Sommer einen reichen Ertrag vermuten, doch wann erntet und wie lagert man Topinambur richtig? Hier gilt es einige Punkte zu beachten. Wir haben die wesentlichen Schritte für Sie zusammengefasst.

Topinambur ernten

Sobald bei der Topinambur-Pflanze die Blätter abfallen und die Stängel trocken werden, beginnt die Erntezeit. Dies ist bei uns meistens ab Ende Oktober bis November der Fall. Nun ist auch Saison für die nur kurzzeitig angebotenen Topinambur-Knollen auf dem Gemüsemarkt. Wie bei der Kartoffelernte sticht man mit einem Spaten die Erde um die Pflanze herum großzügig ab und hebt sie mitsamt den Knollen aus. Neben den klassischen Werkzeugen gibt es auch sogenannte Kartoffel-Schaufeln oder Grabgabeln, mit denen die Erde besonders leicht von den Knollen abgeschüttelt werden kann. Lösen sich die einzelnen Knollen bereits von den Wurzeln ab, sind sie wirklich erntereif und dann auch am längsten lagerfähig. Geerntet werden kann grundsätzlich den ganzen Winter über bis zum März, bevor die Knollen erneut austreiben.

Ernte von Topinambur-Knollen
Die Knollen sitzen rund um die Topinambur-Pflanze in der Erde [Foto: iMarzi/ Shutterstock.com]

Lagerung von Topinambur

Die Schale von Topinambur ist recht dünn, weshalb die Knollen sich nur ein bis zwei Wochen im Kühlschrank lagern lassen. Die beste Lagerung erfolgt eingeschlagen in feuchten Sand im kühlen Keller. So werden auch die Pflanzknollen für das nächste Jahr überwintert, wenn sie nicht ohnehin im Boden bleiben. Im Gegensatz zu Kartoffeln ist Topinambur sehr winterhart und kann bis zum Neuaustrieb im März als Wintergemüse durchgehend geerntet werden. Nur der Boden sollte nicht gefroren sein, denn so gestaltet sich die Ernte sehr schwierig und die Knollen werden schnell verletzt. Alternativ können Sie die geernteten Topinambur-Knollen auch einfrieren, sie halten sich so etwa ein Jahr lang.

Ist Topinambur gesund?

Topinambur ist ein äußerst gesundes Gemüse, welches neben sättigenden Kohlenhydraten auch jede Menge Vitamine und Mineralstoffe enthält. Besonders Diabetiker profitieren vom enthaltenen Inulin, einem Kohlenhydrat-Typ, welcher den Blutzuckerspiegel nicht steigen lässt.

Inhaltsstoffe und Verwendung von Topinambur in der Küche

Die Topinambur-Knollen bestehen zu ca. 3 % aus Eiweißen und zu etwa 16 % aus Kohlenhydraten, wovon die Hälfte Inulin ist. Unser Magen behandelt das Inulin wie Ballaststoffe, die die Verdauung positiv beeinflussen, aber nicht den Blutzuckerspiegel in die Höhe treiben. Mit einem Brennwert von 30 kcal pro 100 g besitzt Topinambur im Vergleich zu Kartoffeln weniger als die Hälfte an Kalorien. Neben den Vitaminen A, B1 und B2 bietet die gesunde Topinambur-Knolle viele Nährstoffe, wie Kalium und Eisen, in hoher Konzentration.

Topinambur kann roh gegessen werden und schmeckt angenehm nussig. Allerdings wird die Knolle meistens gekocht oder gegart zubereitet und findet so Verwendung in diversen Gerichten. Ein Klassiker der alten Küche ist eine Suppe aus Topinambur. Als Ofengemüse kann das Knollengemüse mit etwas Öl, Senf, Currypulver, Salz und Pfeffer zubereitet werden. Schälen muss man Topinambur übrigens nicht, die Knollen werden nur mit etwas Wasser und einer Pilzbürste gereinigt. In hauchdünnen Scheiben wird der Topinambur getrocknet und als Chips gegessen. Im Spezialhandel gibt es zudem Topinambur-Sirup mit hohem Fruchtzuckergehalt. Einige Spezialisten gewinnen aus den Knollen sogar Schnaps oder einen Branntwein, den sogenannten „Topinambur“ oder „Rossler“.

Topinambursuppe
Eine Suppe aus Topinambur ist ein klassisches Gericht [Foto: Dani Vincek/ Shutterstock.com]

Die Kultur des Knollengemüses beginnt im Mai mit dem Pflanzen von Topinambur. In unserem Spezialartikel finden Sie hilfreiche Tipps für den Anbau im eigenen Garten.

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