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Wermutkraut: Heilsames Bitterkraut aus dem eigenen Garten

Jeder kennt das Getränk, aber das eigentliche Wermutkraut ist eher unbekannt. Hier erfahren Sie alles zu Anbau, Pflege und Ernte des bitteren Heilkrauts.

Blätter des Wermutkrauts von oben

Das Wermutkraut ist mehr als nur eine hübsche Zierpflanze [Foto: giedre vaitekune/ Shutterstock.com]

Früher als begehrte Heilpflanze und heute eher als hübsche Zierpflanze bekannt, kann man den Wermut (Artemisia absithium) im Hausgarten heute kaum noch antreffen. Auf seinem Weg zurück in die Beete zeigen wir Ihnen, was man bei der Pflanzung, der Pflege und der Nutzung dieser vielfältigen Pflanze beachten sollte.

Wermutkraut: Herkunft und Eigenschaften

Der Wermut ist vor allem durch seine Verwendung in der Herstellung von Absinth bekannt, eine Spirituose, welche im Wesentlichen aus Anis (Pimpinella anisum), Fenchel (Foeniculum vulgare), Melisse (Melissa officinalis) und eben Wermutkraut besteht. Botanisch gesehen gehört Artemisia absinthium zur Familie der Korbblütler (Asteraceen) und ist eng verwandt mit Beifuß (Artemisia vulgaris) und der Eberraute (Artemisia abrotanum). Der Wermut ist in den trockeneren Gebieten Europas, Nordasiens sowie Nordafrikas heimisch. Das eher unscheinbare Gewächs mit den mattgrünen und silbrig grau gefiederten Blättern kann eine Höhe von bis zu einem Meter erreichen und bildet ab Juli kleine gelbe Blüten an Rispen aus. In der kalten Jahreszeit zeigt die mehrjährige Pflanze sich wintergrün und ausdauernd. Über die Jahre bildet sich ein Horst aus und der Wermut erreicht strauchartige Ausmaße. Heutzutage ist Wermutkraut meist als heimische Zierpflanze in den Beeten zu finden, es besitzt aber auch wertvolle Eigenschaften als Heilpflanze.

Blüten des Wermutkrauts

Das strauchartige Wermutkraut trägt ab Juli kleine gelbe Blüten [Foto: Inga Gedrovicha/ Shutterstock.com]

Wermutkraut-Sorten

Wermut-Sorten gibt es nur sehr wenige, da die Pflanze kaum züchterisch bearbeitet wurde. Im Handel findet man hauptsächlich den gelbblühenden Echten Wermut ohne weitere Sortenangabe. In den letzten Jahren sind folgende zwei Sorten aus dem wilden Echten Wermut selektiert worden.

  • Lambrook Silver erreicht eine Wuchshöhe von 100 cm und blüht von Juli bis September weiß. Das Laub ist türkisgrün mit silbernem Schimmer und fein gefiedert.
  • Lambrook Mist wächst als kompakte Pflanze bis zu 80 cm hoch und nimmt mit den Jahren nicht so viel Platz ein. Die Blüten sind silbrig-gelb gefärbt, das Laub fein gefiedert.

Wermutkraut kaufen: Darauf ist zu achten

Das Saatgut von Artemisia absinthium können Sie in den meisten Baumärkten und Gartencentern erwerben, es besitzt meist eine gute Keimfähigkeit. Auch die Jungpflanzen des Echten Wermuts werden ab dem Frühjahr zu relativ niedrigen Preisen in den meisten Pflanzenmärkten angeboten. Auf eine gute Wurzelentwicklung und makellose, unbeschädigte und vor allem mehltaufreie silbergraue Blätter sollten Sie hierbei achten. Die oben beschriebenen Sorten können beispielsweise von der Staudengärtnerei Gaißmayer, von Stauden Stade oder von der Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin bezogen werden.

Wermutkraut pflanzen: Standort und Vorgehen

Die Pflanzung des anspruchslosen Wermuts ist relativ einfach. Wo genau sich die Heilpflanze am wohlsten fühlt, erfahren Sie in den folgenden Zeilen.

