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Brennnessel: 7 Gründe, warum man das Unkraut wuchern lassen sollte

Brennnesseln gelten oft als lästiges Unkraut – dabei können sie durchaus nützlich sein. Wir nennen sieben Möglichkeiten, um Brennnesseln sinnvoll zu nutzen.

Brennnesseln nah von oben
Die meisten halten Brennnesseln für lästiges Unkraut [Foto: waldenstroem/ Shutterstock.com]

Brennnesseln besitzen zu Unrecht einen schlechten Ruf, denn sie lassen sich auf vielfältige Art und Weise sowohl im Garten als auch in der Küche nutzen. Wir brechen eine Lanze für das wertvolle Kraut und stellen Ihnen im Folgenden sieben Möglichkeiten der Verwendung von Brennnesseln vor.

Brennnessel

Brennnesseln kommt fast weltweit vor und sind entweder einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen mit verholzenden Stängeln. In Deutschland findet man vor allem die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens). Bekannt und auch namensgebend sind die vielen tausend Brennhärchen auf Blättern und Stängel der Pflanzen. Bei Berührung brechen sie wie Glas und geben die Brennflüssigkeit frei, die unter anderem aus Ameisensäure besteht und Tier und Mensch schmerzhafte Quaddeln beschert. Die feinen Brennhaare sind übrigens immer nach oben ausgerichtet, man kann also den Stiel ziemlich gefahrlos von unten nach oben streichen. Die Wurzeln und oberirdischen Teile wurden jeweils auch zum Färben von Stoffen verwendet. Während die Blätter gräuliches Grün produzieren, erzielte man mithilfe von Alaun und der Wurzel ein tiefes Gelb.

1. Brennnesseln zum Mulchen und Kompostieren

Wie jeder Gärtner wohl bereits beobachten konnte, wachsen Brennnesseln auf guten Standorten enorm schnell und bilden so eine Menge Biomasse. Perfekt also, um sie als Mulchschicht auf den Beeten zu verteilen. Einerseits keimen Unkräuter so wesentlich langsamer oder gar nicht, weil ihnen das Licht fehlt. Andererseits zersetzen Bodenlebewesen mit der Zeit die Brennnesseln und liefern wiederum Ihren Pflanzen im Beet Nährstoffe. Mit einer Mulchschicht muss man auch weniger Gießen, da die bedeckte Erde an heißen Sommertagen längst nicht so viel Wasser verliert wie offen daliegende Böden. Im Kompost wirkt die Brennnessel als Starthilfe und beschleunigt so das Kompostieren noch zusätzlich. So entsteht mithilfe der wehrhaften Pflanze eine fruchtbare Humusschicht und gut gereifter Kompost im Nu. 

Hand mit Erde und Regenwürmern
Brennnesseln verbessern jeden Kompost [Foto: Alf Manciagli/ Shutterstock.com]

2. Brennnesseln als Zeigerpflanze

Brennnesseln agieren als sogenannte Zeiger- oder Indikatorpflanzen, denn sie wachsen nur auf Standorten mit besonderen Eigenschaften. Dort wo sie vorkommen, kann man erwarten, dass der Boden einen hohen Stickstoffgehalt aufweist. Zusätzlich weisen Brennnesselstauden oft auch auf einen feuchten und humusreichen Boden hin. Typischerweise eignen sich solche Standorte ideal für unsere Starkzehrenden Gemüsearten wie Tomaten (Solanum lycopersicum), Kürbis (Cucurbita) oder Kartoffeln (Solanum tuberosum). Die Brennnessel hilft also, besonders stickstoffreiche Stellen im Garten aufzuspüren.

3. Brennnesseln als Dünger verwenden

Wohl bekannt dürfte die Verwendung von Brennnesseln als Dünger sein, genauer gesagt als Jauche. Damit ist vergorenes Pflanzenmaterial gemeint, das nach und nach während der Gärung seine Nährstoffe an Wasser übergibt. Brennnesseljauche ist besonders reich an Stickstoff, Kalium und Mikronährstoffen wie Eisen, Magnesium und Kalzium und kann so regelmäßig als vollwertiger Dünger gegeben werden. Für die Jauche schneidet man am besten noch weiche Stiele und Blätter klein und gibt sie in einen luftdicht verschließbaren Eimer. Ist dieser bis zum Rand locker mit Brennnesseln gefüllt, gibt man Regenwasser hinzu bis das Material gut bedeckt ist und verschließt dann das Gefäß. Nun benötigt die Jauche etwa zwei bis drei Wochen an einem sonnigen, warmen Plätzchen, bis das Meiste der Pflanzenteile zersetzt wurde.

