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Kirschlorbeer vermehren: Tipps & Anleitung vom Profi

Der Kirschlorbeer zählt zu den beliebtesten immergrünen Zier- und Heckengehölzen. Wir erklären Ihnen, wie Sie ihn am erfolgreichsten selbst vermehren.

Kirschlorbeer

Der Kirschlorbeer zählt zu den beliebtesten immergrünen Zier- und Heckengehölzen [Foto: smikeymikey1/ Shutterstock.com]

Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) erfreut sich bei uns großer Beliebtheit. Er wird für seine immergrünen, glänzenden Blätter und den Duft seiner weißen Blüten geschätzt, die seine Verwandtschaft zu anderen Gehölzen der Gattung Prunus, wie etwa der Zierkirsche, bezeugen. Als Bienenweide leistet er einen wertvollen Beitrag zum Insektenschutz. Wüchsige Arten schützen außerdem Sie und Ihren Garten vor neugierigen Blicken. Was Sie aber vielleicht noch nicht wussten: Der Kirschlorbeer lässt sich auch ausgesprochen leicht selbst vermehren. Im Folgenden finden Sie eine Aufzählung der möglichen Methoden und Anleitungen für die verschiedenen Vermehrungsarten.

Kirschlorbeer vermehren: Stecklingsvermehrung

Diese Art der Vermehrung wird auch in Baumschulen angewendet, denn sie ist einfach, produktiv und erlaubt im Gegensatz zur Vermehrung über Samen eine garantiert sortenechte Produktion.  Am Anfang steht die Auswahl der richtigen Mutterpflanze. Natürlich sollte sie gesund und ausreichend mit Nährstoffen versorgt sein. Die Stecklinge werden im Spätsommer geschnitten. Ganz wichtig ist, dass die ausgewählten Triebe gut ausgereift sind, ihre Spitzen dürfen nicht mehr weich sein. Das erreicht man nur, indem man auf hohe Stickstoffgaben im Sommer verzichtet.

Zwischen August und Oktober kann man also die Triebspitzen auf ihre Festigkeit hin prüfen und dann schneiden, wenn sie fest geworden sind. Der Steckling wird mit einem scharfen Messer leicht schräg abgeschnitten und sollte eine Länge von etwa 15 cm haben.

Nun werden die größeren Blätter zur Reduzierung der Wasserverdunstung eingekürzt und eventuell einige entfernt, sodass ein blattfreier, kahler Bereich entsteht, den man in die Erde stecken kann.

Gesteckt wird der Trieb in ein 3:1-Gemisch aus Torf und Sand (Torf mit Kalk auf pH 6,5 – 7,5 angehoben) oder in spezielle Stecklingserde, die im Fachhandel zu kaufen ist. Es ist wichtig, dass die Stecklingserde nährstoffarm ist, verwenden Sie daher auf keinen Fall Kompost oder gar Dünger. Die zur Vermehrung benutzten Töpfe sollten unterseits Löcher aufweisen, sodass überschüssiges Wasser abfließen kann und keine Staunässe entsteht.

Stecklingsvermehrung Kirschlorbeer

In Multitopfplatten wie dieser lassen sich viele Stecklinge auf einmal unterbringen [Foto: iMoved Studio/ Shutterstock.com]

Gehen Sie bei der Stecklingsvermehrung wie folgt vor:

  1. Füllen Sie die trockene Erde randvoll in die Töpfe. Heben Sie diese nun mehrfach bis zu 10 cm an und lassen sie aus dieser Höhe fallen. Wiederholen Sie den Vorgang fünf Mal. Das Substrat wird auf diese Weise zusammensacken und dem Steckling später den nötigen Kontakt zur Erde bieten. Füllen Sie wenn nötig noch einmal Erde nach und verdichten Sie erneut, bis die Füllhöhe Ihnen zusagt.
  2. Stecken Sie nun den vorbereiteten Steckling leicht schräg und recht flach ein. Nehmen Sie wenn nötig einen Pikierstab oder einen dünnen Bleistift zur Hilfe, um ein Loch zu bohren, in den der Steckling eindringen kann. Es sollten einige Zentimeter des kahlen Stiels im Substrat stecken.
  3. Wenn Sie den Eindruck haben, dass der Steckling zu locker ist und fast herausfällt, dann drücken Sie ihn leicht in die Erde. Drücken sie ihn aber nicht zu fest an, da sonst nicht ausreichend Sauerstoff an die Schnittstelle gelangt und die Bewurzelung gehemmt wird.
  4. Wässern Sie die Töpfe nun ausgiebig. Wenn Sie bemerken, dass dabei Boden von der Oberfläche weggespült wird, können Sie noch etwas Erde locker aufstreuen.
Gießkanne gießt frischei ngepflanztte Pflanze im Freien

