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Fleischfressende Zimmerpflanzen: 6 Fliegenfresser für drinnen

Fleischfressende Pflanzen begeistern Jung und Alt. Wir haben für Sie sechs Karnivoren rausgesucht, die sich hervorragend als Zimmerpflanzen eignen.

Fleischfressende Pflanzen auf einem Fensterbrett
Fleischfressende Pflanzen verbreiten ein exotisches Flair [Foto: Studio Barcelona/ Shutterstock.com]

Sie sind die Bösewichte in Horrorfilmen und Gruselgeschichten: Fleischfressende Pflanzen üben seit jeher eine besondere Faszination auf die Menschen aus und waren lange die Vorlage für manche Legende. Heutzutage wissen wir natürlich, dass die ungewöhnlichen Pflanzen (außer für Fliegen) keinesfalls gefährlich sind. Stattdessen geben fleischfressende Pflanzen tolle Mitbewohner ab, die nicht nur interessant aussehen, sondern auch noch toll zu beobachten sind. Zusätzlich sind viele Karnivoren zudem noch äußerst nützlich, denn sie bekämpfen ganz natürlich lästige Insekten. Welche fleischfressenden Pflanzenarten sich für die Wohnung eignen und was man bei der Pflege der außergewöhnlichen Pflanzen beachten muss und ob man sie füttern sollte, verraten wir Ihnen hier.

Fleischfressende Zimmerpflanzen

Sie wurden auch von der Neugier gepackt und möchten sich eine ungewöhnliche Zimmerpflanze zulegen? Hier finden Sie unsere Top sechs der fleischfressenden Pflanzen, die sich auch für die Wohnung eignen.

6. Kannenpflanze

Sie sind ein Freund von außergewöhnlichen, hängenden Pflanzen? Dann ist die Kannenpflanze (Nepenthes) ideal für Sie: Der interessante Exot zeichnet sich namensgetreu durch hängende Kannen aus, die er als Werkzeug für die Insektenjagd einsetzt. An den Deckelblättern ihrer Kannen scheidet die Pflanze eine nektarähnliche Flüssigkeit aus, die ahnungslose Insekten anlockt. Diese rutschen beim Landen an den glatten Wänden der Pflanze ab und fallen in die Verdauungsflüssigkeit – eine perfekte Insektenfalle also. So faszinierend die Kannenpflanze auch ist, so anspruchsvoll ist sie auch in ihrer Pflege: Sie benötigt eine große Menge Licht, ohne direkt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt zu sein, und eine hohe Luftfeuchtigkeit von mindestens 60 %. Liebhaber halten die Pflanzen daher besonders gerne in Terrarien, um ihnen den optimalen Standort zu bieten. Mit etwas Mühe kann man die Pflanzen allerdings auch ohne Terrarium kultivieren – besonders in Blumenampeln verwandeln sich die Kannenpflanzen dann zu echten Hinguckern. Besonders wichtig für die Pflanzen ist außerdem eine regelmäßige Wassergabe. So sollte der Wurzelbereich niemals ganz trocken werden und auch in den Kannen sollte immer ein bis zwei Zentimeter Wasser stehen.

Kannenpflanze
Die Kannenpflanze ist in einer Ampel ein echter Hingucker [Foto: Usanee/ Shutterstock.com]

5. Sumpfkrug

Abgeschieden auf den Tafelbergen bleib der Sumpfkrug (Heliamphora) lange Zeit unentdeckt – erst vor etwa 200 Jahren beschrieben Forscher die Pflanzengattung erstmals. Heute gehört der Sumpfkrug zur Königsklasse bei der Haltung von fleischfressenden Pflanzen, denn er hat sehr gehobene Ansprüche. Besonders die Luftfeuchtigkeit von 70 bis 80 %, eine Temperatur von 20 bis 25 °C am Tag und 10 bis 15 °C in der Nacht sollten stets eingehalten werden, damit die Pflanze gedeihen kann. Zusätzlich braucht der Sumpfkrug viel Sonnenlicht, im Winter sollte deshalb im Zweifelsfall mit einem speziellen Pflanzenlicht nachgeholfen werden. Auch regelmäßiges Gießen gehört zur Pflege der fleischfressenden Pflanze, dabei sollten der Boden ständig feucht und die Krüge der Pflanze gefüllt sein – es darf sich aber keine Staunässe bilden. Im Gegenzug dafür erhält man eine der wahrscheinlich ältesten fleischfressenden Pflanzen, die neben ihrem aparten Aussehen auch mit ihrer tollen Fangtechnik punkten. Besonders Ameisen, aber auch fliegende Insekten wie Käfer oder Mücken, werden von der Färbung und dem Nektar der Krüge angezogen und rutschen an ihren glatten Kanten hinunter ins Innere, wo sie im Wasser ertrinken. Tatsächlich befinden sich in den Krügen nämlich keine Verdauungsenzyme wie in anderen fleischfressenden Pflanzen – die Tiere werden alleine durch die in der Flüssigkeit ansässige Bakterienfauna zersetzt, weshalb die Pflanze auch als präkarnivor gilt.

