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Gärtnern für Groß & Klein: 10 Fragen an Ackerdemia

Gurkengießen im Unterricht und Tomatenernte zu Hause oder im Büro. Dank den Projekten von Ackerdemia ist das der Alltag von vielen Kindern und Erwachsenen.

Grüner Acker in der Schule mit Kindern
Schüler bauen zusammen mit der GemüseAckerdemie Gemüse auf dem schuleigenen Acker an [Foto: Ackerdemia e.V.]

Wo kommen Tomaten (Solanum lycopersicum) eigentlich her und sind Kartoffeln (Solanum tuberosum) wirklich alle gelb und oval? Viele Kinder (aber auch Erwachsene) haben den Bezug zu Lebensmitteln und der Natur verloren. Mit vielfältigen Programmen und Projekten setzt sich der gemeinnützige Verein Ackerdemia deshalb für mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel ein. Julia Krebs, die Mitgründerin von Ackerdemia, verrät im Plantura-Interview, wie Ackerdemia arbeitet, wie Ihr mitmachen könnt und eure ganze Familie zum Gärtnern motiviert.

Wenn du in drei Sätzen zusammenfassen müsstest, was Ackerdemia ist und macht, wie würdest du das formulieren?

Unser Ziel ist es eine Generation auszubilden, die weiß, was sie isst. Wir wollen mehr Wertschätzung für Natur und Lebensmittel ermöglichen und das erreichen wir mit unseren verschiedenen Projekten. Uns ist wichtig den Leuten zu zeigen, wie schön es ist, sich mit Lebensmitteln auseinander zu setzen.

Dabei geht es vor allem darum, Kindern das Wissen zu vermitteln, eigene Lebensmittel anzubauen oder?

Mit der GemüseAckerdemie, einem Bildungsprogramm für Schulen und Kitas, haben wir angefangen. Dabei bauen die Kinder mit uns Gemüse an und erleben so, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie viel Mühe es beispielsweise macht, bis eine Karotte wächst. Daneben haben wir aber mittlerweile auch Projekte wie die AckerPause, bei der wir Gemüsebeete ins Büro bringen und somit den Teamgeist und das Arbeitsklima fördern.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, Ackerdemia ins Leben zu rufen?

Die Idee hatte unser Gründer Christoph Schmitz. Er kommt von einem Hof im Rheinland. Seine Schwester ist Lehrerin und brachte öfter Schulklassen auf den Hof, die dort in einem Kartoffelseminar lernten, dass Pommes aus Kartoffeln gemacht werden. Doch wo die Kartoffel selbst genau herkommt und was alles dahintersteckt, das kann man an nur einem Tag auf dem Hof nicht erleben. Christoph hat sich dann gedacht, es müsse eine Möglichkeit geben, wie die Schüler die ganze Wachstumsperiode eines Gemüses kennenlernen können: Anstatt die Kinder zum Acker zu bringen, wollte er den Acker und den Gemüseanbau an die Schulen und zu den Kindern zu bringen. Auf seinem Hof testete er das zunächst mit seiner Schwester und einer Schulklasse. Die Kinder waren so begeistert und mit so viel Leidenschaft dabei, dass sie sogar samstags gekommen sind und Gemüse angebaut haben. Und so kam die Idee ins Rollen.

Kinder in Schubkarre mit Gemüse
Die Arbeit auf dem Acker macht den Kindern vor allem eines: Spaß [Foto: Ackerdemia e.V.]

Sind die Kinder dann gleich von Anfang an begeistert dabei?

Anfangs sind viele etwas skeptisch und wollen ihre Hände nicht dreckig machen. Doch dann entwickelt sich die Neugierde, und sie merken, wie viel Spaß es macht, auf dem Acker zu arbeiten. Die Kinder lieben es auch, neben dem meist theoretischen Schulstoff, einen Teil ihres Unterrichts draußen stattfinden zu lassen. Sie können sich bewegen und sich auch mal praktisch mit der Realität auseinandersetzen.

Ist Vorwissen bei den Kindern da? Oder gibt es das Phänomen der lila-Kuh wirklich?

Dass die Kinder denken, Kühe wären lila, ist mir bisher zum Glück noch nicht untergekommen. Wir können aber überall belegen, dass die Kinder wirklich viel dazulernen – das zeigt auch unser jährlicher Wirkungsbericht. Wir sehen ein enormes Wachstum an Wissen, was die verschiedenen Gemüsearten und den Anbau betrifft. Ich selbst bin in der Großstadt aufgewachsen und mir war immer wichtiger, das Programm für die Stadtkinder anzubieten, da sie, meiner Meinung nach, noch weniger Kontakt mit der Landwirtschaft und somit der Herkunft unserer Lebensmittel haben. Doch auch viele Kinder vom Land wissen nicht mehr, wo eigentlich das Gemüse herkommt. Es lässt sich also so pauschal nicht sagen, wie viel Vorwissen da ist.

An wie vielen Kitas und Schulen seid ihr bereits?