Brennnesseljauche in Eimer
Die Brennnesseljauche vergärt luftdicht verschlossen etwa zwei Wochen lang [Foto: waldenstroem/ Shutterstock.com]

Ist die Brühe fertig, kann man sie noch absieben. Hier bleiben grobe Stängelteile zurück, die nicht zersetzt werden konnten. In einem Verhältnis von 1:10 bis 1:20 mischt man die Brühe nun mit ordentlich Gießwasser und düngt damit seine Pflänzchen – am besten bei bewölktem Himmel oder kurz vor Regen. So verhindert man, dass sich wertvolle Nährstoffe einfach verflüchtigen. Das Mischverhältnis richtet sich nach dem Nährstoffbedarf der Pflanzen: Bei Starkzehrern gilt 1:10, bei allen anderen 1:20 oder noch geringere Mengen. Eine detailliertere Anleitung zur Herstellung von Brennnesselbrühe und Jauchen finden Sie hier in unserem Spezialartikel.

4. Brennnesseln als biologisches Spritzmittel

Brennnesseln können allerdings nicht nur als Dünger verwendet werden. In Form einer Brühe kann man den Auszug direkt gegen allerlei Pilzkrankheiten und Schädlinge verwenden, allen voran gegen Blattläuse. Hierbei lässt man die geschnittenen Brennnesseln lediglich ein bis zwei Tage im Wasser ziehen und filtert die Brühe anschließend beispielsweise durch einen Kaffeefilter. Nun sprüht man die Plagegeister mit der unverdünnten Brühe kräftig ein. Einerseits sollen die Tierchen von der Brühe abgeschreckt und andererseits die Pflanzenzellen dadurch gestärkt werden. Wenn Sie mehr über die natürliche Bekämpfung von Schädlingen erfahren möchten, besuchen Sie doch unseren Artikel zu den beliebtesten Hausmitteln.

5. Brennnesseln als Raupenfutter

Für rund 50 Arten von Schmetterlingen dienen die Brennnesseln als wichtige Futterquelle für ihre Raupen. Einige unserer schönsten Falter wie der Admiral, das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs, aber auch einige Nachtfalterarten wie die Nessel-Höckereulen bevorzugen Brennnesseln als Kinderstube. Daher ist es unheimlich wichtig, für diese teils gefährdeten Schmetterlingen die Brennnesseln im Garten stehen zu lassen, zumindest bis in den Sommer hinein. Einige dieser Arten ernähren sich sogar ausschließlich von dem wehrhaften Kraut – sind also sogenannte Monophagen. Umso wichtiger, ein paar Stellen Wildnis und „Unkraut“ im Garten zu erhalten und sich im Sommer an den bunt geflügelten Insekten zu erfreuen. Wie Sie auch den erwachsenen Faltern eine Freude machen können, erfahren Sie hier.

Raupen des Tagpfauenauges auf Brennnessel
Die Raupen des Tagpfauenauges sind auf Brennnesseln als Nahrung angewiesen [Foto: PRILL/ Shutterstock.com]

6. Brennnesseln als Heilpflanze

Die Brennnessel wird schon seit vielen Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. Sie hat sich besonders bei Wassereinlagerungen, rheumatischen Beschwerden und Harnwegsinfektionen als nützlich erwiesen. Oft erntet man die jungen Blätter und trocknet sie schonend an der Luft, um sie später als Tee aufzugießen. Aber auch das frische Kraut kann direkt aufgebrüht werden. Hierzu gibt man drei bis vier Teelöffel Brennnesselkraut in eine Tasse und gießt sie mit 250 Milliliter kochendem Wasser auf. Nach etwa zehn Minuten wird das Kraut abgeseiht. Diesen Tee kann man bedenkenlos dreimal am Tag zu sich nehmen.

7. Brennnesseln in der Küche

Viele misstrauen der Brennnessel, sobald es ums Essen geht. Denn die Vorstellung, im Mund und auf die Zunge gestochen zu werden, behagt wohl niemandem. Doch mit einem kleinen Trick befreit man die Blätter von den lästigen Brennhaaren. Nach sorgfältigem Waschen kann man ein paarmal mit einem Nudelholz über die Härchen rollen, spätestens dann ist es mit dem Brennen vorbei. So kann man auch einen frischen Brennnesselsalat ganz sorgenfrei genießen. Zum besonderen Schmankerl wird die Brennnessel, wenn man ihre Blätter wie Spinat zubereitet, also zerkocht. Aber auch in Smoothies und Suppen bringt die Brennnessel ihre gesunden Vitamine und Nährstoffe mit in die Küche. Zusätzlich kann man ab Juli die unreifen, oder ab Oktober die reifen dunkelbraunen Samen, die sogenannten Nüsschen, ernten. Getrocknet und geröstet entfalten sie ein nussiges Aroma und eignen sich so für Salatdressings, schmecken aber auch in Müslis und vielen anderen Gerichten. Die Samen der Brennnessel sind reich an Ölen und Nährstoffen und bereichern so bis in den Winter hinein unsere Ernährung.

Weitere vermeintliche Unkräuter und ihre Verwendung in der Küche finden Sie hier.

Brennnesseltee in Tasse
Ein Tee aus Brennnesselkraut wirkt gegen rheumatische Beschwerden [Foto: Madeleine Steinbach/ Shutterstock.com]
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