Schneeglöckchen pflanzen: Tipps vom Experten

Es ist ein echtes Schauspiel, wenn die Blütezeit der Schneeglöckchen trotz Kälte beginnt. Wir zeigen, wie Sie Schneeglöckchen selbst pflanzen können.

Schneeglöckchen am Waldrand

Schneeglöckchen sind die Vorboten des Frühlings [Foto: Peter CorbettCC BY 2.0]

Schneeglöckchen (Galanthus) strecken als eine der Ersten im neuen Jahr ihr frisches Grün aus der Erde. Fast wirkt es so, als würden sie sich mit ihren leicht hängenden weißen Blüten im letzten Schnee verstecken, um die Umgebung vorsichtig für die noch schlafende Natur auszukundschaften.  Diese Kundschafter können auch bei Ihnen in Haus und Garten Einzug erhalten. Wir haben alles Wissenswerte zusammengestellt, damit Sie Ihre Schneeglöckchen schon ab der Pflanzung optimal unterstützen können.

Schneeglöckchen: Ein kurzer Steckbrief

Jeder sehnt sich nach einem langen Winter den Moment, an dem die ersten grünen Blätter aus der kalten Erde stoßen und vorsichtig das neue Jahr erkunden. Schneeglöckchen markieren mit ihren zarten weißen Blüten den Wechsel von einer Winterlandschaft hin zur Frühlingswiese. Passend zu den weißen Blütenblättern leitet sich der botanische Name Galanthus aus den griechischen Wörtern gála für Milch und ánthos für Blüte ab. Schneeglöckchen bilden eine Gattung innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae). Die ausdauernden, krautigen Pflanzen haben zwei, selten drei grundständige Blütenblätter und werden bis zu 35 cm hoch. Die einzelne, duftende Blüte befindet sich an einem langen Blütenschaft und hängt leicht.

Schneeglöckchen Blütezeit 

An den zierlichen weißen Blüten kann man sich je nach Art von Oktober bis in den April hinein erfreuen. Die meisten dieser so zerbrechlich wirkenden Frühblüher brechen im Januar und Februar mit ihren Köpfen durch die Schneeschichten. Es gibt nur drei Arten wie die Königin-Olga-Schneeglöckchen (Galanthus reginae-olgae), die im Herbst blühen. Schneeglöckchen werden durch Insekten bestäubt. Nektar und Pollen dienen Bienen als Nahrung, werden aber verschmäht sobald sich eine bessere Nahrungsquelle bietet.

Schneeglöckchen auf Wiese Moos

Schneeglöckchen markieren mit ihren zarten weißen Blüten den Wechsel von einer Winterlandschaft hin zur Frühlingswiese [Foto: Peter O’Connor aka anemoneprojectorsCC BY-SA 2.0]

Schneeglöckchen Arten und Sorten

Es gibt insgesamt 20 verschiedene Schneeglöckchen-Arten und rund 500 registrierte Sorten. Die meisten Arten kommen in den Ländern rund um das Schwarze Meer vor. Die bei uns beheimatete Art ist das kleine Schneeglöcken (Galanthus nivalis). Diese Art sowie Riesen-Schneeglöckchen (Galanthus elwesii) und Woronow-Schneeglöckchen (Galanthus woronowii) werden im Handel am häufigsten als Zierpflanze verkauft. Besonders schön sind folgende Sorten:

  • ‚Big Boy‘ : sehr große und massive Blüten
  • ‚Cordelia‘: gefüllte, große Blüten
  • ‚Green Tear‘: grüne Blütenblätter
  • ‚Wendys Gold‘: gelber Fruchtknoten, große Zeichnung
  • ‚April Fool‘: spätblühend (April)
  • ‚Samuel Arnott‘: robust, wüchsig, gut für Anfänger

Die unterschiedlichen Blütenfarben und –formen zeigen, dass Schneeglöckchen viel mannigfaltiger sind als eine weiße Blüte an einem langen Stängel. Falls Sie das Schneeglöckchen-Fieber gepackt haben sollte, können Sie hier mehr über die verschiedenen Arten und Sorten in Erfahrung bringen.

