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EU-Saatgutverordnung: Alles zur umstrittenen Verordnung

In vielen Ländern der EU (bspw. in Deutschland) wurde die Verordnung zur Harmonisierung des Saatguts kritisch betrachtet und schließlich EU-weit abgelehnt.

Hybridsaatgut Senf konventionell Saatgut

Konventionelles Senfsaatgut [Foto: Jessica SpenglerCC BY 2.0]

Eigentlich ad acta gelegt und für gescheitert erklärt, ist die EU-Saatgutverordnung schon seit 2014 vom Tisch. Doch bleibt die Frage offen, ob neue Gesetzesänderungen in Richtung einheitlicher und strengerer Sortenvorschriften seitens der EU geplant sind. Da schon bei der ersten europäischen Saatgutverordnung sehr intransparent gearbeitet wurde, ist vielleicht eine EU-Saatgutverordnung 2.0 bereits in Arbeit.

Was war doch gleich die EU-Saatgutverordnung?

Neben den inhaltlichen Zielen sollte die neue Saatgutverordnung vor allem dafür sorgen, dass in jedem Land der EU nur noch die EU-Verordnung rechtsgültig ist. Nationale Gesetze wären also ungültig geworden und hätten den Vorgaben der EU weichen müssen. Im Kern hätte die neue Verordnung eine strengere Sortenerfassung bedeutet, was sich durch mehr Bürokratie und teurere Sortenzulassungen bemerkbar gemacht hätte.

Gerade alte Sorten, die keine wirtschaftliche Bedeutung mehr haben, wären so bedroht gewesen. Denn die verpflichtende Anmeldung dieser Sorten wäre schlichtweg zu teuer, weshalb die Gefahr bestand, dass viele Sorten einfach verschwinden würden und nur noch wenige, moderne Sorten kultiviert werden. Neben der Verarmung der Sortenvielfalt wurde auch befürchtet, dass große Züchtungsbetriebe wie Monsanto oder Bayer ihre Monopolstellung weiter ausbauen könnten. Denn kleine Züchterbetriebe hätten die neuen Hürden bei der Sortenzulassung wohl kaum finanzieren können. Zwar sollte es auch Ausnahmeregelungen für kleine Züchter und Hobbygärtner geben, doch diese waren teilweise mehr als schwammig formuliert.

Europäische Saatgutverordnung ist vorerst gescheitert

Nachdem der Vorschlag für eine neue EU-Saatgutverordnung im Mai 2013 veröffentlicht wurde, hagelte es Kritik. Neben vielen Umweltverbänden, Politikern und anderen Nichtregierungsorganisationen positionierten sich auch viele Landwirte gegen die neue EU-weite Verordnung. Die Kampagne gegen die EU-Saatgutverordnung trug schließlich Früchte. Im März 2014 wurde der Vorschlag der EU-Kommission vom Europäischen Parlament deutlich mit 650 zu 15 Stimmen abgelehnt. Die Verordnung ist also erstmal vom Tisch und somit bleibt die alte Gesetzeslage bestehen.

In Deutschland wird zum Beispiel das Inverkehrbringen von neuen Sorten durch die deutsche Saatgutverordnung und das Saatgutverkehrsgesetz geregelt. Sind diese Gesetze vielleicht auch überflüssig und sollten die Sortenzulassungen überhaupt kontrolliert werden? Wir denken, dass es durchaus richtig ist, neue Sorten zu prüfen. Denn neben Resistenzen, Ertrag und besserer Anpassung an Klimaextreme müssen neue Sorten auch sicher sein. Im Privatgarten kann es schnell mal passieren, dass sich unbemerkt ein Kulturkürbis und ein Zierkürbis kreuzen. Die neu entstandene Sorte kann dann unter Umständen wieder das potentiell tödliche Cucurbitacin produzieren. Bei einer kommerziell gezüchteten Sorte können Sie sicher sein, dass dieser Giftstoff nicht gebildet wird.

Hybridsaatgut Gemüse

Sie können entscheiden, welches Saatgut Sie im Garten aussäen [Foto: liz westCC BY 2.0]

Ob nun die alten Gesetze bestehen bleiben oder in der nächsten Zeit ein neuer Vorstoß seitens der EU-Kommission kommt, bleibt abzuwarten. Wir werden das Thema auf jeden Fall weiterhin gespannt verfolgen und Sie auf dem Laufenden halten.

Dominic

Ich studiere Gartenbauwissenschaften und gehöre natürlich den passionierten Hobbygärtnern an. Meine ersten Wassermelonen habe ich bereits im Alter von 7 Jahren geerntet. Momentan finde ich Themen in Bezug auf die Interaktion von Pflanzen mit anderen Lebewesen und der Umwelt besonders interessant.
Mein Lieblingsobst: Ganz klar Avocados
Mein Lieblingsgemüse: Eigentlich alles, außer Rosenkohl

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