Nach dem Einpflanzen muss gut gewässert werden [Foto: Aunging/ Shutterstock.com]

Nun sollte das Kulturgefäß an einen warmen Ort (über 20 °C) mit hoher Luftfeuchte gestellt werden, geeignet sind hierfür zum Beispiel Frühbeete oder Vermehrungskästen. Wenn Sie die Stecklinge in Töpfe gesteckt haben, können Sie auch eine durchsichtige Plastiktüte verwenden und diese am Topfrand zum Beispiel mit einem Band fixieren. Sie sollten diese jedoch gelegentlich lüften, um die Ansiedelung von Pilzen zu vermeiden.

Achten Sie auf gleichmäßige Feuchtigkeit – weder sollte sich Staunässe bilden, noch darf das Substrat austrocknen. Nach etwa vier Wochen sind die Stecklinge bewurzelt. Bei etwas niedrigeren Temperaturen kann es auch ein wenig länger dauern. Vereinzeln Sie die bewurzelten Stecklinge nun in Töpfe. Im Frühjahr können die Pflänzchen ganz normal ausgepflanzt werden.

Kirschlorbeer durch Stecklinge vermehren:

  • Im Spätsommer reife, feste Triebe von gesunden Pflanzen auswählen.
  • In 15 cm Länge abschneiden, Blätter einkürzen, unten einige entfernen.
  • Kulturgefäße mit nährstoffarmer Stecklingserde vorbereiten.
  • Stecklinge flach und schräg einstecken und anschließend wässern.
  • Bei über 20 °C und erhöhter Luftfeuchtigkeit aufstellen; Trockenheit und Staunässe vermeiden.
  • Es dauert mindestens 4 Wochen, bis die Stecklinge bewurzelt sind. Dann in Töpfe mit normaler Pflanzerde vereinzeln und im Frühjahr auspflanzen.
Kirschlorbeer auspflanzen

Die kräftigen, getopften Pflanzen können im Frühjahr ausgepflanzt werden, allerdings sollte kein Frost mehr zu erwarten sein [Foto: cynoclub/ Shutterstock.com]

Kirschlorbeer vermehren: Aussaat

Wenn Sie bereits eine Kirschlorbeerpflanze besitzen, haben Sie vielleicht schon bemerkt, dass sich gelegentlich kleine, neue Pflänzchen in ihrer Umgebung zeigen. Das liegt daran, dass sich der Kirschlorbeer durch Selbstaussaat selbstständig vermehrt. Theoretisch können Sie diese Pflänzchen ausgraben und an einen Ort pflanzen, an dem Sie einen neuen Strauch haben möchten. Aber eines ist dabei im Hinterkopf zu behalten: Diese kleinen Kirschlorbeerpflänzchen sind aus Samen hervorgegangen. Diese Samen wurden durch eine sexuelle Befruchtung in der Blüte Ihrer Pflanze gebildet. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Bei der sexuellen Vermehrung werden die Gene der Elternpflanzen erst in sich und dann untereinander gemischt. Zudem ist der Kirschlorbeer ein Fremdbefruchter, er kann sich nicht „selbst bestäuben“, wie es ja einige Pflanzen (zum Beispiel Erbse, Kartoffel, Buschbohne) können. Die kleinen Sämlinge müssen also zwangsläufig Mischlinge aus Ihrer Pflanze und einer anderen sein, die nicht genetisch mit ihr identisch ist. Sie können somit niemals exakt die gleichen Merkmale aufweisen, wie die Mutterpflanze, eine sortenechte Vermehrung ist auf diesem Wege also nicht möglich.

