Steckrübe: Anbau, Pflege & Erntezeit des Wintergemüses

Regina
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Ich habe Gartenbauwissenschaften am WZW in Freising studiert und pflanze in meiner Freizeit auf einem Stück Acker alles an, was Wurzeln hat. Das Thema Selbstversorgung und saisonale Ernährung liegt mir dabei besonders am Herzen.

Lieblingsobst: Quitte, Kornelkirsche und Heidelbeere
Lieblingsgemüse: Erbsen, Tomaten und Knoblauch

Steckrüben, auch als Kohlrüben bekannt, gehören zu den lagerfähigsten Wintergemüsen und erlangen nun wieder etwas mehr Beliebtheit. Wir stellen das Kohlgemüse im Steckbrief vor.

Steckrüben im Beet
Steckrüben sind ein altes Wintergemüse [Foto: Elena Koromyslova/ Shutterstock.com]

Steckrüben (Brassica napus subsp. napobrassica) sind ein altes Gemüse, das in den letzten Jahren in unseren Küchen wieder an Bedeutung gewinnt. Damit das Wintergemüse auch Einzug in Ihren Garten halten kann, verraten wir alles, was man über Steckrüben wissen sollte. In unserem Artikel erfahren Sie das Relevante über ihre Herkunft, verschiedene Sorten, den perfekten Standort, den Anbau, die Pflege und die Verwendung der leckeren Rübe.

Die Steckrüben gehören zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Sie sind eine Varietät der Art Raps (Brassica napus) – also eine Raps-Unterart, die Rüben ausbildet. Die Steckrübe hat viele Namen: Sie wird auch Kohlrübe, Butterrübe, Erdkohlrabi, Runkelrübe oder Wruke genannt. In Österreich heißt sie „Dotsche“, in Bayern „Dodschn“ und in der Schweiz „Knutsche“. Wegen ihrer gelben Farbe und des süßlichen Geschmacks trägt sie den Spitznamen „Ananas des Nordens“. All diese Namen bezeichnen aber ein und dasselbe Gemüse: Eine lang unterschätzte Rübe, die in letzter Zeit immer mehr Wertschätzung und Aufmerksamkeit bekommt – zu Recht, denn die Rüben sind unkompliziert anzubauen, liefern im Herbst und im Winter eine reiche Ernte und stecken zudem noch voller gesunder Inhaltsstoffe wie Vitamine, Öle und Mineralstoffe.

Steckrübe: Herkunft und Eigenschaften

Woher die Steckrübe ursprünglich kommt, ist unklar. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Kreuzung von Brassica rapa, einer Rübenart, und dem Wildkohl (Brassica oleracea). Nach Deutschland ist die Steckrübe wahrscheinlich im 17. Jahrhundert aus Skandinavien gekommen. Heute wird sie auf der ganzen Welt in allen gemäßigten Klimazonen angebaut. In der Geschichte Deutschlands spielen Steckrüben eine bedeutende Rolle, denn sie waren ein wichtiges Grundnahrungsmittel in Notzeiten: Nach großen Kartoffelmissernten im Jahre 1917 und der darauf folgenden Hungersnot war die Bevölkerung von Steckrüben abhängig. Damals, im sogenannten „Steckrübenwinter“, wurden sogar eigene Steckrüben-Kochbücher herausgeben. Darin gab es Rezepte für Steckrüben in allen Variationen: Zu Suppen, Aufläufen, Kuchen, Marmeladen und sogar zu Kaffee wurden sie verarbeitet. Nach diesen Notzeiten waren Steckrüben ein eher unbeliebtes Gemüse und wurden vor allem als Tierfutter angebaut. Damit die Rüben aber nicht gänzlich in Vergessenheit geraten, wurden sie vom “Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt” (VEN) 2018 zum Gemüse des Jahres gekürt.

