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Barbarazweige: Schneiden, Bedeutung & Pflege

Anfang Dezember können Zweige von Obstbäumen geschnitten und ins Warme gestellt werden. An Weihnachten erfreuen die Barbarazweige viele mit ihren Blüten.

blühende Zweige auf dem Fensterbrett
Zu Weihnachten freuen sich viele über blühende Barbarazweige [Foto: SaskiaAcht/ Shutterstock.com]

In vielen Haushalten findet man zu Weihnachten blühende Kirschzweige oder die Zweige anderer Obstbäume und Ziersträucher. Die Tradition der Barbarzweige geht auf den christlichen Glauben zurück. Auch in anderen Kulturen und Religionen gibt es Bräuche, die geschnittene, vorzeitig blühende Triebe oder gar ganze Äste beinhalten. Barbarazweige sind mehr als nur eine nette Dekoration, sie zählen wie auch das Bleigießen oder der Zwiebelkalender zu den sogenannten Orakel-Bräuchen. Was es mit den Barbara-Zweigen auf sich hat und welche Bäume sich für Barbarzweige eignen, erfahren Sie in unserem Artikel.

Barbarazweige: Geschichte und Bedeutung des Brauchs

Die Barbarazweige sind nicht nur ein schöner Anblick im Winter, sondern blicken auf eine lange Tradition zurück. Tatsächlich ist der Brauch der Barbarazweige auf die Geschichte der Heiligen Barbara zurückzuführen: Im Jahre 306 nach Christus soll die Tochter eines reichen Kaufmanns sich heimlich getauft haben lassen und wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Auf dem Weg in die Gefängniszelle ist angeblich an ihrem Gewand ein Zweig hängen geblieben. Die Heilige Barbara stellte den Zweig in ein Gefäß mit Wasser. Am Tag ihrer Hinrichtung soll der unbelaubte Zweig wie durch ein Wunder Blüten getragen haben – die Legende um die Barbarazweige war geboren.

Bis heute wird die Geschichte der Barbarazweige gerne in der Weihnachtszeit erzählt. Mittlerweile haben sich dabei regional verschiedene Mythen und Legenden gebildet. So sollen blühende Barbarazweige an Weihnachten für das kommende Jahr Glück bringen. Außerdem werden die blühenden Zweige in manchen Regionen für Vorhersagen oder als Orakel verwendet – zum Beispiel bei der Auswahl des Bräutigams: Jedem Zweig wird der Name eines Verehrers zugewiesen, der zuerst blühende signalisiert, welcher der Verehrer der Richtige ist. Außerdem wurde die Blütenanzahl früher als Anhaltspunkt für die zu erwartende Ernte genommen. Heutzutage ist es ein beliebter Brauch, die Barbarazweige als Orakel für die Lottozahlen zu nutzen.

blühende Zweige in einer Vase
Barbarazweige haben eine lange Tradition [Foto: Pixel-Shot/ Shutterstock.com]

Barbarazweige: Welcher Baum eignet sich?

Damit es an Weihnachten wirklich blühende Zweige gibt, ist nicht nur der Zeitpunkt des Schnitts entscheidend, sondern auch die Auswahl des richtigen Baums. Doch welcher Baum eignet sich für Barbarazweige? Klassischerweise werden am Barbaratag, dem 4. Dezember, Kirschzweige geschnitten und ins Haus gebracht. Neben blühenden Kirschzweigen zu Weihnachten sind aber auch Barbarazweige vom Apfelbaum sehr beliebt. Es gibt eine ganze Reihe von Bäumen, die als Barbarazweige zu gebrauchen sind.

Tatsächlich eignet sich beinahe jedes Obstgehölz, beispielsweise Birne (Pyrus), Pflaume (Prunus domestica) oder Zwetschge (Prunus domestica subsp. domestica) für Barbarazweige zu Weihnachten. Auch Kastanien (Castanea) und Wildsträucher wie Kornelkirsche (Cornus mas) und Schlehe (Prunus spinosa) sind dafür geeignet. Wer es etwas ausgefallener haben möchte, kann seine Barbarazweige auch im Ziergarten schneiden: Flieder (Syringa vulgaris), Forsythie (Forsythia) und Winterjasmin (Jasminum nudiflorum) eignen sich genauso wie Ginster (Genista), Mandelbäumchen (Prunus dulcis) oder Zierobst.

blühender Forsythien-Zweig
Auch die Forsythie eignet sich als Barbarazweig [Foto: Africa Studio/ Shutterstock.com]

Diese Bäume eignen sich zum Schneiden von Barbarazweigen:

  • Obstbäumen und -gehölze: Kirsche, Apfel, Pflaume, Quitte, Zwetschge, Kornelkirsche, Schlehe
  • Ziergehölze: Zierkirschen, Blutpflaumen, Flieder, Forsythie, Mandelbäumchen, Zierjohannisbeere, Zaubernuss, Zierquitte, Ginster
  • Weitere: Kastanie, Haselnuss

Barbarazweige schneiden: Zeitpunkt und Vorgehen

Damit man sich an Weihnachten über eine üppige Blütenpracht freuen kann, sollten die Zweige rund um den Barbaratag, also am 4. Dezember vom Baum geschnitten werden. Hat man den richtigen Baum gefunden, sollte man auch genau auf die Auswahl des Zweiges achten. Zweige von jungen Bäumen sind oft weniger gut geeignet, da sie manchmal noch keine oder kaum Blüten ausbilden. Besser geeignet sind ältere Bäume in Ihrem Garten, die bereits für ihre Blühfreudigkeit im Frühjahr bekannt sind. Achten Sie bei der Auswahl darauf, einen Zweig mit möglichst vielen dicken und rundlichen Knospen auszuwählen – im Gegensatz zu den eher schlanken Blattknospen treiben aus diesen meist Blüten.