Wir sind jetzt bei 350 AckerSchulen und knapp 130 AckerKitas. Dazu kommen noch knapp 80 GemüseKlassen. Die GemüseKlasse ist ein Indoorprogramm, bei dem die Schüler 20 Wochen lang in von uns entwickelten Beeten Gemüse anbauen.

Acker der Schule mit Kindern
Es wird fleißig gearbeitet auf dem Acker einer der 350 AckerSchulen [Foto: Ackerdemia e.V.]

Was ist eure Vision bei Ackerdemia?

Ackerdemia ist Leidenschaft – und mit dieser arbeiten wir jeden Tag daran Kindern und Jugendlichen, aber auch Erwachsenen ganz besondere Erlebnisse rund um Lebensmittel zu ermöglichen! Wir möchten Menschen für das Thema Gemüseanbau begeistern und dadurch ihr Bewusstsein für Natur und Lebensmittel, sowie für gesunde Ernährung stärken. Etwas selber zu erleben, kann so viel mehr bewirken als tausend Worte und macht dazu noch richtig viel Spaß!

Der Gemüseanbau für Privatpersonen ist euer neuestes Projekt. Wie heißt das denn genau und was ist die Idee?

Das Projekt nennt sich Black Turtle – alte Sorten für junges Gemüse. ˈBlack Turtleˈ ist eine alte Gemüsesorte, eine schwarze Bohne, und wir haben das neue Projekt nach ihr benannt, da es um die fast vergessenen Sorten geht. Das Projekt wird durch das Umweltministerium gefördert. Für die Idee dahinter muss ich einen kleinen Rückblick geben: Oft kommen die Kinder mit viel Begeisterung vom Acker in der Schule oder der Kita nach Hause und erzählen dort den Eltern von ihren Erlebnissen. Denen fehlt jedoch teilweise das Verständnis dafür und das Wissen zur Umsetzung des Gemüseanbaus daheim. Der Gedanke, das Projekt der GemüseAckerdemie bis in die Familien zu bringen, fanden wir daher schon immer sehr interessant. Am Ende ist es unser Ziel, etwas zu bewirken bei den Menschen, die an unserem Programm teilnehmen.

Mädchen mit Gemüsekiste an Haustür
Die Kinder bringen die Ernte aus der Schule mit nach Hause [Foto: Ackerdemia e.V.]

Seit wann gibt es das Projekt Black Turtle?

Das Pilotprojekt von Black Turtle startete dieses Jahr mit 450 interessierten Haushalten aus dem gesamten Bundesgebiet. Im Laufe des Jahres haben wir allen Teilnehmer*innen zwei Saatgut-Sets mit alten Gemüsesorten zugeschickt. Die ganze Saison über begleiten wir sie mit wöchentlichen Informationen und Video-Tutorials zum Anbau, die ihnen zeigen, wie sie im eigenen Garten oder auf dem Balkon ganz unkompliziert und mit viel Spaß Gemüse anbauen können – aber nicht irgendein Gemüse, sondern alte Sorten. Diese Kombination zwischen der Vermittlung von praktischen Anbauwissen und Aufklärung zum Thema alter Sorten ist super spannend!

Was glaubst du, woran fehlt es den Familien, um eigenes Gemüse daheim anzubauen?

Das ist eine gute Frage. Nächste Woche haben wir eine Veranstaltung, zu der wir unsere Teilnehmer*innen eingeladen haben, um genau das herauszufinden – wir sind sehr gespannt. Bislang habe ich lediglich meine eigene Vermutung, was Gründe sein könnten. Nämlich die Frage, wie fängst du überhaupt an? Viele werden direkt zu Beginn von all den Möglichkeiten und Methoden erschlagen, sodass sie aufgeben, bevor sie überhaupt angefangen haben. Unser Ziel ist deshalb, es den Leuten so einfach wie möglich zu machen und ihnen zu zeigen, dass jeder das kann. Gemüseanbau soll Spaß machen, und selbst bei Misserfolgen sollen die Leute neugierig bleiben und sich oder uns fragen, warum etwas nicht geklappt hat.

Grüner Gemüsegarten mit Salat
Mit ein wenig Hilfe kann jeder seinen eigenen Gemüsegarten haben [Foto: manfredxy/Shutterstock.com]

Zum Schluss hätte ich noch eine direkte Frage für unsere Leser: Was würdest du empfehlen, wenn man seine Kinder zum Mitgärtnern motivieren möchte?

Ich würde mir ein möglichst einfaches Gemüse aussuchen, das den Kindern Freude bereitet. Eines, das man sich direkt von der Pflanze in den Mund stecken kann, wie Tomaten oder Möhren. Auch relativ schnell wachsen sollte es, damit die Kinder nicht zu ungeduldig werden und den Spaß am Gärtnern verlieren. Ansonsten würde ich vorschlagen, einfach mal loszulegen, denn man kann eigentlich nicht viel falsch machen. Kinder sind da total neugierig.

Wer mehr zu Ackerdemia und Black Turtle erfahren will, der findet hier alle Infos.

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