Frische Steckrüben
Steckrüben werden auch Kohlrüben oder Runkelrüben genannt [Foto: Michaelpuche/ Shutterstock.com]

Die Steckrübe ist eigentlich eine zweijährige Pflanze, die aber nur einjährig angebaut wird. Im ersten Jahr bildet sich neben einer Blattrosette auch die verdickte, ovale, runde bis bauchige Speicherrübe aus, die dann im Herbst geerntet werden kann. Es gibt Sorten mit grünlicher, gelber oder rötlicher Schale und dunkelgelbem bis weißem Fleisch. Die typischerweise blaugrünen, gelappten Blätter der Steckrübe haben kräftige Stiele und sind etwas gewellt. Steckrüben bilden erst im zweiten Jahr eine Blüte aus. Das heißt, bei einem einjährigen Anbau werden Sie nicht in den Genuss von blühenden Steckrüben kommen. Die Blütenstände können gut über 100 cm hoch werden und bilden zahlreiche zitronengelbe Blüten mit 4 Blütenblättern aus. Sie bieten Nektar und Pollen für Bienen und andere Insekten. Steckrüben sind strikte Fremdbestäuber und verkreuzen sich sehr leicht mit Raps, wenn dieser nicht weiter als 150 m entfernt steht. In länglichen Schoten wachsen anschließend die kugeligen, schwarzen, ölreichen Steckrübensamen heran.

Die besten Steckrüben-Sorten für den Garten

Bei der Sortenwahl der Steckrübe kommt es vor allem auf die Farbe der Schale und des Fleisches an. Die ist nämlich bei verschiedenen Sorten unterschiedlich. Generell eignen sich eher gelbfleischige Sorten für den Verzehr, denn sie schmecken feiner und haben festeres Fleisch. Außerdem stecken sie voller Beta-Carotin, daher die gelbe Farbe. Traditionell werden Steckrüben mit weißem Fleisch eher als Tierfutter angebaut, aber es gibt auch weißfleischige Sorten mit feinem Aroma. Tatsächlich zeichnet sich die Steckrübe durch eine hohe Sortenvielfalt aus. Allerdings gelten die meisten Steckrüben-Arten, die bis in die 1950er-Jahre in Deutschland angebaut wurden, als verschollen. Die meisten Steckrüben-Sorten, die es heute gibt, stammen aus West- und Nordeuropa.

Steckrüben-Sorten für den Anbau im Garten:

  • ‘Best of All’: Alte Sorte mit violetten Schultern und gelbem Fleisch, besonders gut lagerfähig, im Schnitt 500 – 1000 g schwer.
  • ‘Gelbe aus Friesland‘: Länglich-runde, gelbe Steckrübe mit hellgelbem Fleisch, sehr große Rüben, Gewicht bis 1,5 kg.
  • ‘Helenor’: Kugelig-runde Rüben mit violett-rotem Kopf und hellgelbem Fleisch.
  • ‘Marian’: Dunkelviolette Steckrüben-Sorte mit hellgelbem Fleisch und einheitlichen, runden Rüben.
  • ‘Tyne F1‘: Eine der ersten Hybrid-Sorten unter den Steckrüben, weißes Fleisch, gut lagerfähige Rüben mit violett-roter Schulter.
  • ‘Wilhelmsburger’: Alter Klassiker unter den Steckrüben-Sorten, grünköpfige und sehr große Rüben mit tiefgelbem Fleisch.
Runkelrüben
Die Farbe der Steckrübe hängt von der jeweiligen Sorte ab [Foto: Danler/ Shutterstock.com]

Steckrüben anbauen

Steckrüben sind ein dankbares Gemüse für den Anbau im eigenen Garten. Mit nur wenig Aufwand können Sie eine reiche Ernte einfahren. Trotzdem sollten Sie bei der Wahl des Standortes und bei der Aussaat umsichtig vorgehen, um Ihren Steckrüben die bestmöglichen Wachstumsbedingungen bieten zu können.

Der richtige Zeitpunkt

Steckrüben können Sie ab April bis Ende Juni direkt ins Freiland aussäen. Ein Vorziehen von Steckrüben ist zwar möglich, allerdings ergeben sich daraus kaum Vorteile. Die Pflanzung von Jungpflanzen nach der Voranzucht erfolgt zwischen Ende Mai und August direkt ins Beet.

Tipp: Steckrüben eignen sich wunderbar als Nachkultur nach Frühkartoffeln (Solanum tuberosum) oder Bohnen (Phaseolus).

kohlruebe
Steckrüben können ab Mai an einem sonnigen Standort ausgesät werden [Foto: Peter Turner Photography/ Shutterstock.com]

Steckrüben anbauen: Der perfekte Standort

Steckrüben lieben einen sonnigen bis halbschattigen Standort. Der optimale Boden für die Steckrübe sollte feucht und tiefgründig sein. Einen Gefallen tut man der Steckrübe außerdem mit einem humushaltigen und lehmigen Boden. Steckrüben sind Mittelzehrer, also weder Stark- noch Schwachzehrer, und benötigen daher einen nur mäßig nährstoffhaltigen Untergrund. Der optimale pH-Wert für die Steckrübe ist neutral bis leicht basisch und sollte mindestens 6,8 betragen.