Kirschlorbeer durch Aussaat vermehren:

  • Sämlinge sind nicht identisch mit der Mutterpflanze
  • Können im Frühjahr oder Herbst verpflanzt werden
Sauerkirsche

An den Früchten und Samen des Kirschlorbeers erkennt man die enge Verwandtschaft zur essbaren Süß- oder Sauerkirsche [Foto: TunedIn by Westend61/ Shutterstock.com]

Kirschlorbeer vermehren: Ableger durch Risslinge

Diese Art der Vermehrung ist nicht unbedingt jedem geläufig, sie liefert aber schnell sehr robuste und bereits etwas größere Jungpflanzen. Das Vorgehen ist sehr unkompliziert: Im Frühjahr suchen Sie sich eine gesunde Mutterpflanze, die an ihrem Wurzelstock, nahe am Boden, neue Triebe bildet. Das kommt recht häufig vor. Häufeln Sie diese Triebe mit einem luftigen Substratgemisch an, zum Beispiel feinkrümeliger Erde, gemischt mit einigen Holzspänen oder Torfsubstrat. Das sorgt für die nötige Belüftung und Feuchtigkeit zur Wurzelbildung.

Wiederholen Sie das Anhäufeln im Laufe des Sommers mehrmals, während der junge Trieb wächst. Die unteren 20 cm sollten schließlich mit dem Substrat bedeckt sein. Wenn der Sommer sehr trocken ist, befeuchten Sie es bei Bedarf mäßig.

Im Herbst sollten die Triebe in ihrem Substrat Wurzeln geschlagen haben. Trennen Sie sie mit einem scharfen Messer oder einer Rosenschere möglichst tief von der Mutterpflanze.

Wurzerlbildung beim Kirschlorbeer

Im Lauf von Frühjahr und Sommer werden im angehäufelten Substrat Wurzeln gebildet, sofern es dunkel und feucht genug ist [Foto: MARIOS THEOLOGIS/ Shutterstock.com]

Die bewurzelten Triebe werden nun an einem geschützten Platz über den Winter eingeschlagen. Das bedeute, dass sie mit lockerem Substrat in eine Pflanzkuhle gelegt und eventuell mit einer Abdeckung gegen Frost geschützt werden. Dieses Vorgehen ist nötig, denn sie würden ein Auspflanzen wahrscheinlich noch nicht überstehen. Im folgenden Frühjahr, wenn keine strengen Fröste mehr zu erwarten sind, können Sie Ihre neuen Kirschlorbeerpflanzen wie gewohnt auspflanzen.

Kirschlorbeer durch Risslinge vermehren:

  • Auswahl einer gesunden Mutterpflanze mit stammbürtigen Trieben im Frühjahr
  • Anhäufeln der Triebe mit luftigem Substrat; Wiederholen des Anhäufelns mit dem Wachstum des Triebes über den Sommer; eventuell befeuchten
  • Im Herbst bewurzelte Triebe möglichst tief von der Mutterpflanze trennen
  • Triebe über den Winter an einem geschützten Platz einschlagen
  • Im Frühjahr, wenn strenger Frost unwahrscheinlich, auspflanzen

Kirschlorbeer vermehren: Abmoosen oder Bewurzelung im Wasser

Kirschlorbeer lässt sich auch über das Abmoosen oder durch Bewurzelung im Wasser vermehren. Diese beiden Methoden sind weniger zuverlässig als die zuerst genannten. Der Vollständigkeit halber werden sie trotzdem kurz vorgestellt.

Möglichkeiten zur Vermehrung von Kirschlorbeer im Wasser

Es gibt viele Möglichkeiten zur Vermehrung von Kirschlorbeer [Foto: Irina Borsuchenko/ Shutterstock.com]

Bei der Methode des Abmoosens wird im Frühjahr ein gesunder Trieb ausgewählt. Etwa 15 Zentimeter unterhalb der Triebspitze wird ein 1 cm breiter Streifen bis auf das Kambium abgeschält. Die Verwundung wird mit einem Bewurzelungshormon eingestrichen. Anschließend wird er an dieser Stelle mit einer Hand voll feuchter Stecklingserde umgeben und mit Folie umwickelt, sodass sich eine Art Tüte bildet, die nach oben hin geöffnet ist. Dies ist mit Plastikfolie möglich, die gewährleistet, dass die Erde feucht bleibt. Die Tüte wird vollständig mit Stecklingserde gefüllt. Bei Bedarf kann von oben gewässert werden, sonst sollte die Öffnung mit einem Band verschlossen sein. Die Wurzelbildung muss kontrolliert werden. Sind ausreichend viele Wurzeln vorhanden, können die Triebe von der Mutterpflanze getrennt und getopft werden. Um sie vor zu hohem Wasserverlust zu schützen, sollten sie in den ersten Tagen an einem schattigen Ort mit ausreichend hoher Luftfeuchtigkeit (Frühbeet, Plastiktüte) stehen. Sie können im kommenden Frühjahr ausgepflanzt werden.

