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Jelängerjelieber: Schneiden, Vermehren & Standort des Gartengeißblatts

Jelängerjelieber ist eine insektenfreundliche, duftende Schlingpflanze. Wie Sie die Kletterpflanze mit dem ungewöhnlichen Namen richtig pflanzen und pflegen, erfahren Sie bei uns.

Jelängerjelieber-Pflanze
Die Kletterpflanze Jelängerjelieber ist eine in Europa vielerorts verwilderte Bienenweide und Vogelnährpflanze [Foto: Jazmine Thomas/ Shutterstock.com]

Das rankende Jelängerjelieber begeistert mit starkem Wuchs und duftenden Blüten. Im Folgenden zeigen wir alles zu den Standortansprüchen, der Pflanzung, Pflege und Vermehrung des Geißblatts.

Jelängerjelieber: Herkunft und Eigenschaften

Das Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium) wird auch als Gartengeißblatt, Echtes Geißblatt oder Wohlriechendes Geißblatt bezeichnet. Die mehrjährige, winterharte Kletterpflanze gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Sie ist in weiten Teilen Europas und Vorderasiens beheimatet und findet sich verwildert in Hecken oder lichten Wäldern.

Die zwischen 3 und 6 m, in Ausnahmefällen 10 m hohe, verholzende Pflanze ist sommergrün, verliert im Winter also ihre Blätter. Mit zunehmendem Alter erreicht die Schlingpflanze eine Breite von 1 bis 3 m. Das Jelängerjelieber zeigt einen starken Wuchs und legt pro Jahr 30 bis 50 cm an Trieblänge zu. Die dunkelgrünen Blätter des Garten-Geißblatts sind gegenständig angeordnet sowie eiförmig-elliptisch und spitz zulaufend geformt. Die obersten Blätter jedes Triebes sind unterhalb der Blütenstände zu einer stielumgreifenden Scheibe zusammengewachsen.

Bis zu zwölf trompetenförmige Einzelblüten bilden zusammen einen endständigen, quirligen Blütenkopf. Die Blüten des Jelängerjeliebers erscheinen zwischen Mai und Juli. Sie sind weiß bis gelb gefärbt und je nach Sorte rot bis pink überlaufen. Besonders in den Abendstunden verströmen die Blüten des Garten-Geißblatts einen starken Duft und locken zahlreiche Nachtfalter und Schwärmer wie das kolibriähnliche Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) an. Tagsüber bedienen sich auch Bienen, Hummeln und andere kurzrüsselige Insekten an den besonders nektarreichen Blüten, indem sie seitlich ein Loch in die lange Blüte stechen. Im Herbst reifen die Samen in erbsengroßen, orangeroten Beerenfrüchten heran. Vögel fressen die für Säugetiere leicht giftigen Geißblattfrüchte und verbreiten die Samen weiter.

Hummel auf Jelängerjelieber-Blume
Hummeln stechen mit ihrem kurzen Rüssel die nektarreiche Jelängerjelieber-Blume an [Foto: mycoweb/ Shutterstock.com]

Die schönsten Jelängerjelieber-Sorten

Die Art Lonicera caprifolium wird zumeist als Urform ohne Sortenangabe verkauft. Es gibt jedoch einige wenige züchterisch bearbeitete Sorten, die wir Ihnen vorstellen möchten.

  • ‘Anna Fletcher’: Früheste Garten-Geißblatt-Sorte mit cremegelben, rosa-orange überlaufenen Knospen ab April bis Mai. Sie kann bis zu 6 m hoch werden.
  • ‘Inga’: Jelängerjelieber-Sorte mit später Blütezeit von Juni bis September. Die gelb-cremeweißen Blüten sind als geschlossene Knospen rötlich überlaufen. ‘Inga’ erreicht Wuchshöhen von 3 bis 5 m.
  • ‘Major’: Mittelspät blühende Sorte mit hellgelb und rot gefärbten, stark duftenden Blüten. Die Blütezeit von ‘Major’ beginnt im Juni.

