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Kannenpflanze: Pflege, Blüte & Standort der fleischfressenden Pflanze

Die fleischfressenden Kannenpflanzen aus den Tropen faszinieren uns vor allem durch ihre außergewöhnliche Ernährungsweise. Wir geben Tipps zur Haltung in der Wohnung.

Nepenthes
Die auffälligen Kannen der Nepenthes gehören zum Blatt, das in drei Teile gegliedert ist [Foto: Chantath K/ Shutterstock.com]

Die Kannenpflanze (Nepenthes) nimmt Nährstoffe aus dem Boden, zusätzlich aber auch durch Insekten auf, die in ihren Fallen landen. Auch aus diesem Grund wird sie als Zimmerpflanze immer beliebter. Sie möchten eine fleischfressende Kannenpflanze in ihrer Wohnung halten? Wir geben Ihnen einige Hinweise, wie die Nepenthes auch im Zimmer gedeihen kann.

Kannenpflanze: Blüte, Herkunft und Eigenschaften

Die Kannenpflanze (Nepenthes) ist die einzige Gattung in der Familie der Kannenpflanzengewächse (Nepenthaceae). Bis heute sind über 100 verschiedene Arten bekannt, von denen einige halbstrauchartig wachsen und andere wie Lianen aussehen, die sich mit Ranken an anderen Pflanzen festhalten können. Zudem werden weiterhin neue Arten entdeckt sowie Hybriden gezüchtet, zu denen auch meist unsere robusteren Zimmerpflanzen gehören.
Kannenpflanzen sind in Südostasien beheimatet, einige Arten jedoch auch in Indien, Australien oder Madagaskar heimisch. Die Nepenthes kommt vor allem in den immerfeuchten Tropen vor und kann in den unterschiedlichsten Höhenlagen wachsen. Je nach Vorkommen unterscheidet man dabei zwischen Hoch- und Tieflandarten, die unterschiedliche Temperaturvorlieben haben.
Die Blätter der Nepenthes bestehen aus drei Komponenten: dem blattförmigen Teil, einer daraus entspringenden Ranke, mit der die Pflanze sich auch Halt verschaffen kann, und der Kannenfalle am Ende der Ranke. Die traubenförmig angeordneten Blüten bekommt man bei unseren Zimmerpflanzen eigentlich nie zu sehen.

Kannenpflanze
Der Duft und die Optik der Kannen lockt Beute an [Foto: JTKP/ Shutterstock.com]

Die Nepenthes gehört zu den Karnivoren, also fleischfressenden Pflanzen. Ihre Kannen sind passive Grubenfallen, die ihre Beute durch Duft oder Farben anlocken. Am Rand der Kannen befindet sich Nektar. Lässt sich die Beute nun am Kannenrand nieder, kann sie leicht in die Kanne fallen und an den glatten Wänden nicht mehr hinausklettern. Am Boden befindet sich eine stark saure Flüssigkeit mit einem pH-Wert von 3, in der die Beute zersetzt und verdaut wird. Nach circa drei Monaten stirbt die Kanne ab. Der Deckel der Kanne ist unbeweglich und dient zum Schutz vor Regenwasser, das sonst die Beute aus der Kanne herausspülen oder den Verdauungssaft zu stark verdünnen könnte.

Die schönsten Nepenthes-Arten

Es gibt viele verschiedene Kannenpflanzen-Arten, von denen wir Ihnen hier einige vorstellen. Die im Handel erhältlichen Pflanzen sind allerdings meist robuste Nepenthes-Hybriden, also Pflanzen, die aus verschiedenen Arten durch Kreuzung entstanden.

Kannenpflanzen aus dem wärmeren Tiefland

Diese Arten bevorzugen gleichbleibende, warme Temperaturen zwischen 20 und 35 °C.

  • Nepenthes ampullaria: Diese beliebte Kannenpflanze hat recht kleine, rundliche Kannen. Anders als die meisten ihrer Verwandten nutzt Nepenthes ampullaria neben Insekten auch anderes organisches Material wie Vogelkot zur Nährstoffaufnahme.
  • Nepenthes mirabilis: Diese Art besitzt längliche Kannen und hat ein großes Verbreitungsgebiet. Die Farbe der Kannen kann von Grün über Gelb bis hin zu Rot reichen. Als Tieflandnepenthes bevorzugt sie gleichbleibende, warme Temperaturen.
Kannenpflanze der Sorte Ampullaria
Nepenthes ampullaria mit rundlichen Kannen [Foto: Sopha Changaroon/ Shutterstock.com]

Kannenpflanzen aus dem kälteren Hochland

Diese Arten sind Temperaturschwankungen gewohnt. In der Natur ist es tagsüber meist warm bei rund 25 °C. Nachts sinkt die Temperatur auf 15 bis 10 °C. Die Luftfeuchtigkeit muss mit bis zu 90 % bei den Hochlandarten meistens besonders hoch sein.