Wermutkraut im Beet

Der Echte Wermut bevorzugt lehmig-sandige und tendenziell kalkige, durchlässige Böden in sonniger Lage. Auf nährstoffärmeren Böden wie in Steingärten oder Steppenanlagen fühlt er sich besonders wohl und kann zu einem buschigen Horst heranwachsen. Wermut ist allerdings ein Einzelgänger, andere Pflanzen sollten daher auf genügend Abstand (etwa 45 cm) gehalten werden, da er deren Wachstum hemmen kann. Zur Pflanzung genügt eine gemäßigte Düngergabe mit organischem Langzeitdünger. Dafür eignet sich beispielsweise unser Plantura Bio-Universaldünger bestens.

Wermutkraut im Topf mit Plantura Bio-Universaldünger

Unser Plantura Bio-Universaldünger sichert eine ausreichende Nährstoffzugabe

Wermutkraut im Topf

Wermut kann auch einzeln im Topf gehalten werden. Steht er regengeschützt, verringert sich zudem die Gefahr von Mehltaubefall deutlich. Als Substrat eignet sich hierfür nährstoffarme und durchlässige Kräutererde. Als Topfkultur sollte der Wermut im Winter allerdings frostgeschützt im Haus überwintern, denn hier besteht weniger die Gefahr, dass das Substrat komplett durchfriert und die Wurzeln Schaden nehmen.

Wermutkraut vermehren

Zur Vermehrung des Wermuts gibt es mehrere Möglichkeiten. Neben der Aussaat können gut entwickelte Pflanzen auch durch die Horstteilung oder über Stecklinge vermehrt werden. Wie diese Methoden genau funktionieren, erklären wir Ihnen nun.

Wermut teilen

Die einfachste Art der Vermehrung ist die Horstteilung im Frühjahr, wobei der vorhandene Stock mit einem Spaten in beliebig große Stücke geteilt und direkt versetzt werden kann. Wenn Wermut blühfaul wird, ist das Teilen außerdem eine gute Methode, um ihn zu verjüngen.

Wermut durch Stecklinge vermehren

Wermut kann jedoch ebenso mit Stecklingen vermehrt werden. Hierzu schneidet man im Sommer mit einem scharfen Messer die unverholzten Triebe ab und entfernt die Blätter bis auf die Spitze. Anschließend lässt man die Stecklinge in sandigem und durchgehend feuchtem Substrat wurzeln. Wichtig ist hierbei die hohe Luftfeuchtigkeit, da Stecklinge ohne Wurzeln kein Wasser aufnehmen können, durch die Blätter aber verlieren. Eine sogenannte „gespannte Atmosphäre“ mit hoher Wassersättigung der Luft können Sie durch die Abdeckung mit durchsichtiger Plastikhaube erzeugen. Nach einigen Wochen können die kleinen, bewurzelten Klone der Mutterpflanze ausgepflanzt werden.

Blätter des Wemutkrauts von der Seite

Zur Stecklingsvermehrung müssen die Blätter an solchen unverholzten Trieben entfernt werden [Foto: HelloRF Zcool/ Shutterstock.com]

Wermut durch Aussaat vermehren

Von Februar bis Juli kann Wermutkraut auch in Schalen ausgesät werden. Hierzu müssen Sie die braunen, länglichen Samen auf angefeuchtete, nährstoffarme Anzuchterde ausbringen und andrücken, damit Kontakt zum Substrat besteht. Die Samen sind Lichtkeimer und dürfen daher nicht mit Erde bedeckt werden. Die Anzuchtgefäße werden dann an einen hellen Ort ohne direkte Sonnenstrahlung gestellt und regelmäßig feucht gehalten. Eine durchsichtige Abdeckung aus Plastik erhöht die Luftfeuchte im Inneren und erleichtert so das Keimen der Samen. Bei 10 bis 18 °C und nach etwa zwei bis drei Wochen erfolgt dann die Keimung. Ab einer Größe von etwa 5 cm können die Pflänzchen pikiert werden.

Wermutkraut pflegen

Insgesamt ist das Wermutkraut eine anspruchslose Pflanze, doch auch sie freut sich über Aufmerksamkeit in puncto Pflege.

Wermutkraut gießen

Außer in ausgedehnten Dürreperioden muss Wermut nicht gegossen werden, da die Pflanze naturgemäß einen geringen Wasserbedarf hat. Staunässe und übermäßige Feuchtigkeit im Substrat sollte man bei dieser trockentoleranten Pflanze aber unbedingt vermeiden.