Tipp: Eine ebenso insekten- und vogelfreundliche, immergrüne Alternative ist die verwandte Art Lonicera henryi mit gelben bis roten Blüten.

blühendes Echtes Geißblatt
Die Jelängerjelieber-Sorte ‘Major’ besticht mit rot-weißer Blütenpracht [Foto: LifeCollectionPhotography/ Shutterstock.com]

Gartengeißblatt pflanzen

Das Gartengeißblatt eignet sich ideal zur Begrünung von Pergolen, Rankgerüsten, Zäunen und Fassaden. Der optimale Standort für das Jelängerjelieber liegt dabei auf durchlässigen, frischen bis feuchten, nährstoffreichen und humosen Böden. Der pH-Wert sollte zwischen dem neutralen und alkalischen Bereich liegen, denn die Schlingpflanze ist kalkliebend. Da die meisten Gartenböden und Pflanzerden einen leicht sauren pH-Wert aufweisen, empfiehlt sich das Ausbringen von Kalk. In hellen, sonnigen bis halbschattigen Lagen fühlt sich das Jelängerjelieber besonders wohl. In Schatten bei geringem Lichtangebot bildet das Gartenheißblatt kaum bis gar keine Blüten.

Die ideale Pflanzzeit für Jelängerjelieber liegt im Herbst oder zeitigen Frühjahr bei frostfreiem Boden. Der Pflanzabstand zwischen zwei Gartengeißblättern für einen dichten Bewuchs liegt bei 50 cm, zu anderen Pflanzen sollte ein Abstand von 100 cm eingehalten werden. Lockern Sie den Boden am künftigen Standort tiefgründig auf und arbeiten Sie bei Bedarf etwas Kompost mit ein. Stark sandige Böden können mit einer hochwertigen Pflanzerde aufgebessert werden, um mehr Feuchtigkeit zu speichern. Heben Sie ein ausreichend großes Pflanzloch aus und setzen Sie den Wurzelballen der Schlingpflanze hinein. Füllen Sie mit Erde auf und drücken Sie das Substrat rundherum an. Wässern Sie anschließend kräftig. Leiten Sie die Triebe des Jelängerjeliebers an die Rankhilfe und winden Sie sie leicht herum, damit sie daran hinaufrankt.

Taubenschwänzchen mit Jelängerjelieber
Das Geißblatt wird vom Taubenschwänzchen gern als Nahrungsquelle angenommen [Foto: Aleksandar Blanusa/ Shutterstock.com]

Das Jelängerjelieber eignet sich gut für die Pflanzung in Töpfen und Balkonkästen. Das Erdvolumen des Pflanzgefäßes sollte mindestens 40 Liter fassen, um die Kletterpflanze darin mehrere Jahre gut kultivieren zu können. Wir empfehlen Ihnen die Verwendung einer hochwertigen Pflanzerde wie unserer torffreien Plantura Bio-Universalerde. Der hohe Gehalt an Kompost speichert Feuchtigkeit und gibt diese bei Bedarf an die Pflanzenwurzeln ab. Um die Wasserspeicherfähigkeit weiter zu erhöhen, kann zusätzlich Bentonit beigemischt werden.

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Jelängerjelieber pflanzen auf einen Blick:

  • Durchlässiger, nährstoffreicher und humoser Boden mit einem neutralen bis alkalischen pH-Wert
  • Sonniger bis halbschattiger Standort
  • Pflanzzeit: Im Herbst oder zeitigen Frühjahr bei frostfreiem Boden
  • Pflanzabstand: 50 cm zwischen zwei Gartengeißblättern, zu anderen Pflanzen 100 cm
  • Boden auflockern und bei Bedarf Kompost einarbeiten; sehr sandige Böden mit Pflanzerde aufbessern
  • Ausreichend großes Pflanzloch ausheben und Wurzelballen hineinsetzen
  • Loch mit Erde auffüllen und leicht andrücken
  • Kräftig wässern und Triebe mit einer Rankhilfe stützen
  • Pflanzung im Topf oder Balkonkasten mit mindestens 40 Liter Volumen und einer hochwertigen Pflanzerde

Jelängerjelieber pflegen: Schneiden, düngen und Co.