Kirschlorbeer durch Abmoosen vermehren:

  • Im Frühjahr einen Trieb leicht verletzen; Verletzung mit Bewurzelungshormon oder „Weidenwasser“ bestreichen
  • Verletzung mit einer Hand voll feuchtem Moos oder Torf (pH 6,5 – 7,5) umgeben, mit Plastikfolie umwickeln, sodass oben eine Öffnung bleibt
  • Bei Bedarf wässern, nach einigen Wochen auf Bewurzelung kontrollieren
  • Topfen und in den ersten Tagen schattig und feucht halten
  • Auspflanzen im kommenden Frühjahr
Kirschlorbeer im Wasser vermehren in Vase

Auch Kirschlorbeer lässt sich in Wasser vermehren, besser ist jedoch ein abgedunkeltes Gefäß [Foto: Rattiya Thongdumhyu/ Shutterstock.com]

Auch im Wasser, ganz ohne Erde, lässt sich ein Kirschlorbeersteckling vermehren. Hierzu wird im Frühjahr ein junger Trieb ausgewählt. Das verwendete Gefäß sollte abgedunkelt sein. Es wird mit Wasser gefüllt und der Steckling im Optimalfall so über dem Gefäß befestigt, dass er frei im Wasser hängt. Auch mit dieser Methode dauert es bei etwa 20 °C mehrere Wochen, ehe sich Wurzeln bilden. Die Stecklinge sind bereit getopft zu werden, wenn die Wurzeln einige Zentimeter lang sind. Ins Freie werden sie im kommenden Frühjahr geplfanzt.

Kirschlorbeer im Wasser vermehren:

  • Junge Triebe im Frühjahr von gesunden Pflanzen schneiden
  • In abgedunkelte, mit Wasser gefüllte Gefäße geben, bei etwa 20 °C aufstellen
  • Wenn die Wurzeln einige Zentimeter lang sind in normale Pflanzerde topfen
  • Auspflanzen im kommenden Frühjahr

Tipp: Zur zuverlässigeren und schnelleren Wurzelbildung kann zuvor angesetztes „Weidenwasser“ verwendet werden. Es kann als Ersatz für Bewurzelungshormon verwendet werden, da es die benötigten ebenfalls Hormone enthält. Hierzu werden junge Weidentriebe geschält, in etwa zwei Zentimeter lange Stücken geschnitten und 24 Stunden lang in Wasser eingelegt. Nach Entfernen der Weidenstückchen kann das „Weidenwasser“ (auch verdünnt) zur Bewurzelung genutzt werden.

Weidentriebe als Bewurzelungsunterstützung

Junge Triebe der Weide enthalten das Pflanzenhormon Auxin, das die Bewurzelung fördert [Foto: Manfred Ruckszio/ Shutterstock.com]

Folgende Produkte verwenden wir gerne für unsere Zierpflanzen:
  • Cuxin Universaldünger plus: Verbessert die Bodenstruktur, liefert Humus sowie Nährstoffe für Obst-, Gemüse- und Ziergarten und stimuliert das Bodenleben.
  • Floragard Bio Mini Gartenerde: Universalerde für Balkon, Terrasse oder Gewächshaus für Gemüse, Blüh- und Zierpflanzen.
  • Plantura Bio Blumendünger: Bio-zertifizierter und organischer Langzeitdünger. Mit extra Kalium-Anteil für eine Verringerung der Frostempfindlichkeit von Blumen im Beet. Versorgt blühende Tierpflanzen optimal mit Nährstoffen und ist frei von tierischen Produkten.

Kati

Ich bin Gärtnerin im Fachbereich Garten- und Landschaftsbau und studiere an der Universität Hannover Gartenbauwissenschaften. Für mich ist der gesamte grüne Bereich wahnsinnig spannend, besonders liegen mir aber der Boden und ein nachhaltiger Umgang mit diesem am Herzen.
Lieblingsobst: Heidelbeere, Apfel
Lieblingsgemüse: Schmorgurke, Grünkohl, grüne Paprika

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