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Vegetative Vermehrung & Stecklinge: Definition und Beispiele

Die Produktion von Klonen gehört in der Pflanzenwelt zum Alltag. Auch für den Hobbygärtner können sogenannte vegetative Vermehrungen das Leben erleichtern.

Stecklinge in Töpfen von oben

Viele kleine Stecklinge, die auf ihren großen Tag warten [Foto: iStock.com/gece33]

Die vegetative Vermehrung ist auch als „ungeschlechtliche“ oder „asexuelle“ Vermehrung bekannt. Es findet eine Fortpflanzung der pflanzlichen Lebewesen ohne die in Folge einer Befruchtung entstehenden Samen statt. Bei der gewöhnlichen Fortpflanzung von blühenden Pflanzen über Samen – auch als generative, geschlechtliche oder sexuelle Vermehrung bezeichnet – trifft ein männlicher Pollen auf eine weibliche Eizelle. Sind diese beiden Komponenten miteinander kompatibel, kann es zur Befruchtung kommen und aus dem entstandenen Samen wächst gegebenenfalls eine Pflanze empor. Bei der vegetativen Vermehrung hingegen entsteht eine neue Pflanze ausschließlich aus sich teilenden Zellen der Mutterpflanze: Ganz ohne Blüte, Befruchtung und Ausbildung eines Samens. Folglich ist das genetische Material des Nachkommens identisch mit dem der Mutterpflanze. Durch die vegetative Vermehrung entstehen also Klone. Was für tierische Organismen als absolutes Tabu eingestuft wird, vollziehen die Pflanzen sogar in der Natur. Bestimmte Arten haben spezifische Mechanismen entwickelt, mit denen sie sich vegetativ vermehren können und nicht mehr durch die Ausbildung von Samen ihre Nachkommenschaft sicherstellen müssen.

Vegetative Vermehrung bei Pflanzen

Für den Gärtner ist dies in vielerlei Hinsicht von großem Vorteil. So kann er oder sie mit Hilfe vegetativer Vermehrungsformen gezielt eine Pflanze mit besonderen Eigenschaften klonen und vervielfältigen. Es dauert auch meistens wesentlich kürzer, bis vegetativ vermehrte Pflanzen beispielsweise blühen oder Früchte tragen als bei über Samen vermehrten Pflanzen. Und bilden die bestimmten Pflanzen keine Samen aus oder keimen diese nur sehr behäbig, so bietet die vegetative Vermehrung einen einfachen und schnellen Weg, dieses Problem zu umgehen.

Doch in der gartenbaulichen Produktion greift man meist nur auf diese Form der Vermehrung zurück, wenn es absolut nicht über die geschlechtliche Vermehrung durch Aussaat funktioniert. Die ungeschlechtliche Vermehrung von Pflanzen bedeutet für den Gärtner nämlich meist deutlich höhere Kosten, als wenn die Pflanze über Samen vermehrt wird.

Vegetative Vermehrung: Beispiele

Es gibt viele verschiedene Formen der vegetativen Vermehrung. Nicht jede Pflanze kann auf jede beliebige Art und Weise vegetativ vermehrt werden. Und nicht alle Formen treten auch in der Natur auf, denn manchmal macht sich der Mensch die pflanzlichen Fähigkeiten zu Nutze und zwingt sie dazu, sich zu klonen. Deshalb folgt ein kleiner Überblick über Beispiele der vegetativen Vermehrung und wann die verschiedenen Formen auftreten:

  • Ableger und Absenker

Hier werden einzelne Triebe in Richtung Erden heruntergebunden und entweder vollkommen in der Erde versenkt (Ableger) oder nur an einer Stelle mit der Erde in Kontakt gebracht, sodass die Triebspitze aufrecht aus der Erde herausschaut (Absenker). An der Stelle des Triebes, die mit dem Boden Kontakt hat, bilden sich Wurzeln aus. Im Falle des Absenkers führt dies zu einer eigenständigen Pflanze. Ableger treiben zunächst noch aus, Triebe schießen aus der Erde und mehrere eigenständige Pflanzen können aus einem abgelegten Trieb entstehen.
Beispiel: Haselnüsse