Zweig wird mit einer Gartenschere geschnitten
Wählen Sie einen Zweig mit besonders vielen Knospen aus [Foto: photowind/ Shutterstock.com]

Barbarazweige zum Blühen bringen

Damit die abgeschnitten Zweige auch tatsächlich zu Blühen beginnen, ist es wichtig, dass sie vorher kalte Temperaturen erfahren haben. Die Dormanz kann nämlich nur durchbrochen werden, wenn der Baum eine gewisse Anzahl von Kältestunden mit Temperaturen unter 7 °C erlebt hat. Erst wenn dieses geschehen ist, treiben die Barbarazweige in der warmen Wohnung Blüten. Herrschten bis in den Dezember noch keine kälteren Temperaturen, gibt es einen Trick, um die Barbarazweige trotzdem zum Blühen zu bringen: Frieren Sie die Zweige ein. Bereits eine Nacht in der Kühltruhe kann den Kältereiz vervollständigen. Bei besonders warmen Novembern bietet es sich an, die Zweige für mehrere Tage in den Kühlschrank zu legen, um sicherzustellen, dass die nötigen Kältestunden erreicht werden. In diesem Fall sollten Sie die Barbarazweige allerdings einige Tage früher schneiden und am 4. Dezember aus dem Kühlschrank holen, damit diese passend zu Weihnachten blühen. Bevor man die Barbarazweige in Wasser stellt, ist es notwendig sie unten möglichst schräg anzuschneiden – so wird die Oberfläche für die Wasseraufnahme maximiert. Nach der Kühlphase im Kühlfach oder im Kühlschrank ist es besser, die Zweige für einen weiteren Tag in einem kühlen Raum und nicht im warmen Wohnzimmer aufzustellen. Auf diese Weise wird die Wahrscheinlichkeit einer kräftigen Blüte nochmals gesteigert.

Hat man die Barbarazweige in Wasser gestellt, ist die meiste Arbeit bereits getan. Nur der richtige Standort sollte noch gewählt werden: Zwar brauchen die Barbarazweige nach dem Kältereiz und der kurzen Ruhephase Wärme, um mit der Blüte zu beginnen, ein allzu warmer Raum mit trockener Heizungsluft lässt die Knospen allerdings schnell vertrocknen. Besser geeignet ist daher ein mäßig warmes Zimmer, das regelmäßig gelüftet wird. Um Barbarazweige noch schöner zum Blühen zu bringen, empfiehlt es sich, das Wasser in der Vase regelmäßig mit neuem, möglichst kalkarmem Wasser auszutauschen. Das fördert die Vitalität der Zweige ist somit auch förderlich für die Blütenpracht. Zudem kann man die Barbarazweige täglich mit etwas Wasser besprühen, sodass die Knospen frisch bleiben und nicht von der trockenen Heizungsluft angegriffen werden.

Kirschbaum-Zweig mit Knospen
Mit ein bisschen Pflege fangen die Barbarazweige bald an zu blühen [Foto: Yuliia Chuhai/ Shutterstock.com]

Tipp: Wer sicher sein möchte, dass seine Barbarazweige trotz eines warmen Herbstes tatsächlich blühen, sollte auf Quitten- oder Süßkirschenzweige zurückgreifen. Deren Dormanz wird unter allen Obstsorten durch die wenigsten Kältestunden durchbrochen, sodass diese auch zuverlässig blühen, wenn es nur wenige kalte Tage im Herbst gab. Apfel-, Flieder- und Goldregenzweige brauchen dagegen mehr Kältestunden und gelingen nach einem warmen Herbst deswegen nicht immer.

Barbarazweige zum Blühen bringen auf einen Blick:

  • Wenn noch kein Frost herrschte, gegebenenfalls über Nacht oder für mehrere Tage in den Gefrierschrank/Kühlschrank packen.
  • Zweige in die Vase stellen, vorher möglichst schräg anschneiden.
  • Anschließend für einen weiteren Tag in einem kühlen Raum, zum Beispiel dem Flur aufstellen.
  • Die Zweige in der Vase an einen mäßig warmen Ort in der Wohnung bringen, wo sie bis Weihnachten verbleiben.
  • Wasser regelmäßig (z.B. alle drei Tage) wechseln.
  • Knospen täglich mit Wasser besprühen.

Nicht nur die Barbarazweige versetzen uns im Dezember in weihnachtliche Stimmung. Welche Pflanzen ebenfalls nicht aus der Adventszeit zu denken sind, erfahren Sie in unserem Artikel über die 10 schönsten Weihnachtspflanzen.

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