Sumpfkrug
Der schöne Sumpfkrug ist schwer zu kultivieren [Foto: Chun photographer/ Shutterstock.com]

4. Sonnentau

Fleischfressende Pflanzen müssen nicht immer aus exotischen Gegenden stammen – auch in Deutschland kann man die ungewöhnlichen Lebewesen antreffen. Tatsächlich kann man bei uns gleich drei Arten des Sonnentaus (Drosera) finden. Allerdings stehen alle unter Naturschutz, weshalb man sie auf keinen Fall ausgraben sollte. Stattdessen sollte man den Sonnentau im nächsten Fachhandel kaufen, um seinen faszinierenden Fangmechanismus zu beobachten: Bewegliche Tentakel stehen dabei eng auf den Blättern der Pflanze und geben ein süßes Locksekret ab. Landen Insekten auf diesen Blättern kleben sie an dem Sekret fest. Zusätzlich rollen sich die restlichen Tentakel über das Opfer, während die Pflanze anfängt, Verdauungsenzyme auszusondern. Fruchtfliegen stehen ganz oben auf der Speisekarte des Sonnentaus, weshalb er sich perfekt für die natürliche Ungezieferbekämpfung in der Küche eignet. Besonders für Anfänger ist der Sonnentau ideal: An einem warmen, hellen Standort und mit regelmäßigem Gießen gedeiht die Pflanze beinahe von alleine. Nur trockene Heizungsluft sollte bei dem Sonnentau vermieden werden.

Sonnentau
In Deutschland ist der Rundblättrige Sonnentau heimisch [Foto: Ryzhkov Sergey/ Shutterstock.com]

3. Schlauchpflanze

Wie aus einer anderen Welt – die Schlauchpflanze (Sarracenia) ist mit ihrem extravaganten Wuchs und ihrer außergewöhnlichen Farbgebung ein echter Hingucker. Die aufrecht wachsenden Fangkrüger der Pflanze sind oft grün bis rot gefärbt und fein geadert, weshalb sie eine fast unwirkliche und bizarre Optik besitzen. Von April bis Juni bildet die Pflanze zusätzlich noch hübsche, rot-grüne Blüten aus, die ihr extravagantes Äußeres noch betonen. Doch nicht nur als Blickfang ist die Schlauchpflanze geeignet: Mit ihrer Hilfe lassen sich spielend leicht Fliegen und andere Insekten bekämpfen. Diese werden von dem Nektarduft der Blätter angelockt, rutschen an dem glatten Schlund ab und fallen schließlich in die Verdauungsflüssigkeit der Pflanze. Bei der Pflege mag es die Pflanze gerne feucht und hell – Kälte macht ihr wenig aus. Tatsächlich ist die Schlauchpflanze bis -20 °C winterhart und kann ohne Probleme auch draußen in einem Moorbeet kultiviert werden.

Schlauchpflanze
Fast außerirdisch wirken die Fangblätter der Schlauchpflanze [Foto: Tohsapol pongsomjit/ Shutterstock.com]

2. Fettkraut

Ganz unschuldig sieht das Fettkraut (Pinguicula vulgaris) mit seiner großen violetten Blüte und den hellgrünen Blättern aus. Tatsächlich kann die Pflanze aber einigen Fliegen etwas zu Leide tun – sie ist nämlich eine raffinierte Insektenfängerin. Angezogen vom süßen Duft der Pflanze landen lästige Insekten wie Trauermücken und Fruchtfliegen auf den fettig-klebrigen Blättern der Pflanze und sind auf der Stelle gefangen. Dort werden die kleinen Tiere dann durch die Enzyme des Fettkrautes verdaut. Im Gegensatz zu den meisten fleischfressenden Pflanzen mag das Fettkraut nicht viel Wasser und sollte stattdessen wie eine normale Zimmerpflanze gegossen werden. Ansonsten braucht die Karnivore einen Platz im Halbschatten ohne direkte Sonneneinstrahlung. Dieser muss nicht unbedingt im Haus sein: Auch in einem Moorbeet fühlt sich der winterharte Fleischfresser wohl. Will man das Fettkraut gerne als Zimmerpflanze kultivieren, sollte man ihm im Winter bei maximal 10 °C eine kleine Pause gönnen.