  • Abmoosen

Ein Trieb einer Pflanze wird gezielt verletzt. An entsprechender Stelle wird feuchtes Moos in Frischhaltefolie umwickelt. Es bilden sich darauf Wurzeln an der verletzten Stelle und nach einiger Zeit kann der Trieb unterhalb der neu gebildeten Wurzeln abgetrennt werden. Der Trieb ist nun in der Lage, sich selbst zu ernähren und als eigenständige Pflanze zu leben.
Beispiel: Als Alternative zur Stecklingsvermehrung, wenn die Triebe allzu verholzt sind.

  • Ausläufer/Kindel

Ausläufer werden auch Stolonen genannt. Von der Mutterpflanze ausgehend entwickeln sich Seitensprosse. Diese enden in einer eigenständigen Pflanze, die ebenfalls Wurzeln schlägt. Die Seitensprosse können dabei ober- oder unterirdisch verlaufen.
Beispiel: Erdbeere (oberirdisch)

  • Knollen und Zwiebeln

Knollen sind verdickte Pflanzenorgane wie Wurzeln oder unterirdische Sprosse. Einerseits dienen sie zur Speicherung wichtiger Stoffe und andererseits kann aus jeder einzelnen Knolle eine Pflanze entstehen. Selbiges gilt für Zwiebeln. Botanisch gesehen ist diese ein gestauchter Spross mit verdickten, niedrigen Blättern. Die meisten Zwiebelgewächse bilden von ganz allein sogenannte Tochterzwiebeln, die zu eigenständigen Pflanzen heranwachsen können.
Beispiel: Kartoffel (Knolle), Küchenzwiebel (Zwiebel)

  • In-vitro Vermehrung

Die sogenannte In-vitro Vermehrung wird oftmals in der Biotechnologie in spezialisierten Betrieben verwendet. Dabei werden aus jungen, besonders teilungsaktiven Zellen oder anderen Geweben Pflanzen herangezogen. „In-vitro“ bedeutet „im Glas“ und beschreibt das Verfahren der Anzucht der Pflanzen aus den kleinen Pflanzenteilen. Diese werden auf bestimmten Substraten, die jegliche Stoffe zur Entwicklung enthalten, in einem klimatisierten Raum mit genau definierten Bedingungen herangezogen. Diese Methode ist zwar äußerst erfolgversprechend, für den Hobby-Gärtner jedoch leider deutlich zu aufwendig.
Sind die genauen Bedingungen, die eine Art in der In-vitro Kultur benötigt, bekannt so kann jede beliebige Art über diese Methode vermehrt werden.

  • Rhizomteilung

Manch Pflanzen bilden sogenannte Rhizome aus. Das sind unterirdische Sprossachsen. Häufig werden die Rhizome mit Wurzeln verwendet. Da die unterirdischen Sprosse auch Knospen besitzen, aus denen Triebe entstehen können, ist es möglich, das Rhizom einer Pflanze zu teilen und daraus mehrere neue aber identische Pflanzen entstehen zu lassen.
Beispiel: Himbeeren

  • Stecklinge

Einzelne Blätter, Spitzen von Trieben oder auch Teile der Sprossachse können von einer Pflanze entnommen werden. In Substrat gesteckt, entwickeln sich dann zum Teil eigenständige Pflanzen aus diesen Stecklingen. Auch hier gilt: Nicht jede Stecklingsmethode funktioniert für jede Pflanze. Stecklinge stellen die wichtigste vegetative Vermehrungsform dar: Ist eine Mutterpflanze vorhanden, kann diese oftmals einfach, relativ schnell und erfolgversprechend durch Stecklinge vermehrt werden.
Beispiele: diverse Kräuter