Zusammenfassung: Standortansprüche der Steckrübe

  • Sonniger bis halbschattiger Standort
  • Feuchter, tiefgründiger Boden
  • Humushaltige und lehmige Erde
  • pH-Wert mindestens 6,8

Tipp: Legen Sie beim Anbau von Steckrüben am gleichen Standort immer eine Pause von mindestens 4 Jahren ein, auch zu anderen Kohlgewächsen. Damit beugen Sie dem Befall von Krankheiten wie der Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) und anderen Schädlingen vor.

Steckrüben pflanzen: Schritt-für-Schritt

Um das Beet für die Aussaat gut vorzubereiten, entfernen Sie alles Unkraut, Steine oder Wurzeln. Arbeiten Sie außerdem humushaltiges Material in den Boden ein. Dazu eignet sich Kompost, reifer Mist oder ein vorwiegend organischer Langzeitdünger wie unser Plantura Bio-Universaldünger. Für die Aussaat legen Sie eine Saatrille von 0,5 bis 1 cm Tiefe an. Dort hinein werden die Samenkörner im Abstand von 4 bis 5 cm abgelegt. Die dichte Saat zu Beginn verhindert einen lückigen Bestand, falls nicht alle Samen zuverlässig keimen sollten. Der Abstand zwischen den Reihen muss etwa 40 cm betragen. Bei einer Temperatur zwischen 15 und 18 °C keimen die Samen nach 7 bis 10 Tagen. Wenige Wochen nach dem Auflaufen können die Steckrüben-Jungpflanzen pikiert und auf 30 bis 40 cm Abstand vereinzelt werden. Alternativ setzt man vorgezogene oder gekaufte, junge Steckrüben-Pflanzen ins Beet. Hier empfiehlt sich ebenfalls ein Abstand von 40 cm innerhalb der und zwischen den Reihen.

Plantura Universaldünger
Unser Plantura Bio-Universaldünger versorgt die Steckrüben ideal mit den nötigen Nährstoffen

Zusammenfassung: Steckrüben anpflanzen

  • Beet vorbereiten und mit Kompost oder einem Langzeitdünger anreichern.
  • Saatrille mit 0,5 – 1 cm Tiefe anlegen.
  • Samenkorn-Ablage eng beieinander, später vereinzeln auf 30 – 40 cm Abstand.
  • Abstand zwischen den Reihen: Mindestens 40 cm.
  • Keimung bei 15 – 18 °C in 7 – 10 Tagen.
  • Alternativ Auspflanzen von Jungpflanzen auf 40 x 40 cm Abstand.

Tipp: Gute Pflanznachbarn für die Steckrübe sind Erbsen (Pisum sativum), Feldsalat (Valerianella locusta), Dill (Anethum graveolens), Sellerie (Apium graveolens) und Gurken (Cucumis sativus).

Steckrüben pflegen

Nach dem Anpflanzen sollten die Steckrüben regelmäßig gegossen werden. Sie mögen es am liebsten dauerhaft feucht, aber nicht staunass. Vor allem in den warmen Sommermonaten Juli und Augst sollte ausreichend und regelmäßig gegossen werden, wenn Sie Ihre Steckrüben schon früh ausgesät haben. Regnet es im Herbst mehr und es wird kühler, können Sie die Wassergaben reduzieren und ganz einstellen. Das Beet sollten Sie von Unkraut und Gräsern freihalten – Ihre Steckrüben werden es Ihnen danken. Regelmäßiges, lockeres Hacken regt außerdem die Mineralisierung an und lockert den Boden auf. Sind die Steckrüben größer, sollten sie leicht angehäufelt und die Köpfe der Rüben mit Erde bedeckt werden. So vermeiden Sie, dass die Köpfe grün werden, und die Rüben sind vor Frost besser geschützt.