Das Gartengeißblatt ist pflegeleicht und an sonnigen Standorten blühfreudig. Blüht das Jelängerjelieber nicht, kann dies – außer am Lichtangebot – auch an Frühjahrstrockenheit oder einer Nährstoffunterversorgung liegen. Bei langanhaltender Trockenheit sollte das Geißblatt regelmäßig gewässert werden. Eine Mulchschicht verringert zusätzlich die Verdunstung und hält den Wurzelbereich der Kletterpflanze kühl und feucht. Um den Nährstoffbedarf der wüchsigen Schlingpflanze zu decken, sollten Sie im Frühjahr Ihr Jelängerjelieber düngen. Ein vorwiegend organischer Langzeitdünger, wie unser Plantura Bio-Universaldünger, eignet sich hierfür ideal. Das Granulat wird rund um die Pflanze oberflächlich eingearbeitet oder einfach unter der Mulchschicht verteilt und die enthaltenen Nährstoffe werden über Wochen und Monate hinweg langsam von Bodenorganismen freigesetzt.

Das Schneiden des Jelängerjeliebers ist nicht zwingend notwendig. Nach der Blüte können die Triebe eingekürzt werden, um eine zweite Blüte im Herbst zu fördern. Mit dem Alter beginnen die Äste von unten an zu verkahlen. Beim Verjüngungsschnitt alle drei bis vier Jahre nehmen Sie daher etwa ein Drittel der ältesten Triebe komplett heraus, um den Neuaustrieb zu fördern. Halten Sie Ihr Jelängerjelieber im Kübel, sollten Sie im Spätherbst an einen isolierenden Winterschutz aus Vlies, Jute oder Nadelbaumzweigen denken. Die Wurzeln sind im Topf wesentlich stärker der Kälte und dem Frost ausgesetzt als im Beet und können leichter Schaden nehmen.

kletternde Jelängerjelieber-Pflanze
Das wüchsige Gartengeißblatt eignet sich ideal zur Begrünung von Gerüsten, Pergolen oder Hauswänden [Foto: Nadzeya Pakhomava/ Shutterstock.com]

Jelängerjelieber vermehren

Das Garten-Geißblatt kann durch Samen, Absenker oder Kopfstecklinge vermehrt werden. Die Samen befinden sich in den giftigen Beeren – tragen Sie bei der Aussaat daher Handschuhe. Die Samen werden vom Fruchtfleisch befreit und etwa 0,5 cm tief in nährstoffarme Anzuchterde gesät und bei 18 bis 20 °C zum Keimen gebracht. Nach etwa vier Wochen erscheinen die ersten zarten Pflänzchen. Sobald sich vier echte Laubblätter gebildet haben, kann das Gartengeißblatt ausgepflanzt werden. Einfacher, schneller und sortenecht gelingt die Vermehrung über Absenker und Stecklinge.

Absenker: Biegen Sie im Herbst einen noch nicht verholzten Trieb nach unten, ritzen Sie die künftige Bewurzelungsstelle mit einem Messer leicht an und bedecken Sie ihn mit Erde, sodass nur noch die Spitze herausschaut. Ein Stein oder Holzstück dient als Gewicht, um den Trieb im Boden zu halten. Haben sich Wurzeln gebildet, kann der Absenker abgeschnitten und umgesetzt werden.

Stecklinge: Stecklinge werden von den weichen, grünen Triebspitzen geschnitten. Sie sollten mindestens drei Knospen besitzen und etwa 10 bis 15 cm lang sein. Entfernen Sie alle Blätter bis auf die Spitze sowie etwaige Blütenknospen. Stecken Sie anschließend das Triebstück in feuchte, zur Hälfte mit Sand und etwas Kalk angereicherte Anzuchterde und lassen Sie es an einem hellen, ca. 20 °C warmen Platz bewurzeln.

Jelängerjelieber-Beeren
Die für Menschen giftigen orangeroten Beeren des Jelängerjeliebers sind bei Vögeln beliebt [Foto: Inna Giliarova/ Shutterstock.com]

Ist das Jelängerjelieber giftig?

Die orangeroten Beerenfrüchte des Gartengeißblatts sind für Menschen und andere Säugetiere leicht giftig. Ein übermäßiger Verzehr kann zu Erbrechen, Krämpfen, Schwindel und anderen Vergiftungserscheinungen führen. Das Jelängerjelieber besaß jedoch immer auch eine Bedeutung in der Medizin, denn die getrockneten Blüten wurden in der Volksheilkunde als wassertreibendes Mittel verabreicht. Grundsätzlich möchten wir vom Verzehr jeglicher Pflanzenteile des Geißblattes allerdings abraten.

Über viele Jahre hinweg begrünen winterharte Kletterpflanzen Hauswände oder Pergolen. Wir stellen Ihnen zehn rankende, ausdauernde Arten für Ihren Garten vor.

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