Schneeglöckchen pflanzen: Standort, Pflanzzeit und Vorgehen

Am richtigen Standort fühlt sich das genügsame Schneeglöckchen so wohl, dass sich über Tochterzwiebeln schnell ganze Büschel von grünen Stielen und Blättern ausbilden. Werden die Zwiebeln optimal gepflanzt und ein wenig gepflegt, leiten Jahr für Jahr mehr Schneeglöckchen bei Ihnen im Garten den Übergang zum Frühjahr ein.

Der richtige Standort für Schneeglöckchen

Wenn man bei der Wahl des Standorts auf die Bedürfnisse der Zwiebelblume eingeht, wird man mit robusten und blühfreudigen Schneeglöckchen belohnt, die Jahr um Jahr ihren Weg durch die Erdkruste finden.

  • Standort: halbschattig bis schattig
  • Boden: humusreich, locker, wasserspeichernd
  • Boden-pH: alkalisch bis neutral

Schneeglöckchen können alleine oder zusammen mit anderen Frühblühern wie Krokus (Crocus), Garten-Alpenveilchen (Cyclamen) oder Hyazinthen (Hyacinthus) im Beet oder Topf um die Wette blühen. Ihre weißen Blüten leuchten als Unterpflanzung für laubwerfende Hecken oder Stauden zwischen kahlen Ästen hervor. Viele Schneeglöckchen wie die Sorten ‚Maximus‘ eignen sich gut zur Verwilderung im Rasen oder zwischen Bodendeckern.

Hinweis: Wegen der sauren Bodenverhältnisse können Schneeglöckchen einen Platz zu Füßen von Nadelgehölzen gar nicht leiden.

Wann ist Schneeglöckchen Pflanzzeit?  

Am besten kommen die Zwiebeln schon im Spätsommer bis September in die Erde. So können sich vorm ersten längeren Frost erste Wurzeln bilden und im nächsten Jahr sprießen die Pflänzchen kräftig aus der Erde. Eine Pflanzung im Frühjahr ist auch möglich. Häufig treiben die Zwiebeln, die im Fachhandel erhältlich sind, nicht mehr aus, weil sie zu stark ausgetrocknet sind. Stattdessen kann man auch Jungpflanzen kaufen. Diese können jederzeit ausgepflanzt werden. Es sollte nur frostfrei sein.

Vorgehen beim Pflanzen von Schneeglöckchen

Das Pflanzen von Schneeglöckchen-Zwiebel ist wie jede Gartenarbeit mit Mühe verbunden. Wenn Sie beim Pflanzen von Schneeglöckchen die folgenden Punkte beachten, wird Ihre Mühe im folgenden Frühjahr jedoch mit vielen Blüten belohnt.

  • Pflanzloch: 5 – 8 cm tief
  • Pflanzabstand: 10 – 15 cm
  • Zwiebel mit der Spitze nach oben ins Pflanzloch
  • Pflanzloch locker mit Erde befüllen
  • Kräftig angießen
Schneeglöckchen im Garten

Über Tochterzwiebeln bilden sich schnell große Horste [Foto: Inside LancashireCC BY 2.0]

Es müssen keine großen Gruppen gepflanzt werden, weil sich über Tochterzwiebeln schnell große Horste bilden. Bei in Töpfen vorgezogenen Zwiebeln wird die Zwiebel nicht komplett eingegraben. Sie sollte noch rund zwei Zentimeter aus der Erde ragen. Haben die Zwiebel den ihnen angedachten Platz im Garten bezogen, können die so zierlich wirkenden Pflänzchen mit ein wenig Pflege beweisen, wie robust sie sind. Selbst Frost macht ihnen nichts aus. Sie legen einfach eine Wachstumspause ein, bis es wieder wärmer ist.

  • Düngen: Nicht notwendig, zu nährstoffreiches Substrat fördert die Blätter und nicht die Blüte
  • Gießen: Immer feucht halten; im Sommer Zwiebeln nicht austrocknen lassen
  • Ausputzen verwelkter Blütenstände; Blätter erst nach der Welke entfernen

Das Ausputzen verhindert die Samenbildung, die das Schneeglöckchen extrem viel Energie kostet. Die Blätter also erst nach der Welke entfernen; es wandern Nährstoffe von den Blättern in die Zwiebel. Bei Verwilderung im Rasen mit dem Mähen bis nach der Welke warten.