  • Nepenthes macfarlanei: Auch diese Nepenthes besticht durch ihre Kannenfärbung. Die gelb-grünen Kannen sind bauchig geformt und meist rot gesprenkelt. Die Hochlandart ist heimisch in Malaysia und kann gut mit Temperaturschwankungen umgehen.
  • Nepenthes aristolochioides: Diese Kannenpflanze ist endemisch in Sumatra und ebenfalls eine Hochlandnepenthes. Die außergewöhnliche Kannenform mit der seitlichen Öffnung macht diese Art besonders beliebt. Sie wurde daher in großem Umfang gesammelt und gilt heute in ihrer Heimat als gefährdet.
Kannenpflanze in Ampeltopf
Kannenpflanzen lassen sich auch gut in Ampeltöpfen halten [Foto: Ging o_o/ Shutterstock.com]

Nepenthes pflanzen: Standort, Erde und Co.

Kannenpflanzen sind in ihrer Haltung etwas eigen, weshalb es einige Standortbedingungen zu beachten gilt. Wird die Nepenthes aber richtig gepflegt, kann sie prächtige Kannen entwickeln, die auch bei der Bekämpfung von Fliegen hilfreich sind.

Die bei uns erwerbbaren Kannenpflanzenhybriden sind meist recht robust und wurden aus Arten der mittleren Höhenstufen gezüchtet. Hier ist häufig eine konstante Temperatur zwischen 20 und 30 °C empfehlenswert. Der Standort der Kannenpflanze sollte hell sein. Auch in ihrer Heimat wächst die Nepenthes meist in lichten Wäldern. Dauerhaft vollsonnige Standorte sollten Sie jedoch meiden, da die Kannen Schaden durch zu hohe Lichtintensität nehmen könnten.

Nepenthes-Blüte
Blüten bilden die Kannenpflanzen in Zimmerhaltung eigentlich nie [Foto: Joko P/ Shutterstock.com]

Von besonderer Bedeutung ist auch die hohe Luftfeuchtigkeit, die je nach Art bis zu 90 % betragen sollte. Auch hier sind die Zimmer-Kannenpflanzen etwas bescheidener und mit einer Luftfeuchtigkeit von etwa 60 % zufrieden. Das Substrat der Nepenthes muss durchlässig und nährstoffarm sein. Um die Erde aufzulockern, kann zum Beispiel ein wenig Blähton untergemischt werden. Zudem sollte das Substrat leicht sauer sein. Aus diesem Grund besitzt Karnivorenerde oft einen hohen Torfanteil. Um Torfnutzung zu vermeiden, gibt es Ansätze, ein Substrat aus Pinienrinde, Perlit und Quarzsand herzustellen. Auch hier ist für einen sauren pH-Wert, gute Belüftung und Mineralstoffe gesorgt.

Ideale Bedingungen für Kannenpflanzen bietet eine Haltung im Gewächshaus oder Terrarium. Dort ist es deutlich einfacher, Temperaturen und Luftfeuchtigkeit im hohen Bereich zu halten. Allerdings sollten im Terrarium nur kleine, kompakte Arten gehalten werden, da es sonst schnell zu eng werden kann. Außerdem sollte das Terrarium unbedingt an einem hellen, aber nicht direkt sonnigen Platz stehen oder es muss mit künstlichen Lichtquellen gearbeitet werden.

Zusammenfassung: Kannenpflanze pflanzen

  • Standort: Hell, ohne direkte Sonne, 20 – 30 °C und hohe Luftfeuchte
  • Substrat: Nährstoffarm, durchlässig und sauer
  • Optimale Bedingungen lassen sich in einem Zimmergewächshaus leichter herstellen
Deckel der Kannenpflanze
Der Kannendeckel dient in der Natur zum Schutz vor Regenwasser [Foto: Teerayuth Mitrsermsarp/ Shutterstock.com]

Kannenpflanzen-Pflege: Die wichtigsten Tipps

Die wahrscheinlich größte Herausforderung bei der Kannenpflanzen-Pflege ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Die Nepenthes sollte regelmäßig mit Regenwasser besprüht werden, im Sommer sogar mehrmals täglich. Dafür kann zum Beispiel ein automatischer Wasserzerstäuber benutzt werden.

Muss man Kannenpflanzen füttern?

Die Nepenthes muss nicht gefüttert werden, da sie alle nötigen Nährstoffe aus ihrem Substrat bezieht. Allerdings spricht nichts dagegen, ab und zu ein Insekt in die Kanne zu geben. Dann sollte allerdings darauf geachtet werden, immer nur ein Insekt zu füttern, damit die Pflanze nicht zu viel auf einmal verdauen muss. Um den Verdauungsprozess zu starten, sollte das Insekt außerdem lebendig sein.

Gießen und düngen

Zum Gießen sollten Sie am besten Regenwasser oder destilliertes Wasser nutzen. Auch abgekochtes Leitungswasser kann zur Not verwendet werden. Das Gießwasser wird dann nicht direkt ins Substrat, sondern in den Untersetzer gegeben. Die Pflanze holt sich das nötige Wasser selbst und die Luftfeuchtigkeit wird zusätzlich erhöht. Das Substrat sollte immer feucht sein, sowohl Austrocknung und Staunässe sollten aber vermieden werden.