Wermutkraut düngen

Auch bezüglich des Nährstoffbedarfs ist das Kraut äußerst genügsam, zur Pflanzung reicht ihm eine Kompostgabe über das ganze Jahr hinweg. Regelmäßige Mulchgaben, wie zum Beispiel mit Rasenschnitt oder Laub, genügen dem Wermut als Nährstoffversorgung nach der Zersetzung der organischen Masse. Alternativ sichert eine kleine Ration an reifer Komposterde oder unseres organischen Plantura Bio-Universaldüngers im Frühjahr zum Austrieb den Bedarf. Zur Nachdüngung dann einfach 30 bis 50 g/m2 Granulat um die Pflanze herum oberflächlich einarbeiten und leicht angießen.

Wermutkraut im Topf mit Floragard Kräutererde

Das Wermutkraut ist sehr genügsam: Ein wenig Erde oder Dünger sichert den Bedarf an Nährstoffen (Anzeige: Herzlichen Dank an Floragard)

Wermutkraut schneiden

Ein Rückschnitt im Frühjahr oder Herbst fördert die Erneuerung der Triebe, die Verzweigung und Verjüngung des Krauts. Auch zur Eindämmung der Verbreitung ist das Schneiden empfehlenswert. Zur Verwendung als Heilpflanze können zudem frische, noch unverholzte Triebe kontinuierlich geschnitten werden. Den höchsten Wirkstoffgehalt erreichen Sie jedoch, wenn Sie die Pflanze zur Blüte stutzen.

Wermutkraut: Pflanzenschutz

Da Wermut Gerb- und Bitterstoffe enthält, wird er kaum von Krankheiten oder Insekten befallen. In feuchten Jahren kommt Mehltau vor, welcher die Pflanze zwar nicht bedroht, jedoch die Vitalität verringert. Mit biologischen Mitteln – wie einer Pflanzenbrühe aus Schachtelhalm (Equisetum arvense) oder Backpulver – kann man die Pilzkrankheit aber in Schach halten. Für die Brühe 300 g frischen oder 30 g getrockneten Schachtelhalm in 10 Liter Wasser 24 Stunden einweichen und anschließend 15 Minuten aufkochen. Im Verhältnis 1:5 mit Wasser verdünnt kann die abgekühlte Brühe mehrfach gegen pilzliche Krankheiten gespritzt werden.

Wermutkraut überwintern

Die Heilpflanze ist wintergrün und frosthart von -20 bis -25 °C und kann daher im Freiland überwintert werden. Etwas Mulch oder Laub sichern dem Wermut auch bei strengeren Temperaturen das Überleben. Im Topf sollte die Pflanze am besten im Wintergarten oder im Haus überwintern oder alternativ gut isoliert mit Luftpolsterfolie und Pflanzenmaterial witterungsgeschützt aufgestellt werden.

Wermutkraut ernten

Wenn das Wermutkraut genügend Biomasse ausgebildet hat, kann die Pflanze regelmäßig beerntet werden. Meist ist dies erst im zweiten Jahr nach der Aussaat der Fall. Die Ernte erfolgt am besten zur Blütezeit von Juni bis September, da hier der Gehalt an Inhaltsstoffen am höchsten ist. Mit einer Gartenschere werden dann gleichermaßen Blätter und Blüten am Stiel geerntet und zum Trocknen ausgelegt oder aufgehängt.

Das Wermutkraut kann getrocknet und später weiterverarbeitet werden [Foto: TwilightArtPictures/ Shutterstock.com]

Wermutkraut lagern und haltbar machen

Das getrocknete Kraut und Blüten kann über lange Zeit in luftdichten Gläsern gelagert und als Gewürz oder zur Teezubereitung verwendet werden. Hierzu entweder die geschnittenen Stängel lose zusammenbinden und draußen witterungsgeschützt aufhängen oder die Blätter und Blüten von den Stängeln abstreifen und locker auf einem Blech oder eine Zeitung ausbreiten. Eine sanfte Trocknung ohne direkte Sonneneinstrahlung konserviert die wertvollen Inhaltsstoffe am besten.

