Schwarze Tollkirsche: Pflanzen, Blüte & Wirkung der Belladonna

Niaef
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Ich habe Biologie und Hortikulturelle Wissenschaften studiert. Meine Liebe gilt allen Pflanzen, die wild oder im Garten wachsen und insbesondere denen, die man verspeisen kann. In meiner Freizeit treibt es mich oft in den Wald oder auch in den Stadtpark, wo sich so manche Nutzpflanzen verstecken - man muss nur wissen, welche einen Mehrwert für die Küche haben.
Meinen Sammlertrieb kombiniere ich dann gerne auch mit meinem zweiten Hobby: Dem Kochen!

Lieblingsobst: Feige, Kaki und Felsenbirne
Lieblingsgemüse: Kürbis, Wirsing und Schalotte

Die Schwarze Tollkirsche oder Belladonna ist im Wald ein echter Hingucker. Trotz ihres schönen Auftretens sollte man bei dieser Wildpflanze Achtung walten lassen, denn sie ist hochgiftig.

Belladonna
Belladonna verlockt mit ihrer violett-schwarzen Frucht

Die Schwarze Tollkirsche (Atropa bella-donna), auch Belladonna genannt, wirkt verführerisch auf manche Waldbesucher. Ihre violetten Beeren und Blüten verlocken dazu, sich die Staude in den Heimgarten zu pflanzen. Aber Achtung – zwar ist die Schöne aus dem Wald eine echte Bienenweide, doch sie ist gleichzeitig hochgiftig. Daher sollte sie nur mit Bedacht einen Platz im Garten bekommen.

Schwarze Tollkirsche: Blüte, Herkunft und Eigenschaften

Die Schwarze Tollkirsche, unter anderem auch Belladonna, Waldnachtschatten oder Teufelskirsche genannt, ist die einzige heimische Atropa-Art in Europa. Belladonna gehört der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae) an und ist weitgehend in Europa, Nordafrika und Kleinasien verbreitet. Man trifft sie meist in halb- bis lichtschattigen Waldlichtungen an, wo sie auf nährstoffreichem und stickstoffhaltigem Boden gedeiht. Als mehrjähriges Kraut wächst die Tollkirsche in der Regel aufrecht und erreicht eine Wuchshöhe zwischen 50 und 150 cm. Der verzweigte Tollkirschen-Strauch weist einen rötlich-grünen und fein behaarten Stiel auf.

Tollkirschen-Strauch
Die verzweigte Schwarze Tollkirsche kann bis zu 1,5 m in die Höhe wachsen [Foto: Przemyslaw Muszynski/ Shutterstock.com]

Die Blätter der Tollkirsche sind oval-lanzettlich geformt, grau-grün gefärbt und ebenfalls fein behaart. Während ihrer Blütezeit zwischen Juli bis August bekommt Atropa bella-donna glockenförmige Blüten, die außen – vor allem an der Spitze – violett-braun und an der Basis gelblich gefärbt sind. Ihrem Namen entsprechend entwickelt sich zwischen August und Oktober aus der Blüte der Tollkirsche eine schwarz-violette Beerenfrucht. Trotz ihrer Giftigkeit hat Atropa bella-donna einen hohen Mehrwert für das Ökosystem. So werden ihre Blüten von Hummeln, Bienen und sogar Schmetterlingen besucht und bestäubt. Außerdem dient die Frucht der Tollkirsche als Nahrung für diverse Vögel.

Lila Blüten der Belladonna
An ihrer ungewöhnlich gefärbten Blüte erkennt man die Schwarze Tollkirsche auch ohne Frucht [Foto: Simon Groewe/ Shutterstock.com]

Erkennungsmerkmale von Atropa bella-donna

  • Aufrecht wachsendes, verzweigtes Kraut mit 50 – 150 cm Höhe
  • Stiel rötlich-grün und fein behaart mit verzweigten Trieben
  • Blätter grau-grün gefärbt, behaart mit oval-lanzettlicher Form
  • Blüte größtenteils violett gefärbt und glockenförmig
  • Beere schwarz-violett gefärbt und kirschfruchtähnlich
Schwarze Tollkirsche
Die grünen Beerenfrüchte färben sich zur Reife rotschwarz

Der Schwarzen Tollkirsche ähnliche Pflanzen

Fällt Ihnen im Wald oder Garten eine violett-schwarze Beere ins Auge, die Ihnen unbekannt erscheint, dann verspeisen Sie diese lieber nicht. Denn es gibt Pflanzen, deren Frucht man mit der giftigen Tollkirsche verwechseln kann:

Wilde Heidelbeere
Vor allem die wilde Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) ähnelt Belladonna in Form und Farbe [Foto: FotograFFF/ Shutterstock.com]
Aronia-Beeren
Zwar ist die Apfelbeere (Aronia) in Europa nicht heimisch, taucht aber dennoch in Gärten auf [Foto: Melica/ Shutterstock.com]
Jostabeeren
Die Blätter der Jostabeere unterscheiden sich deutlich von denen der Schwarzen Tollkirsche [Foto: romiri/ Shutterstock.com]
  • Vogelkirsche (Prunus avium)
Vogelkirschen
Vogelkirschen hängen meist an verholzten Zweigen und weisen einen Rotstich auf [Foto: Wut_Moppie/ Shutterstock.com]

Kann man die Belladonna pflanzen?

