Vogelbeeren: Giftigkeit, Verwendung & Heilwirkung

Regina
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Ich habe Gartenbauwissenschaften am WZW in Freising studiert und pflanze in meiner Freizeit auf einem Stück Acker alles an, was Wurzeln hat. Das Thema Selbstversorgung und saisonale Ernährung liegt mir dabei besonders am Herzen.

Lieblingsobst: Quitte, Kornelkirsche und Heidelbeere
Lieblingsgemüse: Erbsen, Tomaten und Knoblauch

Die Früchte der Ebereschen, auch Vogelbeeren genannt, zählen zum Wildobst. Wie man sie am besten erntet, verarbeitet und welche Heilwirkung die Eberesche besitzt, erklären wir in diesem Artikel.

Vogelbeeren-Marmelade
Die Ebereschen-Früchte sind essbar und lassen sich zu Marmelade, Mus oder Schnaps verarbeiten [Foto: Krzycho/ Shutterstock.com]

Die essbare Eberesche (Sorbus aucuparia) ist als Wildobst mittlerweile nahezu in Vergessenheit geraten. Es hat sich sogar die Meinung durchgesetzt, die Früchte der Eberesche seien giftig, obwohl sie essbar und reich an Vitaminen sind. Wie die farbenfrohen Beeren geerntet und verwendet werden, erfahren Sie bei uns.

Sind Vogelbeeren giftig?

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die Vogelbeere giftig ist. Dabei gibt es mittlerweile bereits Ebereschen-Sorten mit größeren und schmackhafteren Früchten, die speziell für den Verzehr und zur Verarbeitung gezüchtet wurden.

Zwei Dinge erwecken den Eindruck der Giftigkeit: Die knallorange bis hellrote Farbe der Apfelfrüchte und der anfänglich oft adstringierende, bittere Geschmack durch die Parasorbinsäure, vor allem bei wild gesammelten Vogelbeeren. Dieser wird durch Kälte und mit zunehmender Reife der Früchte bis in den Oktober hinein immer weniger, sodass die Früchte zuletzt gut verarbeitet werden können. Auch für Haustiere sind die Vogelbeeren nicht giftig – sie vermeiden sie allerdings aufgrund der leuchtenden Farbe und des bitteren, adstringierenden Geschmacks meist ohnehin oder spucken sie schnell wieder aus.

Kann man Vogelbeeren essen? In reifem Zustand sind Vogelbeeren essbar. Die Früchte der Edel-Eberesche (Sorbus aucuparia var. edulis) sind sogar roh genießbar, da sie nahezu bitterfrei und bereits süßer sind. Früchte der wilden Eberesche sollten aufgrund der Parasorbinsäure nicht roh gegessen werden, da sie in großen Mengen zu Nierenschädigung oder Magen-Darm-Beschwerden mit Durchfällen führen können. Frische Vogelbeeren wurden daher früher als Abführmittel genutzt.

Vogelbeeren
Die Ernte von Vogelbeeren erfolgt zur Vollreife ab Oktober [Foto: fasenda/ Shutterstock.com]

Ernte, Lagerung und Haltbarmachen

Die Früchte der Eberesche sollten nur vollreif geerntet werden, dann ist der Zuckergehalt am höchsten. Je nach Höhenlage beginnt die Erntezeit der Eberesche erst im Oktober, obwohl die Früchte schon ab Ende August bis September ihre leuchtend rot-orange Färbung besitzen. Nun werden die Fruchttrauben als Ganzes vom Baum abgebrochen oder geschnitten. Da die Blütenknospen für das nächste Jahr knapp unterhalb der Fruchtstände sitzen, sollten Sie jedoch darauf achten, sie beim Ernten nicht zu verletzen. Von ausgewachsenen Bäumen können zwischen 20 bis 40 kg Früchte geerntet werden, wenn sich nicht zuvor die Vögel an den Vogelbeeren bedient haben.

Anschließend sollte man die Früchte waschen und von den Stängeln abzupfen, bevor sie weiterverarbeitet werden. In einem Dörrapparat oder auf einem Backblech bei schonenden 40 °C lassen sich die essbaren Vogelbeeren trocknen. Bei der Trocknung wird die Parasorbinsäure zu der unschädlichen Sorbinsäure abgebaut. Vogelbeeren kann man trocken, dunkel und kühl etwa ein Jahr aufbewahren. Das Einfrieren der frischen Früchte ist eine gute Möglichkeit, um Vogelbeeren haltbar zu machen oder sie zu einem späteren Zeitpunkt zu verarbeiten.

Fruchtwein aus Vogelbeeren
Nebst Eberesche-Marmelade kann auch Fruchtwein, Sirup oder Schnaps hergestellt werden [Foto: Tasha Cherkasova/ Shutterstock.com]

Verwendung von Vogelbeeren

Reife Früchte der Eberesche können kandiert, getrocknet oder roh zu verschiedenen Süßspeisen wie Kompott, Mus sowie Backwaren verarbeitet oder Müslis beigemischt werden. Beliebte Ebereschen-Rezepte erklären die Verarbeitung zu Vogelbeeren-Marmelade – gerne gemischt mit süßeren Früchten wie Quitte, Apfel oder Birne. Aber auch zu Fruchtnektar, Sirup, Saft und Gelees lassen sich Vogelbeeren verarbeiten. Die aromatisch sauer-fruchtigen Aufstriche passen sehr gut zu Fleisch, Käseplatten oder aufs Frühstücksbrot. Die Verwendung der Eberesche in der Schnapsherstellung und Verarbeitung zu Fruchtwein und Likör hat seit Jahrhunderten Tradition.

Heilwirkung der Eberesche

Vogelbeeren sind reich an Vitamin C, Provitamin A, Zucker und Sorbit, einem Fruchtzucker, welcher besonders für Diabetiker gut geeignet ist. Vogelbeeren wurden lange Zeit als Tee oder Auszug unterstützend bei Nierenerkrankungen, Diabetes und Rheuma eingesetzt. In der Pflanzenheilkunde setzt man gekochtes Vogelbeermus gegen Durchfall ein. Frischgepresster Fruchtsaft besitzt hohe Vitamingehalte, weshalb er zur Stärkung des Immunsystems auch bei Erkältungen und grippalen Infekten verabreicht wird.

Ebereschen-Beeren
Die Inhaltsstoffe von Vogelbeeren können in der Volksheilkunde bei verschiedenen Leiden eingesetzt werden [Foto: Bozhena Melnyk/ Shutterstock.com]

Die Eberesche ist so eng mit der Apfelbeere (Aronia) verwandt, dass sogar Hybride zwischen beiden Arten existieren. Wie Sie Aronias pflanzen und pflegen, um hohe Erträge an schmackhaften Apfelbeeren zu ernten, erfahren Sie bei uns.

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