  • Veredelung

Auch die sogenannte Veredelung ist eine Art und Weise der ungeschlechtlichen Vermehrung. Die Veredelung ist wiederum selbst in verschiedene Formen unterteilt. Allgemein wird ein Teil einer begehrten Pflanze, die jedoch nicht gut über andere Arten der Vermehrung zu erhalten ist, auf eine sogenannte Unterlage veredelt. Unterlagen sind meist einfach durch Samen aufzuziehen oder über Stecklinge zu vermehren. Ein weiterer Vorteil der Unterlagen kann in bestimmten Wuchseigenschaften oder Krankheitsresistenzen liegen, welche die begehrte zu veredelnde Sorte nicht vorweisen kann. Die Pflanzenteile, welche auf die Unterlage veredelt werden, sind beispielsweise Triebteilstücke (Pfropfung) oder nur einzelne Knospen, die in die Rinde der Unterlage eingepflanzt werden (Okulation).
Beispiele: Obstgehölze, Gurken, Tomaten

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Es gibt noch weitere Formen der vegetativen Vermehrung, die je nach Pflanzenart vorgenommen werden können. Am wichtigsten für das Gärtnern im eigenen Garten ist jedoch zweifelsohne die Vermehrung über Stecklinge. Im Folgenden nehmen wir diese asexuelle Vermehrung nun etwas genauer unter die Lupe.

Vegetative Vermehrung – Pflanzen programmieren sich selbst

Dass aus abgeschnittenen Pflanzenteilen einfach neue, eigenständige Pflanzen entstehen können, ist eine große Besonderheit in der Natur. Es ist möglich, da die Pflanzen in der Lage sind, Zellen sozusagen umzuprogrammieren. Egal welche Funktion sie zuvor hatte, ob die Zelle zu Blatt, Spross oder Wurzel gehörte, sie kann ihre Funktion vergessen und Bestandteil eines, neuen, völlig anderen Gewebes werden.

Bei der Stecklingsvermehrung ist dies daran zu sehen, dass aus dem Spross plötzlich neue Wurzeln wachsen, obwohl dort keinerlei Zellen präsent sind, die auch nur annähernd irgendetwas mit Wurzeln zu tun haben. Dieses Phänomen ist auch als die „Totipotenz“ lebender Pflanzenzellen bekannt. Umso jünger die Zellen sind, desto besser funktioniert in der Regel dieses Umprogrammieren pflanzlicher Zellen.

Grundlage zum Regrowing von Gemüse

Die vegetative Vermehrung ist somit auch die Grundlage des Regrowens – also des Nachwachsenlassens – von Gemüseresten. So kann beispielsweise ganz leicht vom Knoblauch eine Zehe entnommen und in die Erde gedrückt werden. Mit etwas Zeit wird dann eine neue Knoblauchzwiebel heranwachsen. Aber auch die Kräuter von der Fensterbank in der Küche können so mit etwas Geschick selbst nachproduziert und der würzige Nachschub so sichergestellt werden.

Die Perfektion des Nachwachsens von Gemüseresten ist erreicht, wenn die abgeschnittenen oberen Pflanzenteile von Ananas oder Kohlrabi recycelt werden. Diese Teile des Sprosses können statt in die Biotonne zu wandern, ebenfalls einfach in Substrat gesteckt werden. Wird dieses gut und gleichmäßig feucht gehalten, bilden sich nach einiger Zeit Wurzeln aus der Schnittfläche im Substrat und eine neue Pflanze wächst empor. Gleiches geht auch mit Salaten. Wird der untere, nicht wirklich genießbare Teil des Salatkopfes in ein gut feuchtes Substrat gesteckt, entwickelt sich ein weiterer Salatkopf daraus.

regrow Ananas reife Ananas, wachsende Ananas und mini ananas

Ananas-Regrow: Probieren Sie’s einfach mal aus!

Grundsätzlich ist allerdings darauf zu achten, dass man das Material zur vegetativen Vermehrung nicht allzu lang ungeachtet in der Ecke liegen lässt. Umso länger die Lagerung, desto mehr Energie wird abgebaut und steht nicht mehr für die Entwicklung einer neuen Tochterpflanze zur Verfügung. Irgendwann ist das Gewebe nicht mehr vital genug, um sich zu regenerieren und zu einer erfolgreichen asexuellen Vermehrung zu führen.

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