Das frische Kraut wird durch das Einlegen in hochprozentigen Alkohol für lange Zeit konserviert (zur Verwendung von Wermutkraut erfahren Sie unten gleich mehr). In dunklen Fläschchen halten sich die Wirkstoffe besonders lange.

Wirkung und Inhaltsstoffe von Wermutkraut

In den Blättern und Blüten enthält das Wermutkraut ätherisches Öl, welches stark würzig und etwas scharf riecht. Der Geruch vertreibt Motten und Fliegen im Haus sowie Schädlinge im Garten. Allerdings hält er auch Nützlinge wie Regenwürmer und zersetzende Mikroorganismen auf Abstand. Wermutkraut sollte daher nicht auf den Kompost wandern.
Die typischen Bitterstoffe des Wermuts werden zur Verdauungsförderung, bei Völlegefühl und Krämpfen im Magen- und Darmbereich eingesetzt. Da Wermut jedoch in seinem ätherischen Öl das Nervengift Thujon enthält, sollte keine Langzeitverwendung damit erfolgen. Schwangere sollten auf den Verzehr von Wermut komplett verzichten. Die Tagesdosis von 3 g Kraut in Tees oder 50 Tropfen einer Tinktur gelten als unbedenklich. Auch als Gewürz in fettreichen Gerichten ist der Verzehr von Wermut nicht gefährlich, sondern befördert sogar die Arbeit des Magen- und Darmtrakts.

Eine Tasse voll Wermutkrauttee mit Wermutkraut

Eine kleine Menge an Wermutkraut in Tees ist unbedenklich und fördert die Verdauung [Foto: Auhustsinovich/ Shutterstock.com]

Verwendung von Wermutkraut als Tee und Co

Die zahlreichen Verwendungszwecke des Wermuts machen ihn zu einer attraktiven Ergänzung des Hausgartens. Im Folgenden stellen wir Ihnen die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten des Krauts vor.

Wermut als Heilpflanze

Als Heilpflanze wurde Wermut schon in der Antike verwendet, besonders das Kraut in alkoholischen Extrakten oder als Tee. Hildegard von Bingen beschrieb den Wermut und seine Wirkung ausführlich und empfahl ihn bei allerhand Leiden sowohl zur äußerlichen als auch zur inneren Anwendung.
Bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden hat sich der Tee, bestehend aus einem Teelöffel Wermutkraut auf 125 ml kochendem Wasser, bis heute bewährt. Nach 10 Minuten Ziehzeit können Sie vor oder nach dem Essen täglich eine Tasse trinken.
Die alkoholische Tinktur entsteht durch das Einlegen von frischem Wermutkraut und Blüten in Doppelkorn. Nach vier bis sechs Wochen wird das Pflanzenmaterial entfernt und die Tinktur in lichtundurchlässigen Fläschchen aufbewahrt. Bei Verdauungsproblemen wird ein- bis dreimal täglich die Einnahme von 10 bis 50 Tropfen empfohlen.

Die Tinktur aus dem Wermutkraut wird am besten in dunklen Fläschchen aufbewahrt [Foto: Madeleine Steinbach/ Shutterstock.com]

Wermut in alkoholischen Getränken

Wermutkraut dient zudem zur Herstellung von Schnäpsen und Likören für den Genuss und zur Verdauungsförderung. Hierzu wird das frische Kraut mit Doppelkorn, Wodka oder anderen hochprozentigen Alkoholen bis zu sechs Wochen stehen gelassen. Absinth und Martini sind hierbei die wohl bekanntesten Getränke, die mit Wermutkraut hergestellt werden.

Wermut in Jauchen und Brühen

Wermutkraut wirkt außerdem auf viele Insekten abschreckend und kann in Form von wässrigen Brühen gegen Schädlinge und Krankheitserreger verwendet werden. Dazu einfach 300 Gramm frisches oder 30 Gramm getrocknetes Kraut pur oder zusammen mit Rainfarn (Tanacetum vulgare L.) in einem luftdichten Behältnis mit 10 Liter Wasser an einem sonnigen Platz vergären lassen. Gefiltert kann die Brühe gegen Schädlinge wie Ameisen, Blattläuse und Raupen direkt gesprüht werden und wirkt auch bei Befall von Säulchenrost (Cronartium ribicola) an Stachelbeeren (Ribes uva-crispa) und Johannisbeersträuchern (Ribes sp.).

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