Fettkraut
Das Fettkraut sieht richtig unschuldig aus – es gehört aber auch zu den fleischfressenden Pflanzen [Foto: D. Kucharski K. Kucharska/ Shutterstock.com]

1. Venusfliegenfalle

Sie ist wohl die bekannteste Vertreterin der fleischfressenden Pflanzen – die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) stand schon einigen Monstern Modell. Besonders ihre spektakuläre Fangmethode fasziniert Groß und Klein: Fangblätter mit spitzzulaufenden Borsten an den Rändern schlagen blitzschnell zu, wenn sich ein ahnungsloses Insekt auf ihnen niederlässt, und halten das Opfer gefangen. Angelockt werden die Insekten von der intensiv rot gefärbten Innenseite der Klappfalle, die zusätzlich noch süßen Nektar produziert. Berühren sie dann die feinen Kontakthärchen, schnappt die Falle innerhalb weniger Millisekunden zu und die Verdauung beginnt. Dieses Schauspiel verleitet viele dazu, mit der Hand nachzuhelfen und die Pflanze mit einem Holzstäbchen oder eine Pinzette zu reizen. Dieser Spaß ist allerdings mit Vorsicht zu genießen: Für gewöhnlich kann eine Falle nur sechs Mal zuschnappen, bevor sie abstirbt. Wer lange etwas von seiner Pflanze haben will, sollte deshalb von zu viel Füttern per Hand absehen. Ansonsten gilt die Venusfliegenfalle als relativ umgängliche fleischfressende Pflanze – Sonnenlicht und regelmäßiges Gießen der Venusfliegenfalle sind für ihre Pflege zwar ein Muss, ansonsten hat sie aber keine großen Anforderungen an ihren Besitzer. Im Sommer kann die Pflanze sogar problemlos nach draußen ziehen, den Winter sollte sie dagegen an einem kühlen, hellen Ort verbringen.

Venusfliegenfalle
Im Sommer darf die Venusfliegenfalle auch ruhig nach draußen [Foto: Robert Anaya Jr/ Shutterstock.com]

Die richtige Pflege von fleischfressenden Zimmerpflanzen

Fleischfressende Pflanzen sind unglaublich faszinierend und verbreiten exotisches Flair – leider sind sie dafür auch in der Pflege etwas aufwendiger. Besonders die richtigen Grundvoraussetzungen sind entscheidend: Trockene Heizungsluft ist den Karnivoren ein Graus, eine Luftfeuchtigkeit von 40 ­bis 50 % ist das absolute Minimum, einige Arten brauchen sogar noch deutlich höhere Werte von bis zu 80 bis 100%. Damit die Luftfeuchtigkeit den Bedürfnissen der Pflanze entspricht, kann man verschiedene Maßnahmen ergreifen: Eine mit Blähton gefüllte Wasserschale unter dem eigentlichen Pflanztopf erhöht die Verdunstung, spezielle Nebler können die Luftfeuchtigkeit ebenfalls verbessern. Liebhaber halten ihre fleischfressenden Exoten auch gerne in Terrarien, da man hier die Luftfeuchtigkeit genau einstellen kann. Doch auch im puncto Nährstoffbedarf unterscheiden sich die Karnivoren von den meisten anderen Pflanzen – denn da sie meist aus sehr kargen Gegenden kommen, ist dieser fast verschwindend gering. Tatsächlich muss man eher darauf achten, dass die Pflanzen nicht zu viele Nährstoffe bekommen. Azaleen- oder spezielle Karnivorenerde ist das perfekte Substrat für die fleischfressenden Pflanzen und auch das Gießwasser sollte möglichst kalkarm sein. Auf mineralischen Dünger sollte außerdem komplett verzichtet werden.

Fleischfressende Pflanzen füttern?

Eine häufig gestellte Frage bei der Haltung von fleischfressenden Pflanzen ist, ob diese auch regelmäßig gefüttert werden müssen. Die Antwort darauf ist ein klares Nein – im Regelfall kann man getrost auf das aktive Füttern seiner Zimmerpflanzen verzichten. Normalerweise leben genügend geeignete Insekten wie Fliegen und Mücken in der Wohnung und bilden so eine ausreichende Nährstoffquelle. Wer trotzdem einmal einen Insektenfang aktiv beobachten will, darf auch zur Pinzette greifen. Allerdings sollte man dabei nicht übertreiben: Zu große Futtertiere oder unnötiges Reizen der Fangblättern können der Pflanze auf Dauer nämlich schaden. Nicht nur fleischfressende Pflanzen eignen sich als besonderer Hingucker in der Wohnung. Welche exotischen Zimmerpflanzen noch mächtig Eindruck schinden, erfahren Sie hier.

Frederike

Ich bin Studentin der Agrarwissenschaften und ein richtiges Dorfkind. Zuhause habe ich einen kleinen Gemüsegarten, den ich hege und pflege, und verbringe die Zeit am liebsten draußen. Wenn ich nicht gerade im Freien bin, schreibe ich leidenschaftlich gerne. Meine Liebe gilt aber nicht nur Pflanzen und dem Schreiben, sondern auch ganz besonders der Tierwelt.

Lieblingsobst: Johannis- und Himbeeren.
Lieblingsgemüse: Schwarzwurzeln, Wirsing und Kartoffeln.

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