Gedüngt werden muss die Kannenpflanze nicht. Sie hat einen eher geringen Nährstoffbedarf, den sie aus ihrem Substrat deckt. Wenn sie weitere Nährelemente benötigt, nutzt sie ihre Fallen und verdaut vor allem Insekten. Sollte die Nepenthes in der Wohnung keinen Zugang zu Insekten haben, kann man dem Substrat zwei bis drei Mal pro Wachstumsperiode ein wenig Flüssigdünger zugeben. Hierfür eignet sich zum Beispiel unser Plantura Bio-Zitrus- & Mediterrandünger, der die Nepenthes unter anderem mit Eisen und Magnesium versorgt, das sie sonst hauptsächlich durch ihre Beutetiere aufnimmt.

Kannenpflanze-Pflege
Dass die Kannen irgendwann braun werden und vertrocknen, ist ganz normal [Foto: mizy/ Shutterstock.com]

Nepenthes überwintern

In der Heimat der Kannenpflanze gibt es keinen kalten Winter, weshalb die Überwinterung der Nepenthes in der Wohnung eigentlich ganz leicht ist. Am besten bleibt sie einfach im warmen Zimmer an einem hellen Platz stehen. Wegen der trockenen Heizungsluft ist es wichtig, für eine gleichbleibend hohe Luftfeuchtigkeit zu sorgen. Hierzu kann die Pflanze beispielsweise auf einen mit Blähton gefüllten Untersetzer gestellt werden, der dann regelmäßig gegossen wird. Durch zu wenig Licht und Feuchtigkeit kommt es im Winter leicht zum Vertrocknen der Kannen und zum Stagnieren des Wachstums, im Frühjahr erholt sich die Pflanze jedoch für gewöhnlich wieder.

Kannenpflanze schneiden

Die Nepenthes benötigt eigentlich keinen Schnitt. Wird dennoch ein Schnitt vorgenommen, treibt sie unter guten Bedingungen aber auch wieder aus. Braune, vertrocknete und abgestorbene Pflanzenteile können zudem entfernt werden, damit die Pflanze keine Energie mehr in sie investieren muss.

Umtopfen der Kannenpflanze
Sobald der Topf ganz durchwurzelt ist, sollte die Kannenpflanze umgetopft werden [Foto: Wade Machin/ Shutterstock.com]

Kannenpflanze umtopfen

Jede Nepenthes-Art wächst unterschiedlich schnell. Langsam wachsende Arten sollten alle zwei bis drei Jahre umgetopft werden, schnell wachsende sogar jedes Jahr. Auch wenn der Topf ganz durchwurzelt ist, sollten Sie die Kannenpflanze umtopfen. Dies geschieht am besten zu Beginn der Wachstumsperiode im Frühjahr.

Vertrocknete Kannen: Was kann man tun?

Dass die Kannen der Nepenthes vertrocknen, ist ganz normal. Sie halten unter guten Bedingungen etwa ein Jahr und werden dann abgeworfen. Vertrocknete Kannen können aber auch das Ergebnis von zu trockener Luft oder wenig Licht sein. Stellen Sie die Pflanze dann am besten an einen helleren Platz und stülpen Sie ein Glas darüber, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen. Bereits vertrocknete Kannen oder Blätter können abgeschnitten werden, damit die Pflanze ihre Energie in das Wachstum neuer Blätter investiert.

Kannenpflanze-Stecklinge
Stecklinge sollten statt in Wasser am besten in Sphagnummoos gesetzt werden [Foto: Peerapat Kulwong/ Shutterstock.com]

Kannenpflanze vermehren

Die Vermehrung der Kannenpflanze erfolgt über Stecklinge. Schneiden Sie dafür einen 10 bis 15 cm langen Trieb vom zentralen Stamm ab. Der Schnitt erfolgt also zwischen zwei Blättern, die Pflanze wird sozusagen „geköpft“. Um die Transpirationsfläche zu verringern, also den Wasserverlust einzudämmen, sollten alle Blätter, bis auf die oberen beiden, zur Hälfte eingekürzt werden. Der Steckling wird dann in Sphagnummoos oder nährstoffarmes und saures Substrat gepflanzt, das stets feucht gehalten werden muss. Eine Plastiktüte über dem Topf erhöht die Luftfeuchtigkeit. Nehmen Sie die Tüte regelmäßig ab, um Schimmelbildung zu vermeiden. Nach einigen Wochen sollten sich Wurzeln und neue Triebe gebildet haben und der Steckling kann umgetopft werden. Vermehren Sie am besten nur gut gedeihende Kannenpflanzen in der Wachstumszeit, damit auch die Mutterpflanze wieder austreiben kann.

Da die Kannenpflanze in Zimmerkultur eigentlich nie blüht, ist ein Vermehrung über Samen nur mit gekauftem Saatgut möglich. Die Nepenthes-Samen sollten frisch sein, da die Keimfähigkeit schnell abnimmt.

Sie sind fasziniert von der karnivoren Ernährungsweise der Nepenthes? Wir stellen Ihnen noch einige weitere fleischfressende Zimmerpflanzen vor.

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