Jungpflanzen der Schwarzen Tollkirsche werden in der Regel nicht angeboten. Es ist jedoch möglich, ihre Samen zu erwerben und eigens anzuziehen. Allerdings wird davon abgeraten, sich die giftige Belladonna in den Garten zu pflanzen. Da die glänzend schwarze Frucht der Tollkirsche sehr schmackhaft aussieht und auch gut schmeckt, besteht vor allem bei Kindern die Gefahr, dass sie davon naschen. Nicht umsonst wurde Belladonna 2020 zur „Giftpflanze des Jahres“ gekürt.

Belladonna-Strauch
Die schwarze Tollkirsche kann bis zu 150 cm hoch wachsen [Foto: “Bertold Werkmann ”/ Shutterstock.com]

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Tipp: Manchen Vögeln dient Belladonna tatsächlich als Nahrungsquelle, sie sind gegen das Gift der Pflanze immun.

Wirkung der Belladonna

Schon in der Antike und im Mittelalter wurden Atropa bella-donna bestimmte Wirkungen auf die Psyche zugesprochen. Denn schon damals bemerkte man, dass ihre halluzinogenen Inhaltsstoffe tollwutartige und erregte Gemütszustände hervorrufen sowie Schwindel, Schlafsucht und lokale Lähmungen verursachen. Am Verzehr der Belladonna Verstorbene wurden als blau angelaufene und aufgequollene Leichen beschrieben. Später wurden diese beobachteten Wirkungen der Tollkirsche medizinisch dokumentiert und bestätigt.

Trotz der drastischen Effekte der Atropa bella-donna auf den menschlichen Körper nutzten viele Frauen Belladonna als Kosmetikum zur Pupillenerweiterung. Heutzutage findet Belladonna ihre Anwendung als Therapeutikum in der Medizin. Obwohl ihre Alkaloide Teile des menschlichen zentralen Nervensystems erregen und das periphere lähmen können, wirken sie krampflindernd. Daher werden sehr geringe Dosen unter anderem gegen Epilepsie oder Asthma, aber auch gegen Koliken sowie Verstopfung eingesetzt. Zu diagnostischen Zwecken und gegen Sehstörungen wird Belladonna in der Augenheilkunde in Form von Augentropfen verabreicht. Neben ihrer hohen Toxizität ist Belladonna als Heilpflanze mit Wirkung also auch ein geschätztes Phytotherapeutikum. Unbedingt gilt: Versuchen Sie keine Einnahme ohne medizinisch fachliche Betreuung, denn Naturprodukte können schwankende Mengen wirksamer Inhaltsstoffe enthalten und eine Überdosierung mit Belladonna kann tödlich enden.

Wenn Sie Heilpflanzen ohne tödliches Risiko für Ihren Garten suchen, werden Sie in einem unserer anderen Artikel fündig. Wir stellen Ihnen die 10 besten Heilpflanzen für den eigenen Garten vor.

Heilmittel aus Belladonna
In sehr geringen Dosen wird Belladonna als potentes Therapeutikum eingesetzt [Foto: MilanMarkovic78/ Shutterstock.com]

Wie giftig ist die Tollkirsche?

Die Schwarze Tollkirsche ist hochgiftig. Ihr Gift Hyoscyamin kann unter anderem Herzrasen, Atemnot und Atemlähmung verursachen. Nach einem Verzehr der Belladonna können bereits nach einer Viertelstunde Beschwerden auftreten – beginnend mit einer Pulserhöhung, die begleitet wird von Rede- sowie Lachdrang – gefolgt von Rötungen der Haut, trockenen Schleimhäuten und Sehstörungen. Die anfängliche Erregung kann sich zu Halluzinationen steigern, die wiederum in den besagten Lähmungen abklingen. Damit geht ein narkoseähnlicher Schlaf einher, der tödlich enden kann. Hierbei wird eine Sterblichkeitsrate von etwa 10% angenommen. Je nach Individuum kann ein Verzehr von nur 10 Beeren für einen erwachsenen Menschen tödlich sein. Bei Kindern sowie Hund und Katze können schon 3 bis 5 Beeren zum Tod führen. Da die komplette Pflanze samt Blättern, Stiel, Blüte und Wurzeln giftig ist und ihre Gifte sogar über die Haut aufgenommen werden können, sollte die Schwarze Tollkirsche nicht ohne Handschuhe berührt werden.

Nicht nur Wildpflanzen wie die Schwarze Tollkirsche sind giftig. Denn die Liste giftiger Zierpflanzen für den Garten ist lang.

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