Schneeglöckchen umpflanzen 

Schneeglöckchen sollten zwischen Februar und Ende März umgepflanzt werden. In voller Blüte und mit grünen Blättern sind die Pflanzen am widerstandsfähigsten. Die Blätter und Stängel dienen der Zwiebel als Nährstoffquelle. Deshalb werden die Pflanzen beim Umpflanzen auch nicht zurückgeschnitten. Bei frostfreiem Boden wird der Sparten in die Hand genommen und umgepflanzt:

  • Pflanzen ausgraben
  • Zwiebeln trennen (Tochterzwiebeln dienen der Vermehrung)
  • In ausreichendem Abstand Pflanzlöcher graben
  • Pflanze in Pflanzloch setzen
  • Kräftig angießen

Zur Not können Schneeglöckchen auch im Herbst umgepflanzt werden. Die Überlebenswahrscheinlichkeit ist aber geringer, weil die Zwiebeln durch das blühende Leben der Blütezeit geschwächt sind. Topf-Pflanzen können zu jeder Zeit umgepflanzt werden. Es sollte nur frostfrei sein.

Schneeglöckchen im Topf pflanzen

Schneeglöckchen erfreuen nicht nur im Beet die Gemüter. Sie lassen sich auch im Topf kultivieren, um auf Balkon oder Terrasse das Frühjahr anzukündigen. Damit sich die Wald- und Wiesenpflanze im Topf gebändigt wohl fühlt, gilt folgendes zu beachten:

  • Pflanzgefäß: min. vier Mal so hoch, wie die Zwiebel
  • Drainageschicht aus Kies oder Tonscherben am Boden des Pflanzgefäßes
  • Pflanzzeit: September bis November (Zwiebeln)
  • 5 Zwiebeln/ Pflanzloch
  • Topf mit Zwiebeln bis zur Keimung an dunklen Ort bei 4°C
  • Erde nur leicht feucht halten
  • Ab Keimung nach draußen oder anderen helleren, kühlen Standort
  • Gießen: gut wässern; Boden immer leicht feucht halten; keine Staunässe
  • Düngung: 1x nach der Blüte
  • Verwelkte Blütenstände ausputzen

Vorgezogene Zwiebeln kommen im Januar bis Februar in die Töpfe. Die Töpfe werden dann gleich an den für sie vorgesehenen Platz gestellt. Die Erde im Topf darf nicht ganz durchfrieren. Bei strengem Frost sollten die Töpfe an einen kühlen, frostfreien Standort wie den Keller oder die Gartenlaube umziehen.

Wir empfehlen zum Anbau von Zierpflanzen folgende Produkte:
  • Floragard Blumenerde: Allround-Erde für Zimmer-, Balkon- und Kübelpflanzen. Aqua-Plus® sorgt für eine optimale Wasseraufnahme. Optimale Nährstoffversorgung für kräftige und vitale Pflanzen mit prachtvollen Blüten.
  • Floragard Kompost-Erde: Spezialerde aus unkrautfreiem Edelkompost und ausgesuchten Torfqualitäten. Sie versorgt Ihre Pflanzen lang anhaltend und gleichmäßig mit allen wichtigen Nährstoffe und der hohe Humusgehalt macht leichte und schwere Böden fruchtbar.
  • Cuxin Spezialdünger Rosen & Blumen: Spezialdünger für eine prächtige, ausdauernde Blüte sowie Gesunde und langlebige Pflanzen. Ideal zur Anwendung im Herbst zur Stärkung der Winterhärte.

Schneeglöckchen selbst vermehren

Schneeglöckchen können über Samen und über Teilung der Tochterzwiebeln vermehrt werden. So können Sie ihr weißes Blütenmeer Jahr für Jahr ausbauen.

Schneeglöckchen aussäen und aus Samen ziehen?

