Die gesunde Avocado und ihre Schattenseiten

Die Avocado ist in aller Munde und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die als echtes Superfood deklarierte Frucht stößt dabei aber immer wieder auf Kritik.

grüne und schwarze Avocados

Die Avocado ist im wahrsten Sinne des Worts in aller Munde. [Foto: The LEAF Project]

 Avocados sind vor allem in der veganen Küche beliebt, denn die Avocado mit ihren gesunden Fetten ermöglicht es, die für Veganer problematischen Zutaten Butter und Eier zu ersetzen. Sie gilt daher auch als die Frucht der Gesundheitsbewussten, besonders aber auch beliebt bei Menschen, die sich erhoffen, im Einklang mit der Umwelt und sich selbst zu sein. Die Avocado gilt dank ihrer Inhaltsstoffe wie ungesättigter Fettsäuren, Kalium, vielen Vitaminen und wertvollen Mineralien als echtes Superfood. Dennoch wird die Frucht stark für ihren ökologischen Fußabdruck kritisiert. Wir von Plantura erläutern warum.

Wissenswertes über die Avocado

Bereits die Azteken kultivierten die Frucht in Südamerika. Sie nannten sie zuzeiten ahuacatl, wohingegen sie im englischen Raum später aufgrund ihrer warzigen Haut den Namen alligator pear, also „Alligatorbirne“ erhielt. In Deutschland wurde die Avocado anfangs auch „Butterfrucht“ genannt.

Pauschalerweise von DER Avocado zu sprechen, wäre nicht ganz richtig. Es gibt nämlich über 400 Sorten, wobei die größten von ihnen dabei mehr als 2 Kilo wiegen können. Aufgrund der hohen Nachfrage und der daraus resultierenden Massenproduktion, finden wir hierzulande allerdings vor allem zwei Sorten in den Supermarktregalen: Fuerte und Hass. Avocados reifen nicht am Baum, sondern beginnen dies erst nach ihrer Ernte. Um zu testen, ob eine Avocado reif ist, sollte sie in die Hand genommen werden. Wenn sie auf leichten Druck nachgibt, kann sie verzehrt werden. Generell sind einzelne, schwarze Stellen ein Zeichen dafür, dass die Frucht überreif ist. Die Farbe der Schale ist aber nicht unbedingt ein Zeichen ihrer Reife, denn die Sorte Hass bekommt mit zunehmender Reife eine schwarze Schale, Fuerte-Früchte hingegen bleiben grün.

Die bei uns gängigen Avocadosorten gelten als echte Superfoods

Die für uns bekanntesten Sorten sind Hass und Fuerte. [Foto: Scott McLeod]

Gesund, aber problematisch

Vor einigen Jahren noch als rares Luxusprodukt bekannt, ist die Avocado mittlerweile bundesweit das ganze Jahr über erhältlich. Im Winter kommt sie dabei beispielsweise aus Brasilien, Chile und Spanien, im Sommer hingegen aus Südafrika und Peru. Für viele ist sie deshalb so selbstverständlich geworden wie eine Kartoffel. Doch das kann für unsere Umwelt problematisch werden, denn die starke Nachfrage und steigende Preise machen es für die lokalen Bauern ausgesprochen attraktiv, Avocado anzubauen. Der Avocadoboom führt in Südamerika demzufolge zur illegalen Abholzung von Wäldern, um Platz für Felder zu schaffen. Der zunehmende Einsatz von Pestiziden und chemischen Pflanzenschutzmitteln verschmutzt dabei zusätzlich das eh schon wertvolle und rare Trinkwasser in diesen Ländern. Hinzu kommt außerdem, dass die Avocado selbst ohnehin einen enormen Wasserverbrauch hat. Während 1 Kilogramm Tomaten im globalen Durchschnitt etwa 180 Litern Wasser benötigen, braucht ein Kilogramm Avocados (ca. 2 ½ Avocados) bis zu 1.000 Liter. Auch die langen Transportwege verschlechtern ihre Ökobilanz. Zusätzlich machen Stöße dieser Frucht viel aus, weswegen sie nur gut gepolstert transportiert wird und das bedeutet wiederum mehr Verpackungsmaterial.

Am besten bewusst genießen

Die Avocado erfreute sich bereits hoher Beliebtheit, bevor die Welt das Wort „Superfood“ erfunden hat. Die Südamerikaner schätzen Avocados auf diverse Weise, in Japan wiederum wird sie beispielsweise in Sushi gerollt. In Indonesien ist Alpokat beliebt, ein Shake aus Avocados, braunem Rohzucker und Kakao und in Taiwan und auf den Philippinen wird aus Avocados, Milch und Zucker ein leckeres Dessert zubereitet. Ein Mancher löffelt sie auch einfach gerne mit Salz und einem Spritzer Zitrone oder belegt damit sein Brot. Wer also nach Inspirationen sucht, seine Avocado zuzubereiten, der wird mit einer kulinarischen und weltweiten Vielfalt überrollt werden. Dies ist auch völlig in Ordnung, solange man sich dessen bewusst wird, welchen Weg die Avocado zu uns zurücklegen muss. Sie in Maßen zu genießen und am besten die Bio-Qualität zu bevorzugen, kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. Am besten kauft man die Avocados außerdem nicht als „essreife“ Frucht, sondern noch ganz hart. Zu Hause kann man sie dann ganz einfach in Zeitungspapier nachreifen lassen. Diesen Vorgang kann man sogar ganz einfach beschleunigen, wenn man einen Apfel beilegt, der ein sogenanntes „Reifegas“ absondert. Somit bleibt die Avocado etwas Besonderes und wird nicht massenhaft verzehrt. Die Superfrucht also wieder als Luxus oder Delikatesse wahrzunehmen, hilft dabei unserer Umwelt ungemein.

Vielen lieben Dank an die Photographen The LEAF Project, Scott McLeod, Stacey Spensley, Forest and Kim Starr, Iwan Gabovitch, Andrew Hart und Quinn Dombrowski.

Lisa

Während ihrer Reisen durch Südamerika hat sich die studierte Politikwissenschaftlerin schon früh für regionale Ernährung interessiert. Besonders Sprachen, verschiedene Kulturen und die kulinarische Vielfalt dieser Welt begeistern sie. Ein großes Anliegen ihrerseits ist dabei die gesunde Verbindung zwischen Mensch und Natur, weswegen sie auch viel Wert auf ökologische Verantwortung legt. Dabei dürfen auch die selbst angebauten Kräuter auf dem Balkon in ihrer Küche niemals fehlen.