Steckrüben haben einen mittleren Nährstoffbedarf. Das bedeutet, dass eine weitere Düngergabe für die Steckrüben nicht notwendig ist, wenn Sie den Boden schon beim Einpflanzen mit Kompost oder Langzeitdünger angereichert haben. Andernfalls empfiehlt sich eine organische Düngergabe etwa 2 Monate nach der Aussaat, wenn die Pflanzen beginnen, dicke Rüben zu bilden. Hierzu bietet sich unser Plantura Bio-Universaldünger mit vorwiegend organischer Langzeitwirkung an, der dank des hohen Gehalts an organischer Substanz das Bodenleben fördert und den Nährstoffbedarf Ihrer Steckrüben optimal abdeckt.

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Zusammenfassung: Steckrüben pflegen

  • In der Jungentwicklung regelmäßig gießen.
  • Ab und zu jäten und hacken.
  • Größere Rüben anhäufeln.
  • Nach einer Düngung bei der Pflanzung keine weitere Düngergabe mehr nötig.
  • Ansonsten nach etwa 2 Monaten düngen zur Rübenbildung.

Tipp: Kohlrüben können von einer Vielzahl an Krankheiten und Schädlingen heimgesucht werden. Darunter sind Pilzkrankheiten wie Mehltau, Kohlhernie, Kohlschwärze (Alternaria) und Viren, die zu Wuchsstörungen führen können. Als Schädling treten Kohlfliege (Delia), Kohlweißling (Pieris), die Mehlige Kohlblattlaus (Brevicoryne brassicae) und häufiger auch Erdflöhe (Psylliodes) auf.

Steckrüben ernten und lagern

Der Erntezeitpunkt Ihrer Steckrüben hängt natürlich vom Moment der Aussaat ab. Frühestens beginnt die Ernte von Steckrüben im September. Je länger die Steckrüben im Boden bleiben, desto größer werden sie. Bei späterer Ernte sind sie weniger zart, dafür allerdings besser lagerfähig. Die Rüben überstehen mäßigen Frost, besonders wenn sie angehäufelt wurden. Kurzzeitig können sie Temperaturen bis zu -8 °C überstehen. Bis Weihnachten sollten Sie dann aber alle Steckrüben aus dem Boden gezogen und eingelagert haben.

Geerntete Steckrüben
Die Erntezeit für Steckrüben beginnt ab September [Foto: Cat Act Art/ Shutterstock.com]

Für die Ernte ziehen man die Rüben an den Blättern aus der Erde oder nimmt eine Grabegabel zu Hilfe. Danach wird das Grün abgedreht. Früher wurden Steckrüben in einer Rübenmiete im Garten gelagert. Für eine Erdmiete hebt man eine mindestens 40 cm tiefe Grube aus und bedeckt den Boden mit 5 cm Sand. Das Gemüse wird dann in eine Plastiktonne oder -kiste hineingelegt, mit Laub und abschließend mit einem Holzbrett bedeckt. Alternativ können Sie Ihre Steckrüben im frostfreien, kühlen Keller in einer Kiste mit feuchtem Sand einlagern. Bis April sollten sich die Steckrüben so gut lagern lassen und Sie den ganzen Winter über mit Vitaminen und Nährstoffen versorgen.

Inhaltsstoffe und Verwendung

Steckrüben lassen sich in der Küche äußerst vielfältig verwenden. Ähnlich wie Kartoffeln können sie als Beilage oder mit anderem Gemüse zusammen serviert, zu Püree verarbeitet oder zu Pommes oder Puffern gebraten oder frittiert werden. Ein Klassiker ist natürlich der Steckrübeneintopf. Auch in einer herzhaften Wintersuppe machen sich Steckrüben gut. Frische, junge Steckrüben können sogar roh und in dünnen Scheiben geschnitten als Salat genossen werden. Steckrüben enthalten relativ große Mengen an Zucker, dafür aber ebenfalls Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Magnesium. Außerdem stecken darin die Vitamine B und C. Dank ihres hohen Wassergehalts ist die Steckrübe trotz des vielen Zuckers recht kalorienarm: 100 Gramm enthalten nur etwa 29 kcal.

Die Herbstrübe (Brassica rapa subsp. rapa subvar. esculenta) ist eine Verwandte der Steckrübe und besitzt dank ihrer gesunden Senföle ein würziges, leicht scharfes Aroma. Wir stellen das Herbstgemüse im Steckbrief vor und geben Tipps zu Anbau, Ernte und Verwendung.

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