Schneeglöckchen können bis auf wenige sterile Sorten über Samen vermehrt werden. Entweder werden diese im Fachhandel gekauft oder selber geerntet. Eigene Samen erhalten Sie, wenn Sie am Ende der Blütezeit das Ausputzen verwelkter Blütenstände unterlassen. Meist sind die Samenkapseln im April reif und können geerntet werden. Die braunen Samen werden am besten gleich in einer Aussaatschale mit Folienhaube ausgesät. Dabei gilt folgendes zu berücksichtigen:

  • Samen 4 Wochen bei -4 bis 4 °C lagern (Kaltkeimer)
  • Samen 1 cm tief säen (Dunkelkeimer)
  • Boden: feuchte, humose Erde
  • idealer Standort: im Sommer schattig, im Frühling halbschattig
  • Keimzeit: 4 bis 6 Wochen
  • im Herbst ins Freiland pflanzen

Die Kälteperiode wird benötigt, damit die Samen gleichmäßiger und besser keimen. Bei der natürlichen Vermehrung über Samen sind Ihnen Ameisen behilflich. Sie verbreiten den Schneeglöckchen Samen ganz ohne Ihre Hilfe. Diese Art der Verbreitung nennt man Myrmekochorie. Leider kann es drei bis vier Jahre dauern, bis die Sämlinge blühfähig sind.

Schneeglöckchen über Tochterzwiebeln vermehren

Wer durch eigene Vermehrung schon im Folgejahr blühfähige Schneeglöckchen haben möchte, greift auf die Teilung der Pflanze zurück. Schneeglöckchen gehören zu den Zwiebelblumen. Die Zwiebel besteht aus verdickten Hüllblättern. Sie dient als Überdauerungsorgan für den Winter und der Vermehrung. Es werden viele kleine Tochterzwiebeln ausgebildet, die dann wiederum austreiben und blühen, so dass sich dichte Horste bilden. So gehen Sie vor, wenn Sie die Horste teilen und die Tochterzwiebeln an eine neue Stellen einpflanzen möchten:

Schneeglöckchen Horst

Durch Tochterzwiebeln bilden sich viele und dichte Horste [Foto: Paul BrittonCC BY-SA 2.0]

  • Zwiebeln kommen aus der Erde, wenn Blüte vorbei und Blätter noch grün sind
  • Tochterzwiebeln werden mit der Hand entfernt
  • Zwiebeln gleich wieder einpflanzen
  • Blüte im nächsten Frühjahr

An den Tochterzwiebeln muss ein Stück der Bodenplatte der Zwiebel verbleiben. Dort wird die Saugwurzel gebildet. Die Zwiebeln kommen gleich wieder in die Erde, damit sie nicht austrocknen. Die ausgegrabenen Zwiebel können auch kühl und trocken gelagert werden und dann erst im September in die Erde kommen. Riesen-Schneeglöckchen (Galanthus elwesii) bilden allerdings nur selten Nebenzwiebeln aus.

Schneeglöckchen giftig oder nicht?

Bei Schneeglöckchen macht die Menge das Gift. Die kritische Dosis für diese magische Grenze ist jedoch nicht bekannt. Beim Verzehr von unter drei Zwiebeln reicht es in der Regel aus, viel Wasser zu trinken. Sollte es nicht nur zu vermehrtem Speichelfluss, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall kommen, sondern auch zu Kreislaufstörungen mit Schweißausbruch und Benommenheit, dann solten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen. Schuld an diesen Vergiftungserscheinungen sind chemische Verbindungen, die in allen Narzissen-Gewächsen (Amaryllidaceae) zu finden sind. Amaryllidaceen-Alkaloide wirken zelltötend und sind giftig für Menschen und Tiere. Trotzdem werden Schneeglöckchen schon seit sehr langer Zeit in der Volksheilkunde verwendet. Wie das zusammenpasst, erfahren Sie hier.

Virginia

Ich studiere Pflanzenbiotechnologie und sehe mich im Studium häufig mit den schwerwiegenden Folgen konfrontiert, die Unwissenheit und Fehlinformationen für die Natur haben können. Deshalb liegt es mir besonders am Herzen, Mensch und Natur wieder näher zusammenzubringen.
Lieblingsobst: Himbeeren, Erdbeeren und Ananas
Lieblingsgemüse: Zucchini, Brokkoli und Gurken

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